Ehemann depressiv

In dieser Diskussion findet ihr Erfahrungsberichte aus erster Hand von Angehörigen depressiver Menschen und von Betroffenen selbst und viel wertvolle Hilfestellung. Depressionen sind eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung.
Ein Tipp vom urbia Team

    • (1) 12.02.16 - 00:18
      wirsindallein

      Ich lebe seit Jahren mit einem depressiven Ehemann zusammen. 2 wundervolle Kinder sind in dieser Ehe entstanden. Das Familienleben findet im klassischen Sinne, so wie ich es mir immer gewünscht habe, nicht statt. Mein Mann schläft viel, und versteckt sich hinter seinem Computer...er ist am liebsten alleine. Er konnte bisher keiner geregelten Arbeit nach gehen. Ich habe vor den Kindern gearbeitet, bzw. nach der Elternzeit. Auf Grund der schweren Erkrankung meines Mannes, bleibt fast alles an mir hängen. Ich bin für die Kinder da, regel den Altag, Haushalt, Papierkram, finanzielles... Mit den Kindern mache ich fast alles alleine. Wir sind Harz4 und ich schäme mich dafür. Ich habe oft mit vorschnellen Urteilen über mich und meinen Mann zu kämpfen. Beispiel. Im Sportverein des Sohnes, kennt man nur die Mutter, man bekommt sporadisch in Gesprächen mit, dass Papa zu hause schläft...Mama Mädchen für alles ist...Kinder sprechen da noch ungeniert drüber. Das bekommen Aussenstehende einfach mit... Da sagt eine Mutter irgendwann im Gespräch über Aufgabenverteilung zu Hause, dass man ja auch von den Vätern lernt und ich mir ja schliesslich den Mann als Vater ausgesucht habe, selber schuld bin. Da stehe ich und ersticke fast beim Schlucken des Kloses im Hals. Ich möchte einfach nicht jedem und überall aufs Brot schmieren, dass mein Mann krank bzw. depressiv ist und kein fauler Taugenix. Das ist die eine Sache. Die anderere ist der Punkt wo ich mich wirklich frage, ob ich mir zu viel gefallen lasse. Und er sich zu sehr gehen lässt. Inwieweit muss man als Angehöriger auf seine Bedürfnisse und Ansprüche Wünsche verzichten, um den kranken Partner nicht zu überfordern. Bekannte sagen ich soll ihn arbeiten schicken oder verlassen.... weil er seit Jahren rumeiert und sich nicht viel verändert. Ein Schritt nach vorn und zwei zurück. Finanziell sind wir tief unten und die Aussichten sind nicht besonders...er fängt immer nur alles an und zieht nichts durch. Wenn er sich um Kinder und Haushalt kümmern könnte, würde ich vollzeit arbeiten gehen. Aber das ging damals auch in die Hose und ich möchte nicht, das die Kinder das ausbaden müssen. Die brauchen einfach jemanden der Stabil ist und den Tagesrithmus einhalten und den Alltag meistern. Das schafft mein Mann einfach nicht, besonders in den schweren Phasen. Welcher Arbeitgeber zieht da mit... In dem Punkt ist es nochmal schwierig, denn ich bin allein erziehend verantwortlich, kann es aber nicht so kommunizieren, im Vorstellungsgespräch zum Beispiel. Ich möchte meinen Kindern was bieten können und nicht immer jeden Euro dreimal umdrehen müssen...aber auch für sie da sein. So kann ich höchstens Teilzeit und bleibe dabei immer noch vom Amt abhängig. Dieser Zwiespalt ist so schlimm... man sieht kein gebrochenes Bein, keine körperlichen Symptome und doch ist er so krank. Auf der einen Seite, sieht er mein Leid nicht, oder nur selten. Mir fehlt seine Anerkennung. Stattdessen sieht er vieles so selbstverständlich, erkennt nicht, dass er für mich eine Belastung ist und ich Entlastung brauche. Ich muss einfach immer funktionieren und Verständnis haben. Ich könnte noch so vieles schreiben... ich weiss einfach nicht wohin damit... Ich hoffe auf Zuspruch von erfahrene Frauen, die ähnliches erleben...oder erlebt haben.

