Beruf, Kinder, Karriere, Kinderwunsch in der Ehe - Wer stand vor ähnlicher Entscheidung?!

    • (1) 08.11.15 - 11:02
      KarrierestressOderFamilie

      Guten Tag!

      Ich möchte nach Erfahrungen fragen. Vielleicht war wer von euch schon mal in einer ähnlichen Situation. Und zwar geht es um die „Entscheidung“ rund um die berufliche Karriere. Steht auch irgendwie im Zusammenhang mit Partnerschaft, Familie. Zudem möchte ich lieber unerkannt bleiben und hier kann ich in schwarz schreiben. Seit Wochen bin ich hin und her gerissen und kann mich einfach nicht entscheiden.

      Ich habe zwei Kinder und könnte im kommenden Jahr einen Job annehmen, der extrem viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Vieles könnte ich von Zuhause aus erledigen, aber es wäre so viel, dass ich viele Nachtschichten einlegen müsste. Und das über Jahre. Finanziell bräuchten wir es nicht. Es geht lediglich darum, einen Traum zu erfüllen, von dem ich aber nicht weiß, ob er überhaupt noch ein Traum ist. Die Lebenssituation hat sich geändert in den letzten Jahren.

      Ich würde den Job gerne annehmen, aber habe Angst, dass mir alles zu viel wird und am Ende ein Burnout steht. Immerhin lebe auch ich nur einmal und meine Kinder sind jetzt klein (die Große ist gerade im Kindergarten und die Kleine ist nicht mal ein Jahr alt) und werden auch schnell groß. Ich habe Angst, dass ich eines Tages bereuen werde, so unter Stress gewesen zu sein. Außerdem haben mein Mann und ich noch Kinderwunsch und würden gerne noch ein drittes Kind bekommen. Auch hier ist es, egal wie ich es mache, falsch. Würde ich das Kind vorher planen, so wäre die Chefin sicherlich enttäuscht und ich mag Menschen nicht enttäuschen. Nehme ich den Job an und bekomme ein oder zwei Jahre später noch ein Kind, käme ich mir ebenfalls schäbig vor, dass ich es meiner Chefin nicht gesagt habe und sie sich getäuscht vorkäme. Verzichte ich auf das dritte Kind, weiß ich, dass ich das eines Tages bereuen werde. Auch mein Mann möchte gerne noch ein drittes Kind haben. Ein viertes wäre für ihn auch nicht ausgeschlossen. Aber das möchte ich eher nicht, zudem darf ich aus gesundheitlichen Gründen nur noch die nächsten 3 Jahre ein Kind bekommen. Also viel Zeit für das letzte Wunschkind haben wir auch nicht mehr.

      Andererseits werden die Kinder irgendwann mal groß und werden dann ausziehen. Dann hätte ich Zeit meinem Traumberuf nachzugehen. Diese Chance ist einmalig. Sie wird in 15 oder 20 Jahren nicht wieder kommen. Sie wird mir kein zweites Mal angeboten werden.

      Momentan arbeite ich stramm auf diesen Job hin. Aber ich merke, wie extrem viel Kraft und Energie und auch Zeit dies frisst. Jetzt schon.

      Ich bin im Zwiespalt. Soll ich diesen Job wirklich anstreben und dann annehmen oder soll ich lieber meinen alten Job behalten und mir weniger Stress antun? Der alte Job ist auch ok. Kein Traumjob wie der, der mir angeboten wurde. Aber auch ok und mit weniger Stress verbunden, denke ich.

      Mein Mann denkt, dass ich es bereuen könnte, wenn ich das Angebot nicht annehme. Er ist ein Macher, will Karriere machen und weiß, dass auch ich leisten kann und gerne glänze und es auch mein Ziel vor den Kindern war, Karriere zu machen, mir einen Namen zu machen. Ist eine Charaktereigenschaft von mir, die aber nicht unbedingt immer gut ist. Mein Mann sagt aber auch, dass ich es letztendlich ganz alleine entscheiden muss. Er würde mich unterstützen, egal wie ich mich entscheide.

      Das ist unheimlich lieb von ihm. Immerhin kommt kein Druck aus der Familie selbst. Wahrscheinlich kommt der Druck nur von mir alleine. Aber mein Mann muss es sich dann täglich anhören und das seit Wochen… Das tut mir unheimlich leid für ihn.

