Macht der Kontakt überhaupt noch Sinn?

    • (1) 02.12.15 - 01:38
      Pst...

      Hi zusammen

      Ich habe mir lange überlegt hier zu schreiben....
      Keine Ahnung was ich mir davon erhoffe und verspreche. Vermutlich tut es mir ganz gut mal alles von der Seele zu schreiben.

      Entschuldigt bitte dass der Text lange und vllt. auch wirr geschrieben ist.

      Wo fange ich am besten an!?

      Ich bin das mittlere von drei Kindern. Meine Eltern konnten keine eigenen Kinder bekommen und haben aus diesem Grund drei Kinder adoptiert. Aufgewachsen bin ich, soweit ich mich zurück erinnern kann grundsätzlich gut. Ich schreibe bewusst grundsätzlich gut, da es einige Sache gab, dir mir heute falsch erscheinen.

      Positive Gefühle wurden nie gezeigt. Höchsten wenn ich etwas falsch machte oder mein Verhalten ihnen nicht gepasst hat. Wenn ich Hilfe in der Schule benötigte wurde der Stoff so lange in mich hinein getrichtert bis ich nur noch Bahnhof verstand und weinte.
      Einmal hatte ich so ein schlechtes Zeugnis dass ich mich noch nicht einmal mehr nach Hause traute und lieber abhaute und versuchte halbherzig die Pulsadern auf zu schneiden. Zu gross war die Angst den Eltern das Zeugnis zu zeigen.

      Als ich Autofahren lernte wollte mein Vater mit mir üben und ich würgte den Motor ab. Sein Gebrüll dabei werde ich vermutlich nie mehr vergessen. Noch heute sitze ich lieber als Beifahrer im Auto.

      In meiner Kindheit war es oft so dass meine Mutter am Mittag erst nach mir nach Hause kam. Somit wurde erwartet dass ich koche. Wenn sie dann am Abend wieder nach Hause kam, war sie sauer wenn die Küche vom Mittag noch nicht gemacht war.

      Obwohl ich an den Hausaufgaben sass und nicht etwas vor dem TV.

      In den Arm genommen wurden wir nie. Wir hörten auch nie dass sie uns lieb hatten. Wir hatten immer genug zu Essen etc. Aber Liebe wurde nie wirklich gezeigt.

      Ich war immer angepasst und habe brav gemacht was von mir erwartet wurde.

      Erst kurz vor meinem 18.Geburtstag lehnte ich mich das erste Mal gegen meine Eltern auf.

      Ich hatte mich damals von meinem Freund getrennt und kam dann aber wieder mit ihm zusammen. Meine Eltern waren damit nicht einverstanden und verboten ihm den Zutritt ins Haus.
      Nicht weil er in dem Sinne ein schlechter Umgang für mich war und klaute oder so, sondern weil sie Mühe damit hatten dass wir die Zeit die wir zusammen hatten lieber in meinem Zimmer verbrachten als mit ihnen. Ausserdem war er ihnen zu unfreundlich weil er ihnen gegenüber sehr zurückhaltend und ruhig war. Sie fanden sein Verhalten arrogant und sprachen daher das Hausverbot aus.
      Im Nachhinein muss ich dazu sagen mein Freund (inzwischen Ehemann) machte damals eine schwierige Zeit durch und war oft in sich gekehrt und verschlossen. Als er nicht mehr zu mir kommen durfte verbrachten wir die ganze Zeit bei ihm.

      Nach einiger Zeit merkten meine Eltern dass er mir ernst ist mit meiner Beziehung zu ihm und akzeptierten dann auch dass ich ein paar Monate später mit ihm zusammen zog.

      Bis heute ist die Beziehung zu meinem Mann sehr kühl aber soweit freundlich.
      Sie akzeptieren ihn, werfen ihm aber indirekt immer noch vor dass er Schuld ist dass ich nun 1h weit weg wohne von ihnen. Am Anfang hatte besonders meine Mutter sehr grosse Mühe dass ich zu seinen Eltern eine sehr gute und innige Beziehung habe.

      Nach mehreren Jahren war ich dann schwanger mit unserem ersten Wunschkind und er hielt bei ihnen um meine Hand an.
      Kommentar meines Vater: Das ist mir doch egal wer (mein Name) heiratet.
      Meine Mutter hat sich für uns gefreut und meinte später zu mir, sie merke wie gut mein Partner mir tue.

      Als die erste und später auch die zweite Schwangerschaft verkündet wurde kam von ihnen keine Reaktion. Die Nachricht wurde zur Kenntnis genommen.....

      Leider kam es in beiden Schwangerschaften zu Komplikationen. Ich musste mich Wochenlang schonen und durfte nur noch liegen. Auf ihre Hilfe und Unterstützung (besonders bei der Betreuung unseres Hundes, sie haben selber zwei) wartete ich vergebens. Auch als ich konkret nachfragte kamen zwar viele Versprechen eingehalten wurde jedoch nicht eines.

