Immer wieder schwer

    • (1) 11.03.16 - 07:50
      sich-im-Kreis-drehen

      Hallo zusammen,

      will das heute lieber in schwarz schreiben:

      Vor einem halben Jahr habe ich durch meinen Mann (mit dem ich seit über 25 Jahren zusammen bin) erfahren, daß er eine Affäre hat, die zur damaligen Zeit über ein Jahr ging. Er hat diese Affäre damals beendet und gesagt, er möchte weiterhin mit mir zusammensein, sich darum bemühen...! Wer ähnliches erlebt hat, kann sich sicher vorstellen, wie es in dieser Zeit bei uns "abging" - Tränen, Wut, Vorwürfe, Annäherungen, Viel-Reden, schlaflose Nächte, alles war dabei.

      Derzeit ist es so: Ich bin einerseits fest entschlossen, die Ehe fortzuführen und muß sagen, daß es sich der Weg, den wir gehen, teilweise richtig gut anfühlt. Und andererseits bin ich dann doch immer wieder mal in einer "Spirale", wo ich das Gefühl habe, ich drehe mich im Kreis. Dann "triumphiert" in mir die Erinnerung, ich frage mich immer wieder "Warum hat er (mir) das (an-)getan, warum hat sie das getan... und, und, und"
      Ich kenne diese andere Frau genausolange wie mein Mann, sie ging bei uns ein und aus, auch noch in der Zeit, als bereits etwas "lief", unsere Kinder haben in Kinderjahren viele Stunden zusammen gespielt und viel Spaß miteinander erlebt... Ich war in den letzten Wochen dabei, für meine Söhne (17 + 19) ein Fotoalbum zu gestalten, da stieß ich natürlich auch auf Fotos mit ihren Kindern, die habe ich alle gelöscht. Unsere Jungs wissen von der Beziehung und ich fand es als nicht sinnvoll, diese "Erinnerungen" nun in ihre Albums zu packen.

      SIE wohnt mit ihrer Familie (ist auch weiterhin mit ihrem Mann zusammen) hier im selben Ort, das bedeutet, ich treffe hin und wieder flüchtig auf sie - man begegnet sich im Auto oder beim Bäcker :-[
      Nächste Woche bin ich zusammen mit meinem Mann auf einen Geburtstag eingeladen, bei einem guten Freund seinerseits. MIr ist irgendwie nicht wohl bei dem Gedanken dabei, dort hinzugehen. Ich will mit den Leuten, die ich dort treffe nicht DARÜBER reden, weiß aber, daß wohl der Ein oder Andere "Etwas" weiß. Typgemäß habe ich kein Problem, jemanden zu sagen "Du, darüber möchte ich nun nicht sprechen, sei mir nicht böse". Aber ich kann mir vorstellen, daß wohl keiner das Gespräch darauf bringen wird, sondern eher hinter vorgehaltener Hand getuschelt wird. Zuhause bleiben ist aber für mich i-wie auch nicht die "Lösung".
      Ach, es fühlt sich einfach teilweise SCHWER an und belastet mich...!
      Auch ist durch diese Affäre viel kaputt gegangen in der Familie, zwischen uns als Paar, ich kann es gar nicht alles beschreiben. Manchmal bin ich einfach wieder ziemlich "unten" und ratlos. Das wollte ich mir einfach mal von der Seele schreiben.

      LG

      • Ach Mensch.. ich weiß gar nicht was ich sagen soll so richtig... wenn ich das lese fühle ich den Schmerz, die Verzweiflung, die Fragen.... Lass Dich mal drücken.

        ich kenne das alles nur zu genau - und sicher viele hier auch. Ich habe das - in anderer Form, aber das ist es ja immer irgendwie - alles auch schon mitgemacht, zweimal. Und der Schmerz ist sofort wieder präsent.

        Schlimm hier finde ich, dass Du sie nicht streichen kannst, sondern ihr begegnest - das hatte ich noch nie, ob ich damit klar käme wüsste ich auch nicht.

        Der Gedanke warum hat er mir das angetan.... Schlimm, aber ja, so fühlt es sich an, in diesen Kreisen dreht man sich immer wieder und immer wieder.

