Fernbeziehung/Vergangenheit

    • (1) 08.03.16 - 23:08
      1=1

      Hallo,

      ich bin seit 3 Monaten in einer Fernbeziehung. Seit 4 Wochen sehen wir uns jedes Wochenende, er kommt immer zu mir und trägt die Hauptlast dafür, dass wir uns sehen können von daher kann ich mich echt nicht beklagen.

      Nun ist eine Sache aufgetreten, bei der ich ein ganz blödes Gefühl bekommen habe.

      Ich bin 4 Jahre auf einem Internat gewesen, wo ich zum Schluss mit den dort tätigen Pädagogen sehr schlechte Erfahrungen gemacht habe. Man hat meinen Freundinnen untersagt, mit mir zu sprechen, und ich musste als 14 Jährige bei den Abiturientinnen im Zimmer mitwohnen, welche von den Erwachsenen instruiert worden waren, nicht nett zu mir zu sein. Ich bin dann nach Monaten einer solchen Behandlung depressiv geworden und habe die Schule verlassen. Seither hatte ich keine Depressionen mehr, und habe meinen Weg durch das Leben gut gemeistert. Das ganze ist nun 30 Jahre her und ich habe nicht mehr daran gedacht. Bis zum letzten Wochenende.

      Nun bin ich aber in einer Beziehung mit einem ehemaligen Lehrer von dort. Bei unserer Kontaktaufnahme wusste ich nichts davon, dass er mit dieser Schule in Verbindung steht.

      Im Laufe des letzten Wochenendes hat sich herausgestellt, dass er mit der Hauptinitiatorin, welche mich so schlecht behandelt hatten damals, befreundet ist. Er sagte dazu, dass er sie so nicht kennen würde, und sie sehr nett zu ihm und seinen Sohn gewesen ist, der bis von 10 Jahren auf dieser Schule gewesen ist. Sie halten seither den freudnschaftlichen Kontakt mit der inzwischen 70 Jährigen Frau.

      Ich gehe nun davon aus, dass ich mit meiner Verletztheit von damals keinen Raum bekommen werde, weil es sich hier für ihn um soetwas wie Familienbande handelt. Er kam damals aus dem Ausland mit seinem 14 jährigen Sohn nachdem er sich von seiner Frau getrennt hatte, und fing als Lehrer an dieser Schule an. Vieleicht war diese Scheckschraube meiner Jugend sogar soetwas wie ein Ehefrau/Mutterersatz für die beiden.

      Was soll ich denn nun mit dieser Situation anfangen? Wie soll ich denn als seine Partnerin mit dieser Situation umgehen? Sollte ich mich aus dieser Verbindung verabschieden, weil das kleine verängstigte Mädchen von damals in mir wieder zurückgekehrt ist.

      • (2) 09.03.16 - 00:03

        "Sollte ich mich aus dieser Verbindung verabschieden, weil das kleine verängstigte Mädchen von damals in mir wieder zurückgekehrt ist."

        Wenn das kleine Mädchen von damals wieder zurückgekehrt ist, bedeutet das lediglich, dass du die letzten Jahren die Geschehnisse gut verdrängen, jedoch nicht verarbeiten konntest und sie nun wieder an die Oberfläche gekommen sind.

        Wahrscheinlich wird es Zeit, sich intensiv mit dem Erlebten auseinanderszusetzen, wenn es dich nach 30 Jahren noch so beeinträchtigt, dass du die Beziehung zu einem Mann beenden willst, der überhaupt keine Schuld trägt.

        Wenn du die Beziehung beendest, dann gibst noch 30 Jahre danach, deinen ehemaligen Peinigern die Macht, über dich und dein Leben zu bestimmen.

        Liebe Grüße
        Luka

        • (3) 09.03.16 - 09:06

          Hallo und Danke für Deine Antwort.

          Ich hatte die Geschehnisse von damals für mich so bearbeitet, abgeschlossen, dass die Menschen dort, die ohne Mitgefühl agiert haben eigentlich bedauerswert sind, weil sie mit sich selbst sehr warscheinlich ähnlich rüde umgehen.

          Nun ist aber dieses Pflästerchen, welches ich mir darauf gelegt hatte in Frage gestellt, weil er gesagt hat, dass er sie so nicht kennen würde.

          Meine verliebtheitsidylle ist nun etwas gestört.

      Hallo!

      Ich denke auch, dass es eher an der zeit ist, das Erlebte endlich aufzuarbeiten, statt es nur wieder zu verdrängen. Sonst wird es Dich Dein ganzes Leben begleiten und immer wieder hervor kommen.