      • (2) 12.02.16 - 00:30

        wichtige Info. Er nimmt psychopharmaka und macht seit kurzem wieder eine Gesprächstherapy...mal schauen wie lange und ob es ihm längerfristig hilft. Er liebt seine Kinder und kann seine Zuneigung auch zeigen. Unser Liebesleben liegt allerdings brach. Ich verhalte mich teilweise wie eine Co-abhängige....bin müde und gehe jetzt mal pennen, morgen wieder viel zu tun... Liebe Grüße an euch alle

        • Habe natürlich noch etwas ganz wesentliches vergessen... #augen

          Nimm dir Zeit für DICH. Entspanne auch mal. Schwer wenn man Kinder und Haushalt alleine wuppen muss, aber versuche ganz bewusst zu enspannen und seien es nur 5 Minuten Auszeit. Gehe alleine raus, unter Menschen. Wenn du jemanden hast, mit dem du über das Thema reden kannst, rede. Falls nicht, suche dir ggf. eine Selbsthilfegruppe für Angehörige. Wenn man die ganze Zeit mit einem "Miesepeter" zusammen sitzt, schleicht sich die Depression schneller rein als man schauen kann.

          #blume

      Liebe wirsindallein - du bist nicht alleine damit, glaub mir. Fühl dich erstmal gedrückt, wenn du magst. #liebdrueck

      Ich kann dir vielleicht die Situation aus der Sicht deines Mannes etwas erklären, denn ich leide seit mehr als 2 Jahren an schweren Depressionen. Natürlich weiß ich nicht, wie sich die Krankheit bei ihm genau bemerkbar macht - jede Depression ist bei jedem Menschen anders ausgeprägt, aber vielleicht hilft es dir trotzdem.

      Ich weiß nicht, wie viel du persönlich mit der Diagnose anfangen kannst. Aber ich kann dir sehr das Buch "Schattendasein - Das unverstandene Leiden Depression" empfehlen. Vor allem auch für Angehörige gut verständlich, da von mehreren Betroffenen geschrieben. Je mehr du die Krankheit verstehst, desto besser kannst du sein Verhalten nachvollziehen und darauf eingehen - insofern du das möchtest. Denn das ist auch für Angehörige ein harter Weg.

      Zunächst möchte ich dir ganz klar sagen, dass dein Mann sieht, was du leistest und was du auf dich nimmst. Da bin ich mir sicher! Depressiven fehlt aber oft die Fähigkeit, das und auch viele andere Gefühle zu zeigen. Noch schlimmer ist es, wenn die Depression einem jegliches Gefühl nimmt. Depression heißt nicht nur Traurigkeit. Sondern oft auch erdrückende Leere. Liebe, Zuneigung, Geborgenheit sind nicht mehr greifbar. Man merkt, dass dem Partner diese Dinge fehlen. Schuldgefühle machen sich breit und man schottet sich noch mehr ab.

      Ich kann dir nicht genau sagen, wie du am besten mit deinem Partner und seiner Krankheit umgehen sollst - auch das ist immer verschieden. Mein Partner zB setzt mich mit dem Haushalt nicht unter Druck. Er weiß, dass ich mich gedanklich selbst genug bestrafe, wenn ich mal wieder nichts getan habe. Wenn ich mich aber aufraffen kann - und sei es nur um die Spülmaschine ein und auszuräumen - lobt er mich, als wäre ich ein kleines Kind. Das mag sich komisch anhören, aber in schweren Zeiten ist es gut sowas zu hören, weil man sich ständig nur selbst Vorwürfe macht und von Schuldgefühlen geplagt wird. Es ist wichtig, dass es jemanden gibt, der einem bewusst macht, dass man gerade etwas geleistet hat und sei es das selbstverständlichste der Welt. Man selbst sieht nur, was man nicht getan hat.

      Andere Situation. Wenn ich total apathisch irgendwo rum saß, half es mir sehr, wenn mein Partner einfach nur da war. Ich konnte reden, wenn ich wollte. Ansonsten saßen wir einfach nur gemeinsam da. Er hat mich umarmt, wenn ich es wollte, ansonsten hat er auch körperliche Grenzen meinerseits akzeptiert.

      Für mich war es auch wichtig, dass mein Partner mir immer wieder gesagt hat, dass er mich wertschätzt und den Weg mit mir zusammen gehen wird. (Sätze wie "alles wird gut" etc. sollte man hingegen weglassen..) So hatte ich das Gefühl, nicht so alleine zu sein, wie mir die Depression das manchmal glaubhaft machen will. Es kann aber durchaus sein, dass der Erkrankte ablehnend reagiert, darauf sollte man immer eingestellt sein und sich immer vor Augen halten, dass das die Depression ist, die da spricht.

