neuer Partner mit Depressionen

    • (1) 01.12.15 - 22:10
      frischverliebte

      Guten Abend

      Eigentlich weiß ich selber, dass ich mir hätte wohl vor Beginn der Beziehung Rat suchen sollen, aber mir geht es nicht darum, ob es Sinn macht sich auf eine Beziehung einzulassen, sondern eher um Erfahrungen.

      Ich habe vor knapp 5 Monaten einen Mann kennengelernt, einen Monat später erzählte er mir, dass er Depressionen hat (Therapie wird angestrebt), er ist in Behandlung über den psychologischen Dienst des LRA, bis er einen Platz in einer Klinik bekommt.
      Anfangs war das ganze nur als sexuelle Geschichte gedacht, was mir 7 Monate nach meiner Trennung von meinem Mann auch ganz Recht war, aber mit der Zeit stellten sich eben doch Gefühle ein. Anfangs war das recht schwer für ihn, da er aufgrund seiner Erfahrungen und Krankheit nicht fähig war (oder sich fähig gefühlt hat?) sich darauf einzulassen. Trotzdem haben wir sehr viel Zeit miteinander verbracht, meine kinderfreien Wochenenden gehörten komplett uns.

      Seit ca 2 Monaten kennen meine Kinder ihn auch und er schlief auch mal hier, wenn sie daheim waren (sie verstehen sich, sonst hätten wir sofort auf die kinderfreien WE´s zurück gerudert). Für mich war es aber schon wichtig zu schauen, wie das mit den Kids funktioniert, weil ich den Sinn des ewig langen wartens nicht verstehe, wenn das dann nicht klappt. Meine Kinder haben ihn allerdings nicht als meinen neuen Partner kennengelernt, sondern es war von vornherein klar, dass es evtl was werden könnte, aber eben noch nicht ist.
      Seit ca einem Monat ist er recht viel hier und es läuft wirklich gut und ich habe mal angemerkt, dass das schon für nur Freunde bisschen viel ist, er verstand meine Bedenken, aber konnte sich nicht klar dazu äußern. Gestern meinte er dann, dass wir in einer Beziehung sind.

      Grundsätzlich also alles fein, ich liebe ihn und kann mit dem Problem, was wir zwischenmenschlich haben leben, bzw muss ich damit leben, denn erzwingen ist nicht.
      Problem - kein Sex mehr. Ich weiß, dass das zu der Krankheit dazugehören kann. Ich habe sehr gern Sex (im Anfangsstadium vermutlich auch normal) und das weiß er auch und auch das beschäftigt ihn, eben, dass er mir das, was ich gern habe, nicht geben kann, weil er zur Zeit kein Verlangen danach hat. Er betont immer, dass es nicht am mir liegt, was ich ihm auch glaube, sonst wären wir nicht zusammen.

      So, eigentlich keine Fragen oder so, einfach mal was niedergeschrieben.

      LG und einen schönen Abend euch allen

      • Hallo

        ganz ehrlich:
        du hast Kinder , bist frisch getrennt ( 7 Monate sind keine lange Zeit ) apropo Zeit, die hast du nicht verloren, stürzt dich gleich zwei Monate nach der Trennung in die nächste Beziehung.
        Ich halte das alles für überstürzt und nicht durchdacht.
        Hast du deine Trennung denn schon verarbeitet und bist selbst stabil genug dich auf eine Beziehung mit einem kranken Mann einzulassen?
        Unter ewig lange warten verstehe ich etwas anderes.
        Warum hast du es nicht bei den kinderfreien Wochenenden belassen und wartest ab wie du damit zurecht kommst? In deinem Interesse und dem deiner Kinder!
        Hast du dich informiert, was es bedeutet einen depressiven Partner zu haben?Dich mal nach einer Selbsthilfegruppe für Angehörige umgesehen?

        Ich kenne Frauen die mit Depressiven verheiratet sind oder waren.
        Es gab über Jahre trotz fortdauernder Behandlung keinen Sex.Wenn es das allein nur gewesen wäre.
        Es wird schwer, so eine für beide Seiten befriedigende Partnerschaft aufzubauen.
        Du hast einen Mangel, er fühlt sich damit nicht wohl.

