Er möchte eine räumliche Trennung

    • (1) 12.04.16 - 12:19
      Traurig1211

      Liebe Urbianer,

      ich brauche Eure Hilfe bzw. Euren Rat.

      Ich bin seit 9 Jahren mit meinem Mann zusammen, davon seit 5 Jahren verheiratet. Wir haben eine 6-Jährige Tochter, die wir beide über alles lieben.

      Unsere Beziehung war von Anfang an nicht einfach - ich habe immer ein schwieriges Verhältnis zu Männern gehabt, da ich einen sehr dominanten Vater hatte und dieser gestorben ist, als ich elf Jahre alt war. Leider war unsere Beziehung immer mehr wie eine Vater/Tochter Beziehung, er hat mich und unser Kind sehr umsorgt, und ich habe ihn gewähren lassen.

      Alle Versuche, etwas an dieser Konstellation zu ändern, waren beiderseits nicht wirklich konsequent - ich habe das Problem schon lange gesehen, auch regelmäßig in meiner Therapie über Lösungsansätze gesprochen, und das Thema zu Hause angesprochen, aber irgendwie hat er immer dicht gemacht bzw. für ihn war klar, dass unsere Beziehungsprobleme u.a. nicht an seiner über fürsorglichen Art liegen können. Mir ist selbstverständlich klar, dass immer 2 zu so einer Problematik gehören.

      Ich habe ihn auf eine ruhige Art und Weise immer geliebt, aber ich habe auch darunter gelitten, dass wir keine Beziehung auf Augenhöhe geführt haben, mir hat die Leidenschaft gefehlt, aber er war immer mein Fels in der Brandung. Das habe ich ihm auch immer wieder gesagt.

      Wir hatten einige Krisen, irgendwie haben wir uns aber immer wieder zusammen gerappelt, auch wegen unserer Tochter.

      Nun hat er mir aber eröffnet, dass er möchte, dass wir uns trennen. Er sagt, er mag mich noch sehr, aber eher wie eine Tochter als wie eine Frau (was ja verständlich ist, das wir schon lange nicht mehr wie Mann und Frau zusammen leben).

      Ich möchte uns aber noch mal eine Chance geben, weil ich wirklich Liebe für ihn empfinde, und auch wegen unserer Tochter.

      Ich glaube, dass wir es schaffen können, wenn wir beide aus unseren bisherigen Rollen herausgehen, und versuchen, uns wieder auf Augenhöhe zu begegnen - was meint Ihr dazu? Ich weiß, dass ich etwas ändern kann, aber er muss natürlich auch bereit dazu sein. Wir hätten eine ernsthafte Chance, das sagt auch meine Therapeutin - aber ich habe den Eindruck, dass er das momentan nicht sieht.

      Habt Ihr eine Idee, wie ich mich verhalten kann? Ich bin ratlos.

      Danke,

      Traurig

      • Ich würde ihn ziehen lassen.

        Etwas Abstand wird euch beiden gut tun, um an einer anderen Beziehungsebene arbeiten zu können. Wenn ihr zu dicht aufeinander hockt, werdet ihr an dieser Konstellation garantiert nichts ändern.

        Zudem solltest du seine Argumentation, nur noch Zuneigung zu empfinden, nicht ignorieren, nur weil du bereit wärest, an euch zu arbeiten.

        Evtl. bringt ja eine eigene Wohnung ihn dahin zu merken, dass es eben doch noch mehr ist als "Vaterliebe" und dann wird er eher bereit sein, seinen Teil für eine Rettung eurer Beziehung zu tun.

        Manchmal muss man gehen, um zurückkommen zu können.

        Also respektiere seinen Wunsch und versucht dann, an euch zu arbeiten.

        Ich wünsche viel Glück.

        Hezna #klee

        • (3) 12.04.16 - 13:32

          Aber muss man nicht manchmal auch kämpfen, gerade wenn Kinder im Spiel sind? #gruebel Er hat nach einem langen Gespräch gestern eingewilligt, dass wir es noch mal zwei Monate versuchen - wobei ich ihm gesagt habe, dass das ja nichts bringt, wenn er nicht auch bereit ist, etwas zu ändern.

          • Nur weil er sich eine Wohnung sucht oder ein Zimmer heißt es doch nicht automatisch, dass es vorbei ist.

            Natürlich soll man kämpfen und versuchen, sich wiederzufinden.