      Versuche deinen Mann zu motivieren. Es ist schwer, wenn man selbst kaum noch Kraft hat. Aber versuche ihn zB dazu zu bringen, mit dir und den Kindern spazieren zu gehen. Sag ihm einen Tag vorher (damit er sich darauf einstellen kann und nicht direkt abblockt), dass du das für eine gute Idee hältst wenn ihr morgen zusammen raus geht, sei es nur für 15 Minuten. Einfach gemeinsam an die frische Luft.

      Je nach dem in welcher Verfassung dein Mann ist und wie offen ihr über das Thema reden könnt, könntet ihr auch zusammen mal einen kleinen Wochenplan machen. Jeden Tag eine kleine Aufgabe für ihn im Haushalt und das schriftlich festhalten, damit er auch sieht, dass er tatsächlich etwas getan hat. Nach und nach kann man das vielleicht dann steigern. Aber das kommt wie gesagt, auf seine Verfassung an und man sollte keine Wunder erwarten.

      Was andere Leute betrifft.. nun, schwieriges Thema. Ich habe gemischte Erfahrungen gemacht, aber vorwiegend Ablehnung erfahren, wenn ich mich als depressiv "geoutet" habe. Wichtig ist, sich da ein dickes Fell anzueignen. Leicht gesagt, ich weiß, aber man sollte, wenn man sich einmal für den Weg entschieden hat, voll und ganz hinter seinem Partner stehen - auch vor anderen. Dann ist der Partner nun mal krank, fertig. Man muss sich den Schuh, den andere einen hinstellen, nicht anziehen!

      Zu eurer finanziellen Situation weiß ich nicht, was ich dir raten soll. Wenn dein Partner seit Jahren in dem Teufelskreis drin steckt, wird es auch nach einer Therapie schwer, direkt wieder voll einzusteigen. Ich fand es auch nicht toll den Stempel erwerbsunfähig aufgedrückt zu bekommen und vom Amt abhängig zu sein. Letztendlich habe ich mich aber für den Zeitpunkt damit abgefunden (habe allerdings auch keine Kinder). Denn die Gesundheit geht vor, ganz klar. Letztendlich musst du für dich und auch die Kinder entscheiden, was das beste für euch ist und was DU willst und ob du die Kraft hast, deinen Mann zu unterstützen.

      Auf jeden Fall ist es schonmal gut, dass er eine Gesprächstherapie macht. Das zeigt, dass er sich darüber bewusst ist, dass es so nicht mehr geht und dass er etwas ändern will. Allerdings bezweifel ich leider, dass es bei einer jahrelangen Depression ausreicht, 1-2 mal die Woche zum Therapeuten zu gehen. Wäre er vielleicht auch dazu bereit eine stationäre Therapie zu machen?

      Liebe Grüße

      • Danke für deinen ehrlichen Einblick in die Gedankenwelt eines Betroffenen!
        #stern

        Hallo Cynthis

        Danke für den Einblick in die Gefühlswelt eines Depressiven.

        Meine beste Freundin hat auch einen depressiven Mann zu Hause sitzen. Er bekommt nichts auf die Reihe, ist ständig entweder von allem genervt oder ständig traurig und macht sich selbst runter. Er ist seit über einem Jahr krank geschrieben will er sich zu nichts aufraffen kann. Sie arbeitet und bringt das Geld nach Hause- er jammert dass er zu nix nutze ist. Sie darf Ihn dann nach 10 Stunden anspruchsvoller Arbeit noch schön mental wieder aufbauen.
        Stationär will er nicht, Tabletten hat er mal genommen, davon wurde er aggressiv- er hats wieder sein lassen. Gesprächstherapie hat nix gebracht- Aussage vom Therapeuten nach den 20 Stunden die man von der Kasse bekommt: " Ach, Sie machen das schon so gut mit Ihrem Mann- er braucht mich gar nicht ungedingt..." #klatsch
        Nun planen Sie auch noch ein Kind #schock

