ich weiß keinen Rat...

    • (1) 12.04.16 - 19:50
      rufruiniert

      Hallo zusammen,

      ich versuche mich kurz zu fassen:

      Mein Mann hatte eine Affäre mit einer Beinah-Nachbarin (also die Dame wohnt innerhalb dem gleichen Ort), die im letzten Jahr aufflog, wir sind weiterhin zusammen - wohnen hier SEHR ländlich -

      Unser Sohn (17) hatte dies wohl bereits länger geahnt, ohne etwas zu sagen - hat im letzten Jahr ziemlich viel Mist gebaut - hatte mit Drogen (v.a. Marihuana) zu tun - deshalb auch eine Gerichtsverhandlung -

      Unser Sohn (20) bekam gegen Ende letzten Jahres eine Anzeige wegen Körperverletzung (Verhandlung kommt evtl. noch)
      Und wie das auf dem Lande, wo jeder jeden kennt, dann natürlich ist: Der Ruf ist ruiniert - da wird geredet, v. a. natürlich hintenrum.

      Unser Sohn (17) ist in den letzten Monaten fast unausstehlich, hängt nur noch bei Freunden ab, erledigt zu Hause so gut wie nichts mehr, daher kommt es oft zu Streitereien.... - heute hat er sich mir nun ENDLICH ein Stück weit anvertraut, WAS denn sein größtes Problem ist: Alle Leute wissen, sagt er, was er gemacht hat, daß er Verhandlung hatte, daß er Marihuana vertickt hat und ihm wird nun viel mehr Mist nachgesagt/angehängt, als tatsächlich der Wahrheit entspricht...usw.

      Ich habe es mir nun erstmal angehört - ohne Vorhaltungen ihm gegenüber. Denn wir haben ihm in letzter Zeit natürlich zig-Mal versucht ihm klarzumachen, was nicht richtig, nicht legal, nicht gesund ist, was einfach nicht geht....usw.

      Es scheint bei ihm der Groschen nun ein Stück weit gefallen zu sein. Das ist ja einerseits nicht schlecht und mir ist auch klar, daß er nur so auf den richtigen Weg kommen wird, wenn er selber einsieht, dass es einfach "Mist" ist...
      Doch ich habe nun auch endlich kapiert, warum er sich von langjährigen Freunden abwendet, nicht zum Geburtstag eines Freundes geht, weil er dort evtl. auf x oder y treffen könnte, weil soviel über ihn "geredet" wird. Er verkriecht sich immer mehr vor der Öffentlichkeit, würde am liebsten wegziehen, weil er denkt: Das weiß hier nun jeder und alle reden nur noch darüber - er hat seinen Ruf weg und wird es nie mehr wenden können.

      Ich habe ihm erklärt, daß sich dies, soweit er nun einfach einen guten Weg geht, dennoch freundlich zu den Leuten ist auch wieder legen wird...aber so richtig durchgekommen bin ich da nicht zu ihm.

      Ich weiß selber gar nicht recht, was ich ihm raten soll. Weil mir natürlich auch klar ist, daß wir hier momentan für reichlich Gesprächsstoff sorgen und leide zugegebenermaßen auch ein Stück weit darunter. Ich sage mir zwar: Das mit meinem Mann und mir geht keinen was an - das ist unsere Sache, wie wir damit weiter verfahren.

      Doch Marihuana an andere weiterverticken, bzw. Körperverletzung - da werden natürlich andere mit "reingezogen"...und dann ist es eben schwer, da wieder rauszukommen. Ein Mädel hier, daß in der Drogerie geklaut hatte, sagte mal: Das allerschlimmste daran ist, daß jeder im Dorf nun weiß, daß ich geklaut habe. Ähnlich ergeht es meinem Sohn derzeit wohl auch...
      LG - bin einfach niedergeschlagen und ratlos

      • Hallo!