            Ich denke aber, das eine Beziehung, die schon jahrelang auf dieser Beschützer/Beschütztwerden Schiene läuft, nicht mal eben auf gleichberechtigte Ebene zu führen ist. Dazu gehört ein gewisser Abstand und eine neue Sicht auf den Partner. Sonst seid ihr ruckzuck wieder in euren alten Mustern gefangen.

            Und es kann doch auch spannend sein, sich wieder richtig zu verabreden, und er kommt dich besuchen und du kannst dich schickmachen für ihn...und solche Dinge.

            Das bekommt auf einmal wieder einen ganz anderen Wert. Und vielleicht die Chance, das er in dir auch wieder eine Frau sieht, die es zu begehren lohnt.

            Einen Versuch wäre es doch wert.

            • (5) 12.04.16 - 14:00

              Ja, das stimmt. Aber wenn, dann würde ich mir eine Wohnung suchen müssen. Er bleibt in seinem Haus. Und dort würde auch unsere Tochter bleiben.

              Das ist der große Knackpunkt für mich - unsere Tochter. Ich kann das kaum aushalten, die Vorstellung, dass sie bei ihm bleibt. Weil es aber ja ihre gewohnte Umgebung ist.

              • Das kann ich gut verstehen, ich denke, das geht jedem so, der "geht".

                Umso schlimmer, wenn es wie bei euch ist, dass du dann die bist, die auszieht, obwohl sie eigentlich gar nicht will.

                Vielleicht wäre es ja eine Option, das er sich ein möbliertes Zimmer irgendwo nimmt und für eine vereinbarte Übergangszeit, in der ihr schaut, ob etwas zu retten ist, dich im Haus mit der Tochter lässt.

                Wenn es dann wirklich nicht weitergehen sollte, kannst du dich ja immer noch orientieren.

                • Warum sollte der Mann aus seinem Haus ausziehen? Die Tochter kann doch genau so gut mit Ihrem Vater in seinem Haus wohnen bleiben und die TE nimmt sich ein Zimmer.

                  Und so wie ich das verstehe, will die TE ja die Beziehung noch irgendwie retten und ihr Mann hat eigentlich schon mit der Sache abgeschlossen. (so habe ich das zumindest verstanden). Also nochmal warum sollte der Mann sein Haus verlassen? Das macht doch überhaupt keinen Sinn...

                  • Habe ich das irgendwo überlesen, dass es "sein" Haus ist?

                    Ganz abgesehen davon:
                    >>Das macht doch überhaupt keinen Sinn... <<

                    Ja, für dich nicht. Für die TE und ihren Partner vielleicht schon.

                    Wenn er erstmal eine räumliche Trennung möchte (und keine endgültige Trennung), können die beiden das doch ausmachen, wie sie möchten.
                    Die TE möchte gerne ihre Tochter bei sich haben. Vielleicht sieht das der Partner genauso.

                    Es geht hier ja nicht um "Ansprüche stellen", sondern um Vereinbarungen zwischen der TE und ihrem Partner...

                    • Die TE schrieb weiter oben, dass es das Haus von Ihrem Partner ist.

                      Die TE hat doch u.a. die Diagnose gestellt, dass die Beziehung daran gescheitert ist, das die zwei in eine Art Vater/Tochter - Verhältnis hinein gekommen sind. Gleichzeitig wird der TE hier von allen Seiten geraten, dass sie gehen soll und insofern an sich arbeiten soll, dass eine Augenhöhe wieder hergestellt wird.

                      Das erreicht die TE sicherlich nicht, in dem sie vorschlägt, dass ihr Partner doch sein Haus verlassen solle, sondern vielmehr erreicht sie das, wenn sie mal klare Kante zeigt und ihr Leben selbst bestimmt lebt, aber gut man kann ja auch noch eine Weile rumeiern...

                      • Ich verstehe, was du sagen willst. Das Problem der TE ist, dass sie aber ihre Tochter bei ihrem Mann lassen "müsste", also im gewohnten Umfeld des Kindes.

                        Und das möchte die TE nicht. D.h. wenn sie sich eine eigene Wohnung sucht, dann müsste sie ihre Tochter mitnehmen, aus der gewohnten Umgebung rausreißen usw. Ist natürlich möglich, aber ich glaube, dass sie genau das verhindern möchte...

                  (11) 12.04.16 - 14:29

                  Es geht ja nicht darum, dass er das Haus seiner Frau überlässt sondern das er, da er die räumliche Trennung wünscht, erstmal das Feld räumt, bis klar ist, ob sie nochmal zueinander finden.

                  Das war ein Vorschlag. Nicht mehr, nicht weniger.