        Das birgt jede Menge Konfliktpotenzial.

        L.G.

        Kann er sich vorstellen, sich da medikamentös unterstützen zu lassen? Also in Sachen Sex?

        (4) 02.12.15 - 00:02

        Hallo,
        lass es Bitte.

        Er ist ja willig, will sich helfen lassen, wartet auf einen Therapieplatz.......

        Aber so ein Mensch braucht mehr Zeit und Zuwendung als ein Kind.

        Jetzt ist es nur, kein Sex.

        Aber angenommen die Therapie schlägt nicht an, Medikamente werden genommen, ausgeschlichen, was neues probiert, abgesetzt. Der Winter mit der Dunkelheit kommt. Deine Kinder brauchen evtl. viel Aufmerksamkeit, weil es in der Schule nicht läuft, die Trennung ist noch frisch, die Scheidung nicht durch.

        Der Mann braucht Dich aber, mit Haut und Haar. Die Kinder stören, brauchen zuviel von Deiner Aufmerksamkeit. Sind evtl. zu laut, werden bemuttert etc. etc.

        Du schiebst in Deiner Verliebtheit alles auf die Depression, alle stecken zurück, nur der neue Mann wird geschont, weil er ja schon krank ist.

        Es sind, zum Glück, hoffe ich, nicht alle gleich.

        Aber 2 meiner Freundinnen haben den Absprung nicht rechtzeitig geschafft und sind jetzt noch in der "toten" Beziehung, weil sie Angst haben, das er sich was antut, wenn sie Schluss machen. Die inzwischen Erwachsenen Kinder halten so lala noch Kontakt.

        Überlege es Dir gut!!!

        Alles Gute

      • Hallo,

        ich kann nur aus der Sicht eines Kindes berichten, wie das langfristig mit einem depressiven Stiefvater sein kann. Sicherlich ist das nicht stellvertretend für alle depressiven Männer/Menschen, aber ich habe mittlerweile viele Leute mit Depressionen getroffen, bei denen das ähnlich war/ist.
        Mein Stiefvater war anfangs noch ganz "gut drauf", hat mit uns Kindern was unternommen, Medikamente genommen, später eine Therapie gemacht. Die Medikamente haben irgendwann nicht mehr angeschlagen, mussten immer wieder umgestellt werden mit nur kurzfristigem Erfolg. Mit der mehrten sich halbherzige Selbstmordversuche, monatelange Therapieaufenthalte, aus denen er sehr motiviert zurück kam, letztendlich aber nichts von den Verhaltensstrategien umgesetzt hat. Zunehmend lag er nur noch auf dem Sofa, kein Antrieb, keine Lust auf irgendwas, ständig schlecht drauf, gereizt, am Schimpfen, unzufrieden, ist in Selbstmitleid versunken. Hat sich null mehr für uns Kinder (ich als Stiefkind, 2 eigene) interessiert, alles zu anstregend, alles hat nur noch genervt. Meine Mutter hat sehr gelitten, konnte ihn aber nicht verlassen (hatte Angst um ihre Reputation als Ärztin, Christin usw.). Für uns Kinder war es wirklich die Hölle. Heute ist er 60+, gearbeitet hat er seit Jahrzehnten nicht mehr, mittlerweile hat er körperlich abgebaut, liegt nur noch im Bett, nimmt Medikamente, die "normale" Menschen umbringen würden. Starrt vor sich hin, hat nichts mehr vom Leben und wartet auf den Tod. Das war die Kurzfassung. Für meine Mutter ist es eine einzige Qual, der sie nur mit viel Arbeit zeitweise entflieht. Die Stimmung, die dieser Mensch schon seit Jahrzehnten in der Familie verbreitet, ist nicht auszuhalten - alles ist schlecht, unerträglich, düster. Grauselig. Nie, nie, nie im Leben würde ich mich, wenn ich die Wahl hätte, bewusst für einen Menschen mit Depressionen entscheiden. Ich werfe es meiner Mutter auch insgeheim vor, dass sie mit ihm zusammen geblieben ist, obwohl sie von Anfang an von seiner Krankheit wusste. Am Anfang hätte sie noch leicht einen Schlussstrich ziehen können und hätte mit einem stabilen Partner ein unendlich besseres Leben gehabt. Das, was sie hatte, war Quälerei von Anfang an - ein ständiger Kampf, Kraftanstrengung, um ihn zu motivieren, zu irgendwas Sinnvollem zu bewegen, ihm dabei helfen, irgendwas aus seinem Leben zu machen, Angst vor weiteren Suizidversuchen, vor seinen Drohungen, sich umzubringen etc. Sie hat unendlich viel gegeben, auf so vieles verzichtet, was in einer Beziehung selbstverständlich sein sollte, alles in der Familie hat sich so oft nur um ihn und sein Befinden gedreht und die Familienstimmung war meistens am Tiefpunkt. Bedrückend. Still. Laut durfte man nicht sein, lachen war lästig, alles nur schlecht...

