Meine "Opferrollen-Haltung"

    • (1) 29.03.16 - 13:58
      nach-der-Affäre

      Hallo zusammen,

      ich versuche, mich kurz zu fassen:

      Mein Mann hatte eine Affäre (ca. 1 Jahr), hat diese beendet (seit 7 Monaten), wir sind uns mittlerweile wieder etwas näher gekommen, zwischendurch ging es sogar recht gut und doch verfalle ich immer wieder in eine "Opfer"-Haltung.

      Ich erwarte nun von unserer Beziehung, daß diese einfach optimal läuft. D. h. mein Mann sollte möglichst ohne Umschweife erkennen, welche Reaktion ich Wann, Wie und Wo von ihm erwarte. Ich weiß, daß das natürlich einerseits idiotisch ist, doch andererseits denke ich, habe ich nun sowas wie einen "Anspruch" auf eine "perfekte" (das ist jetzt überspitzt) Beziehung....!

      Ich kann es gerade sehr schwer erklären, wie ich das meine und fühle.

      Einfach ein kleines Beispiel: Wir waren am WE bei Freunden zu Besuch, waren auch noch zwei andere Paare anwesend. Es handelt sich bei allen Paaren um "alte" Freunde von seiner Seite. Diese Freundschaft besteht, solange es uns als Paar gibt (29 Jahre), jedoch hat sich der Kontakt in den letzten ca. 10-15 Jahren sehr verringert. Ein Paar weiß wohl von dieser Affäre, ob die anderen es wissen - keine Ahnung - es ist mir auch egal, ich möchte darüber einfach nicht mit ihnen reden. Anfangs war auch alles in Ordnung, im Laufe des Abends ergeben sich dann manche Gespräche, wo es mir persönlich nicht gut geht, etwa wenn alte Zeiten Revue passieren oder einfach "Witze oder Sticheleien" fallen, worüber ich früher auch gelacht habe, mich mit einbrachte. Etwa ging es um das Thema "Silberhochzeit" - steht nun in den nächsten Jahren bei einigen an ... ja - ob man denn nochmal heiraten würde, nochmal so früh heiraten würde, was man anders machen würde... da wurden natürlich dann auch Scherze gemacht. Und ich wäre am liebsten im Erdboden versunken. Mein Mann hat dann sogar einmal kurz gefragt "Möchtest du heim" - ich sagte nur "Ja" und es passierte NIX! Wir blieben weiter sitzen... meine Stimmung ging gegen Null und zuhause hatten wir daraufhin Riesenkrach! In dieser Situation bsp.weise hätte ich erwartet, daß er dann auch wirklich den Abend beendet, sagt "Ok - wir fahren dann mal heim"...... er hatte offensichtlich darauf gewartet, daß ich diesen Part übernehme, bzw. nachhake.

      Ich weiß, daß ist einerseits eine absolute Kleinigkeit (früher hätte ich mich klar ausgedrückt, wenn ich nun nach Hause möchte)... und daran mache ich nun viel fest bzw. genau daran geht in mir dann auch wieder etwas kaputt.

      Wie gesagt, ich kann es einfach schwer beschreiben. Ich will, daß er weiß, was ich fühle, ohne es ihm zu sagen und dann soll er gefälligst darauf eingehen. Ich empfinde momentan so ein "Anrecht, auf Händen getragen zu werden".....

      Vielleicht versteht das jemand und kann mir einfach einen Rat geben. Mein Selbstbewusstsein war nie das Beste, aber seit dieser Geschichte hab ich davon wieder viel verloren.

      LG

      • Hi du! Also ich denke auch das du stellenweise zuviel erwartest und dein Mann natürlich kein Hellseher sein kann! Aaaaber wenn er fragt ob du heim willst und du sagst deutlich JA verstehe ich auch nicht wieso er dann bleibt!
        Da würde ich mich auch ein wenig angepisst fühlen.

        Haste ihn später noch drauf angesprochen?

        Ela

      Achje....du bist aber noch längst nicht durch mit dem Thema.

      Deine Ansprüche sind tatsächlich etwas merkwürdig. Wie soll eure Ehe jetzt plötzlich optimal und super laufen? Keine Bezeihung läuft optimal. Es gibt überall zumindest ein Haar in der Suppe. Und offensichtlich lief es damals gar nicht gut sonst hätte dein Mann wahrscheinlich nicht 1 Jahr eine Affäre gehabt. Es wird nie wieder, wie es war, es wird anders.

