Was wäre für euch eine gerechte Verteilung des Erbes?

    • (1) 06.05.16 - 20:56
      Erbfrage

      Guten Abend,

      Folgene Erbfrage wird sich in unserer Familie bald stellen. Wie würdet ihr ein Vermögen von ca. 500.000 gerecht verteilen? (Ich sage euch später, wie es tatsächlich aussehen wird). Bisher ist das Geld in unserer Familie sehr unterschiedlich verteilt worden.

      Kind 1: weiblich, alleinstehend, ein Kind. Pferdewirtin. Hat beim Todesfall der väterlichen Großeltern einen kleinen (eher maroden) landwirtschaftlichen Betrieb geerbt und zu einem Reiterhof ausgebaut (das war im Sinne der Großeltern, die unbedingt wollten, dass der Betrieb, der seit vielen Generationen in Familienbesitz ist, nicht verloren geht). Läuft nun ganz gut, war aber zu Beginn immer wieder auf großzügige Finanzspritzen der Eltern (und anderer Verwandten) angewiesen (in uns unbekannter Höhe). Noch immer muss viel investiert werden. Wert des Landes ca. 400.000 - 500.000 €.

      Kind 2: männlich, verheiratet, ein Kind. Abgeschlossenes Studium, zu 100% berufstätig. Bisher noch nichts geerbt und keine Unterstützung der Eltern erhalten. Studium zum Großteil selbst finanziert, jahrelang auf sein Haus gespart. Steht finanziell am besten da, da Ehefrau auch zu 60% erwerbstätig.

      Kind 3: weiblich, verheiratet, zwei Kinder. Abgeschlossenes Studium. Bisher noch nichts geerbt und keine Unterstützung der Eltern erhalten. Studium zum Großteil selbst finanziert. Lebte fünf Jahre mietfrei in einem Haus, das zum elterlichen Anwesen gehörte. Mann arbeitet, jedoch im unteren Einkommenssegment.

      Kind 4: weiblich, alleinstehend. Abgeschlossene Berufsausbildung, arbeitet jedoch seit Jahren "angelernt". Lebte jahrelang abgabenfrei in "Hotel Mama". Kaufte dann gemeinsam mit dem Freund ein altes, kleines Einfamilienhaus. 50% der Kosten übernahm sie (ca. 80.000€, von diesen schossen die Eltern ca. 70.000€ zu). Es kam zur Trennung ... damit das Haus gehalten werden konnte, erhielt sie von den Eltern aufgrund der Notlage weitere 80.000€. Vater half auch viel bei der Renovierung mit.

      • Kind 1 und 4 haben in der Vergangenheit Finanzielle Unterstützung von den Eltern bekommen. Ich nehme an, da wurde nichts Schriftliches vereinbart, dass diese Zuwendungen ein Vorgriff auf das Erbe waren.

        Wie ein Erbe verteilt wird, ist durch den Gesetzgeber geregelt, also jedes Kind bekommt 125.000 Euro.

        Jetzt hast du aber nicht dazugeschrieben, WER erbt, bzw woher das Geld kommt. Wenn deine Eltern das Geld erben und an ihre Kinder weitergeben wollen, ist es ja im Grunde keine Erbsache mehr.
        Ich würde in dem Fall den Kindern, die bisher "leer" ausgegangen sind, einen höheren Betrag schenken.

        • (3) 07.05.16 - 20:43

          Hallo,

          ich kann dir nur eindringlich raten, dich mit deinen Geschwistern zusammen zu setzen und das in Ruhe zu besprechen, bevor ihr euch mit euren Eltern an den Tisch setzt.

          Und ihr solltet alle dazu anhalten offen und ehrlich zu sein. Bei Geld ist für viele einfach Schluß mit freundlich und wenn ich schon höre, dass ausgerechnet das Kind, welches am meisten bekommen hat, ohne etwas dafür tun zu müssen sich benachteiligt fühlt, schrillen bei mir die Alarmglocken. Da solltet ihr euch im Vorhinein austauschen.

          Bei meiner Mama und ihrem Bruder ist es leider nicht gut ausgegangen. Sie haben sich zerstritten (obwohl meine Mutter sehr dafür gekämpft hat, dass es anders ausgeht). Da war es auch so, dass ihr Bruder sowieso immer bevorzugt wurde und durch seine Frau sich auch noch alles andere unter den Nagel gerissen hat, was möglich war.

          Es sind also nicht immer nur die Kinder, die auf die Idee mit der Benachteiligung kommen. Stell dir vor Kind 2 kommt nach Hause und erzählt, dass Kind 4 mehr bekommt, weil sie ja alleine ist und weniger verdient. Das mag für Kind 2 in Ordnung sein, bis ihm seine Frau den Floh ins Ohr setzt, dass es nicht fair ist. Denn immerhin ist jeder sein eigenes Glückes Schmied und was kann Kind 2 dafür, dass Kind 4 sich keinen "besseren" Job sucht.....Das kann schnell eine unangenehme Dynamik annehmen.

