Worauf achten bei unserem Ehevertrag?

    • (1) 25.04.16 - 21:38
      heuteMalSchwarz

      Hallo zusammen,

      ich will heute mal kurz meine Situation beschreiben - ich bin dankbar für alle gedanklichen Anregungen und Erfahrungen, die ihr vielleicht gemacht habt zu diesem Thema.

      Da es bei uns in Kürze wegen Haus und Umbau größere Summen im Raum stehen werden, möchten wir einen Ehevertrag schließen. Worauf muss ich achten? Welche Fallstricke gibt es?

      Mein Mann und ich sind seit 1,5 Jahren verheiratet, unsere Tochter ist knapp ein halbes Jahr alt. Aktuell leben wir zur Miete, in Kürze bekommen wir aber das Haus der Schwiegereltern überschrieben. Das Haus ist relativ alt, es sind aber über 1000 Quadratmeter Grund (Wert ca 350.000 € / ein Familienmitglied muss mit > 50k ausbezahlt werden). Aktuell besteht das Haus aus drei Wohnung zu je ca. 90 Quadratmetern im Erdgeschoss/1. Stock/2. Stock. Auf dem Haus sind noch zwei lebenslange Wohnrechte drauf. Die Oma meines Mannes ist knapp 90 Jahre alt (noch sehr fit) und lebt in der Erdgeschoss-Wohnung, die Mutter meines Mannes ist gut 50 Jahre alt und wird im 2. Stock leben. Unser Plan ist es, etwas anzubauen, so dass wir dann mit unserem Kind (+ 1-2 weitere) gut leben können. Wenn die anderen Wohnungen "frei" werden, werden diese dann auch umgebaut und dann vermietet.

      Mein Mann besteht darauf, dass das Haus ihm alleine überschrieben wird, damit im Fall des Falles das Haus unbedingt in seiner Hand bleibt. Daher möchte er auch den Kredit nur auf seinen Namen laufen lassen. Dennoch muss natürlich mein Verdienst zur Kredittilgung mit verwendet werden bzw. mindestens zur Bestreitung des Lebensunterhaltes.

      Aktuell haben wir ein gewisses Maß an Eigenkapital, das zu 70 bis 80% von mir und von vor der Ehe stammt. Vor der Geburt habe ich mehr verdient als mein Mann, aktuell bin ich in Elternzeit und ich werde auch nachher nur Teilzeit arbeiten können, so dass er dann langfristig mehr verdienen wird. 1 bis 2 weitere Kinder sind möglichst bald geplant.

      Ich bin selbständig, privat krankenversichert und habe meine privaten Rentenvorsorgungen leider auflösen müssen, da ich in jungen Jahren auf "richtig tolle Versicherungsmakler" reingefallen bin, die mir den letzten Schrott angedreht haben. Dadurch habe ich auch einiges an Geld verloren - und eine Vorsorge für's Alter gibt es aktuell für mich nicht (ich bin 34). Mein Mann ist angestellt.

      Keine Ahnung, was noch wichtig ist - gerne beantworte ich noch weitere Fragen...

      Was mir momentan am meisten Kopfzerbrechen bereitet ist, dass mein Mann das Haus nur auf sich schreiben lassen will. Ist das so üblich? Oder hat das Nachteile für mich?

      Vielen lieben Dank dass ihr schon mal bis hierher gelesen habt :-)

      LG

      • (2) 25.04.16 - 21:47

        ach ja, was vielleicht zu wenig raus kommt... es muss viel umgebaut werden! Heizung, Dach, Fenster, Böden... eigentlich fast alles... der Kredit wird uns also viele Jahre begleiten.

        • Das Haus wird vor dem Umbau geschätzt. Bei einer ev. Trennung erhältst du die Hälfte vom Zugewinn, plus das Geld, das zu mit in die Ehe gebracht hast. Hinzu kommt der Verlust, der dir dur die Kinderbetreuung entsteht. Das muss im Ehevetrag alles schriftlich festgelegt werden. Eventuell auch nachehelicher Unterhalt.