      Unser zweites Kind lernten sie erst 10 Tage nach der Geburt kennen, da sie es nicht schafften vor ihrem Tripp ins Ferienhaus beim Spital vorbei zu fahren.
      Wie immer war ihnen alles andere viel wichtiger.

      Inzwischen sind die Kids 2,5 Jahre und 6 Monate alt. Meine Eltern schafften es in den 2,5 Jahren genau einmal unser Kind zu hüten.

      Obwohl wir nur 1h entfernt voneinander wohnen sehen wir uns höchstens 10x im Jahr. Meine Eltern (beide knapp 60ig) haben ständig andere Pläne und keine Zeit. Und dies obwohl meine Mutter überhaupt nicht mehr arbeitet (Frühpensioniert) und mein Vater nur 60%, da er ihnen finanziell sehr gut geht.

      Am Wochenende trafen wir uns bei meiner Schwester. In den 1,5 Stunden schafften wir es gerade mal uns knapp Hallo und Tschüss zu sagen. Ansonsten wurden wir (mein Mann und ich ignoriert) und die Kids mussten still halten für Familienfotos.
      Dabei war und ist es ihnen jeweils egal dass das die Kinder gar nicht wollen.

      Sie interessieren sich überhaupt nicht für uns, unsere Kinder und unser Leben dass ich gar keine Lust mehr habe ihnen etwas zu erzählen oder etwas ab zu machen.
      Es wird nie nachgefragt wie es uns geht ich muss mir aber immer stundenlang anhören wie und was bei ihnen gerade läuft.

      Im Umgang mit unseren Kids sind sie sehr grob und es kam schon öfters zu unschönen Zwischenfällen. (vllt. erinnert sich jemand von euch noch an meinen früheren Beitrag in dem ich auf die Zwischenfälle einging). Einmal liess meine Mutter unser Kind als es noch ein Baby war voll auf den Kopf knallen. Und vor kurzen gab mein Vater unserem Sohn sein Kissen nicht zurück und hielt es so stark fest als mein Sohn daran zog dass er voll auf den Hinterkopf knallte.
      (Zwei von vielen Vorfällen....)

      Vor ein paar Wochen hatte ich Geburtstag. Es kam ein Paket mit einem Geschenk dass mir viel zu gross ist und auch sonst überhaupt nicht meinem Geschmack entspricht. Meine Eltern kennen mich überhaupt nicht. Sie haben keine Ahnung was mir gefällt. Ich habe mich riesig gefreut dass sie sich die Mühe gemacht haben mir etwas zu schicken und gleichzeitig tut esxwahnsinnig weh zu erkennen wie fremd wir uns eigentlich sind.....

      Ich habe schon so oft versucht mit ihnen zu sprechen, besonders auch was den groben Umgang mit den Enkelkindern betrifft. Aber es nützt nichts. Ich werde nicht ernst genommen und ignoriert.
      Es wird alles herunter gespielt obwohl mein Sohn da steht und weint weil sie ihm körperlich und psychisch weh machen....

      Inzwischen bin ich an einem Punkt angekommen an dem ich merke ich gehe kaputt.

      Ich bin schon völlig gestresst bevor wir uns sehen, während den Treffen kann ich meine Eltern keine Sekunde mit den Kindern alleine lassen und nach den Treffen bin ich einfach nur froh wenn es vorbei ist und die Kinder heile geblieben sind.

      Wenn sie uns sehen wollen dann ist es selbstverständlich dass wir Zeit haben müssen. Als ich damals als unser zweites Kind erst ein paar Tage alt war tagelanger Besuch von ihnen (inkl. ihrer zwei Hunden) ablehnte wurden sie sauer. Ein paar Wochen später tauchten sie dann einfach unangekündigt auf.

      Macht der Kontakt so überhaupt noch Sinn?

      Sorry dass der Text so lang geworden ist. Aber es ist gar nicht so leicht möglichst kurz und knapp zu schreiben.

      • "Ich bin schon völlig gestresst bevor wir uns sehen, während den Treffen kann ich meine Eltern keine Sekunde mit den Kindern alleine lassen und nach den Treffen bin ich einfach nur froh wenn es vorbei ist und die Kinder heile geblieben sind."

        An deiner Stelle würde ich mich zurückziehen und den Kontakt weitestgehend einstellen. Die Energie die du bei dem Ärger über deine Eltern "verschwendest" solltest du in deine kleine Familie investieren.