          Überlege dir doch, womit du dich am besten fühlst und bringe das an, überlege dir aber auch, ob es dir wehrt wäre, dass du dich für "deinen" Teil mit deinen Geschwistern zerstreitest.

          Zur Aufteilung:
          Erstmal erbt der Ehepartner, dabei würde ich es auch zu 100% belassen, dann würde ich erstmal weiter schauen, wie es sich entwickelt. Es kann doch auch passieren, dass einer oder gar beide pflegebedürftig werden und vllt möchte eines der Kinder dann die Eltern pflegen. Macht das euren Eltern klar, dass es einfach noch so viel gibt, was man nicht planen kann.

          Für euch untereinander solltet ihr aber einfach einen Weg finden, mit dem alle glücklich sind. Bei "so viel" Geld kommt es einfach schnell mal zum Streit.

          LG pj

      Hallo,

      ich bin der Meinung das die Eltern mit ihrem Geld zu lebzeiten machen können was sie wollen. Wenn für bestimmte Dinge das sogenannte Erbe herangezogen wird kann man sowas schriftlich festlegen.

      Bei uns in der Familie ist es folgendermaßen geregelt.
      Wir alle(3Geschwister) haben vor einigen Jahren von unserer Mutter Geld bekommen dafür haben wir einen Vertrag das dieses Geld ein Zinsloses Darlehen ist. Jeder zahlt jeden Monat einen bestimmten Betrag zurück. Meine Schwester studiert und zahlt deswegen nichts zurück. Aus diesem Topf kann dann wieder jemand wenn es eng wird etwas abzapfen was natürlich auch wieder schriftlich festgehalten wird. Das hat allerdings nix mit unserem "Erbe" zu tun.

      Aber keiner von uns dreien schaut wer da wann was und wieviel bekommen hat. Wir haben auch schon darüber gesprochen was wird wenn Mama stirbt und wie das mit Haus wäre. Mein Bruder und auch meine Schwester würden es gerne behalten und ich würde mich von den beiden auszahlen lassen.

      Ich finde es schlimm wenn Menschen so aufrechnen. Meine Bruder hat sehr viel Aufmerksamkeit und Zeit meiner Mutter beansprucht weil er es eben brauchte, hab ich mir nie was dabei gedacht. Mein Schwester war und ist ein teures Wesen denn sie hat ein Pferd das zahlt immer noch Mama mit, weil das Mädel ja studiert aber das Vieh ist ein guter Ausgleich für sie.

      Wenn sich jemand in deinem Beispiel ungerecht behandelt fühlt muss er das halt mal ansprechen. Wie gesagt aber bin ich der Meinung das Menschen mit ihrem Geld machen können was sie wollen, denn speziell Eltern sind ja nicht dafür da möglichst ein großes Erbe zu hinterlassen

      LG

    • (5) 06.05.16 - 21:30

      Wer meint, er kommt zu Lebzeiten (!) des Erblassers zu kurz, der kann vorher seinen Mund aufmachen. Ist die Person Tod ist es zu spät.

      Für mich ganz klar: 500.000€ geteilt durch 4 Personen, fertig.

      Außer es ist vorher mit 1 und 4 etwas anderes ausgemacht worden, etwas was auch Hand und Fuß hat.
      Alles andere, wie Werdegang, Familienstatus usw ist völlig irrelevant.

      (6) 06.05.16 - 21:53

      Bevor hier nun ein Shitstorm losgeht und "aufrechnen" unterstellt wird etc. - ein Wort der Beruhigung.

      Es ist alles sehr friedlich. Meine Eltern setzen ihr Testament auf und wollen unsere Meinung bzw auch Vorschläge von uns vier Geschwistern, die sie dann (eventuell) berücksichtigen. Und in der Überlegung meiner Eltern spielen Familienstand, Kinderanzahl, Bildungsabschlüsse und Einkommen eine Rolle, daher habe ich es aufgeführt, d.h., nach dem Willen/ Vorschlag meiner Eltern soll nicht jeder 1/4 bekommen.

      Wir treffen uns und besprechen das in Ruhe (hoffentlich). Mir wäre es hier wichtig, ein paar neutrale Meinungen zu hören, was ihr als "gerecht" empfindet, einfach, weil ich ja involviert bin und nicht weiß, ob ich das neutral sehe. Mir kommt es überhaupt nicht darauf an, dass ich am meisten erbe .... Ich habe auch keine Dollarzeichen in den Augen.

