Trennung wegen unvereinbarer Erziehungsansichten? *sorry lang*

    • (1) 09.05.16 - 13:46
      Patchwork_Mama

      Moin moin,

      wir sind eine Patchworkfamilie und leben seit einem halben Jahr auch zusammen. Ich habe ein Kind (5), er zwei (7+9). Wir sind beide ohne Partner, aus unterschiedlichen Gründen, die Mutter seiner Kinder ist schon vor Jahren gestorben und ich war schon in der Schwangerschaft alleine. Wir übernehmen also die Elternrolle für die Kinder des anderen, was die Kinder sich auch wünschen und ganz offensichtlich auch brauchen.
      Da wir beide aber lange alleine mit unseren Kindern waren, ist es schwierig, da nun jemand anderen mit ins Boot zu lassen und andere "Erziehungsstile" am geliebten Nachwuchs ausleben zu lassen.

      Mein Lebensgefährte ist ein an sich lieber und ruhiger Mensch, wir funktionieren als Paar sehr gut. Da wir aber auf der Elternebene echt Stress haben, stelle ich gerade die ganze Beziehung in Frage. Und das belastet mich sehr.

      Er wird leider sehr schnell laut, bei ihm brodelt es unter der Oberfläche, er ist sehr schnell genervt, wird (allen 3) Kindern gegenüber tatsächlich verbal und physisch grob und ist generell auf der emotionalen Verständnis-Ebene nicht gerade der Schnellchecker... Oft versteht er die Auswirkungen seines Handelns nicht und ist dann ganz erstaunt, wenn ich eingreife, verhindere oder gar zum Gegenangriff übergehe und mich vor mein(e) Kind(er) stelle.

      Er hat eine Art an sich, die mich echt ärgert, er hat wenig Geduld, er schafft es einfach überhaupt nicht, sich in die Kinder (oder mich) hineinzuversetzen.Er hat manche Prinzipien, die mich manchmal noch an die Erziehung der Großelterngeneration erinnern. Verständnis- und liebevoll mit einem Kind umzugehen fällt ihm mitunter schwer, aber er kann durchaus ein lieber, verwöhnender Vater sein.
      Leider "verarscht" er gerne die Kinder (ätsch, ich habe deine Schokolade von der Oma selber gegessen/dein Lieblingskuscheltiert weggeworfen,..), macht sie oder etwas was ihnen wichtig ist lächerlich oder zieht sie auf (zB ist der Älteste etwas kräftig und das bekommt er auch zu hören und dass er SO ohnehin kein Fußball spielen könne).Ich hasse das so.

      Er setzt auf der einen Seite - ohne Absprache mit mir - wahllos "Gesetze" fest (zB nur ein Eis pro Tag) und setzt sie notfalls auch mittels Bestrafung durch (zB reisst dem Kind das zweite - von ihm unerlaubte - Eis aus der Hand und isst es selber) und lässt auf der anderen Seite dramatischere "Fehlverhalten" ungesühnt (zB ältester Sohn macht keine Haushaufgaben, lügt, ..)
      Neben dem psychischen "Terror" geht er eben auch körperlich gegen die Kinder vor, er schlägt sie nicht, aber er zieht sie schon mal am Arm, wirft ein Buch auf sie, schubst sie, zerrt sie am Bein aus dem Raum. Das geht garnicht, hier gehe ich dann schon dazwischen und werde auch sehr laut und deutlich.

      Der Haussegen hing bei uns zwei Tage schief, als er von meinen Sohn genervt war, da dieser eine Strecke lang immer dicht vor ihm lief und nach erfolgoser Aufforderung, das zu lassen, dem Kleinen einfach ein Bein stellte so dass er hinfiel und sich den Ellenbogen und die Hand auf dem Split heftig aufschürfte. Als Krönung wurde dem weinenden Kind noch gesagt, das nächste Mal würde er sich das merken und besser hören. Ich sagte ihm, das nächste Mal mit so einer aggressivern Aktion gegen mein Kind und ich packe die Koffer! Und er weiß, ich ziehe das notfalls auch durch. Mein Kind geht vor, immer.

      Ich weiss, dass mein Partner durch den Tod seiner Frau sehr erschüttert war, alleine mit zwei kleinen Kindern ist das auch kein Zuckerschlecken. Er arbeitet viel und hatte natürlich auch viel Belastung. Trotzdem ist das für mich keine Entschuldigung.

