Kann man Zufriedenheit lernen?

    • (1) 12.04.16 - 19:14
      zweifelnd

      Ich habe mich vor knapp 2 Jahren nach zermürbenden Ehestreitigkeiten von meinem Mann getrennt – nach einem sehr langen Prozess und bin dann mit meiner Tochter ausgezogen. Innerfamiliär hat sich vieles verbessert – zu meinem Exmann habe ich einen guten Kontakt, wir hegen keinen Groll, die Situation für unsere Tochter hat sich entspannt, vieles ist wirklich besser geworden, ich habe einen guten und sicheren Job, gute Freundinnen etc.

      Finanziell sieht es natürlich nicht so rosig aus – trotz Vollzeitjob meinerseits kommen wir gerade so über die Runden, da die Mieten hier super teuer sind...

      Ich habe damals lang nach einer Wohnung gesucht, diese hier bietet viele Vorteile, aber im Vergleich zu den vorherigen ist sie einfach kleiner und nicht so schön wie die anderen. Jetzt nachdem ich sie eingerichtet habe denke ich dauernd ich hätte vielleicht für weniger Geld etwas noch besseres finden können – bin zwanghaft bei Immoscout unterwegs... Die meisten Angebote sind zum Glück teurer und weniger ansprechend, aber mit Wehmut denke ich an den großen hellen Altbau zurück, in dem wir vorher wohnten. Dazu kommt dass meine Tochter fast ausschließlich Freundinnen hat, deren Eltern Eigentum haben, mit Garten und ausgebautem Dach...

      Oft denke ich dass ich faktisch ähnlich lebe wie zu Studentenzeiten, zwar verdiene ich jetzt mehr, habe aber auch mehr Ausgaben. Die Trennung war unumgänglich, soviel steht fest, und im Allgemeinen bin ich auch viel zufriedener und ausgeglichener als vorher, wo ich mich fast nicht mehr nachhause traute wegen der miesen Stimmung. Dennoch denke ich oft – war es das jetzt? Ich bin Mitte 40, in einem Alter, in dem viele ihre Häuser abbezahlt haben – und ich zahle einen Kredit ab für – Ikeamöbel... An meiner finanziellen Situation kann ich nichts ändern, wäre ich alleine käme ich auch prima zurecht, aber Kinder kosten nun mal Geld, und beschweren sich noch, dass es nie genug ist...

      Ich weiß dass es absolut tödlich ist, sich mit anderen zu vergleichen, zurückzublicken, ich arbeite auch wirklich daran, aber es ist echt schwer. Auch wenn man dann hier liest – alle haben gutbezahlte Jobs, Eigentum, fantastische Männer...

      Dann sehe ich wieder Freundinnen, die sich nicht trennen können, weil sie finanziell noch schlechter dran wären bzw. keine staatliche Hilfe möchten. Und trotzdem denk ich – war es das jetzt? Ich bin so erzogen, dass ich alles alleine stemmen muss, dagegen ist ja im Prinzip auch nix einzuwenden, dennoch denke ich für meinen Einsatz kriege ich verhältnismäßig wenig.

      Wie kann ich mich so einnorden, dass mir mein Leben – von dem ich objektiv betrachtet weiß dass es nicht schlecht ist – wieder besser gefällt? Danke für konstruktive Tipps.

      • Wie alt ist deine Tochter? Bekommst du Unterhalt?

        Ich finde, es spricht nichts dagegen, sich nach etwas anderem umzuschauen. Ich persönlich finde Eigentum gar nicht so erstrebenswert. Ich habe Eigentum und es bringt auch jede Menge Kosten und Arbeit mit sich.

        Schau nicht neidisch nach rechts und links vielleicht (und wahrscheinlich) sind da einige dabei, die neidisch auf dich sind. Die in Ihrem abbezahlten Häuschen sitzen - und kreuzunglücklich sind...

        Hallo

        Ruhe, Frieden, Freiheit, keine miese Stimmung,ein Zuhause, Gesundheit.
        Dein Kind wird älter,ganz alleine wirst du sie nicht finanzieren.