        Wichtig ist, wie Dein Mann mit Dir umgeht. Hilft er Dir damit klar zu kommen, kannst Du Deine Sorgen und Nöte und trüben Gedanken mitteilen oder igelt er sich ein und will in Ruhe gelassen werden mit dem Thema? Du schreibst, es ist viel kaputt gegangen... könnt ihr es kitten? Habt ihr mal darüber nachgedacht, das mit professioneller Hilfe aufzuarbeiten?

        Für den Geburtstag hätte ich auch keine Lösung, ich würde ebenfalls schwanken zwischen nicht hingehen und Kopf hoch und durch.

        #liebdrueck
        Lichtchen

        • (3) 11.03.16 - 10:51
          sich-im-Kreis-drehen

          Danke dir!
          Ja - ich kann mit meinem Mann schon über meine Gedanken und Gefühle sehr gut reden, er lässt sich darauf ein, hört mir zu... Aber ich will auch nicht immer wieder "von vorne anfangen"..., es bringt zwar nichts, das Geschehene zu überdecken oder in einen Mantel des Schweigens zu hüllen, dennoch will ich das andererseits nicht unnötig oft zum "Thema nr. 1" machen.

          Wir sind in einer Eheberatung, was teilweise wirklich hilfreich ist, ich bin auch allein bei einer Beratung, die mir schon weitergeholfen hat... aber die Gedanken lassen sich deswegen nicht ausradieren.

          Ob wir letztlich alles kitten können, das wird sich mit der Zeit zeigen und wenn nicht....dann muß und wird das Leben auch weitergehen.... ach, ich hätte diese Erfahrung NIE machen wollen und hätte sie uns als Paar einfach gerne erspart #aerger

          • Aber das klingt doch alles eigentlich gut soweit, ich drücke Dir die Daumen, dass ihr das schafft, ich denke ihr seid auf einem guten Weg.

            ich kann das sehr gut nachvollziehen, man hat das selber ständig im Kopf und will es aber nicht immer zum Thema machen, kommt aber aus der Spirale selber nicht mehr gut raus.

            Was mir geholfen hat waren feste Gesprächstermine mit meinem Partner. z.B. an dem und dem Tag, alle zwei Wochen, nachmittags um drei. wo wir uns beide die Zeit nehmen, uns aufeinander einzulassen und über uns zu reden, Ängste, Wünsche etc.

            Diese Regelmässigkeit hat mir geholfen, dass ich im Alltag weniger dran denken musste, mich nicht mehr so gedreht hab in genau diesen Kreisen.

            #liebdrueck
            Lichtchen

      Guten Morgen,

      ich finde deine Gedanken, deine Wut und das alles völlig normal ist. Schließlich ist das Ganze erst en halbes Jahr her. Das klingt zwar lange, aber wahrscheinlich ging ja diese Affäre viel länger als die Zeit die du bis jetzt zum verarbeiteten hast.

      Respekt das du es versuchen möchtest deine Ehe fortzuführen. Ich bin mir nicht sicher ob ich das könnte. Ich finde die Situation in der ihr lebt schwierig. Das du ihr immer wieder begenen kannst....eure Jungs sind ja schon älter und fast aus dem Haus? Gibt es denn die Möglichkeit für euch neu anzufangen und aus dem Dorf rauszuziehen? Oder seit ihr durch Eigentum gebunden? (Auch das könnte man natürlich verkaufen/vermieten).

      • (6) 11.03.16 - 11:00
        sich-im-Kreis-drehen

        Danke dir.