    (12) 12.04.16 - 13:41

    Ich würde nichts mit "Gewalt" versuchen.

    Vielleicht versuchst du ihm mal zu zeigen, dass du eine FRAU bist, und ihn als MANN toll, geil, attraktiv findest. Dass ihr eine Tochter habt, wisst ihr ja eh.
    Überfall ihn doch einfach mal am Abend, und knutsch ihn so richtig leidenschaftlich nieder. NEIN, es muss nicht unter die Gürtellinie gehen, Zeig ihm, dass in dir noch Feuer brennt (für ihn), aber übertreib es nicht, und werd nicht nervig.

    Danach könnt ihr ja zu Abend essen.......

    Aber lass ihn irgendwie wissen, dass du eben seine Frau bist, die genauso erwachsen ist wie er.

    • (13) 12.04.16 - 13:55

      Nein, natürlich versuche ich nichts mit Gewalt. Das würde ja auch gar nichts bringen.

      Ich hatte das auch schon überlegt, aber ich kann ihn ja nicht niederknutschen, wenn er an seiner Liebe zweifelt.

      Das war übrigens immer ein großer Diskussionspunkt bei uns: ich habe nie einen Schritt auf ihn zugemacht. Ich weiß gar nicht, wie das geht, auch wenn Ihr das nicht glaubt.

(14) 12.04.16 - 13:53
Altersunterschied

Hallo,

es hört sich auch nach einem größeren Altersunterschied zwischen euch an, oder?

Ich kann nur aus persönlicher Erfahrung sagen: Wenn die Gefühle erst einmal in der Schublade "Freundschaft" liegen, dann ist die Sache gegessen.

Ich hatte ebenfalls so eine ungleiche Beziehung. Ich war die dominante, die Überfürsorgliche. Er derjenige, der sich hat betüddeln lassen usw.
Bei uns hat es auch (an beiderseitigen Inkonsequenz) nicht geklappt, aus diesen Rollen zu schlüpfen.

Und irgendwann kam der Tag, an dem ihn nicht mehr als "Mann" gesehen habe. Eher als mein "Kind", das ich durch die Welt begleiten muss. Und ich wollte zu dieser Zeit selber eine starke Schulter haben. Die hätte er aber NIE für mich sein können, auch wenn er seine Rolle geändert hätte. In meinem Kopf war er abgespeichert als "Bubi" und ich hatte einfach keine romantischen Gefühle mehr für ihn. Und die sind nie wiedergekommen!

Traurig, weil ich der Hauptfaktor war, der die Beziehung zum Scheitern gebracht hatte. Aber ich konnte das nicht ändern. Es war, wie es war...

Mittlerweile lebe ich in einer Beziehung auf Augenhöhe und kann rückblickend sagen, dass die "alte" Beziehung nie funktioniert hätte. Menschen sind oft in bestimmen Rollen und müssten sich komplett verändern (müssten zu einer anderen Person werden). Möchte man das? Ich möchte niemanden, der mir VORSPIELT eine starke Schulter zu haben. Ich möchte jemanden, von dem ich weiß, dass er eine starke Schulter HAT.

Vielleicht nimmt deine Geschichte ein anderes Ende. Ich bezweifle dies jedoch. Ich verstehe, dass du sehr traurig bist. Vor allem nach so einer langen Zeit. Ich war übrigens 7 Jahre mit ihm zusammen und 3 davon verheiratet...

Aber so ungleiche Beziehungen können nicht klappen!

  • (15) 12.04.16 - 13:57

    Und nur aus meiner persönlichen Erfahrung heraus als Tipp: Mach dich rar! Lass ihn gehen.

    Zeig ihm, was du für eine starke Frau bist! Regel dein Leben selber. Zeig ihm, dass du auch ohne ihn sehr gut zurecht kommst. Dass du nicht auf ihn angewiesen bist.

    Nur so kannst du ihm zeigen, dass auch etwas anderes in dir steckt, als das kleine Mädchen, das er beschützen muss.

    Deine Gespräche/Bitten, er soll doch noch bleiben etc. führen ihm nur nochmal deutlich vor Augen, in welcher unterwürfigen Rolle du dich befindest.

    Ich war übrigens über 2 Jahre mit meinem Mann aus Mitleid zusammen. Klingt fies, ist es auch! Aber ich konnte ihn nicht verlassen, weil ich irgendwie ein Verantwortungsgefühl im gegenüber hatte a la "Er weiß ja nicht einmal, wo unsere Bankunterlagen sind, wie soll er das nur schaffen" etc.

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