Geld oder Liebe - wer lebt heute deutlich bescheidener?

    • (1) 02.03.16 - 11:44
      arme-maus

      Hallo,

      ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich anfangen soll. Ich fürchte auch nicht viel Verständnis zu stoßen, aber trotzdem suche ich irgendwie Hilfe, da ich derzeit nicht weiß wie ich damit umgehen soll.

      Zu meinem Hintergrund: ich bin quasi "reich" aufgewachsen. Ich habe nicht immer alles bekommen was ich wollte, aber wir lebten ein sehr gutes Leben. In unserem Haus wurde nie über Geld geredet und wenn ich etwas nicht bekam, lag das eher an pädagogischen Gründen. Als ich 16 war suchte ich mir einen Nebenjob um alle "unnützen" Sachen zu kaufen. Dazu gehörten Dinge wie z.B. ein Krokodilgürtel etc. Wenn ich heute darüber nachdenke muss ich lachen. "Basics" das waren Dinge wie mind. 3 mal Urlaub im Jahr (natürlich Luxus Fernreisen), ein Mini-Cooper zum 18. Geburtstag etc.

      Als ich zu studieren anfing (mit eigener Wohnung und monatlich 1000€ Taschengeld, war das zwar "ärmlich" für mich, aber gehörte halt irgendwie zum "armen Studentenleben".

      Wie dem auch sei, ich bereiste die Welt und lernte verschiedene Menschen kennen außerhalb des Vorortes wo ich herkam und merkte, dass es im Leben auf andere Dinge drauf ankommt. Langsam nabelte ich mich von meinen Eltern ab, suchte mir einen festen Job und war stolz mein Leben selber zu stemmen. Mit einer guten Ausbildung hatte ich auch trotzdem immer ein "gutes Leben" wenn auch nicht "luxuriös".

      Wie dem auch sei: während eines Jobs im Ausland lernte ich meinen jetzigen Mann kennen. Er kommt aus einem Entwicklungsland und hat sich sein gesamtes leben selbst erarbeitet. Sein Vater war Alkoholiker und wie aus einer Dokumentation musste er Kilometerlange Schulwege auf sich nehmen. Er konnte einzig zur Schule gehen, weil er immer Klassenbester war und so Stipendien bekam. Als ich ihn kennenlernte lebten wir beide im europäischen Ausland. Er hatte mittlerweile einen guten Job.

      Wir verliebten uns, heirateten und bekamen erst ein Kind. Nun ist das zweite unterwegs. Und wir wohnen normal bis gut. Wir haben beide gute Jobs, haben uns letztes jahr ein Haus gekauft, haben ein Auto etc. Eigentlich keine Sorgen.

      Mir tut dieses Leben sehr gut. Ich fühle mich zufrieden und stolz. Ich bin froh auf unnötiges zu verzichten und finde auch unsere Tochter wächst mit einem etwas gesünderen Verhältis zu Geld auf als ich das getan habe.

      Nun kommt allerdings das Streitthema. Mein Mann und ich haben SEHR unterschiedliche ansichten, was "Basics" im Leben sind. Ich bin derzeit schwanger und hätte z.B. gerne ein zweites Auto, eine Putzfrau und möchte auch, dass unsere Tochter weiter in den Kindergarten gehen kann - auch wenn ich aufhöre zu arbeiten (wir zahlen derzeit für 2 Tage 700€ - staatlich - ist so teuer hier). Diese Dinge sind für mich kein Luxus sondern irgendwie normal. Mein mann sieht das ganz anders.

      gestern hatten wir einen Streit und unter Hormonen warf ich ihm vor wie arm wir doch seien und dass ich niemanden kennen würde der so arm ist wie wir. Ich fühle mich schrecklich und habe mich auch heute bei ihm entschuldigt. Er ist tief geknickt. Arbeitet er doch sehr hart. Er sagte zu mir als wir uns kennen lernten, dass es ihm wichtig ist, dass seine Familie es immer "gut" hat, besonders nach dem wodurch er gehen musste. Er ist super schlecht drauf und fragt sich warum er das eigentlich alles macht.

      Es tut mir auch fürchterlich leid und ich wünschte ich könnte es zurück nehmen. Aber erklich gesagt tue ich mir auch ein bisschen leid. Es ist einfach nicht so einfach von einem luxuriösen Leben zu kommen und nun ständig gesagt zu bekommen "dies ist so teuer" und "wir müssen sparen". Letztens meinte ich wir brauchen einen neuen Staubsauger und da meinte er "oh ne schon wieder 200€!" Ich meine hallo, ein Staubsauger! Das ist doch kein Spaßartikel!! Da muss man doch nicht jeden Pfennig umdrehen.