        Und denk dran, wenn du hier von gut bezahlten Jobs und phantastischen Männern liest: "unter jedem Dach ein Ach"

        L.G.

        Ich habe mich gerade so wieder erkannt...
        Ich bin noch relativ frisch getrennt. Mein Ex und ich betreuen unseren Sohn im Wechselmodell. Deswegen kann ich Vollzeit arbeiten, der Job ist gut und sicher und trotzdem bleibt nix hängen....
        Auch ich zahle gerade den Kredit ab vom Umzug, wohne wieder in 2 Zimmern und schlafe im Wohnzimmer...
        Eigentlich geht es mir gut, ich bin so froh die Trennung hinter mir zu haben, mein Ex und ich haben eine Basis, Sohnemann kommt gut klar....
        Gleichzeitig habe ich ein schlechtes Gewissen, weil mein Kind ein Trennungskind ist. Ich mag meine Wohnung, wenn ich nach Hause komme, komme ich nach Hause, aber dann kommen die Gedanken: du bist 36 und hast kein Schlafzimmer. Seid ich zu Hause ausgezogen bin, hatte ich eine entsprechend große Wohnung und nu?!?

        Wie soll denn mein Kind mal Freunde einladen?!

        Ich habe mir jetzt als Ziel gesetzt: wenn Sohnemann in die Schule kommt, haben wir 3 Zimmer ;-) wie ich das bewerkstelligen soll weiß ich nicht, wird ja bekanntlich nichts günstiger....

        Mal sehen... Eigentlich können wir aber stolz auf uns sein. Wir können unser Leben leben, ohne uns Geldstreitereien mit dem Ex abzuliefern. So wie es scheint schaffen wir es unseren Kindern trotz Trennung ein stabiles ELTERHaus zu bieten. Sie haben Mama und Papa, nur eben in zwei verschiedenen Wohnungen. Das ist mehr als manch anderer im Eigenheim bieten kann.

      • (5) 12.04.16 - 21:17

        Genau das selbe in Grün bei mir!

        Allerdings habe ich 2 Kinder und mein Geld ist auch für so vieles zu knapp. Der KV kann keinen UH zahlen und der UHV ist schon ausgelaufen... Ich habe eine 3/4-Stelle.

        ALLE, wirklich alle in meinem Freundes- und Bekanntenkreis und in dem der Kinder (Fam. u. KV ausgenommen) wohnen im Eigentum, sind verheiratet, fliegen mind. 2x im Jahr in Urlaub, fahren ordentliche Autos. Die Frauen arbeiten teilweise Teilzeit, manche leben das Leben ohne arbeiten zu müssen.

        Ich mag sie alle gerne und stelle da nichts in Frage, weil keiner irgendwie abgehoben ist, alle bodenständig sind, aber eben voll und ganz abgesichert.

        Und bei mir genau das Gegenteil. Mein Auto, was mich oft im Stich lässt, der Kühlschrank, dessen Inhalt seit langem nur noch die Grundausstattung enthält. Rechnungen, die mal 2 Monate liegen müssen. Urlaub im Harz aufm Campingplatz. Ich schlafe auch auf der Couch, die mich kaputt macht, damit die Kinder eigene Zimmer haben (J/M mit 6 J. Altersunterschied). Es gibt ganz schlimme Tage bei mir, wo ich alles vergleiche und in Frage stelle. Und auch frage, ob ich aus dem Loch irgendwann rauskomme. Bin 38.

        Aber wenn ich mit dem KV zusammengeblieben wäre, wär ich richtig kaputt gegangen. Das war die Notbremse. Und das sage ich mir immer wieder. Diese bestimmte Art von Freiheit ist so toll. Vllt mental besser, das Leben SO zu fühlen, als anders.

        Ich denke also, Zufriedenheit kann man nicht lernen. Aber fühlen.

        (6) 12.04.16 - 21:25

        *Auch wenn man dann hier liest – alle haben gutbezahlte Jobs, Eigentum, fantastische Männer...*

        Glaube nicht alles, was Du hier liest. Die Scheidungsquote liegt bei rd. 50 % und meinst Du die anderen 50 % sind glücklich und alle haben so fantastische Männer? Pah.