      Du lieferst hier so viele Eckdaten, die berücksichtigt werden müssen, dass wohl ein Anwalt für Familienrecht der richtige Ansprechpartner wäre. Euer Spezialfall ähnelt wohl kaum dem Durchschnittsehepaar mit einem Häuschen.

      Lasst einen Vertrag aufsetzen, wie dein Mann ihn gern hätte und damit gehst du dann zu einem Anwalt DEINER Wahl und lässt ihn prüfen, ob du irgendwo benachteiligt bist. Ein Anwalt kann nur einen Tod sterben und für eine Partei tätig sein. Und dann findet einen Kompromiss. Auf alles andere würde ich mich nicht einlassen.

    • Du lieferst den Grossteil des Eigenkapitals und sollst aber nicht Eigentümerin werden?! Und sogar an der RAtenzahlunz sollst du dich beteiligen. Das würde ich nicht mitmachen - selbst ein möglicher schuldrechtlicher Anspruch auf eine Entschädigung im Falle einer Trennung, den ihr im Ehevertrag vereibaren könntet wiegt den dinglichen Anspruch, den dein Mann als Eigentümer erwirbt, nicht auf.

      Lass dich anwaltlich beraten!

      Ich verstehe deinen Mann, wenn er das Haus seiner Vorfahren erhalten will. Und es ist an sich auch vernünftig größere Investitionen etc auch per Vertrag zu regeln.

      ABER du sollst dabei aber nicht über den Tisch gezogen werden!

      Euer Fall gehört sicher zu einem Profi. Punkte, wo ich nachfragen würde :

      Du bringst Kapital mit. Du trägst die Raten mit. Das Geld würde ich auf jeden Fall (verzinst!) Wiedersehen wollen.

      Du verzichtest auf Einkommen wegen gemeinsamer Kinder. Welchen Ersatz gibt es dafür?

      Das gleiche für die Rente. Was ist da angedacht?

      Was ist bei einer Trennung wenn die Kinder noch minderjährig sind? Wie schnell müsstest du raus? Oder hast du ein Wohnrecht etc?

      Viel zu überlegen! LG

    • Ich kann den Standpunkt deines Mannes zwar verstehen, würde aber nicht drauf eingeen.

      Im Trennungsfall bist du dein Eigenkapital los ohne Rechte an dem Haus. Bei der Finanzierung würde ich mich in Form einer Miete beteiligen, nicht dass du da vertraglich drin hängst.

      lg thyme

      (8) 26.04.16 - 06:44

      Ich hätte noch eine Idee.
      Könntet ihr nicht mit dem Kompromiss leben, dass du eine der Eigentumswohnungen überschrieben bekommst, wenn die über 90 Jahre alte Frau "lebenssatt" gestorben ist?

      So könnten beide Interessen gewahrt werden. Dir gehört zwar nicht das Haus, aber eine Wohnung die du ggf. auch vermieten kannst.

      Er behält das Haus und das Grundstück.

      Ich kann deine Ängste wirklich gut verstehen.

      Hallo,

      den grundsätzlichen Gedanken, dass nur einer Eigentümer der Immobilie ist, finde ich richtig. Es scheitern heute so viele Ehen, da sind gemeinsame Immobilien mit gemeinsamen Krediten oft ein geschaufeltes Grab.

      Die finanzielle Einlage würde ich sichern lassen. Du bringst so und so viel Euronen ein, die muss er im Trennungsfall verzinst mit x Prozent auszahlen.

      Dein Gehalt sollte nicht Bestandteil der Kreditberechnung werden und natürlich solltest du diesen auch nicht unterschreiben. Wenn es zur Trennung käme, muss die Rate so berechnet sein, dass er parallel ggf Unterhalt und eigene Versorgung sicher stellen kann.

