Heimlich verliebt

    • (1) 18.12.15 - 11:39
      fridabrause

      Hallo zusammen,

      ich muss mir was vom Herzen schreiben und hoffe, hier offene Ohren bzw. Augen ;-) zu finden.

      Ich bin eine Frau, mit meiner Frau seit ca. 5 Jahren verheiratet und wir haben einen gemeinsamen Sohn (er ist 3). Wir haben eine ziemlich anstrengende Zeit hinter uns, da meine Frau mit Depressionen zu kämpfen hat. Im letzten Jahr (also Ende 2014) ging es ihr so schlecht, dass sie sich zum Glück in eine Behandlung begeben hat. Sie kämpft sich langsam aus dem schwarzen Loch heraus, aber natürlich ist das ein langer, schwerer Weg. Im Rückblick wissen wir, dass sie schon zu Beginn unserer Beziehung ,und wahrscheinlich auch schon bevor wir uns kannten, mit depressiven Phasen und Panikattacken zu kämpfen hatte. Ich hab lange an ihrer Seite gestanden und für sie und gegen die Krankheit gekämpft.
      Im Sommer diesen Jahres hatte sie eine totale Hochphase und wir haben die Zeit sehr genossen. Leider ging diese gute Phase recht schnell wieder vorbei und für mich war der erneute Absturz kaum auszuhalten. Ich habe wahrscheinlich Hoffnung geschöpft, dass es bergauf geht und war dann umso enttäuschter als dem nicht so war. In dieser Zeit ihres erneuten Absturzes ist mit mir leider etwas passiert. Meine Gefühle für sie sind immer weiter abgekühlt und ich war mir nicht mehr sicher, ob ich die Beziehung noch so weiterführen kann und will. Es hat sich von meiner Seite immer mehr Distanz und Kühle aufgebaut. Ich glaube, dass ich mich zum Teil auch schützen wollte/musste, um die ganze belastende Situation auszuhalten.

      Ungefähr zur gleichen Zeit ist unser Sohn in den Kindergarten gekommen. Seine Bezugserzieherin ist eine wahnsinnig tolle Frau und ich habe mich in sie verliebt. Anfangs dachte ich, dass das nur ein vorübergehende Schwärmerei ist, da ich es ja in meiner Ehe auch nicht leicht habe gerade und sie so herzlich und zugewandt ist. Wenn ich ihr aus dem Weg gehen könnte, wäre es vielleicht auch dabei geblieben. Nun ist das ja leider nicht möglich. (Der Kindergarten ist toll, mein Sohn fühlt sich pudelwohl und ich will auf keinen Fall, dass er ihn verlassen muss, nur weil seine Mutter ihre Gefühle nicht im Griff hat.)

      Wir habe jetzt Dezember und es hat sich für mich leider nicht wirklich was geändert. Ich muss dauernd an die Erzieherin denken, die Distanz zu meiner Frau wächst...

      Ich bin echt überfordert und weiß nicht, was richtig ist.

      Vielleicht hat jemand von Euch eine Meinung dazu?

      Vielen Dank fürs Lesen auf jeden Fall schon mal. :-)

      • (2) 18.12.15 - 11:44

        verstehe ich das richtig, dass es dir gar nicht jetzt um die Erzieherin geht (weil dann wäre meine Frage, ob sie lesbisch ist und Signale sendet?)
        sondern darum, wie du mit der Situation in Bezug auf deine Frau und Familie sehen kannst, was du tun könntest, usw?

        • (3) 18.12.15 - 11:49

          Gute Frage, da bin ich auch nicht wirklich sicher. Es geht um beides.

          Die Erzieherin ist nicht lesbisch und das mit den Signalen ist ja immer so eine Sache... Sie ist wie gesagt sehr herzlich und zugewandt, ich bilde mir ein, dass sie das zu mir besonders ist. Aber das kann auch nur mein Wunsch sein.

          Und wie ich mit meiner Frau, meiner Familie umgehen soll, wüsste ich trotzdem gerne.