      • Hi,

        na gut, daß du diese Erklärung noch nachgelegt hast.

        Ich finde, daß Familienstand, Kinderanzahl, Bildungsabschluß und momentanes Enkommen der Kinder absolut keine Rolle spielen (sollten). Erstens kann sich das jederzeit ändern, zweitens haben die mit höheren Bildungsabschluß bzw. Studium den Eltern wohl auch länger auf der Tasche gelegen, als jene, die früh zu arbeiten begannen und wie will man das denn aufrechnen?
        Gerecht wäre wahrscheinlich, wenn die, die bereits größere finanzielle Zuwendungen erhalten haben, beim Erbe etwas weniger erhalten würden. Du erwähnst jedoch bei Kind 1, daß das Land einen erheblichen Wert besitzt... bloß was nützt das? Andererseits muß wohl viel in marode Gebäude investiert werden, doch dafür wird ja bei landwirtschaftlichen Anwesen meist kein Land verkauft. Das ist immer ein falsches Denken, wenn man meint, die mit Landwirtschaft hätten ausgesorgt, man muß da schon auch sehen, was dran hängt um es aufrecht erhalten zu können...
        Im Grunde ist es so: Ganz gerecht kann man bei vier Kindern nicht jedem werden! Wenn sich einer daran "erhängt" daß es für ihn ungerecht war, dann wird er auch Fakten dafür finden. Das geht einfach nicht anders bei 4 Kindern. Wie will man da denn alles gegeneinander aufrechnen, wo will man da anfangen?
        LG

        • (8) 07.05.16 - 16:15

          Hallo,

          an diesem Punkt hast du natürlich Recht.

          Es war damals so, dass alle direkt Erbberechtigten (das waren wir als Enkel ja nicht), den Hof nicht wollten. Als Kind 1 ihn dann bekam, waren alle erleichtert, weil es das war, was mein Großvater gewollt hätte.

          Problematisch war eben, dass es ein kleiner, z.T. stillgelegter Bauernhof war und kein Reiterhof. Wiesen mussten z.T. angelegt und umzäunt werden, ein moderner Stall musste her, eine Reithalle ... man konnte sie in ihrer Situation (allein erziehend) nicht bei "0" anfangen lassen, sonst hätte das Projekt nicht funktioniert. Sie hat das ziemlich clever gemacht, hat sich relativ breit positioniert (einige Felder verpachtet, Einstellpferde, ....). Sie kann gut überleben, muss natürlich immer noch viel investieren.

          Es gab aber damals sehr viele Interessenten ... es ist nicht so, dass der Hof versauert wäre. Wenn sie eines Tages aufhört und verkauft, dann hat sie mit einem Schlag 500.000€ (das sie nun natürlich als Geschäftsgrundlage hat).

          Wie gesagt, ich will da nicht aufrechnen, mich freut es, weil es meinen Opa sehr glücklich gemacht hätte.

      Hallo!

      Was denken deine Geschwister, vor allem, die, die schon eine Menge Geld bekommen haben? Und wie steht ihr Geschwister zueinander?

      Wenn ihr ein guten Familienzusammenhalt habt, würde ich den nicht wegen Geldstreitigkeiten aufs spiel setzen. Wenn die Schwester mit dem Hof gern ein Viertel des Erbes haben möchte und eher zickig reagiert, wenn das anders geregelt werden soll, dann würde ich wohl für gleichmäßige Verteilung des Erbes plädieren. Ein Viertel ist ja immer noch eine ziemlich große Summe.

      Also, wenn ihr Geschwister euch einig werden könnt, ist alles gut. Wenn nicht, dann jeder ein Viertel und alle können das Gefühl haben, dass es einigermaßen gerecht zugegangen ist.

      LG

      • (10) 07.05.16 - 16:21

        Hallo,

        Kind 1 ist sich durchaus bewusst, dass sie damals sehr viel Glück hatte und dass sie schon sehr viel bekommen hat. Sie hat das Problem, dass sie wenige Barrücklagen hat - und noch einige Projekte vor sich. Fraglich ist auch, wie viel Geld ihr Kind für Ausbildung etc. brauchen wird.

        Kind 4 fühlt sich immer benachteiligt. Kind 2 und 3 verdienen einfach besser (allerdings haben die Eltern Abitur und Studium nicht wirklich finanziell unterstützt, daher kann man das auch nicht gegenrechnen) und sie fühlt sich zurückgesetzt gegenüber Kind 1. Ist aber eine ganze Liebe, ist nicht so, dass es da ständig Streit gibt.

        • Ich glaube, dann wäre ich für vierteln.