        Ich rege mich nur auf wenn Sie mir das erzählt, und dann will Sie unbedingt ein Kind, dass Sie dann bei Ihm zu Hause lässt, während SIe als Alleinverdienerin weiter arbeitet... Verlassen will Sie Ihn nicht weil er ja eigentlich schon lieb ist und Sie keinen anderen netten Mann mehr finden würde (meint Sie- Bullshit)

        Nun zu meiner Frage an dich:

        Was ich nicht verstehe ist: dagegen gibt es doch Tabletten? Dass man wieder gut drauf kommt und mehr Antrieb hat? Man muss doch als Betroffener selber sehen dass man seinem Partner zu viel zumutet, wieso kann man den A* nicht hochkriegen??!! Ich meine das wirklich nicht böse, ich verstehe das einfach nicht?

        Was kann man denn tun?

        Und, hast du deine Depressionen wieder im Griff, bzw was tust du dagegen? Hilft es was?

        Ich würde meiner Freundin so gerne helfen :-(

        LG Luna

        • Hallo Luna,

          ich gelte immer noch als schwer depressiv, wenn auch nicht "akut". Akut bezogen auf Suizidalität. Dennoch wollen auch mein Freund und ich ein Kind. Aus den selben Gründen, wie auch andere Paare. Ich sehe darin aber auch eine Chance, eine Hoffnung, einen neuen Sinn für mich. Ich weiß, dass das irgendwie egoistisch klingt und auch die Gefahr birgt, dass das ganz schnell nach hinten los gehen kann (Baby + Depression), aber mit meinem Partner weiß ich, dass wir das schaffen werden, wenn es soweit ist.

          Zu deinen Fragen..
          Ja, Antidepressiva gibt es ohne Ende. ABER auch die sind kein Heilmittel. Mediziner sind sich bis heute nicht klar, wie Despressionen das Gehirn genau verändern - denn genau genommen ist eine schwere Depression genau das, eine Veränderung des Gehirns (abgesehen von den Ursachen etc). Antidepressiva sollten immer nur als ERGÄNZUNG zur Therapie gesehen werden. Ja nach Art können sie dabei gegen Schlaflosigkeit oder auch Übermüdung, Antriebslosigkeit, Stimmungsschwankungen etc. helfen. Antidepressiva sind keine "Happy Pills", die man mal nimmt und alles ist wieder in Butter. Selbst wenn man ein Medikament für sich gefunden hat, das hilft - was durchaus dauern kann und man sich manchmal wie eine Laborratte fühlt - ändert das noch nichts an den Ursachen der Depression (ausgenommen sind Fälle von gestörtem Stoffwechsel). Viel wichtiger als ADs sind Gesprächstherapien, meist tiefenpsychologisch. Dort wird richtig rumgegraben ind er Vergangenheit, Kindheit. Man sucht nach möglichen Ursachen und Auslösern. Man hinterfragt seine Probleme und sucht Lösungen, man lernt sich und die Krankheit kennen. Und man lernt, damit umzugehen - mit sich und der Depression. Man muss die ersten Anzeichen sehen und verstehen können, um im Falle einer Rückfälls schnell dagegen arbeiten zu können..

          Ich konnte durch meine stationäre Therapie (fast 5 Monate) all das und noch mehr lernen. Ich bin unglaublich dankbar für die Zeit. Und heute kann ich sogar sagen, ich bin dankbar für die Depression, auf gewisse Weise. Ich habe meine Lebenseinstellung hinterfragt, mich verloren und neu wiedergefunden. Der Preis dafür war hoch, aber es ist wie es ist und ich nehme es an. Akzeptanz ist ungemein wichtig für einen Depressiven.

          Und ja, man sieht als Betroffener, was man seinem Umfeld antut. Und glaub mir, ich habe während meines Klinikaufenthalt nicht einen Menschen kennengelernt, dem das egal gewesen wäre - im Gegenteil. Man zerbricht noch mehr daran. Das ist Teil des Teufelskreises, diese Schuldgefühle.

          Man denkt sich als Depressiver nicht "oh, heute bin ich müde, habe keine Lust, mache heute nichts". Man denkt "ich muss, ich muss, ich muss..." Und irgendwann ist das aber so viel, dass die Scham und die Schuld immer größer wird, dann geht gar nichts mehr. Zeitweise kann sogar Zähneputzen ein Kraftakt sein, der einem Marathon gleich kommt.