          • (4) 18.12.15 - 12:09

            ... ich würde die Situation erst mal als Hinweis für dich so verstehen: das Leben zeigt dir, was du suchst, was deine Wünsche sind: frei und unbelastet und unbeschwert zu lieben und zu leben.
            und gleichzeitig siehst du deine Verantwortung für die Familie
            und auch deine Verpflichtung gegenüber deiner Frau. was würde passieren, wenn du deinem Wunsch einfach nachgehst? Würde sie in ein noch tieferes Loch fallen, etc?

            ich vermute, dass du hier im Forum nicht die Antwort bekommen kannst. Ich könnte dich in jedem Fall nicht beraten. Ich sehe nur die Schwierigkeit - auch weil ich die Krankheit Depression bei Bekannten erlebt habe und von der absoluten Machtlosigkeit der Angehörigen weiß. Es muss wirklich als Krankheit verstanden werden und da hilft kein gut zureden oder ein "reiß dich zusammen" oder "es wird bestimmt wieder besser".

            ich würde versuchen, jemanden zu finden, der sehr gut Angehörige beraten kann. Weil es - ganz unabhängig von der Erzieherin - darum geht, wie frei und schön kannst du dein Leben leben, wie weit bekommt die Depression Platz in eurem Familienleben (oder soll bekommen) und wie weit willst und kannst du Verantwortung übernehmen.
            wenn du dann klare Antworten für dich gefunden hast, wirst du auch Entscheidungen treffen können.

            #herzlich

            • (5) 18.12.15 - 12:18

              Oh, vielen Dank für deine einfühlsame Antwort!

              Wenn ich das lese, trifft es meine Gefühlslage ziemlich gut.

              Ich habe mich schon mal an einen Verein für Angehörige psychisch Kranker gewendet. Leider konnte mir da nicht so weitergeholfen werden wie ich mir das erhofft habe. Aber vielleicht muss ich es einfach noch einmal oder eventuell in einer anderen Stadt versuchen.

              Klare Antworten für mich, das wär was :-) Leider ist das nix, was ich mir zu Weihnachten wünschen kann. ;-)
              Dass meine Frau ernsthaft krank ist, ist mir sehr bewusst. Ich stehe dem "schwarzen Hund" (wie Depression gerne mal bezeichnet wird) so wahnsinnig machtlos gegenüber. Er unterdrückt zeitweise jegliche Lebensfreude. Natürlich ist meine Frau diejenige, die darunter am meisten leidet. Trotzdem muss ich immer wieder seine ekligen Haare aufsammeln, die der blöde, ungebetene Gast hier verliert.

      (6) 18.12.15 - 11:56

      Also, ich finde es verständlich, dass Du Dich gefühlsmäßig von Deiner Frau etwas distanziert hast - eigentlich ist das, wie Du ja auch schreibst, ein gesundes Verhalten, damit Du nicht auch noch an der Depression kaputt gehst.

      Auch verständlich, dass man sich in so einer Situation eher für jemand Neues öffnet als zu einer Zeit, in der man mit dem Partner total glücklich ist.

      Ich bin mir nur nicht sicher, ob Du wirklich etwas ändern musst momentan.
      Erstens ist es durchaus erlaubt, auch in einer festen Partnerschaft mal für jemand anders zu schwärmen und zweitens ist es eher unwahrscheinlich (nehme ich jetzt einfach mal an), dass die Erzieherin Deine Gefühle erwidert. Falls doch, musst Du DANN eine Entscheidung treffen.
      Was ich auf jeden Fall machen würde: Das Gespräch mit Deiner Frau suchen. Du musst Ihr ja nicht auf die Nase binden, dass Du Dich in jemand anders verliebt hast. Aber dass Ihr an Eurer Beziehung arbeiten müsst (zusammen in einer Paartherapie und sie alleine an sich), damit sie eine Zukunft hat.

