Was ist nur los mit uns?

    • (1) 06.03.16 - 15:20
      punktpunktkommastrich

      Hallo ihr Lieben "Ratgeber",

      ich versuche mich nun sehr kurz zu halten.
      Seit 2 Jahren bin ich mit meinem Mann verheiratet, wir haben einen 20 monatigen Sohn. Zusammen sind wir seit 6 Jahren. Es war nie einfach aber wir haben ganz viel zusammen erlebt und das Gefühl war immer innig.
      Seit der Geburt unseres Sohnes eskaliert die Situation.
      Mein Mann hat einen ganz schwierigen Charakter, er ist introvertiert, super intelligent, absolut empathielos. Wenn jemand traurig ist, weint oder sehr sichtlich geknickt ist dann hat er einen Mechanismus den er jedes Mal abspielt, aber er FÜHLT nichts. Bei Wut von anderen kann er nicht reagieren, ebenso bei allen anderen Gefühlen. Er selbst ist immer gleichbleibend gelassen oder etwas aufgeregt, dann zeigt sich sowas ehe stressentladungsverhalten (hört sich blöd an, aber wie bei Hunden eine Übersprungshandlung). Er klatscht dann in die Hände oder ruft laut ein Lieblingswort. Hört sich schräg an? Ist es auch!

      Das war Anfangs nicht so schlimm und häufig, ist aber nach der Geburt immer häufiger vorgekommen.
      Ich hingegen bin impulsiv, energiegeladen, sehr gefühlsbetont, zusammenhaltend, familiär, spontan aber auch manchmal "böse".
      Wenn es mir schlecht geht erwarte ich Empathie, ich weiß zwar das mein Mann das nicht kann aber ich erwarte es trotzdem. Gibt er mir nicht das was ich brauche fühle ich mich zurückgesetzt, er ist hilflos (würde das aber nie zugeben) und ich setze dann einen drauf und beleidige ihn. (Schlimm oder?).
      Das ist wie eine Abwärtsspirale aus der wir nicht herauskommen. Er will keine Hilfe, kommt ja super klar! Er hat einen super Job, ein Eigenheim und uns als Familie. Er verdient, fast schon obszön, viel Geld. Er hat Freunde (ich sorge mit regelmäßigen Einladungen für die Aufrechterhaltung). Also alles Bestätigung.
      Seine Mutter ist wenig hilfreich, die sagt ich soll "die Zügel straffen" und seine Macken nicht durchgehen lassen. Ich bringe es auch nicht übers Herz ihr genauer zu erklären worum es geht.
      Eine Trennung wäre eine Option die ich natürlich bedenke aber ich habe das Gefühl das hinter seiner "Art" etwas steckt und so leicht gebe ich ihn nicht auf. Wenn die Situation jedoch weiterhin besteht oder gar noch schlimmer wird muss ich mich dem unserem Kind zuliebe stellen.
      Das wäre das nächste Thema, er ist fassadär ein guter Vater, ihn berührt es nur nicht wenn J. weint. Er tröstet, keine Frage, aber auch das sehr automatisch.
      Zudem bekommt er nie mit wann genug hat; Beispiel: Kind schaukelt, langsam wird es zu viel, jeder sieht das, er nicht. Macht so lange weiter bis es zu spät ist. Das ist jedes Mal so.

      Was soll ich nur tun? Wie retten wir unsere Familie?

      :-(

      • Hallo,
        vermutlich habt ihr schon darüber gesprochen, dass sein Verhalten für dich sehr schwierig zu verstehen ist?
        Ich kann verstehen, dass es schwer für dich ist, damit umzugehen besonders wenn du eine gewisse Reaktion erwartest und die nicht eintritt.

        Darf ich fragen, welchen Beruf dein Mann ausübt? Hat er denn selbst Bedenken, hinsichtlich seiner Empathielosigkeit? Ich frage, weil es für mich danach anhört, als hätte er vielleicht das Aspergersyndrom. Ich bin absolut kein Fachmann für irgendwelche psychologischen Geschichten, aber meine beste Freundin hat das Asperger Syndrom und die "Symptome" die über deinen Mann schreibst, - sehr intelligent, aber eher zurückgezogen was zwischenmenschliches angeht, besonder "antrainierte" Reaktionen auf Empfindungen anderer und eben die Unfähigkeit Gefühle wahr zu nehmen und instinktiv darauf zu reagieren, ist etwas mit dem meine Freundin ebenfalls zu kämpfen hat und das für Aperger sehr häufig ist.

        Ansonsten halte ich mich bei solchen Situationen eher zurück, weil ich meistens keine schlauen Ideen habe. Deshalb kann ich dir jetzt nur den Rat geben, mit deinem Mann darüber zu sprechen, dass sich für dich die Situation verschlimmert und dass du Sorgen hast, wie ihr es angehen könnt. Letztenendes kann es sehr gut sein, dass dein Mann das absolut nicht mitbekommt, dass es für dich schwierig ist.

        ich wünsch euch auf jeden Fall, dass ihr einen Weg findet eure Bedürfnisse zu klären und alles Gute

        Ich bin kein Fachmann, aber kann es sein, dass dein Mann Authist ist?

