Ehe auf der Kippe

    • (1) 03.12.15 - 19:27
      vordemaus

      Hallo!

      Ich bin 47 Jahre jung, mein Mann ist 45. Wir haben eine gemeinsame Tochter, 10 Jahre.
      Zusammen sind wir 12,5 Jahre, letzten Sommer hatten wir unseren 10. Hochzeitstag.

      Unsere Ehe hatte so einige Tiefen, mein Mann hat früher gern und viel gespielt (Automaten), ist aber seit ca. 2 Jahren spielfrei.
      Er war schon einmal verheiratet und die Ehe ging daran kaputt. Es war oft einfach kein Geld mehr da. Er hat seine Rechnungen und Miete nicht bezahlt und hatte eine unterbezahlten Hilfsjob.

      Das haben wir in unserer Beziehung alles gerade gebogen und er hat sich in den letzten Jahren beruflich gut entwickelt.
      Ich bin in 2006 krank geworden, hatte einen Tumor im Kopf, der im Juli 06 operativ entfernt wurde. Leider habe ich Folgeschäden erlitten und bin seit der OP chronisch krank.
      Ich habe seit der Geburt unserer Tochter in 2004 nicht mehr gearbeitet. Nach der OP dauerte es Jahre bis ich mich ansatzweise erholt habe und seit ca. 3-4 Jahren leide ich an Depressionen. Ich bekommen ein Antidepressivum, habe auch eine Therapie gemacht, aber geholfen hat es nur bedingt.

      Das hat zur Folge, dass ich ein erhöhtes Schlafbedürfnis habe.
      - dass ich sehr antriebslos bin
      - dass ich nur das Nötigste (im Haushalt, Einkaufen) auf die Reihe bekomme, manchmal bekomme ich es auch nicht auf die Reihe.

      Ich hatte vor 2 oder 3 Jahren eine Teilzeitstelle, aber das habe ich nur vom Mo.-Do. durchgehalten, noch nicht mal eine Woche. #heul

      Ich weiß wohl, dass das Zaubermittel Job, Freunde, rausgehen, Hobbies ist. Aber das bekomme ich nicht wirklich hin. Mir wird schnell alles zu viel.

      Nun ist bei meinem Mann das Limit erreicht. Er mag nicht mehr. Ich ziehe ihn runter, so dass er laut seiner Aussage irgendwann selbst Depressionen bekommt.
      Ich weiß, dass es in unserer Ehe 5 vor 12 ist, aber es fällt mir schwer, den Ansprüchen meines Mannes an eine "normale" Frau, die den Haushalt macht und zumindest halbtags arbeitet zu genügen.

      Hat jemand einen Tip für mich? Selbst mal Ähnliches erlebt? Ich weiß wirklich nicht weiter.

      • (2) 03.12.15 - 19:47

        Hallo,

        ich schreibe dir jetzt als eine, die selber einen depressiven Partner hat: es ist so schwer mitanzusehen, so schwer auszuhalten, so schwer es nicht persönlich zu nehmen und so schwer sich nicht anstecken zu lassen. Obwohl man weiß, dass der andere auch nichts dafür kann. Dein Partner kommt verständlicherweise an seine Grenzen, er ist auch nur ein Mensch. Ich bin froh, dass gerade bei uns eine gute Zeit ist, habe aber große Angst davor, wieder so etwas durchmachen zu müssen. AUCH (natürlich nicht nur) für Angehörige kann das echt die Hölle sein. Damit will ich dir kein schlechtes Gewissen machen, ganz und gar nicht!

        Was du allerdings Zaubermittel nennst sind ja keine Depressionskiller, es ist ja eher genau andersherum. Ist die Depression weg, schafft man es auch wieder arbeiten zu gehen oder was auch immer. Natürlich bist du antriebslos - das gehört zu dieser Erkrankung. Was gibt es für dich für Optionen? Du sagst, deine Therapie hat nichts gebracht - ich habe das bei anderen erlebt, dass sie mehrere Anläufe brauchten, bis sie den für sie richtigen Therapeuten gefunden haben. Vielleicht ist es eine Möglichkeit da nochmal einen Versuch zu starten? Mit medikamentöser Behandlung habe ich keine Erfahrungen, aber vielleicht kann da auch noch was anders eingestellt werden? Sprich mit dem entsprechenden Arzt über die Probleme, unbedingt!