        Ich möchte Dir etwas erzählen.....
        Meine älteste Tochter hat vor vielen Jahren ein Schulpraktikum in einem Geschäft gemacht.Sie hat dort geklaut,nichts Wertvolles ,und wenn sie gefragt hätte ,hätte sie es sich so mitnehmen können.....aber sie hat es einfach so mitgenommen und wurde erwischt.Oh mein Gott war mir das peinlich ,hab mich total für sie geschämt....die Besitzer hatten totale vorurteile gegen kinderreiche Familien und der Lehrer meiner Tochter hatte sich so sehr für sie eingesetzt......Für mich war das ganz ganz schlimm!! Meine tochter reagierte noch mit einem frechen Spruch und ich wußte überhaupt nicht ,wo meine ganze ERziehung geblieben war ! Viele Jahre lag mir das auf der Seele.....was die Leute da wohl erzählt hatten.....
        Dann ist meine Tochter tödlich verunglückt......und mir wurde klar.....wie lächerlich und unwichtig so ein Fehltritt ist.....scheißegal was die Leute denken und reden.....ich konnte meine Tochter nie mehr in den Arm nehmen und ihr sagen ,wie lieb ich sie habe....
        dieser Vorfall hatte auch eine Schulkonferenz zur Folge,die für mich als Mutter so furchtbar war...und heute sage ich Dir...hundert Schulkonferenzen wurde ich GERNE mit ihr absitzen ,wenn ich sie dafür einmal nur noch in den Arm nehmen könnte.....
        Nimm Deinen Sohn einfach in den Arm und sag ihm ,wie lieb Du ihn hast......Du kannst es noch!!
        Liebe GRüße Iris

        Oh man Iris, jetzt musste ich weinen. Du hast so recht. Lass dich mal unbekannterweise drücken

        • Danke! :-)
          Es scheint so viel selbstverständlich und man ärgert sich über soviele unwichtige Dinge.....
          Ich habe wirklich gelernt ,das meine KInder genauso richtig sind ,wie sie sind! Mit all ihren Fehlern und Schwieigkeiten.
          Und wenn ich das jemandem hier vermitteln kann,freue ich mich darüber :-)
          Liebe GRüße Iris

    • Bitte fühle dich einfach mal fest gedrückt und Danke für deine Worte

      (9) 13.04.16 - 09:43

      Liebe Iris,

      das tut mit furchtbar leid...lass dich einfach mal drücken#liebdrueck
      Du hast ja so recht! Als wir hier letztes Jahr am tiefsten in diesem ganzen Scherbenhaufen und Mist "drinsteckten" - ja da hab ich mir das auch oft selbst gesagt: Viieel schlimmer wäre, es hätte einer in der Familie eine unheilbare Krankheit oder etwa eins der Kinder einen Unfall mit verheerenden Folgen.

      Mein Sohn tat mir einfach gestern so leid... in den Arm nehmen - da muß ich mich bei ihm leider momentan zurückhalten - das lässt er kaum zu - leider.
      LG

      das hast du wie so oft wunderschön geschrieben. und du hast sehr recht. egal wie unsere kinder sind sie sind gut wie sie sind und wir sollten sie immer lieben und ihnen zeigen dass wir sie immer lieben

Hallo!

Ich bin auch in einem Dorf aufgewachsen. Ich habe zwar nie was schlimmes verbrochen, aber ich war als Kind ein wenig "komisch". ich hatte daher im Dorf nie Freunde, was zu 90% an mir selber gelegen haben dürfte. Ich war einfach todunglücklich als Kind durch die kaputte Ehe meiner Eltern, und habe alle auf Distanz halten wollen.

Ich habe erst angefangen zu leben, als ich mich aus dem Dorf gelöst hatte, Leute kennen gelernt habe, die nicht schon mit mir auf der Schule waren, und zu denen auch Freundschaften aufbauen konnte, unbelastet dadurch, dass ich als Kind so komisch war.

Ich könnte auch heute zu niemandem aus dem alten Dorf eine Freundschaft aufbauen, weil da einfach die Vergangenheit mit rein spielt.

Ich würde ehrlich gesagt ernsthaft überlegen, weg zu ziehen. Nur damit kann man wirklich Abstand zwischen sich selber und das Gerede bringen und hat eine echte Chance, neue Beziehungen aufzubauen, Leute kennen zu lernen die keine Vorurteile haben, sondern einem offen begegnen.

Bei euch wird ja derzeit wirklich über die gesamte Familie geredet, und das klebt an euch. Das belastet doch einfach nur noch, wenn bei jedem Fest sich alle die Mäuler zerreißen und ihr daneben steht.