        Auch wenn "Depression" nur ein Überbegriff ist und bei allen Menschen anders verläuft, würde ich dir doch dringend dazu raten, auf Abstand zu gehen - zumal du noch Kinder hast.

        (Übrigens finde ich, dass es schon sehr viel Konfliktpotential mit sich bringt, dass du gerne Sex magst und er nicht. Das alleine käme für mich schon nicht infrage - und ich bin niemand, der Sex als den wichtigsten Bestandteil einer funktionierenden Partnerschaft ansieht, aber Befriedigung in jeder Hinsicht gehört für mich unbedingt dazu.)

        Alles Liebe und die richtige Entscheidung wünscht
        oremi#blume

        • (6) 04.12.15 - 21:14

          Das is ja wirklich total traurig was du schreibst und erinnert mich an meine 1. Ehe #schmoll
          Ob krank hin oder her ich hab mich getrennt, konnte das was du beschreibst nicht mehr aushalten. Diese stille!!! Einfach schrecklich. War auf 46 kilo abgemagert und hätte nur noch heulen können.

          War auch gut so, habe wenig später einen tollen mann kennengelernt ), der bis heut an meiner seite ist.

          Also liebe te beine in die hand und weg!!! Habe auch gern sex, mein ex hat gemeint braucht er nicht und will er auch nicht und fertig!! 3 jahre ohne sex ich habe förmlich drum gebettelt, ich dacht beim machen kommt die lust aber so weit isses nie gekommen.
          Er hat sich richtig dagegen gewehrt.
          Hab ihn ja nicht angefallen oder so nur halt versucht ihn bissle zu reizen.

          Wenn du so leben willst Bitte #heul ich kann das nicht.

          Habe mich hässlich gefühlt oder dad ich ne niete bin im bett. Habe monate gebraucht um mich meinem neuen partner gegenüber zu öffnen.es hat
          Mich so dermassen kraft gekostet wieder an mich selbst zu glauben.
          Ich bin gewiss net hässlich, werde oft angesprochen usw. Aber in mir fühl ich mich manchmal hässlich weil 6!! Jahre mir jemand das gefühl gegeben hat.

          • (7) 04.12.15 - 23:25

            Hallo blacky,

            traurig war es auch. Wir Kinder hatten größtenteils eine sehr traurige und düstere Kindheit. Das würde ich für meine Kinder nie haben wollen. Und ich kenne mittlerweile (auch durch seine Klinikaufenthalte usw.) viele Menschen mit Depressionen. Meistens verläuft es ähnlich.

            Sei froh, dass du den Absprung geschafft und einen neuen Mann kennengelernt hast!
            Ich weiß, es ist schwierig, seinen depressiven Partner zu verlassen und man wird von Gewissensbissen gequält, aber so lässt man sich immer davon runter ziehen und macht sich meistens noch selbst kaputt.

            LG
            oremi

        (8) 06.12.15 - 16:33

        Ach so, vergessen: Mein Stiefvater hat mit schlimmer werdenden Depressionen übrigens auch massiv seine Körperhygiene vernachlässigt. Die längste Zeit ohne Dusche/Zähneputzen/Kleiderwechsel waren letztes Jahr an Weihnachten 3 (!!!) Wochen! Und die Leute mit Depressionen, die ich so kenne, haben fast durchgehend ein Problem damit, das "nicht hinzubekommen", sich "dazu nicht aufraffen" zu können. Hm. Das alleine schon wäre für mich ein No-go...

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