Ich kann ihm nichts recht machen

    • (1) 08.02.16 - 20:20
      Ratlos2.0

      Hallo,

      Ich bräuchte mal euren Rat oder Anregungen, wie ich mit unserer Situation umgehen könnte.

      Ich bin mit meinem Partner seit knapp drei Jahren zusammen, bei uns ging alles ungeplant sehr schnell, zumindest was Kinder und zusammenziehen angeht. Wir haben aber gesagt wir probieren es und schauen wie es läuft.

      Es lief gut, nachdem wir uns in kürzester Zeit (Zeit der Schwangerschaft) zusammengefunden haben und uns erst einmal im Zusammen-Leb-Alltag zusammenraufen mussten. Das nur als Hintergrundinfo.

      Wir wollen dieses Jahr heiraten und lieben uns sehr. Nur ist gerade jetzt ein paar Monate vor der Hochzeit der Wurm drin.

      Ich kann meinem Partner nichts recht machen, er nörgelt ständig an mir rum. Er und ich wissen. dass er so seine Unzufriedenheit ausdrückt. So weit sind wir durch Gespräche schon gekommen.
      Unzufrieden weil die finanzielle Last bis vor kurzem noch auf ihm lastete und er auch einfach gestresst war. Er hatte Zukunftsangst und das Gefühl uns nicht alles bieten zu können.Jetzt habe ich endlich einen Vollzeit Job gefunden, aber ich befürchte es wird sich nichts ändern. Jetzt trägt er zwar nicht mehr die alleinige finanzielle Verantwortung, aber jetzt wird es natürlich stressiger mit Kleinkindern und zwei Vollzeitstellen.

      Mal ein Beispiel (von zwei oder drei Situationen am Tag!):

      Wir suchen gerade nach einer Location für die Hochzeit. Wir schauen uns ein Angebot an welches ich per Mail bekommen haben und entscheiden uns einen Termin zu machen, damit wir ein paar Sachen persönlich regeln können. Er will, dass ich den Inhaber Anrufe, mir ist halb acht jedoch zu spät dafür und will eine Mail zurückschreiben. Er selber will nicht anrufen weil er heiser ist. Ich schreibe eine Mail, er ist beleidigt und bricht einen Streit vom Zaun, von wegen bei mir würde alles so langsam gehen, ich kümmer mich nicht genug und überhaupt wollte ich mich ja auch schon längst um xy (ganz andere Sache) kümmern aber mir muss man immer alles tausendmal sagen usw usf.
      Und alles weil ich es nicut nach seinem Gusto mache. Ich kümmere mich ja, nur eben auf meine Weise.

      Meckerthemen sind auch meine Macken, die ich schwer ablegen kann, Licht anlassen, Milch auflassen. Ich achte schon extrem drauf, aber es sind halt Macken und manchmal denke ich nicht dran. Anstatt mich darauf hinzuweisen wird gleich losgemeckert und alles auf eine höhere Ebene gestellt "du machst immer das und das, kein Wunder, dass dann auch das und das nicht klappt"
      Immer die gleiche Leier! Er ist so "streng" und kann mit Fehlern und Missgeschicken schlecht umgehen. Ich bin da ganz anders und kann auch einfach mal sagen "shit Happens" vor allem wenn es nicht selbst verschuldet ist. Er braucht selbst für unverschuldetes einen Schuldigen und sucht in seinem Umfeld. Er wird dann auch trotzig. Und ich dann auch. Ein Teufelskreis in dem wir dann Sachen sagen, die wir nicht so meinen, nur um den anderen zu verletzten.

      Wir reden wirklich viel und meistens sieht er das auch ein und hat Erklärungen parat. Wie eben, dass er gestresst ist und die und die Sorgen hat. Es tue ihm leid, dass er das dann an mir auslässt. Tja schöne Einsicht aber in dem Moment, wenn ich ihm sage "du tust es schon wieder" ist keine Einsicht und er redet sich in Rage. Wobei er nicht laut wird oder so, eben nur meckerig ungerecht und einfach nervig. Ich weiß übrigens auch um meine Fehler und versuche mich zu bessern, falls das jetzt so klingt, als wenn ich ihm den schwarzen Peter zuschiebe. Leider gibt er wirklich häufig den Anstoß für Auseinandersetzungen und ich reagiere vielleicht blöd.

      Zehn Minuten später ist für ihn alles wieder okay. Nach dem Motto "einmal ausgekotzt und gut"

      Ich würde so gerne drüber hinwegsehen aber ich nehme das einfach echt persönlich und bin nachtragend. Ich könnte ihn ja auch reden lassen und sagen "und, fühlst du dich besser?", wir nehmen uns in den Arm und alles ist gut. Aber nein ich steige voll drauf ein und fange an mich zu rechtfertigen.

      Wir kommen wir da raus?

      Es ist nichts fundamentales. Ich liebe ihn. Nur sind wir eben was unser Temperament angeht und in der Streitkulte sehr ähnlich und finden kein Ende, weil keiner nachgibt. Das nervt.

      Ich bin auch wirklich bereit an mir zu arbeiten und ich denke, wenn einer den richtigen Anstoß gibt, dann kann man daran auch was ändern, aber wie?

      • Hallo!

        Klingt eher so, als hättet ihr Beide keine Streitkultur. Er kommt vom angelassenen Licht gleich mal auf allgemeine Lebensunfähigkeit, und Du kannst nicht sagen "upps, hab ich das Licht vergessen? Tut mir leid!" und die Sache ist damit geklärt und fertig.

        Warum braucht man eigentlich eine große Hochzeit mit "Location" wenn man finanziell sowieso so knapp ist? Wäre es nicht sinnvoller erst mal klein standesamtlich zu heiraten, die Finanzen auf die Reihe zu bekommen und dann eben in ein paar Jahren wenn ihr es euch leisten könnt noch mit großer Feier kirchlich zu heiraten?