        Außerdem kann ich aus meiner eigenen Erfahrung auch sagen, dass eine Paarberatung durchaus auch mal sinnvoll sein kann, um zu schauen, was der jeweils andere braucht und zu sehen, wie man zueinander steht. Vielleicht findet ihr auch spezielle Angebote für Depressionserkrankte und ihre Angehörigen und könnt euch unterstützen lassen.

        Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute!

      Hallo

      <<<Ich bin in 2006 krank geworden, hatte einen Tumor im Kopf, der im Juli 06 operativ entfernt wurde. Leider habe ich Folgeschäden erlitten und bin seit der OP chronisch krank.<<<
      Sind die Depressionen eine Folge der OP? Gibt es andere Folgeschäden, die diese begünstigen ?
      Bist du in ärztlicher Behandlung?Hast du Kontakt zu anderen, die diese OP überstanden haben?
      Was ist mit Reha-Kuren? Alles ausgeschöpft?
      Dein Mann hat / hatte selbst ein Suchtproblem, gut möglich, das dies jetzt von ihm nicht zu stemmen ist.
      Sprich doch noch mal mit deinen Ärzten und frage nach einer stationären Therapie.
      Vielleicht schöpft dann auch dein Mann wieder Hoffnung, wenn er sieht, dass du aktiv etwas an deinem Zustand ändern möchtest.

      L.G.

    • Bist du in Behandlung? Und hast du deine rechtliche Situation abgeklärt? Vielleicht steht dir Hilfe zu.

      lg thyme

      Also ich muss ehrlich sagen, ich verstehe deinen Mann. Liebe hin oder her, jeder Mensch hat auch Bedürfnisse an Struktur, Unterhaltung etc. und möchte ja schon, dass der Partner diese ähnlich sieht, lebt und mitträgt. Man muss nicht alles gut finden und alles mit dem Partnern teilen, aber es sollte trotzdem eine gemeinsame Basis geben und dazu gehören auch "Werte" und wenn es ein "Wert" deines Mannes ist, dass du als Frau halt gewisse Aufgaben im Haushalt, zumal du nicht berufstätig bist, erfüllst, dann kann ich das durchaus verstehen.
      Depressionen sind für jemanden, der nicht drin steckt, schwer zu verstehen und vor allem auf Dauer schwer nachzuvollziehen. Vielleicht ist er einfach an einem Punkt angekommen, wo er das nicht mehr erträgt?
      Er ist ja nicht gemein zu dir, sondern sagt dir ehrlich, wie er es empfindet. Partnerschaft geht in meinen Augen nur soweit, wie man selber dabei nicht vor die Hunde geht.

      Und im Grunde ist diese Ehe für dich auch nicht mehr so toll, denn du setzt dich ja auch irgendwie unter Druck. Du willst seine Ansprüche erfüllen etc.pp., bekommst es aber nicht hin, was auch immer jetzt die Gründe sein möchten.
      Dein Mann hat es schon sehr lange ausgehalten und versucht nun, sich zu retten, das finde ich legitim.

      Vielleicht ist eine Trennung auf Zeit erstmal das richtige für euch?
      Vielleicht gibt es dir die Tritt, den du brauchst, um wieder organisierter etc. zu werden, vielleicht wirst du das aber auch nie wieder, weil durch den Tumor / OP etc. Gehirnschäden entstanden sind?
      Wie war es denn vor dem Tumor? Warst du da ganz anders?

      Die Frage, ob du weiterhin in Behandlung bist, wurde ja schon gestellt. Gibt es organische Ursachen oder nur psychische?

      Und hier noch ein Tipp, um meinem Nick gerecht zu werden ;-) :
      Schonmal über die Anschaffung eines Hundes nachgedacht? Vielleicht erstmal nur ein Pflegehund vom örtlichen Tierschutzverein. Hunde "treten" dich in den Arsch. Sie wollen 3x am Tag raus, sie möchten Aufmerksamkeit, je nach Aktivitätslevel brauchen sie sogar Sport, man kommt raus an die frische Luft und lernt Menschen kennen.
      Hol dir keinen Husky, der 3 Stunden am Tag joggen muss, aber so 3x täglich 40min um den Block, schadet nicht. Ich mach das seit 20 Jahren, manchmal muss ich mich selber treten, aber es tut mir gut. :-)

    • (7) 04.12.15 - 19:06

      Vielen Dank für Eure Antworten!