      Dein Freund hatte damals einfach nur eine Kollegin, die nett zu ihm war. Zu Dir war sie nicht nett, aber Dich kannte er ja gar nicht, vermutlich warst Du zu dem zeitpunkt schon längst aus der Schule raus, oder?

      Das sind zwei Geschichten die nichts miteinander zu tun haben. Das muss eure Beziehung zueinander auch nicht beeinflussen. Du musst die Dame ja nicht besuchen oder sowas.

      Und warum sollte er nicht annehmen können, dass die Frau damals eine Schülerin mies behandelt hat, sie eben in ein Zimmer mit nicht altersgerechten Schülerinnen steckte (denen man wahrscheinlich gar nicht sagen musste, sie sollten fies sein, das hat sich wahrscheinlich schon alleine vom Altersunterschied her von alleine ergeben), und er kann doch deswegen dennoch Mitgefühl wegen Deiner Vergangenheit haben.

      Aber wie Du schon schreibst, es ist 30 Jahre her und sollte entsprechend heute Dein Leben nicht mehr derartig beherrschen. Daher arbeite Du es auf mit einem Therapeuten. Nicht wieder verdrängen, sondern endlich daran arbeiten.

      • (5) 09.03.16 - 09:11

        Hallo, danke schön für Deine Gedanken.

        Zu dem Zeitpunkt als er dort gewesen ist, war ich schon mehr als 10 Jahre nicht mehr auf dieser Schule.

        • Möglicherweise hat die Lehrerin sich ja in den 10 Jahren danach auch noch geändert, hat Fehler eingesehen oder ihren eigenen Weg im Umgang mit schwierigen Schülerinnen gefunden, ohne derart drastische und unangebrachte Bestrafungen.

          Oder er hat sie nur im Umgang mit sich selber als jpüngerem Kollegen "auf Augenhöhe" erlebt, aber eben nicht als Lehrerin am längeren Hebel, die vielleicht durch Überforderung oder Vorgaben von der Schulleitung auch mal falsche Wege gewählt hat.

          Ich finde es auch schwierig, weil Du Dich an die Vorgeschichte nicht erinnerst.

    (7) 09.03.16 - 08:40

    Ich bin der Meinung, dass der Mann, dem du dein Vertrauen schenkst, abschließend anerkennen sollte, dass diese lang zurück liegende Zeit bei dir Wunden hinterlassen hat.

    Wenn der Mann deine Perspektive auf die Frau nicht anerkennen will, so hat die Beziehung keine Zweck. Ich würde ihm etwas Zeit geben. Wenn es nicht ankommt, dann das Handtuch werfen.

    Bleib immer bei dir, schau was dir gut tut.

    Es tut mir sehr leid, was du mitgemacht hast!

    • (8) 09.03.16 - 08:57

      Hallo und Danke für Dein Mitgefühl.

      Er hat auch Mitgefühl gezeigt, trotzdem habe ich das Gefühl, dass diese Sache zwischen uns steht und mein Vertrauen zu ihm beeinträchtigt.

      Ich hätte schon das Bedürfnis, darüber mit ihm zu reden, verstehe aber auch, dass das nicht sein Leiblingsthema sein wird.

      Ich weiss, nicht, wie intensiv seine Freundschaft zu ihr ist, wie oft sie sich treffen. Ich weiss nur, dass er auf FB Kontakt zu ihr hält, wie das heutzutage so üblich ist.

      • (9) 09.03.16 - 09:33
        meine Meinung

        hallo,

        ich denke, du kannst nur nach deinem Bauchgefühl gehen - und ich denke, dass du dem Ganzen bisschen Zeit geben kannst und weiter beobachten kannst, bevor du eine Entscheidung triffst.

        Ich finde es gut, dass du das angesprochen hast - und ich denke, dass es gut ist, immer wieder darüber zu reden.
        Ich weiß nicht, wie groß die Wunden bei dir sind. Ich hatte eine beschissene Zeit während meiner Ausbildung gehabt, das ging über vier Jahre. Und ich hatte meinen Mut zusammen genommen und bin zu der Lehrerin gefahren und habe ihr das erzählt. Sie hat erst alles abgesprochen. Ich bin dann nach Hause gefahren und dachte, das war ein Griff ins Klo. Aber wenigstens habe ich es ausgesprochen.
        Und einen Woche später kam dann eine ernst gemeinte Entschuldigung.

        Das würde ich nicht erwarten - aber ich würde so offen damit umgehen, damit sich jeder positionieren kann - und dann ist klar, wer dich weiter unterstützt und wer lieber im Schweigen lebt.