      Ich habe mich in meiner sehr glücklichen Ehe auch schon mal fremdverliebt. Ich verliebe mich generell schnell, bin aber andererseits eine sehr treue Seele, so dass ich mich zum Glück noch nie in Schwierigkeiten gebracht habe.
      Ich würde behaupten, das waren alles so Schwärmereien, die natürlich intensiver waren, je häufiger man denjenigen gesehen hat (manchmal ja auch nicht zu ändern, wenn es ein Kollege ist, z.B.). Aber irgendwann hat sich das alles immer erledigt. Entweder, weil man den Job gewechselt hat, oder aber der andere ist weggezogen o.ä. Ich weiß auch von keinem, ob er meine Schwärmerei erwidert oder überhaupt bemerkt hat.

      Schlecht musst Du Dich auf keinen Fall fühlen, Du hast ja nichts Falsches gemacht. Genieß doch einfach Dein Kopfkino und arbeite parallel an Deiner Ehe (was natürlich voraussetzt, dass Deine Frau da mitzieht).

      • (7) 18.12.15 - 12:08
        fridabrause

        Vielen, vielen Dank für Deine Antwort!

        Ich habe tatsächlich schon mit meiner Frau gesprochen. Wir kennen uns sehr gut und sie hat gemerkt, dass mit mir etwas anders ist als sonst. Und dann hat sie angefangen nachzubohren und da ich eine ganz schlechte Lügnerin bin, ist die Wahrheit recht schnell auf dem Tisch gewesen. Wir sind zum Glück beide nicht sehr eifersüchtig und so war mein Geständnis für sie zwar schon verletzend, aber sie geht erstaunlich gelassen damit um. Auch die Tatsache, dass ich der Erzieherin fast täglich begegne, nimmt sie unglaublich gelassen hin. Vielleicht weiß sie auch, dass es für mich sowieso keine Chance gibt. Ich fürchte so ist es auch. Vielleicht ist das aber auch gut so. So stehe ich nicht vor der Entscheidung.

        Dieses Gespräch mit meiner Frau liegt nun auch schon ungefähr zwei Monate zurück und anfangs hatte ich die Hoffnung, dass damit dem Ganzen vielleicht etwas der Druck genommen ist. Und wir tatsächlich an unserer Beziehung arbeiten können. Wir versuchen das. Die Gefühle für die Erzieherin verschwinden leider aber kein Stück und die Distanz zu meiner Frau auch nicht.

        Wenn Du sagst, dass Dir ein "Fremdverlieben" schon öfter passiert ist, macht mir das Hoffnung! Also vor allem, dass es wieder vorbeigegangen ist.

        • (8) 18.12.15 - 13:49

          Bei mir hat sicherlich geholfen, dass ich meine Ehe überhaupt nicht in Frage gestellt habe und mir auch sicher war, dass ich sie nicht gefährden möchte.

          Bei Euch kommt es ja ein bisschen drauf an, wie es sich weiterentwickelt und ob Deine Frau es schafft, einen Weg aus Ihrer Depression hinaus zu finden.

          Ich hab einfach immer mal zugelassen, dass ich an die Objekte meiner Schwärmereien gedacht habe, habe mir kleine Geschichten ausgemalt und fand das irgendwie aufregend. Eine langjährige Partnerschaft ist halt nicht mehr so neu, spannend und aufregend :-) Muss man kein schlechtes Gewissen haben, finde ich.

          Ich wünsche Dir und Deiner Frau alles Gute! Ich finde es gut, dass Ihr darüber sprecht, das ist schon mal ein Anfang und die Zeit wird zeigen, ob die Distanz größer wird (dann muss man vielleicht doch irgendwann über eine Trennung nachdenken) oder ob Ihr sie wieder überwindet.

          • (9) 18.12.15 - 22:21
            fridabrause

            Ja, das fatale an der Situation ist wohl die Kombination aus nicht gut laufender Ehe und Schwärmerei für eine andere. Ich habe mich auch vorher schonmal in andere verguckt, da war nur auch immer klar, dass ich meine Frau liebe. Im Moment sieht es leider anders aus.

            Vielen Dank nochmal für Deine Antworten!

    Rede mit deiner Frau. Finde heraus, ob dir etwas fehlt in eurer Beziehung oder ob du sie schlicht nicht mehr liebst

Top Diskussionen anzeigen