      Es ist doch an euch, die neuen Regeln festzulegen, die Wünsche zu äußern und Erwartungen zu formulieren. Habt ihr das nie gemacht? Wobei ich es auch vermessen finde,,wenn dein Mann nun plötzlich hellsehen können sollte.

      Ich finde, er hat sehr umsichtig reagiert. Mir erging es genauso wie dir. Leider kann ich nicht erkennen,,wo das Problem bei den Gesprächen gelegen haben könnte. Weil andere Silberhochzeit feiern, weil alte Anekdoten auf den Tisch kommen? Wenn es dich stört, dann steht man auf, sagt dass man gerne gehen würde und gut. Erklären willst du dich ja nicht vor den anderen. Ich bin ja eher der Typ, der offen damit umgeht und wäre wohl aufgestanden und hätte gesagt, dass mir das Thema an die Nieren geht und ich jetzt leider die Runde verlassen möchte. Notfalls würde ich auch ohne Mann gehen.

      Vielleicht solltest du dich mehr emanzipieren. dein Mann ist nicht die gute Fee, die dich glücklich machen muss. Er hat einen großen Fehler begangen, keine Frage. Aber wie du dich fühlst und was du erwartest, musst du ihm schon sagen. Woher soll er wissen, wann du mit dem Thema abgeschlossen hast?? Und wenn dir etwas quer geht, dann geh eben. Dafür muss dein Mann nicht zwingend mitdackeln. Auch da kann er nicht wissen, was EUER Thema antriggert und du nach Hause getragen werden möchtest und wann es andere Gründe gibt für dein Unbehagen. Ich kann mir vorstellen, dass er genauso verwirrt ist.

      Letztlich hast DU dich auch entschieden, eure Ehe aufrecht zu erhalten. Also ist es genauso an dir, daran zu arbeiten. Sonst musst du eben gehen. Wenn er nicht aufmerksam genug ist, dann sag ihm das. Aber zu hoffen, dass er möglichst lange auf Knien rutscht und dir jeden Wunsch von den Augen abliest, ist völlig unrealistisch.

      • (6) 29.03.16 - 17:44
        nach-der-Affäre

        Hallo,

        danke für deine Antwort.

        Du hast in vielem recht. Ich sollte mich da wohl deutlicher und klarer ausdrücken und wir müssen nochmal ein paar "Regeln" ausarbeiten.

        Ja - früher war es definitiv so, daß ich einfach sagte, was ich möchte, auch z. b. wenn ich nach Hause wollte. Und auch habe ich selten ein Blatt vor den Mund genommen, wenn mir ein Gesprächsthema nicht gefiel. Wobei es eben in diesem Fall so war: es war ein ganz normales Gespräch, mit ein paar Witzeleien (wie etwa: "Da darfst du richtig froh sein, einen Mann wie mich erwischt zu haben, wer weiß, ob es ein anderer solange mit dir ausgehalten hätte - oder ob du es mit einem anderen solange ausgehalten hättest") denen ich mich früher angeschlossen hätte. Aber nun... gingen da bei mir irgendwie die Scheuklappen runter.

        Klar soll er nicht vor mir auf Knien rutschen und ich weiß auch, daß er mir auch künftig nicht die Wünsche von den Augen ablesen kann. Aber ich merke schon auch, daß ich gelegentlich in eine Erwartungshaltung mit Anspruchsdenken abdrifte, wohl auch deswegen, weil ich mir dann i-wie selber wohl so leid tue, für das was ich erfahren musste.
        Irgendwie blöd...
        LG

        • Ich kann dich schon verstehen. Ich verstehe auch, dass du gewisse Erwartungen hast.

          Kann es vielleicht auch damit zusammen hängen, dass du darüber nachdenkst, was er der anderen an Aufmerksamkeit zukommen ließ und ob sie wohl sehr darum bitten musste? Manchmal hat man bestimmt verklärte Vorstellungen, wie sich sowas abspielt. Und ganz sicher bekommen Affärenpartner ein Übermaß an Aufmerksamkeit, Galanterie und Wünsche von den Augen abgelesen. Das liegt vermutlich in der Natur der Sache. Mann oder Frau reißen sich das Heck praktisch auf, um die Sache am Laufen zu halten und sich von der allerbesten Seite zu zeigen und den anderen bei Laune zu halten. Oder sie fordern es eindringlich ein, was den anderen auf Trab bringt aus lauter Angst, man könne zeitnah ausgetauscht werden gegen ein willigeres Objekt.