        Und ich denke, dass dein Freund auch Zeit braucht, um seinen Platz darin zu finden. Eine Änderung, ein Impuls in der komplexen Beziehungsstruktur - und alles ruckelt...
        Ob das sein Lieblings-Thema sein wird oder nicht, das sollte nicht deine Sorge sein.

        Ich bin übrigens kein Freund von "alte Wunden immer wieder neu aufstochen". Nur so lange ich spüre, dass etwas mein jetziges Leben stark beeinflusst, möchte ich das ändern, um ein Gefühl von Freiheit und Selbstständigkeit zu bekommen. Die Narben spüre ich vermutlich mein Leben lang. Aber ich finde im Alltag Wege, um mit den Narben liebevoll umzugehen und dass der Schmerz nicht mein Leben diktiert. Und ein Weg ist, den Kontakt abzubrechen. Ich denke, die Zeit wird dir helfen!

        Alles Gute - und ich bewundere deinen Mut, auszusprechen was ist und was war!
        Alles Liebe #liebdrueck#herzlich

        • (10) 09.03.16 - 10:12

          Hallo und danke für Deine Meinung.

          Der Zustand in dem ich das Thema angesprochen habe war eine Mischung aus Entsetzen und Vertrauen. Ich habe auf Beistand und Solidarität gehofft. Das erstere hat er mir gezeigt, Direkte Solidarität nicht. Ich denke auch aus dem Grund, dass er über seinen Sohn diese Verbindung aufrecht erhalten will.

          • (11) 09.03.16 - 10:23
            meine Meinung

            das kannst du ja ansprechen... und ihm auch sagen, wie wichtig dir ist, mit ihm diskret und vertrauensvoll darüber sprechen zu können.
            wenn ihm der Kontakt und die Verbindung allerdings so wichtig ist und er Sorge haben könnte, in einen Loyalitätskonflikt zu geraten, dass er dir das offen und ehrlich sagen soll. Das willst du nicht und das gibt nur Krampf.

            im ersten Moment wäre ich auch geschockt, wenn ich das hören würde. Ich kenne das von der anderen Seite auch. Und dann ist es manchmal schwer herauszufinden wie die Zusammenhänge sind, bzw. was wer wie erzählt. Deswegen meinte ich, dass er vielleicht auch seine Zeit braucht. Allerdings sollte schon bald klar werden, ob er dir so viel Vertrauen schenkt, dass er alles Mögliche tut, um dich in deinem Weg zu unterstützen.

            #liebdrueck

Mir würde der Kontakt Deines Freundes zu Deiner damaligen Peinigerin stinken. Er wird ihr von Dir erzählen, sie wird es anders darstellen als Du. Der ganze Krampf von damals wird wieder hochkommen, Du mußt Dich ihm gegenüber vielleicht noch rechtfertigen. Er übernimmt vielleicht Argumente seiner Freundin.
Ich würde mich fragen: Will ich mir das alles antun? Dazu noch die Probleme mit einer Fernbeziehung.
Für mich wäre die Antwort ganz klar: Nein!

Gruß Bernd

  • (13) 09.03.16 - 10:02

    Hallo,

    Du beschreibst genau meine Befürchtungen. Er hat nachgefragt, was dazu geführt hat, dass ich bestreft worden bin, ich konnte es nicht genau erklären, weil mir da tatsächlich Erinnerungen fehlen. Also bin ich diese Antwort schuldig geblieben mit dem Gefühl, dass es für eine Beziehung nicht in Ordnung ist, wenn ich in die Verlegenheit gerate Antworten finden zu müssen.

    Am liebsten wäre mir eine uneinegeschränkte Solidarität mit mir.

    Heute abend will er mich wieder anrufen, und ich denke dass ich dieses Thema ansprechen werde. Wenn er nämlich schon hier ist, den weiten weg auf sich genommen hat, und dan eventuell vorzeitig wieder wegfahren muss, dann ist es schlimmer,, als wenn wir schon am Telefon die Positionen geklärt haben.

    • (14) 09.03.16 - 11:16

      Aber es ist doch legitim, dass er fragt, was Du getan hast, wofür Du die Strafe bekommen hast. Das heißt doch, er interessiert sich dafür.
      Du hast Deine Erinnerung verdrängt, kannst nichts sagen, kannst Dich nur an die Strafe erinnern und das soll er dann so hinnehmen, das ist aber auch nicht richtig.
      Du erwartest uneingeschränkte Solidarität ohne dass er die ganze Geschichte kennt.

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