      Wie dem auch sei. Ich weiß ich meckere auf einem hohen Niveau und vielen geht es viel schlechter aber derzeit leide ich schon. Gibt es vielleicht hier jemandem, dem es auch manchmal so geht? Wie geht ihr damit um? habt ihr ein paar Tipps?

      • Hallo!

        Dein Mann hat recht. Warum ein zweites Auto? Warum eine Putzfrau? Warum soll das Kind in den Kindergarten wenn du ja zuhause bist. Wie alt ist eure Tochter? Meine Töchter sind knapp 28 Monate vom Alter auseinander. Ich war insgesamt 5 Jahre zuhause. Wir brauchten kein Zweitauto. Wir wohnten am Stadtrand und ich konnte wirklich alles zu Fuß machen. Putzfrau hatte ich auch keine. Würde nicht wissen wofür und ich hätte niemals die Größere in eine Betreuung geschickt wenn ich daheim bin. Ich genoss die Zeit sehr zuhause. Nur Mama sein. Danach bin ich auch wieder arbeiten. Alles ist gut.

        Aber echt für 2 Tage Betreuung 700 Euro ist doch extrem. Das Geld würde ich mir sparen.
        lg.g.

            • Ich habe nie behauptet, dass das eine falsche Entscheidung war. Jedoch ist das auch eine Art von "Luxus", die ihr euch "gegönnt" habt. Ihr habt dann eben auf Materielles verzichtet, weil euch das nicht so wichtig war.

              Aber ist es falsch, wenn andere Leute, das anderes sehen und das Materielle vorziehen? Oder sollte das nicht jedem freigestellt sein?

              • Wenn man das Materielle der Zeit mit seinem Kind vorzieht, dann find ich das seht traurig, für Mutter und Kind.
                Diese Zeit kommt nie wieder, Luxus und materielle Dinge kannst du noch den Rest vom Leben haben.

                • Bin ich ganz bei dir. Und dennoch ist das jedem seine persönliche Entscheidung, was er für "wichtiger" erachtet. Mal ganz abgesehen davon geht es hier nur um 2 Tage Kiga in der Woche (5 Tage in der Woche hängt es ja mit Mama zusammen). Und die 2 Tage sind meiner Meinung nach für die Kinder ja auch förderlich und nicht zum Nachteil.

                  Deswegen finde ich Aussagen wie "Dein Mann hat Recht!" nicht so prickelnd... Der Mann hat vielleicht in den Augen der Schreiberin Recht, in den Augen vieler anderen Schreiberinnen jedoch nicht.

                  Jeder setzt seine Prioritäten anders. Und ich finde, das sollte man akzeptieren.

        (8) 02.03.16 - 12:24

        Danke für Deinen Input. ich weiß ja theoretisch sind diese Dinge "Luxus" und ich könnte auch darauf verzichten, wenn ich muss. Will ich aber nicht. ES geht mir darum, dass es einfach manchmal schwer ist auf Dinge zu verzichten, die ich z.B. bei meinen alten Freunden alle also normal sehe.

        Auf ein Auto kann ich schon verzichten - hab ich bisher auch - aber ich denke es wäre manchmal für mich einfach einfacher.

        Mit dem Kindergarten (unsere Tochter ist 2) ist es mir aus mehreren Gründen wichtig. Zum ersten ist dies die einzige Art die lokale Sprache zu lernen (wir sprechen unsere Muttersprachen zuhause, was uns auch wichtig ist) und zweitens macht es ihr viel Spaß. Die machen so tolle Sachen im Kindergarten, ich glaube so ein "Programm" könnte ich ihr gar nicht bieten und sie mag es im Kindergarten sehr.

        Nicht zu letzt haben wir keine Familie im Umfeld, die mal aushelfen kann und ich mach mir schon Sorgen wie das mit zwei Kindern wird. ja, es gibt diese Superfrauen, die alles auf einmal stemmen (oder stemmen müssen). Aber viele können auch mal einfach ihre Mutter anrufen - sei es für ein Babysitting Abend oder weil man selber krank ist. Diesen "Luxus" haben wir leider auch nicht. Ich mache mir sorgen, wie ich Nachtschichten bewältige und dann tagsüber Programm für meine ältere Tochter machen muss.

