Todesfall

    • (1) 02.02.16 - 23:45
      ...hilflos...

      Ich weiß das ich eigentlich im falschen Forum schreibe, aber hier kann ich anonym bleiben.

      Mein Freund hatte heute von seiner Schwester per Telefon erfahren, dass die Mutter verstorben ist. Sie wurde von seinem Bruder in ihrer Wohnung erhangen gefunden.
      Ich bin noch ganz schockiert und kann es noch gar nicht begreifen. Als es mir mein Freund sagte, weinte er danach kurz und war danach wie neben sich. Diese Reaktion ist Verständlich. Ich habe ihn getröstet so gut es ging und versucht ihm Halt zu geben.

      Wir hatten schon länger das Gefühl das etwas nicht stimmt. Aber es waren viele Vermutungen und nie etwas konkretes. Wie zum Beispiel das sie einsam ist und ihr vermutlich eine Aufgabe fehlte. Seine Geschwister und er haben immer versucht so gut es geht für sie da zu sein und Unternehmungen angeboten und auch durchgeführt wenn sie dies nicht ablehnte. Teilweise hat man wirre Geschichten über ihr Verhalten durch die Geschwister mitbekommen. Erst wieder vor kurzem. Gemeinsam wollte mein Freund und sein Bruder eine Lösung finden. Sie hatte laut ihrer Aussage auch immer wieder gesundheitlich zu tun. Da sah man auch scho lange nicht mehr durch. Und wußte auch nicht was man glauben konnte.

      Ich habe Angst das sich mein Freund Vorwürfe macht. Und ich weiß auch nicht wie ich mit diesem Tod durch den herbeigeführten Selbstmord umgehen soll. Ich musste damals leider auch schon den Tod meines Vaters als ich 9 war verarbeiten. Und dies hat mich auch negativ sehr geprägt. Aber es war ein natürlicher Tod. Und ich musste auch noch nie Jemanden bei der Verarbeitung des Todes helfen. Meine größte Sorge ist, dass er viel mit sich selbst aus macht und es nicht richtig verarbeitet. Und am Ende dies im nachhinein seinem Leben bzw. seiner Persönlichkeit schadet.

      Was das emotinale angeht bin ich natürlich traurig aber dennoch gefasst. Ich mochte sie aber unsere Verbindung war nicht sehr eng. Ich bin etwas introvertiert und mir fällt es oft schwer aus mir raus zu kommen. Ich weiß nicht ob ich meinem Partner den Halt geben kann den er braucht, da ich nicht zu den "stärksten" Menschen gehöre.

      Dazu kommt noch das unser Sohn 6,5 Monate alt ist und natürlich noch viel Betreuung braucht. An Weihnachten wirkte sie noch so glücklich.

      Ich weiß gar nicht so richtig wo mir der Kopf steht. Um ein paar liebe Worte wäre ich dankbar!

      LG

      • Dir und deinem Freund wünsche ich mein herzliches Beileid. Dein Freund erlebt momentan womöglich die schlimmsten und traurigsten Tage in seinem Leben. Auch ich habe meinen Vater vor sechs Monaten plötzlich bei einem Verkehrsunfall (er wurde von einem Auto angefahren als er mit dem Fahhrad fuhr) verloren. Ich möchte dir keinen Druck machen und auch nicht sagen, dass du bzw. ihr jetzt besonders stark sein müsst - das ist Schwachsinn. Allerdings kann ich dir sagen, dass die blosse Präsenz von dir schon hilfreich für deinen Freund sein kann mit dem Verlust umzugehen. Der
        Partner ist der Mensch, zu dem man die intimste Beziehung aufbaut. Weder Freunde noch Verwandte reichen aus um mit der Trauer fertig zu werden. Mein Partner hat mich damals im Stich gelassen und ist nach einigen Tagen nach dem Tod meines Vaters mit seiner Familie weggefahren. Diese Enttäuschung habe ich leider nicht überwinden können und mittlerweile habe ich eine innerliche Barriere aufgebaut. Du musst nicht viel machen, sei einfach nur bei ihm, umarme ihn, halte seine Hand und schau ihn an. Ich wünsche euch viel Kraft und Geduld. Und richte deinem Freund bitte aus, dass der Schmerz zwar nie nachlässt, er sich allerdings verändert.