  • (12) 13.04.16 - 09:56

    Hallo,

    ich kenne es persönlich ähnlich so wie du - die Kindheit im Dorf. Ich war wohl auch "komisch", war halt nicht so sportlich wie die meisten, ein ängstliches und schüchternes Kind. Da steht man immer "hintenan" während die Freundin, die sich einfach zu jedem was sagen traut alle Symphatien auf sich lenkt.

    Es stimmt, seit ich weit genug von zu Hause weg bin, bin ich aufgeblüht, traue ich mir viel mehr. Meine Eltern, mein Bruder lebt heute noch in meinem Heimatdorf - ich suche da auch keinerlei KOntakt zu dortigen Nachbarn, wenn ich meine Familie besuche. Habe zu einer Schulfreundin bis heute Kontakt - das wars dann aber auch.

    Doch hier nun wegziehen deswegen - ich kann es mir nicht vorstellen. Da hängt einfach zuviel daran. Es ist nicht ganz so, daß wir bei örtlichen Festen nur danebenstehen, während andere sich das Maul "zerreißen". Persönlich handhabe ich es so, daß ich Leuten, die mir nahestehen schon auch sage, "Ja - da war etwas, ja - der hat da richtigen Schmarrn gemacht" und dann kann ich genau mit diesen Leuten auch weiterhin gut umgehen, bzw. sie mit mir. Und ich denke mir auch, daß bei nächster GElegenheit, dann eben die "nächste Sau durchs Dorf getrieben wird"...
    Auch wenn es mir anders natürlich lieber wäre, lieber würde ich hier wieder unser "spießiges" Leben führen!
    Aber mein Sohn hat eben in seinem Alter bei Weitem nicht das nötige Selbstbewusstsein, zu seinen Fehlern offen zu stehen und trotzdem weiter auf die Leute zuzugehen - im Gegenteil, er verkriecht sich dadurch eher und leidet. Und das mit anzusehen, ist für mich als Mutter schwer.

    LG

    • Vielleicht gibt es ja nach der Ausbildung eine Möglichkeit für Deinen Sohn, woanders neu anzufangen - neue Stelle in einer anderen Stadt. Da müsste er sich jetzt bewerben, ist aber schwierig, wenn er nach der Ausbildung nicht übernommen wird. Oder wenigstens woanders wohnen.

      Bei euch war jetzt halt echt viel in kurzer Zeit zum tratschen, das hält sich eine Weile, und mit 17 hat man da einfach kein dickes Fell.

Hi,
ohje, der arme Kerl.

Was spricht denn dagegen, dass er erstmal, bzw. wenn er volljährig ist, in die weite Welt zieht und dem Dorfgewäsch für eine Weile den Rücken kehrt? Daran wird er sicherlich wachsen, sodass ihn das Geschwätz irgendwann nicht mehr berühren wird.
Hat er denn konkrete Ideen, wie er sich das "Wegziehen" vorstellt?

Vlg tina

  • (15) 13.04.16 - 10:06

    Hallo,

    nein konkrete Pläne, wie er sich das Wegziehen vorstellt, hat er nicht. Das war eher so dahingesagt von ihm - daß sich das alle merken werden für immer, daß er da wohl erst Ruhe hat, wenn er hier wegzieht.

    Ich hoffe, ich kann ihn einigermaßen soweit bestärken, ihm klarzumachen, daß deswegen nun nicht alles hier zum Scheitern verurteilt ist.

    Ja - ein Jahr mal weg von hier, das wäre wohl weiß Gott nicht das Schlechteste für ihn. Momentan ist er noch in der Ausbildung.

    Mir wäre es halt wichtig, ihm verinnerlichen zu können, daß deswegen noch nicht aller Tage Abend ist. Klar, er hat "Mist" gemacht, das ist so und da sollte er halt ein Stück weit dazu stehen - aber deswegen kann er das Blatt ja immer noch zum Guten wenden und wieder Fuß fassen. Auch wenn manche sich das auf Ewig merken werden.

    Meine Meinung ist, daß doch viele in dem Alter mal was machen, was absolut nicht in Ordnung ist, wie heißt es: Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. Aber dazu hat er nicht das nötige Selbstbewusstsein.

    LG

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