          Wenn ich mein Erbe zu verteilen habe, dann möchte ich, dass alle in irgendeiner form versorgt sind. Schön wäre, wenn meine Kinder es bis zu meinem Lebensende geschafft hätte, sich allein zu versorgen.

          Kind 2 und 3 würden da also keine sorgen bereiten. Kind 1 würde ich insgeheim unterstützen wollen, wenn ich sehe, dass sie sich anstrengt für das Geld und das Erreichte. So ein Hof ist nicht vergleichbar mit z.B. einem Bürojob oder einem in einer Kanzlei oder einem Angestelltenverhältnis.

          Kind 4 soll natürlich nicht leer ausgehen, aber wenn ich wüsste, dass das auch gut über die Runden kommt und das Erbe so oder so nicht zu knapp ausfällt, dann würde ich bei gleichmäßiger Verteilung am Ende bleiben.

          Es steht deine Eltern ja immer noch frei, das vierte Kind zu Lebzeiten finanziell zu unterstützen, wenn sie selber das Gefühl haben, bis jetzt etwas ungerecht verteilt zu haben. Es steht im Übrigen auch den finanziell gut gestellten Geschwistern frei, den weniger Betuchten unter die Arme zugreifen, wenn nötig.

          Schriftlich und notariell festhalten wollte ich eine "ungerechte" Verteilung nicht, aus angst, dann erst Recht für Unstimmigkeiten zu sorgen.

    (12) 07.05.16 - 15:49

    So, jetzt antworte ich nochmal;-).
    Oben weiter hatte ich ja geschrieben, das es einfach durch 4 geteilt werden soll. Jetzt habe ich deinen Nachtrag gelesen.
    Ich kann deine Eltern da nicht so ganz verstehen und rate eigentlich von eurem Gespräch ab. Deine Eltern meinen es bestimmt nicht böse, aber das sollten sie wirklich alleine entscheiden. Es leben ja beide noch, das heißt schon mal (zumindest für mich), das wenn einer stirbt der andere erst mal alles bekommt. Sie sich also gegenseitig beerben. Erst wenn dann der Zweite verstorben ist kommt ihr "zum Zug".
    Denn wer weiß was bis dahin noch passiert, wie viel Geld noch für die Pflege benötigt wird usw.

    Ich sage ganz klar: Wären meine Eltern auf diese Idee gekommen, dann hätten wir Geschwister uns hingestellt und deutlich gemacht das wir darauf bestehen, das sie sich gegenseitig beerben und ganz am Schluß geschaut wird, was noch da ist.

Ein Vermögen lässt sich nur dann gleichmäßig verteilen, wenn es liquide ist. Dann ist es ja auch sehr einfach.

Wenn aber nicht, weil der Wert z.B. ein Betrieb, ein Haus, Kunst, ein Boot, Oldtimer, Grundstück oder Sammlerobjekt ist - dann ist es gut, wenn die Geschwister nicht auf der Gleichverteilung beharren und Eltern und Kinder gemeinsam eine flexible Lösung finden.

Erbe ist für mich kein Recht der Kinder, sondern ein Zusatz, den man nicht fest einplanen sollte. Und "gerecht" bedeutet für mich, dass sich alle Kinder gewürdigt fühlen, aber nicht automatisch, dass alle gleich viel bekommen. Gut, wenn die Geschwister sich gut verstehen, das macht vieles einfacher.

Hmmm...

Kind 1 - wie viel Geld hat sie bekommen? Wie viel muss noch investiert werden?... mMn werden die meisten mit einem Pferdehof nicht sonderlich Reich.

Kind 2 - gibt es noch Schulden vom Haus?

Kind 3 - wo wohnt sie jetzt - gibt es noch Schulden/hohe Miete?

Kind 4 - hat mMn bisher am meisten erhalten - 160.000 Euro, Sind noch investitionen zu tätigen im Haus?

Bezüglich der Enkelkinder - die würde ich glaub ich aussen vor lassen, ev. kommen noch welche (Kind 4 hat - noch - keine Kinder).

Es ist sehr schwierig... schön dass eure Eltern sich da so viele Gedanken machen, aber vielleicht wäre eine 1/4-Regelung doch am besten?

  • (15) 07.05.16 - 16:24

    Hallo,

    Kind 1 - wie viel Geld da wie floss ist ein großes Familiengeheimnis. Es mus einiges gewesen sein ... Durch den Reiterhof hat sie heute ein solides, aber kein üppiges Einkommen. Sie hat Einstellpferde und einige Felder verpachtet.

    Kind 2 - Ja, Darlehen läuft noch. Allerdings hat die Schwiegerfamilie da ziemlich zugeschossen (Bauplatz, etc.).

    Kind 3 - Wohnt im Eigenheim - Darlehen läuft.

    Kind 4- Haus ist komplett renoviert.

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