      Den Kindern geht es sonst hier gut, sie sind materiell gut versorgt, natürlich ist bei drei Jungs ziemlich leben in der Bude und ich finde die drei zusammen auch oft anstrengend. Die meisten unschönen Momente passieren tatsächlich nicht im Alltag von Montag bis Freitag, sondern eher am Wochenende, im Urlaub oder wie jetzt an Feier- und Brückentagen, wenn wir alle länger zusammen sind. Klar ist das anstrengender als sein Tag im Büro. Wir als Eltern sind da ganz schön gefordert, wir müssen als Paar zusammenwachsen, als Familie. Ich rede viel mit ihm, ich beschäftige mich sehr mit unserer Situation. Manchmal nimmt er die eine oder andere Sache tatsächlich an und setzt es dann das nächste Mal auch besser und etwas einfühlsamer um, aber machmal eskaliert das hier auch wieder richtig.

      Ich mir nicht sicher, ob ich mit einer Trennung jetzt zu früh die Flinte ins Korn werfen würde und ob ich uns nicht vielleicht doch noch etwas mehr Zeit geben müsste? Zu mal ich dann auch das Gefühl hätte, meine beiden anderen - sehr liebgewonnenen - "geerbten" Kinder im Stich zu lassen, mit ihm alleine. Und es gibt ja durchaus auch sehr schöne Momente, er kann sehr aufmerksam sein, er ist zu mir liebevoll, wir haben ein gutes Dasein, ähnliche Hobbys, ergänzen uns und managen den Haushalt gut. Und hätten wir keine Kinder, wäre unsere Partnerschaft viel harmonischer. Doch mich machen diese schlimmem Momente oft so betroffen, dass ich dann auch keine Nähe zu ihm möchte, ich ihm Vorwürfe mache und das alles auch sehr meine Gefühle für ihn trübt. Am Anfang war es so unbeschwert, wir wollten uns zusammen ein Leben aufbauen und zusammen eine Familie sein, jeder freut sich für unser "Glück" und jetzt sehe ich nur noch die Probleme, vor denen wir stehen und fühle mich so ernüchtert.

      Wäre eine Familienberatung eine Idee? Wie erreiche ich ihn und dass er sich ändert?

      Vielen Dank für eure Antworten!

      • Hallo!

        ich habe den Eindruck, dass Dein LG

        1. sehr impulsiv reagiert und

        2. dann das Spektrum der Reaktionen eher hinterhältig/unüberlegt ist.

        Die Frage ist ob er bei längerem Nachdenken immer noch so reagieren würde. Eis dem Kind aus der Hand reißen, dem Kind ein Bein stellen, Kinder an Gliedmaßen rumzerren, verbal verletzende (entwürdigende) Kommentare abliefern.
        Hätte er da eine Einsicht, oder "bei klarem Verstand" das als falsche Reaktion sehen, kann man am Rest arbeiten. Findet er diese Reaktionen hingegen angebracht, dann wäre eben gerade Schluss und ich könnte mit so einem hinterhältigen, giftigen, empathielosen Menschen nicht weiter leben.
        An der Impulskontrolle kann man arbeiten: entweder autodidaktisch (er legt sich ein paar simple Tricks zurecht: bis 3 zählen, dann erst was machen, sagen, etc. - mittlerweile hat er dann Zeit "nachzudenken"), oder er macht tatsächlich ein Training, oder macht Entspannungsübungen, dass er generell entspannter wird.

        VG, I.

        "Er wird leider sehr schnell laut, bei ihm brodelt es unter der Oberfläche, er ist sehr schnell genervt, wird (allen 3) Kindern gegenüber tatsächlich verbal und physisch grob und ist generell auf der emotionalen Verständnis-Ebene nicht gerade der Schnellchecker... "

        "..dem Kleinen einfach ein Bein stellte so dass er hinfiel und sich den Ellenbogen und die Hand auf dem Split heftig aufschürfte. Als Krönung wurde dem weinenden Kind noch gesagt, das nächste Mal würde er sich das merken und besser hören."

        Da muss man nichts mehr sagen, denke ich.

        Viele Grüße
        hundkatze.maus

        Mir fiel bei Lesen nur eine Frage ein:

        "Was ist das für ein Sadist?"

        So jemanden würde ich keine Kinder anvertrauen, nicht mal 5 Minuten, die kriegen ja nen Schaden für´s Leben!#schock

      • Hallo,

        Für mich wäre wichtig, dass er einsieht, dass etwas bei euch falsch läuft. Denn nur dann kann und wird sich das/er ändern.