        Ich bin auch zweifelnd. Unser Haus ist fast abbezahlt, uns fehlt uns finanziell an nichts. Streit gibt es wenig, aber die Liebe ist über die Jahre verloren gegangen. Sex gibt es schon lange nicht mehr und ich ringe seit Jahren damit zu gehen. Wegen dem Aufgebauten, den Kindern, den großen finanziellen Nachteilen bei einer Trennung und noch weitere Gründe bin ich bisher geblieben und mache das Beste aus meiner Situation.

        Letztens habe ich einen guten Spruch auf einem Kalenderblatt gelesen, der gut passt.

        "Wir sind deshalb unzufrieden, da wir glauben die Anderen sind zufriedener."

        Du schreibst selbst es ist besser als früher. Dieser Vergleich ist wichtig.

        Glaube also nicht, was Du liest und siehst. Hinter den Türen vieler Familien sind die Situationen ganz anders als was man vordergründig sieht. Meine Familie ist das Beste Beispiel dafür. Nach außen eine Bilderbuchfamilie, aber hinter der Fassade....

      • Guten Abend,

        ich kann deine Gedankengänge nachvollziehen.

        Allerdings habe ich heute von einer Frau gelesen... https://www.facebook.com/nina.zacher?fref=ts

        Zufriedenheit kann man nicht lernen, aber Demut.

        Liebe Grüße

        fang an, über wiegend nur die guten Dinge zu sehen.

        >>Dennoch denke ich oft – war es das jetzt?<<
        wäre es so, dann würdest du auf der Stelle tot um fallen;-)

        Lerne das, was du hast, zu schätzen, sei stolz auf dich, was du alles geschafft hast.

        Alles Gute

        (9) 13.04.16 - 12:51
        Gar nicht so schwer

        Hallo, ja man kann üben im "jetzt" zu sein.
        Dabei helfen Beschäftigungen (Arbeit oder Hobby) bei denen man ganz im Flow ist, in denen man so aufgeht, dass man einfach zufrieden ist. Wer mag kann auch meditieren üben, das muss man einfach ausprobieren.

        Ansonsten hilft es sich das Gute bewusst zu machen, indem man es jeden Tag für sich aufschreibt. Und Vergleiche mit anderen einfach komplett lässt.

        Das erfordert am Anfang noch eine gewisse Selbstdisziplin, wird aber schnell zu einer selbstverständlichen, guten Gewohnheit. Viel Erfolg!

        Hallo,

        mein Mann und ich haben uns vor 4 Jahren scheiden lassen. Er blieb in unserem Haus (wir haben eines in der Nähe seiner Eltern gekauft, dort wo er groß geworden ist, ich wollte daher nicht dort bleiben#schein) und ich habe mir eine Mietwohnung genommen.
        Es war wirklich nicht leicht, die passende zu finden, die 1) nicht zu weit weg von KIGA und Schule ist, 2) auch nicht zu weit weg ist von meiner Arbeitsstelle, 3) groß genug für uns drei ist und 4) nicht zu teuer. Pendeln muss ich zwar so oder so, aber es ist ein Unterschieb ob 50 km oder 70km.

        Nach langer Zeit habe ich endlich eine passende Wohnung in einer schönen modernen Siedlungsanlage gefunden, wo es auch einen Spielplatz innerhalb der Anlage gibt.

        Mein Exmann und ich betreuen unsere Jungs im Wechselmodell, 50% hat er die Kinder, 50% ich.

        Meine Kinder leben somit in einem Haus UND einer Wohnung. Ich verdiene wirklich gut, arbeite 34 Stunden und kann mich nicht beklagen. Dennoch wäre mir manchmal ein Haus oder eine größere (Eigentums)Wohnung lieber, auch meine Kinder hätten gerne jeder ein eigenes Zimmer (dafür müsste ich dann im Wohnzimmer schlafen, was wahrscheinlich früher oder später so sein wird).