      Meine Mutter rät mir ab. Sie kennt mich auch und weiß, dass ich mich gerne übernehme. Sie ist mir ähnlich. Ich schaffe alles, was ich mir vornehme. Die Frage ist nur, zu welchem Preis. Nehme ich den Job an, schaffe ich ganz definitiv Kinder und auch Arbeit, Haushalt usw. Aber der Stress schießt dann ins Unermessliche für mich selbst als Individuum, Freizeit habe ich jetzt schon keine mehr. Meine Mutter war mal in einer sehr ähnlichen Situation. Außer, dass sie noch alleinerziehend war. Sie hat die Karriere abgelehnt und ist bis heute sehr froh darüber.

      Wer stand auch mal vor einer ähnlichen Entscheidung? Wie habt ihr euch entschieden? Bereut ihr es? Ich weiß, dass ich selbst entscheiden muss. Aber vielleicht bekomme ich hier noch Argumente für oder wider, die ich noch nicht bedacht habe.

      Herzliche Grüße und danke für das Lesen!

      • Huhu was genau bedeutet dein Mann würde dich “unterstützen“? Lg

        • (3) 08.11.15 - 11:18
          KarrierestressOderFamilie

          Momentan übernimmt er viel Kinderbetreuung. Steht sehr viel nachts auf, wenn die Kleine weint, damit ich meinen Schlaf bekomme. Hat momentan aber auch einen Krankenschein, sodass er nicht los muss. Doch auch er hat für den kommenden Sommer einen neuen Job angeboten bekommen mit Karrierechancen. Ich weiß nicht, ob es dann genauso wäre. Das müsste man abwarten. Beide Jobs würden etwa zeitgleich starten.

          Wenn ich mich für den alten Job entscheide oder kürzer trete für ein drittes Kind, sorgt er dann eben für das finanzielle Wohlergehen der Familie und wenn ich ebenfalls Karriere machen will, müssten wir uns arbeitstechnisch arrangieren, wozu er absolut bereit wäre. Er möchte, dass ich glücklich bin und will dann versuchen, alles zu ermöglichen, was er kann.

          Wie sich dann Theorie und Praxis vereinbaren lassen, weiß ich nicht genau. Ich könnte mir vorstellen, dass das doch gewisse Schwierigkeiten birgt... Mmh,

          So ist das auf jeden Fall gemeint.:-)

      Da kann dir niemand wirklich helfen. Wenn der Wunsch nach einem dritten Kind so groß ist, dann ist dein Weg und deine Entscheidung bereits vorgezeichnet.
      Das ist nicht schlimm, wenn es dich glücklich macht und das auch noch in 10, 15 oder 20 Jahren, ist alles gut.
      Ich für meinen Teil würde mich wohl eher gegen ein drittes Kind und für den Job entscheiden. Ich habe selber so einen Job, der einem nur einmal im Leben begegnet. Ich würde alles tun, um ihn zu behalten. Nicht, weil ich so karrieregeil bin, aber die Bezahlung ist Top, ich bin 80% meiner Zeit zuhause (dabei zeitlich nicht voll ausgelastet) etc.pp.

      Einziger Kompromiss, der mir für dich einfällt: Wie wäre es denn mit dauerhafter Unterstützung durch ein Aupair? Die Kinder, sowohl die bestehenden, als auch ein drittes in 1-2 Jahren wären versorgt und du könntest evtl. trotzdem den Job annehmen. Eventuell müsstest ihr umziehen, wenn der Platz nicht reicht, aber das wäre vermutlich der Weg, für den ich mich entscheiden würde.

      • (7) 08.11.15 - 13:57
        KarrierestressOderFamilie

        Danke für deine Antwort!

        Eine Freundin von mir sagt auch, dass ich zuerst die Kinderplanung abschließen, die Zeit als Mama genießen sollte und dann vielleicht noch mal versuchen sollte, Karriere zu machen, sofern ich dann überhaupt noch Interesse habe. Es eröffnet sich dann vielleicht nicht mehr diese Chance, aber dafür neue...

        Wenn ich daran denke, dass das noch Jahre so weiter gehen soll wie jetzt momentan, ist mir tatsächlich nicht wohl. Wie weiter oben jemand schrieb. Man kann nicht alles haben und ich muss mich einfach entscheiden, wo meine Priorität liegt. Das werden immer meine Kinder sein! Das Loslassen und das Enttäuschen meiner Chefin fallen mir nur so unglaublich schwer. Es gibt immer wieder Momente, wo ich mir sage, dass es besser gewesen wäre, hätte ich das Jobangebot niemals bekommen. Damit wären mir viele Bauchschmerzen erspart geblieben... Denn wir hatten bereits alles "perfekt" durchdacht. Damit waren wir zufrieden. Dann kam das besagte Angebot und alles wurde umgeworfen und seither bin ich im Zwiespalt...

        aber du hast recht. Momentan ist das einfach nicht passend. Ich bin noch jung (unter 30 Jahre). Es ergibt sich bestimmt in 10 oder 15 Jahren was anderes Tolles.