        Würde er denn eine Familienberatung mitmachen? Vielleicht kann er Tipps von außen eher annehmen.

        Ohne Einsicht seinerseits wird es allerdings schwierig. Da würde ich auch die Beziehung in Frage stellen.

        L G

        Mrscoc

        (6) 09.05.16 - 15:21

        Wie lange war er denn mit den Kindern alleine und wer hat sich damals mit um sie gekümmert?

        --------Leider "verarscht" er gerne die Kinder (ätsch, ich habe deine Schokolade von der Oma selber gegessen/dein Lieblingskuscheltiert weggeworfen,----

        Wie reagieren denn die Kinder auf sowas?

        Das in Verbindung mit solchen Aktionen wie Bein stellen, hat ja schon etwas was sadistisches .............. nicht mehr alle Latten am Zaun sowieso.

        Ich sehe nur eine Chance wenn er erkennt, dass ER was falsch macht und Ihr gemeinsam zu einer Beratungsstelle geht. Alleine wirst Du ihn denke ich, nicht ändern.

      • Hallo!

        Der Mann klingt für mich sehr überfordert und so, als hätte er nie gelernt adäquat mit Kindern (Menschen?) umzugehen.

        Die FRage ist: Merkt er das selber? Hat er nach solchen Handlungen (Arm zerren usw) ein schlechtes Gewissen?

        Besonders wichtig wäre auch, dass er sich bei den Kindern für dieses unangemessene Verhalten entschuldigt.
        Allerdings sehe ich ohne Einsicht auch keine Chance auf Besserung. Vielleicht wendest du dich an eine Beratungsstelle?

        Weil, auch wenn du ihn verläßt, 2 Kinder werden ja bei ihm bleiben. Und schief läuft ja bei seinen "Erziehungsmethoden" einiges.

        Lg Sportskanone

        Hallo,
        bei allem Verstehen habe ich NULL Verständnis für seine Aktionen.

        Buch werfen????
        Oh man:-(

        Ja,ich würde mich trennen. Das waere unerträglich für mich.

        Grüße

        Marina

        Hallo

        ich glaube nicht, dass durch eine Familienberatung ( die ich trotzdem vor eine Trennung stellen würde, es trennt sich leichter wenn man alles versucht hat ) sich wirklich etwas dauerhaft am miesen Charakter deines Partners ändern lassen wird.
        Grausam und bösartig bis infantil.
        Schubsen, Bein stellen, am Arm ziehen, Eis aufessen---
        der Typ hat einen gehörigen Schatten.Er misshandelt die Kinder, das Schwein.
        Eine der geschilderten Aktionen hätte bereits jegliche Gefühle bei mir im Keim erstickt!
        Wirklich ändern kann man einen Menschen bekanntlich nicht.
        Das würde ich meinem Kind auf jeden Fall ersparen.
        Wenn du nur über etwas Verantwortungsbewusstsein verfügst, wirst du umgehend handeln.
        Die armen Kinder.

        G.

        Ihr habt euch doch sicher eine Weile gekannt und miteinander erlebt, bevor ihr zusammen gezogen seid - war er da auch so zu den Kindern?

        oder erst seit ihr alle zusammen wohnt, d.h. eine Äußerung von Überlastung?

        Ich kann dich gut verstehen, ich würde auch über Trennung nachdenken. So ein Verhalten... geht gar nicht. das kommt mir vor wie ein trotziges gehässiges Kleinkind, so reagiert doch kein Erwachsener #kratz

        Familienberatung wäre vielleicht nicht schlecht, würde er das mitmachen? wie die anderen auch schon fragten, sieht er denn was an seinem Verhalten falsch ist oder findet er sich so richtig?

        Lichtchen

        Mein Ex-Partner zeigt ähnliches Verhalten, bei ihm wurde durch einen psychatrischen Guachter eine Impulskontrollstörung und fehlende Empathiefähigkeit diagnostiziert. Sollte das bei euch ähnlich liegen, werdet ihr ohne professionelle Hilfe und echte Einsicht deines Partners keinen Schritt weiterkommen.

        So verzweifelt könnte ich gar nicht sein, um überhaupt im Ansatz mit so einen Menschen Kontakt Kontakt haben. Trennung dich und das so schnell als möglich.

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