        Es tut mir leid, dass du so lieblos aufgewachsen bist aber du selbst hast ganz viel Liebe in dir, dass spürt man beim Lesen. Gib deinen Kindern die Zuneigung, die du dir immer gewünscht hast. Vielleicht macht auch eine Therapie Sinn, um dich von deinen Eltern zu lösen, denn du wirst sie nicht ändern und emotional auch nicht in einem Gespräch erreichen (davon gehe ich nach deinen Schilderungen aus).

        Alles Gute!

        wind.kind

        • (3) 02.12.15 - 11:02

          Hallo

          Vielen vielen Dank für deine Zeilen. Schön dass du dir die Zeit genommen hast meinen Beitrag zu lesen.
          Es tat gut deine Worte zu lesen.

          Aufgrund meiner Kindheit zweifle ich ganz oft an mir und habe immer das Gefühl ich bin schuld dass es soweit gekommen ist.
          Deine Worte haben mir Mut gemacht den Kontakt einfach so zu belassen wie er gerade ist und ab zu warten was weiter passiert.

          Die Idee bezüglich einer GT finde ich sehr gut. Ich habe mir dies schon länger überlegt.
          Muss ich mich hierfür an den Hausarzt wenden?

          Liebe Grüsse und alles Gute!

      Kurz aus dem Nähkästchen:
      Das klingt exakt wie meine Kindheit, auch dieser Vorfall mit dem Zeugnis und dem "Selbstmordversuch" hab ich 1:1 so erlebt. Ich war psychisch mit Ende 20 so fertig, dass ich mich in Therapie begeben musste, nach und nach gelernt habe, meine Kindheit zu verarbeiten und meine Eltern mit etwas anderen Augen zu sehen, in manchen Punkten sogar zu verstehen (beide sind mit massiver häuslicher Gewalt großgeworden, beide kannten selbst keinen liebevollen oder auch nur vernünftigen Umgang).

      Heute hat sich das Verhältnis deutlich gebessert, allerdings auch, weil meine Eltern sich gebessert haben, vielleicht sind sie altersweiser geworden, vielleicht waren sie selbst in Therapie, auch wenn sie es nie zugeben würden.

      Diese Therapie war -rückblickend betrachtet-das Beste, was mir passieren konnte, auch wenn ich daran nie geglaubt hätte. Denn selbst wenn ich mich distanziert und den Kontakt eingeschränkt hatte, die ewig kreisenden Gedanken & negativen Emotionen hatte ich doch permanent im Kopf, zur Ruhe kam ich selten. So konnte ich wenigstens halbwegs abschließen und ein halbwegs normales Verhältnis zu meinen Eltern aufbauen. Die mich trotz ihres schwierigen Verhaltens lieben und mich immerhin aufgezogen haben, inkl. Finanzierung meines Studiums.

      Vielleicht wäre das auch ein sinnvoller Schritt für Dich? All the best!

      • (5) 02.12.15 - 11:06

        Hallo

        Vielen Dank auch dir für deine Antwort.

        Es tut mir leid dass deine Kindheit so ähnlich ablief wie meine. :-(

        Darf ich fragen wie lange du in Therapie warst? Wie kamst du zu einem Therapeuten? Durch den Hausarzt?

        Wie ist die Beziehung heute zu deinen Eltern? Redet ihr über früher? Geben Sie Fehler von früher zu?

        Sorry ich weiss meine Fragen sind extrem persönlich. Wenn du nicht willst, musst du mir selbstverständlich nicht antworten.

        Liebe Grüsse und alles alles Gute!

        • Hei, kein Problem. 1,5 Jahre, wirklich verarbeitet aber erst nach ca 4, nein, ich möchte nicht mit ihnen darüber reden, wem würds auch nutzen, ich versuch einfach im Jetzt zu leben....

    Hallo,

    Ich glaube (ganz ehrlich), dass bis heute sehr sehr viel Glas zerbrochen wurde. Euer Verhältnis ist schon sehr angespannt. Es liest sich, als Warte jeder von euch nur auf einen Fehler des Anderen.

    Erst einmal würde ich für mich die Frage klären, ob ich überhaupt wieder mehr und besseren Kontakt mit Ihnen möchte. Denn so, wie es sich liest, machst du es Ihnen auch nicht gerade leicht. Du lauerst immer schon auf ihren nächsten Fehler (Self fullfilling Prophecies).

    Vermutlich wirst du sie nicht mehr groß ändern, also müsstest du an dir arbeiten. Ob sich das lohnt, kannst aber nur wissen.

    Alles Gute und Liebe Grüße

    • (8) 02.12.15 - 11:08

      Hi

      Auch dir herzlichen Dank für deine Antwort.

      Darf ich nachfragen was genau du damit meinst wenn du sagst: ich mache es ihnen auch nicht gerade leicht?

      Liebe Grüsse

(9) 02.12.15 - 09:06

Hallo!