        (4) 06.03.16 - 16:17

        Das hört sich in der Tat so an, als sei er Autist oder habe stark autistische Züge. Da passt auch die Verändeung nach der Geburt eures Kindes wunderbar ins Bild.

        Schau mal hier:

        http://www.zdf.de/37-grad/kein-smalltalk-keine-luegen-leben-mit-autismus-40818604.html

        Liebe Grüße
        Luka

      • Mein Gedanke war ebenfalls wie der der Vorschreiber, dass das Beschriebene teilweise an Autismus/Asperger erinnert.

        Mein Tipp wäre, Dich zunächst an ein Forum zu wenden, in dem Betroffene und Angehörige schreiben, um Dich zum Einen zu informieren und zum Anderen herauszufinden, ob wirklich die Möglichkeit besteht, dass er Tendenzen zeigt. Da Du ihm helfen willst ist es definitiv schon sinnvoll, dass Du verstehen lernst, wie jemand tickt, der nicht empathisch ist. Erstmal unabhängig davon, ob er nun wirklich Autist oder Asperger ist oder eben nicht.

        Nun, du beschreibst natürlich irgendwie den "perfekten Nerd". Aber kann es nicht auch sein, dass du das alles mittlerweile einfach auch sehr überspitzt siehst? Bezieht man nämlich mal in die Überlegung mit ein, dass du natürlich gefühlsmäßig sehr betroffen bist und deshalb vielleicht leicht mal eine etwas falsche Wahrnehmung hast, dann klingt es mir gar nicht mal so stark anders wie bei meinem Mann und bei unzähligen Männern, die ich so kenne, die aber alle sicher "ganz normal" und nicht irgendwie therapiebedürftig sind. Vorsicht, dass es keine Art "Self-fullfilling-prophecy" wird!

        Dein Beispiel mit dem Schaukeln: Das könnten GENAUSO mein Mann, mein Vater, mein Bruder, mein Schwiegervater, der Mann meiner besten Freundin, diverse Kollegen von mir (wobei, da gibt es auch genug, die sich gar nicht so viel mit dem Kind abgeben, dass sie in die Situation kommen könnten), etc. sein. Als Frau steht man da oft völlig perplex daneben und meint, im falschen Film zu sein. HEY, DAS SIEHT MAN DOCH!!!! Nö, so lang das Kind nicht brüllt, merken die NICHTS!

        Das mit dem Weinen: 1. "brüht" man mit der Zeit etwas ab und unterscheidet besser, wann das Weinen ein echtes Problem signalisiert und wann es halt zur Beschäftigung von Mama und Papa oder zum Frustabbau dient und 2. wie willst du entscheiden, was deinen Mann berührt? Wenn du sagst: Ich merke nicht, dass es ihn berührt, ok. Aber so? Das kannst du schlicht nicht entscheiden!

        Das mit den Freunden: Nun, ich kenne echt wenige Männer, die ihre Freunde von sich aus einladen oder auf die Idee kämen, mal bei denen vorbei zu schauen. Das läuft auch bei uns immer über die Frauen. Oder die Männer treffen sich eher zufällig.

        Und dass Männer nicht auf die "zarten Untertöne" von Frauen reagieren können bzw. das schlicht nicht checken, das ist auch ein vieldiskutiertes bekanntes Phänomen.

        Ich verstehe deinen Ärger, deine Frustration, muss aber halt (leider) einfach meine Mutter zitieren mit dem alten Nervspruch: "Man kann den anderen nicht ändern, sondern nur sich selbst." Und genau das stimmt. Wenn dein Mann Gefühle nicht einordnen kann, dann sag ihm klipp und klar, was los ist und was du dir wünschst. Z.B.: "Schatz, ich bin heute nervlich sehr angespannt, weil es mit dem Kleinen heute sehr schwierig war. Ich würde mir wünschen, dass du heute ..." Oder: "Das, was du gerade gesagt hast, hat mich verletzt, weil ... War das wirklich deine Absicht?"

        Ich meine, ihr könnt euch jetzt an euren Unterschieden aufreiben oder ihr könnt versuchen, den anderen so zu nehmen wie er eben ist und am Verhalten des anderen schrittweise zu lernen oder zumidest davon zu profitieren.

      Uiuiui, hoert sich schwierig an.
      Ich wuerde sagen entweder nimmst Du Deinen Mann so wie er ist und gewoehnst Dich dran oder Du bestehst darauf, dass er ne Therapie macht.
      Was aber nur klappt, wenn er die Notwendigkeit einsieht. Ehrliches Feedback von anderen Familienmitgliedern ist hier sicher hilfreich.