      Ich würde mit aufnehmen, dass laufende Verbrauchskosten (Öl, Gas, Müll, Wasser, Grundsteuer, Strom) von dir mit getragen werden. Investitionen, Umbauten, etc trägt er allein. Schönheitsreparaturen (malern, mal eine neue Tapete) teilt ihr. Haus ist seine Altersversorgung, deshalb trägt er Zins und Tilgung allein, parallel baust du dir eine eigene Altersvorsorge auf. Dann wird noch geklärt, wie dein Verdienstausfall durch Kinderbetreuung und Teilzeit (Teilzeit bis wann?) kompensiert wird. Ist er nicht bereit oder in dr Lage sich zeitlich einzubringen, bspw. weil er sonst das Haus nicht finanziert bekommt, muss er sich eben mit einem adäquaten Beitrag an deiner Altersversorgung beteiligen, wenn du deshalb nicht voll arbeiten kannst.

      Theoretisch könntet ihr noch eine Vereinbarung über Zugewinn schließen.

      Der Vorteil: geht eure Beziehung krachen, gehst du schulden- und lastenfrei aus allem heraus.

      LG

      • "Die finanzielle Einlage würde ich sichern lassen. Du bringst so und so viel Euronen ein, die muss er im Trennungsfall verzinst mit x Prozent auszahlen."

        Der Gedanke ist gut, bringt der TE aber wenig, wenn der Mann sie nicht auszahlen kann. Dann muss u.U. das Haus versteigert werden. Da ihre Kinder die zukünftigen Erben sind, wird sie das sicherlich nicht machen wollen. Auch ist die nervliche Belastung, die diese Aktion mit sich bringen würde, enorm hoch.

        Ich sehe deshalb überhaupt keine Lösung, die nur den Ehemann als alleinigen Eigentümer vorsieht.

        • Dann könnte man als Alternative ihr den Nießbrauch an einer der Wohnungen einrichten. Sprich, sie bekommt die Einnahmen aus der Vermietung dieser Wohnung. Oder nutzt sie selbst.

          Gemeinsames Eigentum bringt nur Sinn, wenn die Ehe nicht schiefgeht oder aber schnell getilgt wird und einer der beiden den Anderen auch wirklich auszahlen kann. Notverkauf oder Versteigerung führen idR in die Schuldenfalle, besonders wenn das Eheaus früh kommt.

          Ich selbst würde nur noch alleine Eigentum erweben. Wenn überhaupt.

          LG

          • Nießbrauch ist eine gute Idee - das könnte die Lösung sein.

            Ich habe auch nur alleiniges Eigentum - habe aber auch alleine bezahlt. Einen anderen bezahlen lassen und ihm sein Eigentum vorenthalten - das ist nicht ok. Aber vielleicht schwebte dem Ehemann auch so eine wie von dir vorgeschlagenen Lösung vor, dann ist es allerdings nicht mit einem Ehevertrag getan, sondern es muss im Grundbuch eingetragen werden.

      (14) 26.04.16 - 09:57

      Kurz Zusammengefasst:

      - Der Mann trägt die volle Finanzierung des Hauses
      - Das Kapital, dass die Frau ein bringt wird bei einer Trennung verzinst voll umfänglich wieder ausbezahlt (abgesichert über eine Grundschuld?)
      - Die Lebenshaltungskosten werden geteilt
      - Schönheitsreparaturen werden geteilt.
      - Der Mann zahlt in die Altersvorsorge der TE ein, um ihre Zeit in der Kinderbetreuung auszugleichen.
      - Die TE soll über eine Zugewinnregelung u.a. an der eventuellen Wertsteigerung des Hauses partizipieren

      Eine sehr faire Regelung, wenn die TE an Ihren Partner eine ortsübliche Miete bezahlt.

      • Wenn es dem Mann daran gelegen ist, neben der Teilung der tatsächlich anfallenden Kosten eine Nutzungsentschädigung zu erhalten, kann man sich darauf einigen.

        Wäre ich der Part, der das Eigenheim besitzt, würde ich das bei Teilung der tatsächlichen Verbrauchskosten/Nebenkosten nicht verlangen.

        LG

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