        • Hallo,

          Du hast weit vorne geantwortet

          (...)ich weiß ja theoretisch sind diese Dinge "Luxus" und ich könnte auch darauf verzichten, wenn ich muss. Will ich aber nicht. ES geht mir darum, dass es einfach manchmal schwer ist auf Dinge zu verzichten, die ich z.B. bei meinen alten Freunden alle also normal sehe (...)

          Ich denke, dies ist auch ein großer Faktor.
          Du vergleichst was Du/Ihr habt und was Deine Freunde haben.

          Mach das nicht, denn so wirst Du immer unzufrieden sein.

          Ich habe zwei liebe Bekannte.

          Die eine: Staubsauger-Roboter, vor kurzem ein neues Auto (fabrikneu!), Hypersupermegaschickimicki-Küche, auch der Thermomix fehlt nicht, toller Smeg-Kühlschrank....das wird gekauft, ohne mit der Wimper zu zucken.
          Die Eltern und Schwiegis wohnen keinen km entfernt und nehmen ihr die Kinder immer ab, und sie hat keinerlei Organisationstrouble mit Betreuung, kann ihren Hobbies nachgehen usw.

          Die andere Bekannte hat auch eine Wahnsinnswohnung.
          Erst neulich hat sie sich einen Schwung Stühle fürs Esszimmer geholt, einige tausend Euro.
          Das Zimmer ihres Sohnes sieht aus wie eines dieser tollen Blogger-Fotos, mit massangefertigtem Bett, einem extra angefertigtem Tipi, schicken Kissen, Drucken, einer tollen Lampe, etc.
          Ihr Sohn wird nur mit Designermarken eingekleidet, sie hat Putzfrau, Bügelfrau, etc.

          Wir hingegen können das nicht so einfach - mal eben ein paar Tausender für Zeugs rauswerfen.

          Mein Mann verdient zwar gut, aber wir haben ein Haus und wollen dieses auch asap abbezahlen. Und wir zahlen viel Betreuung für unsere zwei Kinder (monatlich rund 600 € für Kindergarten (Ganztags) und Tagesmutter.

          ABER:

          es ist nicht alles Gold was glänzt.

          Die erste Bekannte (mit der tollen Küche) sagte neulich, dass tolle Urlaube (Fernreisen, teure Hotels) nun erst mal für die nächsten Jahre flachfallen.
          Ihr Mann spielt da nicht mit. Sie würde gerne toll verreisen, aber er hat sie vor die Wahl gestellt - tolle Küche und dafür die nächsten Jahre nur kleine Urlaube auf Schmalhans oder umgekehrt. Beides gibts nicht.

          Und sie meinte, dass es zwar eine Hilfe ist, dass Eltern und Schwiegers ums Eck wohnen - aber manchmal ist es auch ein bisschen ein Fluch ;-)

          Und die andere Bekannte sagte mir mal, dass sie ausser der gesetzlichen Rente sonst keine großen Spareinlagen oder Versicherungen etc abgeschlossen hat.
          Naja - schöne Sachen kaufen schön und gut, aber ein paar Rücklagen sollte man sich bilden. Zudem hat sie einige Kredite laufen für ihre Anschaffungen.
          Das wäre auch nichts.

          Glaub mir, es kommen auch wieder bessere zeiten, wo Du weniger auf Betreuung angewiesen bist und dann auch wieder mehr Mittel für eine Putzfrau hast.

          Ich könnte z.B. eine Putzfrau echt gebrauchen.
          ABER: mein Sohn (21 Monate) ist in der schönsten Phase - der Raum kann wie geleckt aussehen, er schafft es oft nach 1 Stunde, dass es wie Wutz aussieht.Oder die bodentiefen Fenster sind 1 Stunde nach dem Putzen wieder voller Tatzen.
          Und es kommen auch oft Nachbarskinder und Freunde von der Großen.

          Die Kids tollen durchs Haus, da wird mit Saft gekleckert, da wird gebröselt, die Couch sieht verkrumpelt aus, usw.
          Gestern habe ich mal laut auf zwei Fingern gepfiffen und die Horde angewiesen sofort - ABER SOFORT - sämtliches im Wohnzimmer verstreutes Spielzeug einzusammeln und wieder in die Kinderzimmer zu bringen.

          Eine Putzfrau wäre für mich im Moment Perlen vor die Säue.
          Die kann alles noch so schön putzen, nach kurzer Zeit wäre es dahin.

          Deswegen warte ich damit.

          Mach Dich nicht so verrückt.
          Sei lieber froh, wenn Du vieles selber meisterst und auf die Reihe bekommst.

          LG

          • (10) 03.03.16 - 15:31
            Nur als Erinnerung...