      Ganz ehrlich ohne jetzt alles gelesen zu haben aber das zeigt schon recht deutlich das Verhalten eines Autisten! Ich hab hier einen kleinen und mein MAnn ist ADHSler ich kenn solche Sachen.

      Ela

      (10) 06.03.16 - 20:47

      Hey du!

      Was kannst du tun? Du kannst deine Einstellung ändern.

      Natürlich wäre es schön, wenn dein Mann etwas empathischer reagieren würde, wenn er nicht nur eine Fassade hätte sondern echt wäre - aber das ist er nicht. War er noch nie. Und wird er nicht werden. Da musst du einfach realistisch bleiben. Früher konntest du das alles vielleicht besser aushalten, aber jetzt mit Kind da brechen solche Dinge irgendwie auf. Es ist einfach mehr Stress und man hat Verantwortung für einen anderen Menschen, den man vielleicht auch instinktiv vor bestimmten Dingen schützen möchte.

      Mein Mann hat ADHS. Das wusste ich auch schon immer, es war wie bei euch oft schwierig und anstrengend, aber wir haben immer eine sehr enge Beziehung gehabt. Mit den Kindern veränderte sich bei uns irgendwie alles (die Große war zu unserem "Glück" auch noch ein Schreikind). Mein Mann kam und kommt regelmäßig an seine Grenzen, arbeitsmäßig lief es eine zeitlang auch nicht so wie er es sich gewünscht hat - es kam eine Depression hinzu. Da standen wir dann kurz vor der Trennung. Wir haben uns aber für uns entschieden und viel verändert - beide. Das ADHS und die Auswirkungen gehen nicht weg - aber wir reden viel mehr darüber und über unsere Bedürfnisse und Grenzen. Das ist viel Arbeit, aber momentan habe ich das Gefühl, dass wir unsere Ehe und unsere Familie wirklich auf die Reihe kriegen - auch wenn ich da immer der treibende Keil bin/ sein muss. Manchmal, so ganz still und heimlich für mich, frage ich mich, ob es einfacher sein könnte... aber meine Entscheidung habe ich für meinen Mann getroffen und diese Gedanken, die lerne ich loszulassen, denn sie bringen mich nicht weiter.
      Von deinem Beispiel mit der Empathie kann ich auch ein Lied singen - ich bin da mittlerweile viel deutlicher. Mein Mann hat so viel im Kopf, dass er nicht merkt, wenn ich emotionalen Beistand, Zuneigung, Trost oder oder oder brauche. Also sage ich: Schatz, ich brauche jetzt eine Umarmung. Das hilft. Weil ich dabei nicht mehr denke "mönsch nicht mal das checkt er", sondern "Tut das gut" und fertig. Das ist Einstellungssache - er kann es nicht von sich aus, ignoriert es also nicht aus Lieblosigkeit und wenn ich ihn drum bitte, dann kommt es von seiner Seite eben doch von Herzen - winwin.

      Versuch es mal so - beobachte eine Aufregersache von außen, analytisch, und überlege wie es laufen würde, wenn du anders reagierst. Bei mir ist es so, dass viele Situationen tatsächlich wegen mir eskalieren - wegen Missverständnissen oder dem Gefühl abgelehnt zu werden usw.. Ich habe in der letzten Zeit viel über Kommunikation gelesen und wie man konstruktiv streitet. Das ist auch etwas, was man sehr gut ändern kann und sollte.

      Alles Gute für euch!

      (11) 07.03.16 - 08:32

      Hallo punktpunktkommastrich,

      ich erkenne unsere Ehe in deiner ein wenig wieder, nur haben wir kein gemeinsames Kind, es ist nur meines.

      Mein Mann ist auch ein Nerd, verdient viel Geld und ich kümmere mich ausschließlich um das soziale Leben.

      Er versteht auch vieles nicht und handelt komisch.

      Wir waren bei der Eheberatung und die Beraterin vermutet auch Autismus. Er sieht und spürt die Gefühle bei den anderen einfach nicht, er kann nichts dafür.

      Deine Schwiegermutter weiß ganz bestimmt, was Sache ist, vielleicht kannst du doch mit ihr reden.

      Ich war vorher mit einem anderen Mann verheiratet, der nicht so war und ich muss dir sagen, dass es den perfekten Ehepartner nicht gibt.

      Dein Mann trinkt oder spielt nicht, er schlägt euch nicht, ihr liebt euch und ihr habt euch etwas zusammen aufgebaut. Wirf das nicht einfach weg, weil er nicht immer so ist, wie du das brauchen würdest.

      Die Phase mit Kleinkindern ist stressig, in jeder Ehe, das wird wieder besser.

      Liebe Grüße!

      Hallo!

      Ich finde auch, dass es nach Autismus klingt. Nachdem wir nun endlich wissen, dass mein Mann Asperger ist, kann ich mich einlesen, verstehe ihn besser und weiß mit den Dingen viel besser umzugehen.

      Der Tipp, in die Richtung zu recherchieren, ist gut!

      Liebe Grüße

      Ninly

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