Psychogener Schwindel

    • (1) 01.02.16 - 16:33
      kenntdasjemand

      Hallo ihr Lieben,

      ich möchte meinen Kummer einfach mal von der Seele schreiben. Bis ich endlich kapiert habe, das ich ein Problem habe, hat es sehr lange gedauert, ich wollte mir es einfach nicht eingestehen, da ich oft alles perfekt haben möchte, alles unter einen Hut bringen möchte.
      Ich bin 35 Jahre alt, Mama von drei Kindern im Alter von 15, 12 und 9 Jahren und verheiratet mit dem Vater der Kinder.
      Wir haben immer um alles kämpfen müssen, keinerlei Unterstützung von den Eltern gehabt, meine Mutter läd ihren Frust und Sorgen seit Jahren bei mir ab, ich war immer zu lieb, zu gut um zu erkennen, das viele Leute das ausnutzen. Habe immer gerne gegeben und mir lange die Sorgen der anderen angehört.
      Dann kamen leider starke Beziehungsprobleme dazu, mein Mann hatte ein kurzes Verhältnis oder Flirterei mit einer Frau, er streitet bis heute ab das da was lief. Wir haben versucht die Ehe zu retten, doch seit einigen Monaten ist mir arg schwindelig und ich bin furchtbar erschöpft.

      Arbeiten würde ich gerne wieder ein paar Stunden ich bin seit der Geburt des 2. Kindes zu Hause, und raus aus meinem Beruf (Bürokauffrau). Doch dieser Schwindel schränkt mich sehr ein, auch diese Erschöpftheit, oft kann ich niemandem mehr zuhören, mag nur meine Ruhe haben. Es ist ein Teufelskreis, mit meinem Mann sind Unternehmungen rar geworden, ich bin oft gereizt.

      War auch schon beim Arzt , doch organisch ist alles ok, also ist das psychisch :-(

      Wie bekomme ich das wieder weg? Auch habe ich das Gefühl, als wäre mein Kopf in Watte gepackt, darußen kommt mir alles so fremd vor, als hätte ich mich selbst von mir entfernt, ach alles ganz komisch zu erklären.
      Unsere Ehe leidet , mein Mann kann mich nicht verstehen und wir streiten sehr oft.
      Wie komme ich da wieder raus?

      LG

      • Hallo. Ja diese symptome waren meine ständigen Begleiter und sind es immernoch wenn ich einen schlechten Tag habe. Ich habe eine Angststörung. Der Schwindel war bei mir mal so stark, days ich die Orientierung komplett verlor und schliesslich nicht mehr aus dem Haus konnte. Der schwindel kann sich phobischer Schwankschwindel nennen oder eben psychogener Schwindel bei Depressionen, Burnouts oder wenn man in seinem Leben nicht mehr weiss wohin es gehen soll. Das Wattegefühl oder Entfemdungsgefühl nennt sich"Depersonnalisierung". Oft als Begleitsymptom bei Angststörung und Depressionen anzutreffen. Schau mal in wikipedia oder google.

        Diese Symptome kann man mit Verhaltenstherapien, Entspannungstechniken, Gegengedanken wegbringen bzw. vermindern. Um professionnelle Hilfe kommst du jedoch nicht rum. Du kannst moch gerne über pn anschreiben, wenn du möchtest. Maya

        (6) 03.02.16 - 10:22

        Hallo,

        da mir das ein Anliegen ist, dir da herauszuhelfen, weil ich weiß, wie schrecklich das ist, schreib ich dir noch mal, was mir dazu einfällt:

        Lass zunächst noch einmal wirklich abklären, ob der Schwindel tatsächlich "nur" psychisch bedingt ist, HNO, Endokrinologe und Orthopäde (Halswirbelsäule) wären hier Anlaufstellen. Wenn du in einer großen Stadt wohnst, kannst du auch schauen, ob ihr eine Schwindelambulanz habt. Da kannst du alles interdisziplinär abklären lassen.