        Manchmal denke ich mir auch, dass es traurig ist, dass ich mit 34 Jahren noch immer in einer Wohnung lebe und eigentlich nichts vorzuweisen habe#schmoll....aber es hilft nichts, derzeit ist ein Haus bzw Eigentum einfach nicht drinnen, alleine kann ich mir das nicht leisten:-(.

        Viele Bekannte von mir, die damals weder Kind noch Haus hatten, als mein Exmann und ich schon beides hatten, haben heute Kinder UND Eigenheim und ich bin wieder in einer Wohnung...aber so ist das nun mal, ich habe mich von meinem Exmann getrennt und muss daher auch mit diesen Konsequenzen leben.

        Ich bin dennoch zufrieden, selbst wenn es Tage gibt wo mich die Wohnsituation beschäftigt....wenn mein Partner und ich zusammen wohnen könnten (was derzeit aufgrund einiger Faktoren noch nicht möglich ist) könnten wir uns auch ein Haus bzw Eigenheim zusammen leisten. Aber alleine ist das einfach nicht zu packen....

        Was ich dir damit sagen will ist: es geht vielen Frauen (und sicher auch Männern) so, du bist nicht alleine damit....und auch wenn es uns so vorkommt als würden wir so hausen wie mit 20 so hat sich doch etwas entscheidendes verändert: wir haben auch Verantwortung für unsere Kinder!!! Und ich bin sicher, dass jede/jeder von uns sein Bestes gibt um den eigenen Kindern ein glückliches und schönes Leben bieten zu können#herzlich. Und da ist es echt egal ob in einem Haus oder einer kleinen Mietwohnung!!!!

        Und das wichtigste ist doch, dass man selber glücklich ist! Ich bin es jedenfalls, selbst wenn ich keinen eigenen Garten und kein eigenes Haus mehr habe. Dieses jetzige Leben ist mir mehr wert als jedes Eigenheim der Welt:-)!

        Lg

        PS: Mittlerweile konkretisieren sich schon unsere Pläne, eine gemeinsame Wohnung in Angriff zu nehmen und ich bin zuversichtlich, dass wir das die nächsten 2 Jahre verwirklichen werden#huepf...und da hat dann jedes unserer 4 Kinder ein eigenes Zimmer:-);-)!

        Hallo,

        es ist sicherlich verständlich, dass du phasenweise unzufrieden bist. Gerade im Vergleich zu früher.

        Zu deiner Frage: Es ist schon möglich, Zufriedenheit zu lernen. Nur der Weg dorthin ist unterschiedlich. Man kann versuchen, die Situation möglichst zu verbessern und sich kleine Inseln im Alltag zu schaffen (im Frühling z.B. Picknick im Park oder ein Eisbecher im Café oder was auch immer dich begeistert). Mir helfen tägliche Kleinigkeiten eher als große Aktionen, die dafür nur einmal im Jahr passieren.

        Mein Weg war, aufzuhören, mich mit besser gestellten Freundinnen zu vergleichen. Nach einigen Büchern, die sich mit dem 2. Weltkrieg und der ersten Zeit danach beschäftigt hatten, dachte ich etwas darüber nach, wie zufrieden ich sein kann, dass ich ein warmes und trockenes Zuhause habe, nicht hungern muss und bei Krankheit und Schmerzen die Möglichkeit habe, Hilfe zu bekommen. Seitdem fällt mir oft auf, wie froh ich sein kann, dass ich ein doch recht sorgenfreies und luxuriöses Leben führen kann - bei allen Nachrichten, die sich mit Kriegsgebieten beschäftigen und auch bei anderen schrecklichen Nachrichten. Es ist auch schon ein großes Glück, nicht so leben zu müssen, wie meine Großmütter in meinem Alter.

        Der Blickwinkel ist oft entscheidend, ich wünsche dir viel Glück, dass du den richtigen Blickwinkel findest. Und alles Gute bei der Suche nach einer neuen Wohnung!

        LG Romi

        Kopf hoch, kann ich dir irgendwie helfen?

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