        Ja, wir sind an Eigentum gebunden, aber ich denke, das ist nicht das alles Entscheidende. Es ist eher so, daß ich hier auch eine Heimat gefunden habe. Ich bin hierher gezogen vor gut zweiundzwanzig Jahren und fühle mich wohl in dieser Umgebung, man kennt sich in einer 3000-Seelen-Gemeinde, ich bin hier integriert und DAS alles möchte ich nicht aufgeben. Da geht es in erster Linie nun nicht um die Kinder, die sind dran ihre eigenen Wege zu gehen, auch wenn sie momentan noch zuhause wohnen. Ich bin hier in ein paar Vereinen aktives Mitglied.... das alles WILL ich IHRETWEGEN nicht auch noch aufgeben. Zum Glück ist es so, daß SIE und ihre FAmilie hier kaum am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

        Aber manchmal ist es wirklich so: mir geht´s augenblicklich gut, ich gehe bsp.weise zur Bank, und plötzlich kommt SIE um die Ecke gefahren (im Auto).... da ist mein Tag dann von einer Sekunde auf die andere komplett anders - oder wenigstens die nächsten Stunden. Ich darf hier gar nicht schreiben, was ich da manchmal am liebsten machen würde....
        #nanana
        LG

    Hallo,

    meiner Mutti ist es leider genauso ergangen. Mein Vati hatte jahrelang nebenher eine Andere. Nach 30 Jahren Ehe hat er es ihr selbst erzählt. Er würde sie lieben usw. Ganz schlimm. Wenn es nur Sex gewesen wäre, dann kann man es vielleicht noch verstehen, aber wenn Gefühle mit im Spiel sind, ist es nochmal eine ganz andere Nummer.

    Ich will es kurz machen. Meiner Mutti ging es sehr sehr schlecht, musste sich in psychiatrische Behandlung begeben, hat sich einige Jahre spritzen lassen usw.

    Ich konnte nie verstehen, warum sie bei im geblieben ist, aber ja, Firma und Haus usw. hängen halt mit dran und es ist bequem, wenn alles beim Alten bleibt.

    Ich konnte meinem Vati lange nicht in die Augen sehen, fand Familienfeiern einfach nur schlimm und scheinheilig. Aber naja, es ist ihre Sache, nicht meine. Das musste ich irgendwann erkennen.

    Sie lieben sich angeblich mehr als zuvor, sind immer noch zusammen, verkaufen ihr Haus und bauen sich jetzt ein neues, ihren Altersruhesitz.

    Meine Mutti akzeptiert, dass mein Vati hin und wieder anderweitig seinen Spaß sucht, wenn ich das mal so sagen darf. Muss ich auch nicht verstehen.

    Versucht viel miteinander zu reden, macht vielleicht eine Paartherapie und versucht die Kinder möglichst rauszuhalten. Für sie ist es auch nicht einfach.

    LG

    • (8) 11.03.16 - 11:09
      sich-im-Kreis-drehen

      Ja - es ist eine Entscheidung, die jeder für sich treffen muß...
      Die Kinder raushalten - als alles aufkam, haben sie es "live" miterlebt, das war nicht gut und nicht schön für sie, auch wenn sie bereits (fast) erwachsen sind. Klar hätte ich ihnen gegenüber wahrscheinlich auch die Wahrheit nicht verheimlicht...dennoch wäre es besser gewesen, sie hätten es anders erfahren. Aber das ist nun so wie es ist.
      Man blickt natürlich auch auf die gemeinsame Zeit, wenn man dann bei dem Partner bleibt. Aber eins ist mir und wohl auch meinem Mann sicher: Sollte er sich nochmal anderweitig "seinen Spaß" suchen - dann ist hier alles aus.

      Und ja - es waren natürlich außer Sex auch Gefühle im Spiel - das macht es nicht einfacher.

      LG

      • (9) 11.03.16 - 18:30

        "Klar hätte ich ihnen gegenüber wahrscheinlich auch die Wahrheit nicht verheimlicht"

        Die Kinder (selbst in dem Alter deiner Kinder) sollte man so gut wie möglich raushalten. Was bringt es ihnen, wenn sie wissen, dass ihr Pap eine Affäre hatte?
        Auch mit ihren Freunden, werden sie nun wohl nicht mehr so offen umgehen können, schließlich ist die Mutter ihrer Freunde die Affäre ihres Vaters.
        Nee, ich finde, die Kinder müssen nicht zwingend alles genau wissen.

Himmel, können die Fremdgänger nicht einfach die Klapppe halten! :-[ Was soll das Gebeichte und Gejammere und das Betteln um Absolution!