          • (8) 29.03.16 - 19:05
            nach-der-Affäre

            Hm- ich glaube es hängt weniger damit zusammen, daß ich mich zu sehr daran "aufhänge", wie viel Aufmerksamkeit er der Anderen zukommen ließ, sondern wohl eher damit, daß ich etwas von meiner "Wertigkeit" verloren fühle.

            Mir ist ja einerseits klar, daß ich nicht meinen Partner dafür zuständig machen kann, wie "wertvoll" ich mich fühle, doch andererseits ist da in mir einfach das Bewusstsein, ihm nicht vollends genügt zu haben. Es war für uns beide ja vor einigen Jahren schon noch klar: "wir werden gemeinsam alt" und damit natürlich auch eine Außenbeziehung ausgeschlossen, sag ich mal. Mein Mann ist grundsätzlich sehr "beständig"... und gerade deswegen trifft mich das wohl so.

            Ich habe damit auch irgendwie das Gefühl, daß ein wichtiger "Bestandteil unserer Ehe" dadurch einfach zerstört wurde...also so, als ob man von nun an eine Ehe mit weniger Bedeutung führt.

            Obwohl ich aber auch erwähnen muß, daß sich durch diese Affäre, bzw. dem Aufdecken derselben, in unserer Beziehung vieles JETZT besser läuft, als etwa vor zwei Jahren. Wir reden viel mehr miteinander, auch über unsere Gefühle, selbst im Sexleben profitieren wir gemeinsam davon.

            Wäre da in mir eben nicht, diese verlorene "Wertigkeit", das verlorene Selbstbewusstsein. Welches mich dann bei manchen Situationen, die ja doch völlig normal für andere sind, ganz klein werden lassen.
            Verstehst du?
            LG

    Hallo,

    Es tut mir sehr leid für dich, dass du das erleben musstest.

    Und ich kann dein gefühl, jetzt besonders umsichtig behandelt werden zu wollen, sogar ein stück weit verstehen.

    Aber so wie sich das liest, siehst du ja schon ein, dass das so nicht funktionieren kann.

    Er kann dich also im zweifel nur enttäuschen und dir somit einen Grund liefern wieder sauer zu sein. Vllt, weil du denkst, dass du kein recht mehr hast, wegen der affaire sauer/enttäuscht zu sein, nachdem du ihm “verziehen“ hast? Aber du bist es verständlicher weise! Und das wird wohl auch noch etwas so bleiben.

    Rede mit ihm über die erwartungen von denen du weisst, dass er sie nicht erfüllen kann und dass du das weisst. Dann kann er dich vllt verstehen.

    Und nimm dir das recht heraus über deine Verletzungen zu reden...

    Evtl lieg ich mit meiner theorie auch völlig daneben, dann entschuldige bitte!

    LG nane

    • (13) 29.03.16 - 17:47
      nach-der-Affäre

      Hallo,

      danke dir.

      Nein - so daneben liegst du nicht mit deiner Theorie. Du hast es irgendwie schon richtig gedeutet, wie es sich für mich anfühlt.

      Es stimmt - bei allem hilft eigentlich nur reden, reden, reden!
      LG

Dein Mann hatte eine Affäre, danach seid ihr euch wieder näher gekommen, du empfindest dich in der Opferrolle. Soweit mal klar.
Aber was heisst "wieder näher gekommen"? Wart ihr schon vor seiner Affäre auseinandergedriftet?
Was war/ist dein Anteil daran?
Erwartungshaltung ist das eine (unausgesprochene Erwartungen sind einfach nur kindisch und destruktiv), aber eine Beziehung besteht aus Geben und Nehmen. Wieviel gabst/gibst du?

Kann Dich total verstehen.
Du wünschst Dir eine Art "Wiedergutmachung" - nur leider kommt da nix.
Was hat er denn getan, um die Demütigung, die Du erleiden musstest, wieder auszugleichen?

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