Hört sich nach einer sehrl lieblosen Kindheit an. Sehr traurig. Ändern kannst du die Personen nicht. Aber du selbst. Du musst wissen ist es dir wichtig mit ihnen Kontakt zu haben oder besser einen Schlußstrich ziehen. Erwarten kann man von anderen nix. Ich würde ihnen auch kein Kind mehr anvertrauen. Ich hatte ihn meiner ersten Ehe auch eine schwierige Schwiegermutter. Solange ich tat was sie für gut hielt war ich Schatz. Hatte ich was dagegen war sie sauer. Ich versuchte es viele Male. Bis ich mich entschloß gar keinen Kontakt mehr zu haben. Das war das Beste was ich gemacht habe.

Ob der Kontakt noch Sinn macht kann dir hier niemand beantworten. Hör auf dich und dann wirst du die richtige Entscheidung treffen.

lg.g.

Hallo!

Die Frage die sich mir erstmal stellt ist die, wieso solch lieblose Menschen gleich drei Kinder adoptieren. Aber das ist ja nicht Deine Frage.

Beim Lesen empfinde ich Deine Eltern als sehr passiv aggressiv Deinen Kindern gegenüber. Dir gegenüber waren sie ja aktiv aggressiv, durch Schreien etc..

Nun, vielleicht erwägst Du wirklich eine Gesprächstherapie und entscheidest dann, was Du möchtest.
Denn Du hast eine offenbar sehr liebevolle eigene Familie gegründet, auf die Du stolz sein kannst und die als allererstes zählt. Die Befindlichkeiten Deiner Eltern müssen Dich gar nicht so sehr interessieren.
Das was Dich dabei immer noch verletzt kannst Du, wie schon erwähnt, in einer GT aufarbeiten.

Herzlich,
Dana #blume

Du solltest einfach deine Ansprüche an deine Eltern runterschrauben.
Ja es ist traurig - aber deine Eltern waren als Eltern nicht grade die Liebe-Verteilenden super-Eltern.... wieso sollten sie als Großeltern anders sein.
Sie fahren gerne weg und unternehmen was anstatt sich für irgendwas zu verpflichten.
Akzeptiere es einfach und dann wird es dir besser gehen.

Es gibt viele Großeltern die gehen im "Großeltern-Sein" total auf und helfen und machen und tun - aber es gibt auch die anderen. Die haben die Kinder groß bekommen und wollen jetzt ihr Leben genißen, keine Verpflichtung, nix.

  • (14) 02.12.15 - 11:16

    Hi

    Ja vllt. hast du recht und ich muss meine Erwartungen herunter schrauben.
    Gleichzeitig wird aber auch von mir ständig viel von ihnen erwartet....

    Aber ich habe Mühe damit wenn meinen Kindern verbal oder körperlich weh gemacht wird und wenn ich sie bitte dies zu unterlassen mein Wunsch einfach ignoriert und weiter gemacht wird.

    Liebe Grüsse

(15) 02.12.15 - 12:33

Hallo liebe TE,

kann dir leider nicht viel raten, sondern dir sagen du bist nicht allein, es schmerzt wenn die eigenen Eltern so fremd sind.
Meine Mutter wohnt auch nur 30 minuten von uns entfernt und ist in ganzen 6 Jahren 5 mal vorbeigekommen, meine Mutter ist Alkohol krank und hat ihr ganzes Leben und meine ganze Kindheit nur gesoffen, ihr waren Ihre Männer und sie immer am wichtigsten. Sie hat nur sich selber geliebt bis heute.
Das Letzte mal habe ich sie gesehen als Sie wieder mal um Geld bat, ihr aufgedunsenes Gesicht und dieser widerliche Körpergestank war unerträglich - und sie ist meine leibliche Mutter !!! Sie war/ist wie eine fremde Person für mich.
Ich für meinen Teil habe ihr verziehen und damit abgeschlossen. Das Einzige was ich ihr nicht verzeihen kann ist das meine Kinder keine Oma haben.
Meine Tochter leidet sehr darunter, warum Oma nicht kommt. Ich sage dann immer Oma ist krank.
Die Eltern meines Mannes wohnen auch 200 km entfernt und sehen sie auch viel zu selten.
Es ist wirklich sehr sehr schwer, ohne elterliche Hilfe die Kinder groß zu bekommen.
Wenig bis gar keine Paarzeit, Termine muss man sie immer überall mitschleppen, Keine Auszeit von den Kindern etc.
Was ich dir raten, Kontakt stark eingrenzen, auf Distanz halten, dich auf deine Kinder zu konzentrieren, die Fehler nicht bei unseren Kindern zu wiederholen und für das Dankbar sein, was wir haben, gesunde Kinder und einen Mann der uns liebt.
Notfalls begib dich in therapeutische Hände um das alles besser zu verarbeiten!!!

Liebe Grüße und fühl dich gedrückt du bist nicht alleine

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