Was man dir raten soll? Versuche, die Würde zu behalten. Lass dich nicht vertreiben, nimm dir Freiraum und Zeit, wann immer du das Bedürfnis danach hast. Gehe alleine oder mit einer Freundin in die Ferien und vor allem: Lass dir die Zeit, die du zum Verarbeiten brauchst.

Alles Gute thyme

  • (11) 11.03.16 - 11:28
    sich-im-Kreis-drehen

    Danke dir!
    Ja - die Zeit für mich nehme ich mir.

    Aber trotz allem muß ich sagen: Der Gedanke, daß er das nicht "gebeichtet" hätte.... oh NEIN, damit kann ich mich nun gar nicht anfreunden. Also das würde ich noch weitaus "Schlimmer" finden, als das Gebeichte...
    Ist leider so, daß mir Ehrlichkeit einfach furchtbar wichtig ist - darum tut es wohl auch so weh...
    LG

    (12) 11.03.16 - 18:33
    Genau "sehe ich auch so"

    #pro sehe ich ganz genauso!

Der Verrat Deines Mannes wiegt sehr schwer: er hat Dich nicht nur über 1 Jahr lang angelogen, sondern er hat auch zugelassen, dass diese Person in eurem Zu Hause ein und aus gehen konnte. Du wurdest zum Narren gehalten, ohne dass er sich schützend vor dich gestellt hätte. Das finde ich am Schlimmsten.

Ich könnte das nicht verzeihen - zu groß ist hier die Komponente der Demütigung. Ich glaube, ich würde wegziehen. Aus welchem Grund willst du an der Ehe festhalten? Weil du deinen Mann liebst, also wegen Dir, oder wegen der Kinder bzw. dem gewohnten Leben/Haus? Versuche doch mal, diese Frage zu analysieren.

Die Affaire ist schon seit einem halben Jahr vorbei und du hast sogar Angst, auf einen Geburtstag zu gehen, auf dem sie gar nicht anwesend sein wird. Das zeigt, wie wenig du alles verarbeiten konntest. Wie wäre es, wenn ihr eine Paartherapie macht? Das würde sicher helfen.

  • (14) 11.03.16 - 11:37

    Danke dir.

    Ja - über genau diese Frage, die du stellst, habe ich schon ziemlich viel nachgedacht.

    Es war im ersten Augenblick so, daß man natürlich daran denkt, was man alles aufgeben würde, an die Kinder .....! Doch mittlerweile sind diese Argumente alle in den Hintergrund gerückt... die KInder gehen ihre Wege, sie würden es verkraften (müssen), das Geschaffene (Haus) ließe sich verkaufen und an alte Zeiten anknüpfen ist sinnlos, denn das Band zu den "alten" Zeiten wurde durchschnitten!

    Trotz alldem ist mir aber immer klarer geworden: Mein Mann ist der Mensch, mit dem ich gerne mein Leben weiterhin fortführen würde...

Ich empfinde diese Lügen, um fremd zu gehen, schlimmer als das Fremdgehen selbst.
Diese Lügen zeigen dir, dass die Zeit, in der es "passiert" ist, gar nicht so war, wie du sie wahrgenommen hast. Dein Mann hat in dieser Zeit etwas mit dir gemacht, mit dem du nicht einverstanden gewesen wärst, ohne davon zu wissen.
Dass ein so grober Vertrauensbruch Spuren hinterlässt, ist verständlich.

Warum hat dein Mann die Beziehung zu der anderen beendet? Deinetwegen oder weil die
Fremd-Beziehung aussichtslos war?

Wenn er sich deinetwegen wieder für dich entschieden hat, kannst doch mit erhobenen Kopf euren Freunden und Bekannten gegenüber treten. Du musstest nicht einmal um deinen Mann kämpfen. Du bist ihm so viel Wert, dass er die andere aufgeben hat.

Versuch dich mal in die Situation zu ersetzen, dass es dir passiert wäre. Vielleicht merkst du dann, dass so ein Fehltritt kein Weltuntergang sein muss und schon gar nicht, wenn man sich bemüht wieder ehrlich und liebevoll miteinander umzugehen.

Geh zu dieser Geburtstagsfeier. Wenn sich jemand schämen müsste, dann dein Mann und nicht du.

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