        Liebe Grüße

        • Das ist eine gute Einstellung, finde ich!
          Ich denke auch, wenn man sich für Kinder entscheidet, und Ihr habt noch kleine Kinder und es folgen ggfs. noch welche, dann mit allen Konsequenzen.
          Für die Kinder ist es sicher schöner, wenn Mama mehr Zeit hat und nicht komplett ausgelaugt ist.
          Und ja, Du bist noch sehr jung, wenn die Kinder größer sind werden sich neue Türen öffnen.

    Hallo,

    Dein Mann hat Recht - egal, was wir hier für Erfahrungen gemacht haben oder Dir raten, wir stecken nicht in Deiner Haut und können Dir die Entscheidung, wie Du ja schon weißt, nicht abnehmen.

    An Deiner STelle würde ich in mich gehen und für mich selbst überlegen, was ich will und was mir wichtig ist. Vielleicht sogar eine Pro und Kontra-Liste anlegen.

    Ich habe selbst noch mal studiert, als die Kinder 1,5 und 4,5 Jahre alt waren, weil ich in meinem erlernten Beruf nicht glücklich war. Mit Karriere hatte das allerdings weniger zu tun und ich glaube, dass sich das nicht mit Deiner Situation vergleichen lässt. Ich bin froh, es gemacht zu haben - habe das Studium in 3 Jahren mit Bachelor fertigbekommen mit sehr guten Noten und danach eine für mich prima Stelle bekommen, die mir sehr gefällt (auch mit Schichtdienst aber Teilzeit 80%). Klar mussten die Kinder ein paar Jahre Abstriche machen, dafür bin ich jetzt mehr zu Hause und damit sehr zufrieden.
    Für mich wäre es z.B. nicht in Frage gekommen, einen Job anzunehmen, bei dem ich 40+ Stunden arbeiten muss, denn mir ist die Familie wichtiger. Mein Mann stand vor ein paar Jahren vor der gleichen Entscheidung und hat sich gegen die Karriere (Generalslaufbahn) entschieden - er hat es nicht bereut und ist nach wie vor froh, seine Kinder täglich zu sehen und nicht alle 2 Jahre umziehen zu müssen....

    ...aber wie gesagt - wir sind wir und bei Dir kann das ganz anders aussehen.
    Wichtig ist nur, dass ihr als Familie das Ganze gut plant und besprecht mit allen Vor- und Nachteilen und dann daraus eine Entscheidung entsteht, die hoffentlich tragfähig ist. Was hilft der beste Job, wenn dabei die Familie draufgeht?

    Ich bin nicht sicher, ob es das war, was Du hören wolltest aber ich wünsche Dir, dass Du zu einer guten Entscheidung findest, die Du nicht später bereuen musst!

    LG

    a79

    • (10) 08.11.15 - 14:41
      KarrierestressOderFamilie

      Danke für deine Antwort!

      Es ist ziemlich genau das, was ich mir auch denke.

      Es ist schön zu hören, dass dein Mann seine Entscheidung nicht bereut. Und es ist toll, dass du das Studium absolvieren konntest. Ich denke, dass ich insgesamt locker über die 40 Stunden kommen könnte. Und das möchte ich eigentlich nicht. Es fällt mir vielleicht einfach schwer, so eine tolle Chance, wie ich sie mir immer gewünscht habe, verstreichen zu lassen. Und vor allem auch die Chefin zu enttäuschen, die davon ausgeht, dass ich es möchte, weil ich es vor einiger Zeit auch so kommuniziert habe.