        (3) 03.02.16 - 07:33

        Das ist eine sehr schwierige Situation. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten das Erlebte zu verarbeiten. Ich spreche leider aus Erfahrung. Es gibt diejenigen die darüber sprechen wollen und eben die, die es mit sich selbst ausmachen wollen. Zu Letzteren gehörte ich lange Zeit und es wurde seitens meiner Familie so akzeptiert bis es eskalierte und ich selbst im Krankenhaus landete. Ich kann jetzt nur von mir sprechen aber ich hätte damals jemanden gebraucht der sich nicht abwimmeln ließ, der einfach nur da ist ohne viel zu sagen, das hilft mehr als man glaubt. Manchmal fällt es auch einfacher mit Fremden darüber zu sprechen (Therapie).
        Ich wünsche euch ganz viel Kraft für diese schwere Zeit.

        Hallo!

        Ich weiß recht genau wie es euch geht, denn auch in meiner Familie hat es Selbstmorde gegeben. Mein Opa hat sich mit 92 Jahren das Leben genommen, als es ihm immer schlechter ging und er Angst hatte, ins Pflegeheim zu müssen. Und der Halbbruder meines Mannes hat sich auch erhängt - einsam und verschuldet.

        Ja, man macht sich Vorwürfe. Aber man muss auch verstehen, dass der Mensch der sich umgebracht hat auch ganz bewusst keine Hilfe gesucht oder angenommen hat, seine Gefühle vor dem eigenen Umfeld verborgen hat und nicht wollte, dass ihr etwas mitbekommt.

        Ihr alle habt euch große Mühe gegeben, dass ihr die Schwiegermutter aus dem Loch raus holt, wart für sie da, habt versucht ihr was zu bieten, aber sie hat oft abgelehnt und wollte gar nicht recht mitmachen.

        Ich denke, ihr habt wirklich alles getan, und das darfst Du Deinem Freund auch sagen.

        Und sonst: nehm ihn einfach in den Arm. Lass ihn sich anlehnen und an Deiner Schulter ausheulen. Steck ein paar Taschentücher ein und ein paar in seine Hose, die Tränen können plötzlich kommen. Lass ihm einfach Zeit.

        Versuch so gut es geht alle bei den Arbeiten zu unterstützen die kommen - Wohnung ausräumen, Versicherungen etc. anschreiben, Sterbeurkunde zur Bank bringen, Beerdigung organisieren. Gerade die Wohnung ausräumen ist sehr schwer für direkte Angehörige, es dürfte Dir leichter fallen, ihre Wäscheschränke auszuräumen, die eigenen Kinder können vielleicht lieber im Wohnzimmer ausräumen, und bleiben da sicher bei vielen Erinnerungen hängen.

        Du machst da schon das richtige, keine Sorge.

      • Mein herzliches Beileid für Euch Beide - was kannst du tun? Kann man so pauschal nicht beantworten, das hängt auch stark von seinem Verhalten ab.

        Da sein, zuhören, versuchen wertfrei zu bleiben, ihn seinen Rhythmus finden lassen und wieder zuhören. Versuchen - ihn nicht mit Worten, sondern mit dem Herzen zu erreichen.

        Manchmal hilft auch ein wenig Ablenkung ganz gut, daß man aus der emotionalen Tiefe herauskommt.

        Jeder braucht etwas anderes und das auch noch wechselnd, je nach Stimmung

        Wenn Du ihn liebst, kannst Du eigentlich nichts falsch machen, was Du tust wird dann das Richtige sein.

        Alles Liebe

        Marcus

        P.S. ich habe meine Mutter verloren als ich 12 war, auch erhängt

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