      Was meinen Gesundheitszustand betrifft, ja, ich war vor der OP ein komplett anderer Mensch.
      Medikamtentös bin ich vom Endokrinologen gut überwacht und eingestellt.
      Die Depressionen kamen auch "erst" vor ein paar Jahren, nicht gleich nach der OP und auch nicht in den Jahren danach.

      Möglicherweise würde eine Trennung mir auch gut tun. Es ist auch nicht einfach, mit meinem Mann zu leben. Er ist ein sehr gefühlskalter Mensch, zeigt oder äußert nie seine Gefühle. Macht Witze über mich bei anderen, obwohl ich daneben stehe. Er selbst kommt immer an erster Stelle, sogar von unserer Tochter. Die Jahre, in denen er seiner Spielsucht nachgegangen ist, hing mir lange in den Knochen (vllt. auch bis heute noch).

      • Hey,

        aber wenn du so eingeschränkt durch deine Depression bist, hört sich das für mich nicht nach guter medikamentöser Einstellung an. Weiß dein Arzt darüber Bescheid?

        Was du allerdings jetzt über deinen Mann sagst, liest sich vollkommen anders für mich als dein Ausgangsposting. Eine Suchterkrankung macht ja natürlich auch etwas mit dem Angehörigen - das muss natürlich aufgearbeitet werden. Für dich und ggf. auch zusammen. Wenn mein Mann sich mir gegenüber auch noch so unmöglich verhalten würde, würde es mir sicher auch nicht gut gehen. Vielleicht solltest du auch erstmal ein bisschen in dich gehen, ob DU diese Ehe überhaupt noch willst.

        Trotz allem: such dir Hilfe. Dass du so beeinträchtigt in deinem Alltag bist, kann doch kein Dauerzustand sein!

        Liebe Grüße

        (9) 04.12.15 - 20:51

        Hallo,
        Ich schreibe aus der Sicht einer Partnerin mit einem depressiven Mann. Als wir zusammen kamen ging es ihm gut, die Depression kam schleichend, zum Glück war die Partnerschaft da schon gefestigt und ich hatte schon Erfahrungen mit depressiven und suchtkranken Menschen in meinem nahen Umfeld.
        Es ist nicht einfach mit einem depressiven Menschen zu leben, da man helfen möchte und merkt man kann nur für den anderen da sein, aber nicht wirklich was an dem Zustand ändern, das kann nur derjenige selbst. Als ich gemerkt habe mein Mann und ich sind an einem Punkt, an dem meine Energie und Kräfte zu neige gehen, haben wir offen geredet. Entweder er geht stationär und lässt sich von Fachleuten auf neue Medikamente einstellen und durch gesprachstherapie auf den einen guten Weg bringen oder ich muss mich aus Selbstschutz und zum Schutz meiner beiden Kinder von ihm trennen, obwohl ich ihn liebe.
        Er ist stationär gegangen für ca 3 Monate, hätte nach einem Jahr einen Rückfall, wieder stationär mit anschließender tagesklinik für 4 Wochen. Tabletten nimmt er mich und geht auch erst wöchentlich, jetzt 14 - tätig zur gesprachstherapie.

        Seit 2,5 jahren geht's ihm gut. Wir sind glücklich. Der Weg hat sich für uns gelohnt.
        Mein Partner sagt, er hätte es nicht geschafft, wenn er nicht gewusst hätte, dass ich immer zu ihm stehe.
        Wenn ich lese, dass dein Partner nicht liebevoll und respektvoll mit dir umgeht wundert es mich nicht, dass du aus dem Loch nicht raus kommst.
        Ich würde dir raten etwas für dich zu tun. Stationär zu gehen. Dich zu stabilisieren und zu erkennen, was du brauchst und ob dein Partner den Weg mit dir gehen kann, weil ihr beide es wollt oder ob es dir Mittel -und langfristig allein besser geht.
        Mein Partner ist stationär auch auf andere Medikamente eingestellt worden, die ihm viel besser helfen, aber erst würde es natürlich durch die Umstellung schlechter.
        Ich wünsche dir den Mut den ersten Schritt in eine bessere Zukunft für dich zu gehen. Ob ihr euch trennt oder nicht wurde ich erst nach einer gewissen Zeit Therapie entscheiden, in der Depression soll man ja möglichst sowas nicht tun.
        Hätte mein Partner sich gegen die stationäre Therapie entschieden wären wir sicher nicht mehr zusammen. Weil da habe ich gemerkt, es istvihm ernst an seinem Problem zu arbeiten, auch wenn es weh tut.

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