      Ich mache vielleicht wirklich eine Pro- und Contra-Liste. Und das auch mal über ein paar Tage. Wenn ich sie im Kopf durchgehe, gibt es nicht so viel pro. Viel mehr spricht dafür, einfach mit dem glücklich zu sein, was ich habe. :-)

      Liebe Grüße

      • Hallo,

        Du solltest Dir auch gut überlegen, ob es nicht weniger dramatisch ist, die Chefin zu enttäuschen (sie ist schließlich "nur" Deine Chefin und nicht Deine Freundin...) statt Dich und Deine Familie...auf lange Sicht betrachtet. Den Job kann man wechseln, mehrfach im Leben, ohne dass es unbedingt weitere schlechte Konsequenzen hat - die Familie zu enttäuschen oder sie (oder schlimmer noch Dich selbst!) zu verlieren...da hättest Du Dein ganzes Leben dran zu tun...

        Auch wieder alles rein subjektiv betrachtet aber da wäre mir die Chefin echt am wenigsten wichtig...

        LG

        a79

Andere Frage: warum "noch mehr" Kinder? Du hast ja jetzt die tolle Situation beides haben zu können, Kinder, Familie, Beruf. Warum muss denn das Eine jetzt komplett hinter dem Anderen zurück stecken?

Du stehst ja nicht vor der Entscheidung "ob überhaupt" Kinder.

Wo ist der Grund, nicht mit 2 Kindern zufrieden zu sein und jetzt auch Karriere zu machen?

Wirst du es deinem Mann nucht irgendwann übel nehmen, dass er beides haben kann, viele Kinder (um die du dich kümmerst) und Karriere (die du dafür aufgeben musst)?

Mir gefiele diese Einseitigkeit nicht. Er kann beides haben, du verzichtest.

LG

  • (13) 08.11.15 - 14:50
    KarrierestressOderFamilie

    Danke für deine Antwort!

    Es ist eine gute Frage, warum ich unbedingt noch ein drittes Kind will. Es ist einfach das Gefühl, dass wir noch nicht komplett sind. Ich dachte darüber nach, ob zwei Kinder nicht reichen. Dieser Gedanke hat mich aber extrem traurig gemacht.

    Mein Mann möchte schon gerne, dass ich die Chance ergreife. Er hat Angst, dass ich es bereue, wenn ich ablehne. Aber er überlässt mir die Entscheidung. Auch sagte er, dass ihm zwei Kinder reichen, wenn ich mich gegen ein weiteres entscheide. Er ist wirklich ein toller Mann und er ist so einfühlsam und darauf bedacht, dass ich glücklich bin, dass ich ihm später nichts vorwerfen werde und kann, weil ich die Entscheidung treffen durfte.

    Denn tatsächlich geht es bei uns nicht darum, ob überhaupt Kinder kommen, sondern "nur" darum, wie groß die Familie letztendlich wird.

    Liebe Grüße

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(15) 08.11.15 - 17:13

Ich kann dich sehr gut verstehen! So eine Entscheidung ist wirklich nicht einfach. Auf der einen Seite der absolute Traumjob auf der anderen Seite die Traumfamilie :-D. Ein Leben scheint manchmal einfach zu kurz, um beide Träume zur gleichen Zeit zu leben.

An deiner Stelle würde ich mich für den Traumjob nur unter der Bedingung entscheiden, dass man vieles des "Haushaltsdrumherums" auslagert. Sprich: Eine Haushaltshilfe müsste mindestens 3mal die Woche aufschlagen und eine Tagesmutter müsste wahrscheinlich auch her. Du musst, genauso wie ein Mann, der Karriere macht, Raum haben für deinen Job. Du kannst nicht tagsüber Kinder bespaßen, Haushalt machen und dich dann erst um 20 Uhr an den Schreibtisch setzen. Damit rennst du zu 100% in ein Burnout. Du musst dir deinen Traumjob gewissermaßen "erkaufen" :-D. Du musst tagsüber deine festen Zeiten haben, wo du am Schreibtisch sitzen bleiben kannst.

Überleg dir also, wie müsste der Alltag aussehen, damit es nicht zum Burnout kommt? z.B. morgens mit den Kindern frühstücken, sie in den Kindergarten bringen. Dann kommt die Haushaltshilfe, macht die Hausarbeit und kocht zu mittag. Die TAgesmutter oder Aupair (oder Oma?) holt die Kinder ab und versorgt sie bis 15Uhr oder 16 Uhr und übernimmt auch Fahrdienste.

Ab z.B. 16 Uhr widmest du dich nur deinen Kindern, weil alles andere erledigt ist.

Ich glaube, dass das nur so funktionieren kann.

Trotz allem natürlich, eine schwierige Entscheidung! ...und wenn du unbedingt noch ein drittes Kind möchtest, dann sind die Würfel wohl sowieso schon gefallen. :-D

Liebe Grüße
Luka

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