          Ich weiß, wie schwer es ist, das nachzuvollziehen wenn man selbst nie die Erfahrung machen musste. Und ich selbst erwarte von niemandem Verständnis. Jedoch Akzeptanz. Das ist oft viel wichtiger.

          Persönlich mache ich momentan nicht viel um ehrlich zu sein. Ich war eigentlich ganz gut eingestellt mit meinem AD, allerdings habe ich von heut auf morgen nach knapp 2 Jahren starke Nebenwirkungen bekommen (die sollte man auch nie unterschätzen) und seither versuche ich es ohne. Es gibt noch unzählige Tage, an denen ich so vor mich hin dümpel, aber das ist okay für mich. Momentan bin ich für eine ambulante Therapie noch auf der Warteliste, aber im Notfall weiß ich, was zu tun ist.

          Noch etwas.. auch wenn es dir schwer fallen mag - versuche die Entscheidung deiner Freundin zu akzeptieren. Sie möchte hinter ihrem Mann stehen und solange sie dafür die Kraft hat, finde ich das toll und hat Respekt verdient.

          Wenn du ihr helfen magst, unterstütze sie mit alltäglichen Dingen, wenn dir das möglich ist. Oder lenke sie regelmäßig von ihrem Alltag ab. Kontakt mit anderen ist wichtig für Angehörige, um nicht auch in die Abwärtsspirale zu rutschen. Habe ein offenes Ohr für sie, wenn sie über ihren Mann rumnörgelt, aber achte dabei ihre Entscheidung. Es tut jedem von uns gut, einfach mal bei anderen Dampf abzulassen.

          • Vielen lieben Dank für deine ausführliche Antwort!

            Ich bemühe mich zu verstehen und zu akzeptieren auch wenn es schwer ist seine Freundin so leiden zu sehen.

            Aber wenn man sich das selbe Thema von Ihr seid Jahren immer wieder anhören muss, ohne dass Verbesserung eintritt ist es halt auch irgendwann *sorry* nervig.

            Aber gut, Sie will es ja auch so, sonst würde Sie sich trennen.

            Aber ja, Sie weiß das ich trotzdem immer ein offenes Ohr habe und wir unternehmen auch gerne was zusammen. Ihren Mann habe ich in 6 Jahren3 x gesehen....

            Ich wünsche Dir alles, alles Liebe und dass sich in deinem Leben alles so entwickelt wie du es dir wünschst!

            #liebdrueck

            • (10) 14.02.16 - 00:11

              ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass ich andere mit dem nörgeln nerve... und mich zuweilen selber...da triftet man schnell in dieses Co-abhängige Denkmuster...alles dreht sich um den kranken Partner und um die Probleme drumherum. Es ist wichtig bei Freunden abzuschalten und auch mal zu sagen, so, heute ist es mal keine Thema, obwohl immer Redebedarf besteht...aber um aus der Spirale raus zu kommen. Sag ihr, sie darf sich 10 Minuten über ihn auskotzen und dann ist mal genug. Das hilft mir Abstand zu gewinnen und anderes zu focusieren.

        Mandelentzündung...Antibiotika rein udn gut.

        Depressionen...Antidepressiva rein und gut.

        Das funktioniert leider nicht weil die Dperessionen im Gehirn den Stoffwechsel beeinträchtigen bzw. durcheinanderbringen. Da einzugreifen ist eine unglaublich komplizierte Sache.

        Es gibt unendlich viele Medikamente und wenn man Glück hat, dann greift das erste oder zweite so deutlich, dass man eine signifikante Verbesserung spürt.

        Wenn man Pech hat, dann probiert man zehn verschiedene aus (die alle drei bis fünf Wochen genommen werden müssen bevor man überhaupt eine Wirkung verspürt) und nichts funzt. Oder man bekommt ein Medi, nimmt es und langsam ahnt man eine Besserung. Mit zunehmender Wirkung bzw. Aufbau eines Spiegels bei Spiegelmedikamenten, nehmen auch die Nebenwirkungen zu. Einige sind ok, damit kann man sich durchaus arrangieren. Appetitlosigkeit, Durchfall, Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, wirre Träume, ausgeprägter Nachtschweiß, Verstopfung, Verlangsamung...und es gibt einige, wenn die voll durchschlagen dann hilft nur Absetzen. Herzrhythmusstörungen, Nierenversagen, miese Leberwerte, Nervenschäden...ich hab in Kliniken Leute gesehen, die waren so verzweifelt dass sie echt einiges in Kauf genommen haben nur um ein Medi zu haben das hilft.