        • (3) 08.02.16 - 21:18

          Der erste teil ist doch genau das was ich auch sage?!
          Ich frage ja danach, wie man sowas lernen kann bzw wie wir damit umgehen sollen.
          Deswegen frage ich ja hier nach...

          Finanziell geht es uns eigentlich gut. Habe auch nichts gegenteiliges geschrieben, nur dass er mit der Rolle des Alleinverdieners nicht gut klar kommt. Er verdient dennoch gut und wir könnten und konnten davon leben. Wir haben gespart und können uns die Hochzeit leisten mal davon ab dass wir nicht kirchlich heiraten werden. Aber tut ja eigentlich nichts zur Sache, richtig?!

          Danke trotzdem für deine nette Antwort

          • Man kann Streiten im Rahmen einer Paarberatung lernen, oder man kann sich auch einfach am Riemen reißen.

            Also wenn er schon mal mit "immer" und "Nie" anfängt und ein vergessenes Licht gleich mal als Hinweis nimmt, dass Du Dein ganzes Leben nicht auf die Reihe kriegst, dann muss er merken, dass das nicht fair ist und sich zusammen nehmen.

            Und wenn Du dann gleich dagegen beißt und damit auch nicht mehr aufhören kannst statt ihm den Wind aus den Segeln zu nehmen mit einem einfachen "oh, hab ich wieder vergessen, tschuldigung" musst Du eben auch mal die Arschbacken zusammen beißen. Er ist Dir ja nach 10 Minuten schon wieder nicht mehr böse, Du grollst aber noch stundenlang danach.

            Das muss man eben bewusst ändern wollen, und DU kannst dabei den Anfang machen.

          • (5) 09.02.16 - 18:32
            was will man sich leisten

            hallo,

            nur weil man es sich leisten kann, bedeutet das nicht, dass man es sich leisten möchte.
            Wir hatten Geld übrig, haben trotzdem sehr schlicht und super gemütlich gefeiert.

            Die Schönheit und der Erinnerungswert eines Festes zeigen sich nicht unbedingt auf der Rechnung ;-)
            lg

      Wenn ihr beide gewillt seid, etwas zu ändern, würde ich eine Paarberatung vorschlagen. Da kann man streiten lernen, ohne sich zu verletzen.

      Aber ist er denn auch unzufrieden mit eurer Beziehung? Er hat jemanden, an dem er seinen Frust abbauen kann, ist doch prima.

    • Wenn ihr nicht BEIDE einen Weg findet, wie man mit Auseinandersetzungen umgeht, dann gebt ihr euren Kindern ein tolles Beispiel, wie man es NICHT macht. Denkt mal auch daran.
      Eine Beratung wäre wirklich nicht das Schlechteste, bevor ihr euch noch an die Gurgel geht. Vor allen Dingen - in einer Ehe und im Leben kommt noch SEHR viel an wirklichen Problemen auf euch zu ......Mehr muss ich nicht schreiben.

      Mein Mann hat den Kindern einen Wahlspruch mitgegeben, der wirklich viel Wahres in sich hat: "wenn jeder nur einen Zentimeter nachgibt, dann sind es schon zwei....."
      Eine Partnerschaft ist immer auch nachgeben, nur sollte es nicht nur einer tun.
      Ich weiß nicht, ob irgendjemand aus der Familie sich mal mit euch an einen Tisch setzen könnte - oder ein Freund - wenn nicht, eben ein Profi in einer Beratungsstelle.
      Aber so könnte ich mir keine Partnerschaft vorstellen, wenn bald jede Diskussion in Verletzungen endet.
      LG Moni

      Meine Ex und ich haben damals in der Paartherapie "gelernt", darauf zu achten wie wir kommunizieren.

      Ich hätte es nie gedacht, aber es macht wirklich einen riesigen Unterschied ob man sagt "immer lässt du das Licht an " oder "mich stört, dass das Energie sparen für dich so egal zu sein scheint".

      Auf den ersten Blick wirkt es total verkopft, aber es entwickeln sich die Gespräche wirklich anders.

      Wir haben damals gelernt, in "ich-Botschaften" zu formulieren, Sachen zu vermeiden wie "immer machst du...", "nie darf ich..." - also diese absoluten Formulierungen und Gefühle formulieren die den Weg in eine Kommunikation offen lassen. Also so was wie "ich empfinde das als wenig wertschätzend, wie hast du es gemeint".

      Uns hat es letztendlich geholfen, fair und respektvoll miteinander umzugehen.

      (15) 09.02.16 - 11:36

      ich musste grinsen bei deiner Vermutung, dass diese Gesprächsform doch ziemlich lächerlich scheint...

      ich habe den Verdacht, dass alle bewusst neuen Gesprächsformen auf einen erstmal lächerlich wirken, weil es ungewohnt ist. Noch dazu wenn man zu Beginn fremde Floskeln benutzt...
      wenn man aber die Wirkung erlebt und sich die Art zu sprechen der eigenen Art ziemlich bald anpasst, dann verschwindet das Lächerliche ganz ganz schnell.

      Das Schwierige ist, dass es in einer Kommunikation immer verschiedene Ebenen gibt und Möglichkeiten sich misszuverstehen wie Sandkörner am Strand vorkommen... da mal zwischendurch auf ein Hilfsmittel zu ergreifen, um seine eigenen Kommunikationsmöglichkeiten zu erweitern, kann man dann wirklich nicht als lächerlich bezeichnen - auch wenn es einem persönlich zu Beginn vorkommen mag ;-)

Top Diskussionen anzeigen