            Sorry, aber du hast auch selbst einmal geschrieben, dass du ohne Probleme bei einem Shoppingausflug in die Stadt ungeplant wieder mit dem neuen 5K iMac zurückgekommen bist, obwohl er nicht nötig war.

            Das sind auch mal ebenso 2000 Euro (mindestens) spontan ausgegeben, für Zeugs.

            Und die Putzfrau hast du lediglich nicht, weil dein Sohn alles sowieso gleich wieder dreckig macht, Kinderbetreuung kostet auch eine Stange Geld ...was sollte dein Beitrag überhaupt nochmals aussagen?

            • Öh, ich weiß eher nicht, was Dein Beitrag hier soll und warum Du mich mit einem Graunick von der Seite anpupst?
              Traust Du Dich nicht?

              Ich habe der TE geraten, sich nicht mit anderen zu vergleichen.
              Sie würde gerne sich auch mehr Dinge leisten - was moimentan nicht drin ist.

              Und was meinen iMac betrifft - ja das war spontan.
              ABER: ich bilde mir immer wieder Rücklagen. Das kann auch mal eine lange Zeit dauern bis da was zusammenkommt, aber wenn ich mir was anschaffe, dann ohne Kleinkredit, etc.

              Im Moment (mit zwei Kindern) wäre so eine Aktion wie damals nichts mehr drin - da die Betreuungskosten für beide teuer sind.
              Das hat nun mal Prio 1!

              Irgendwie weiß ich nicht, warum Du mir jetzt mit irgendwelchen alten Hüten ums Eck kommst, obwohl sich meine privaten Parameter und Fixkosten inzwischen auch wieder verschoben haben....nee, nee!

              Und das nächste Mal versuche es mit Deinem richtigen Nick - ein Computer kann nicht beißen ;-)

              LG

          Ich finde es gibt einen Unterschied zwischen aufräumen und putzen.
          Eine Putzhilfe ist doch meist mehr fürs Grobe.Sind Böden und Bäder sauber reicht ein kurzes Wegwischen.Oder der kleine Akkusauger kommt zum Einsatz ( Krümel )
          Chaos Beseitigung muss ja eher zeitnah erfolgen ( Saft ).
          Spielzeug haben wir abends gemeinsam in diese hübschen bunten Kisten geräumt.Ein tägliches ,spielerisches Ritual mit dem man zeitig anfangen sollte.

      Ich finde ein Auto (falls man nicht gerade in der Großstadt wohnt ) unverzichtbar.
      Gerade mit kleinen Kindern.Ich wüsste nicht wie man Großeinkäufe und Arzttermine u.s.w.
      bewältigen sollte.

Ich glaube, das kann nicht jeder nachvollziehen. Ich bin auch zuhause, habe aber eine Putzfrau. Und ein zweites Auto habe ich auch, weil ich sonst einen großen Teil meiner Eigenständigkeit abgeben würde. Und das mit der Kita verstehe ich auch. Mein Sohn ist schon in der Schule, also habe ich mit Baby vormittags Zeit. Außerdem geht es ja auch um soziale Kontakte des Kindes im Kiga. Das kann man als Mutter allein nicht leisten, sorry. Es sei denn natürlich, man trifft sich mit gleichaltrigen Kindern bzw Freundinnen. Ich würde noch mal mit ihm sprechen. Denn immer zu sparen und den Pfennig umdrehen macht auch keinen Spaß. Natürlich ist die Liebe immer wichtiger aber einen gewissen "Luxus" (den ja jeder anders definiert, sollte man sich schon gönnen können.

(15) 02.03.16 - 19:32

war dein kind auch 5 jahre nur zuhause??

da hätte ich meine zweifel, ob das eine gute sache ist. deine äusserung warum ein kind in den kiga soll, wenn die mutter zuhause ist kommentiere ich lieber nicht. ich nehme mal an wir reden da von kindern ab 3 jahren. diese bis zur einschulung zu hause zu lassen empfinde ich eher als Armutszeugnis - nicht finanziell, aber unter verschiedenen anderen gesichtspunkten.
tja und ein zweites auto ist wohl manchmal nötig, wenn beide arbeiten und das kind geholt und gebracht werden muss.

putzfrau würde ich auch niemals wollen, da stimme ich dir zu und wenn man hausfrau ist wäre das auch bisschen vermessen. denn auch mein vollzeitjob ermöglicht mir durchaus, meinen haushalt alleine auf die reihe zu kriegen. aber das ist ansichtssache, ich wöllte keine fremden im haus.
v

Top Diskussionen anzeigen