        Da gibts Patienten, denen läuft ohne Pause der SChweiß runter, die könnten zwanzigmal am Tag duschen und stehen imemr noch in ihrem Saft. Oder extremer Speichelfluss, das hast du echt noch nicht gesehen sowas...zwanghaftes Trippeln auf der Stelle weil die Füße nicht mehr stillhalten wollen, hast du das mal gehabt? Du denkst du wirst verrückt dabei.

        Also einfach Medis nehmen und gut funktioniert leider nicht.

        Was mir geholfen hat und immer wieder hilft ist: Therapie. mit meinem Therapeuten reden, Warnsignale erkennen, mit sich selbst achtsam umgehen, für mich wichtig (aber das ist bei jedem anders) einen möglichst klaren Rhytmus haben. Also ich als Freiberufler sollte dann lieber nicht an freien Tagen oder nach einer langen Nacht morgens im Bett liegen bleiben sondern darauf achten, immer den gleichen Rhythmus zu haben, nicht aus dem Takt kommen, sich immer am Laufen halten, mit klaren Tages- oder Wochenplänen arbeiten. Medikamente zusätzlich, ja und nicht zu knapp.

        Ein guter Einstieg dafür ist die stationäre Therapie in der man ein bisschen eingenordet wird.

        • Danke für deine ausführliche Antwort!

          Ja, ich habe mir das wirklich so vorgestellt: Tabletten rein und gut ist.

          Aber die Nebenwirkungen die du schilderst klingen echt grausam!

          Aber so kann es ja nicht bleiben- zum Glück ist es nicht mein Mann. Ich muss ehrlicherweise sagen, dass ich das nicht über einen längeren Zeitraum mitmachen würde. Dazu gib es zu viele Dinge die einfach laufen müssen ohne dass immer alles an einem hängen bleibt. Klingt hart, ich weiß....

          Aber naja, mal sehen wie es weiter geht- meine Freundin ist sehr leidensfähig.

          Stattionär will er nicht. Das nervt mich auch so an dem. Er jammert nur rum, aber nutzt nicht alle Möglichkeiten die es gibt.

          #winke

    (14) 12.02.16 - 11:40

    Danke #liebdrueck das hast Du wirklich schön geschrieben!

    Ich wünsche Dir alles, alles Gute auf Deinem weiteren Weg #liebdrueck.

    (15) 13.02.16 - 00:47

    danke für deine Worte... habe mich auch schon viel mit den Problemen meines Mannes befasst...mehr als mir gut tut und ich muss mich wirklich am Riemen reissen dass ich die erste Prio bei mir und den Kindern setze. Denn was auch immer gerade mit meinem Mann los ist...der Alltag für meine Kinder und mich muss weiter gehen. Auch wenn es hart klingt, aber mir fehlt die Zeit und die Nerven, da immer auf die Befindlichkeiten meines Mannes einzugehen. Und am Besten geht es mir, wenn es mit den Kindern gut läuft...dh. ich versuche meinen Kindern alles zu ermöglichen... und auf sie einzugehen, für sie da zu sein...gesellschaftlich, sportlich, interlektuell, Kultur etc. sie sind noch klein, der kurze gerade 2 geworden und der große bald 5 Jahre. Mein Mann war wohl schon immer depressiv...mehr mal weniger..fing wohl in seiner Jugend an...aber am Anfang unserer Beziehung war das noch nicht formuliert...die Diagnose wurde kurz nach der Geburt unseres ersten Kindes gestellt und von da an war er auch mal in der Klinik, allerdings hällt er es dort nicht lange aus. Es gibt auch immer wieder Zeiten, wo es ihm besser geht...und er ist nicht nur im Bett...doch meist dreht sich seine Welt um ihn. Er hat auch schon andere Dianosen Bps. Bipolar bekommen, allerdings nichts amtliches. Weiss nicht was ich davon halten soll. Er gilt als emotional instabil. Es war uns nicht klar, was mit ihm los ist... Ich habe viel mit ihm mitgemacht...weiss heute, dass es oft seine Erkrankung ist, aber alles kann man damit sicherlich nicht entschuldigen.

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