        Ich kenn aber das Gefühl Schwindel plus Wattegefühl (Gott, wie oft stand ich an der Kasse im Supermarkt und dachte: "Das ist alles nur ein fieser Traum, ich bin gar nicht richtig wach" und hatte Panik, gleich umzukippen) im Kopf nur zu gut und auch wenn ich das lange nicht glauben konnte: Hauptursache war die Psyche. Für mich immer wieder faszinierend zu beobachten war, dass nach 2 Glas Sekt der Schwindel und die Benommenheit weg waren. Das hat mich stutzig gemacht: Kein körperlich bedingter Schwindel lässt sich wegsaufen. Und ich bin schnell auf den Trichter gekommen, dass Alkohol dauerhaft wohl keine besonders gute Problemlösungsstrategie ist und hab dann andere Lösungen gesucht:

        Ich war durch meine ganze "Lebensunsicherheit" total verspannt, mein Nacken und meine Schultern waren betonhart und ich bin fast 1 Jahr lang 2mal die Woche zur Massage gegangen und habe Sport gemacht, bis das besser wurde. Meinem Empfinden nach haben die verhärteten Muskeln irgendwo draufgedrückt und so den Schwindel noch weiter verstärkt. Der Sport hat mich parallel dazu selbstbewusster gemacht bzw. mir die Angst genommen: Ich kann nicht schwer krank sein, wenn ich mich körperlich belasten kann.

        Blieb also die Frage zu klären, warum ich ständig angespannt durch die Weltgeschichte laufe, gar nicht mehr richtig atme etc.. Ich habe eine Verhaltenstherapie gemacht, die mich sehr gestärkt hat. Ausgehend von einer Analyse, wo ich gerade im Leben stehe und wo der Schuh drückt, habe ich gemeinsam mit dem Psychologen einen Schlachtplan entwickelt, wie ich mein Leben wieder aktiver gestalten kann. Ich hatte nämlich ingesamt sehr das Gefühl, in einem Hamsterrad zu laufen, fremdbestimmt zu sein und gar keine Kontrolle mehr über irgendetwas zu haben. Parallel dazu habe ich mich viel mit Menschen ausgetauscht, die mir geholfen haben, mein Verhalten zu spiegeln.

        Dann habe ich einen so genannten MBSR-Kurs besucht, das ist ein 8wöchiges Programm, bei dem Stressreduktion im Mittelpunkt steht. Man meditiert hier viel und ich, als nicht besonders esoterischer Mensch, hatte zunächst so meine Bedenken, ob das was für mich ist. Aber der Kurs war absolut goldrichtig. Man lernt so viel über sich und es tut so gut, einmal am Tag auf die Stop-Taste zu drücken und seine Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen.

        Ich drück dir die Daumen, dass du für dich einen Weg findest. Versuch Schwindel und Watte im Kopf als Freunde zu betrachten, die dir deutlich machen, dass dein Leben so, wie es momentan verläuft, nicht gut für dich ist und das du etwas ändern musst. Und du kannst das!! Du kannst Dinge ändern, auch wenn du dich gerade elend und schlapp fühlst. Ich hab auch oft beim Psychodoc gesessen und gefragt: "Wie soll ich das denn schaffen? Mir ist immer so schwindelig, ich will einfach nur auf dem Sofa liegen. Ich pack das alles nicht."

        Und dann hab ich mich an Momos Straßenfeger Beppo erinnert. Ich weiß nicht, ob du das Buch von Michael Ende kennst. Ich hab dir den Auszug mal rüberkopiert:

        " Der alte Straßenkehrer Beppo verrät seiner Freundin Momo sein Geheimnis. Das ist so:

        „Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt.

        Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du?

        Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.

        Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.“

        Also, Kopf hoch, und vergiss das Atmen nicht. #liebdrueck
        (Bei akuten Schwindelanfällen haben mir übrigens "Realitätanker" geholfen: ein sehr scharfes Kaugummi, eine eiskalte Cola, irgendetwas, was die Aufmerksamkeit fordert und dich aus der wabernden Benommenheit holt...)

        #winkeDie Alltagsprinzessin

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