unperfekte Partnerschaft vs Trennung - was ist besser für Kind(er)

Hallo,

ratsuchend wende ich mich an euch.

Ich stelle mir die Frage, ob es Anlaufstellen/Beratungsstellen/KiA/Psychologe... also irgendjemanden gäbe, an den man sich erstmal allgemein wenden kann, der mir Rat geben könnte zu folgendem Thema:

Ab wann/woran ist erkennbar, ob eine Trennung für das/die Kind(er) besser wäre, als eine nicht rund laufende Partnerschaft der Eltern?

Auch wenn die Maßstäbe für gute Eltern auf Urbia scheinbar sehr hoch sind, entspricht es doch der Realität, dass einige Kinder nicht im perfekten Partnerschaftsgefüge groß werden, oder nicht? Meiner Meinung nach muss es schon ziemlich schlimm sein, dass eine Trennung der richtigere Weg ist! Zumal Kind(er) ja weiterhin zu beiden Eltern Kontakt haben und dann vermutlich trotz einer Trennung immernoch mit den Problemen, die die Eltern vielleicht immernoch mit sich herumtragen, konfrontiert sind! Also bestünde quasi schlimmstenfalls eine doppelte Schädigung?

Kann mir Jemand helfen?

Schöne Grüße

Hallo,

perfekte Beziehungen gibt es nicht. Wenn die Beziehung an die seelische oder körperliche Substanz gehen, sollte man sie den Kindern zuliebe beenden.

Beispiel:

Mama und Papa steiten und vertragen sich. Normal. Das muss ein Kind "aushalten".
Mama und Papa streiten sich, würdigen sich vor dem Kind herab, beschimpfen sich oder greifen sich körperlich an. Das sollte ein Kind nicht erleben.

Wenn die Situation so ist, dass man keine Achtung voreinander hat, Aggressivität und Verletzungen alltäglich sind, dann ist es für ein Kind besser Elternteile getrennt voreinander in ihrem Leben zu behalten.

Meine Meinung.

LG

Natürlich gibt es Anlaufstellen bei der Frauenberatung und div. caritativen Einrichtungen (AWO, Caritas etc. einfach mal googlen unter Familienberatung, Eheberatung, Frauenberatung)

Allerdings hast du vermutlich eine falsche Vorstellung davon, was diese leisten. Sie geben dir keinen Rat, was du tut sollst - gehen oder bleiben (zumindest wenn keine offensichtliche Kindeswohlgefährdung vorliegt durch Misshandlungen o..ä.) Sie geben Lebenshilfe in der Form, dass Mann oder Frau oder das Paar von selbst drauf kommt, was das Beste ist. Wenn du hier mal aufmerksam verfolgst, bringt es null und nichts, jemanden zu etwas bequatschen zu wollen, was derjenige gar nicht innerlich bereit ist durchzuziehen. Eher das Gegenteil ist der Fall. Erst wird sehr viel geklagt und gejammert und später relativiert sich alles und es kommen immer mehr Argumente, warum es doch gar nicht sooooo schlimm ist.

Mir sträuben sich immer die Haare, wenn ich im Zusammenhang mit Menschen den Begriff "perfekt" lese. Kein Mensch und keine Partnerschaft ist jemals perfekt.

Eine Trennung macht immer dann Sinn, wenn unter dem Zusammenleben einzelne oder mehrere Familienmitglieder leiden. Egal ob Vater, Mutter oder/und die Kinder. Die Kinder leiden in fast allen Fällen, weil sie mitbekommen, wenn sich die Eltern streiten, schlagen oder anschreiben obwohl sie selbst gar nicht unmittelbar die Opfer sind.

Wie kommst du auf die Idee, dass die Kinder doppelt leiden könnten? Es soll ja durchaus Eltern geben, die als Paar nicht funktionieren, aber sehr gute Eltern sind und bleiben. Darauf hofft man zumindest. Seltsam fände ich die Variante, mit einem untauglichen Vater (oder Mutter) zusammenzubleiben, weil er oder sie getrennt genauso untauglich ist, also kann man auch gleich dableiben.

Was du wissen willst, ist sehr theoretisch und du wirst keine zufriedenstellende Antwort bekommen können, weil Menschen und Beziehungen so individuell sind, dass man jeden für sich betrachten müsste.

Ich möchte nicht in eine Richtung beraten werden. Ich hätte gern einen Aussenstehenden mit Fachkompetenz, der mir nennen kann, woran ich erkenne, dass ein normales Maß überschritten ist.

Um bei dem Beispiel der ersten Antwort zu bleiben, wieviel Streit zwischen Eltern ist noch normal. Dass dann natürlich individuell auf ein Kind bezogen. Welche feinen, für Laien vielleicht übersehbare Verhaltensauffälligkeiten würde ein Kind zum Beispiel zeigen, wenn es über ein normales Maß hinaus unter den Problemen der Eltern leidet?

Mit Doppelbelastung meine ich, wenn zB charakterliche Defizite dann von einem Elternteil auch weiterhin bestehen (zB leichte Reizbarkeit, verbale Aggressivität, Streit in neuer Partnerschaft...).

Wenn ein Kind also zusätzlich zur Trennung weiterhin beim Umgang mit dem entsprechenden Elternteil weiterhin mit dem Problem konfrontiert ist?

Was du suchst, ist ein Prophet.

Ein Kind kann jahrelang keine Auffälligkeiten zeigen, alles in sich hinein fressen und irgendwann fliegt einem das ganze um die Ohren. Selbst wenn es welche zeigt, wird niemand mit 100 %-iger Sicherheit sagen können, was der Auslöser war und ob es in unter anderen Bedingungen keine dieser Auffälligkeiten entwickelt hätte. Ein Kind kann sich völlig normal verhalten und dennoch zu verstehen geben, oder je nach Alter klar kommunizieren, dass es unter einer Situation leidet.

Um das genau zu spezifizieren, wirst du das Kind wahrscheinlich längere Zeit von einem Therapeuten beobachten lassen müssen.

Mir kommt das vor, als würde man das Kind unter die Lupe legen und ein Fachmann schaut drauf, ob etwas kaputt ist und wenn nicht, soll bitte festgestellt werden, wie lange es unter den selben Bedingungen noch gut geht und heil bleibt. Absurd.......

weitere 4 Kommentare laden

Schlimmer als eine saubere und ordentliche Trennung wird für Kinder sein, wenn die Eltern nur noch nebeneinander herleben, das Nötigste miteinander sprechen und dann jeweils eventuell Nebenpartnerschaften pflegen. Ich kann mir vorstellen, dass es für die Bindungsfähigkeit von Kindern schon ausschlaggebend ist, in welcher Umgebung sie aufwachsen. Irgendwann kriegen sie ja durch Freunde mit, wie liebevoll deren Eltern miteinander umgehen und fragen sich dann, warum das bei ihnen anders ist.

Das hört sich furchtbar an!

Hast du es denn früher schonmal so kommuniziert?

Ich denke, dass es bei uns nicht annähernd diese Stufe erreicht hat. Ich hoffe, dass ich das rechtzeitig bemerken würde.

Meinst Du mich oder meinst Du hasipferdi, die Schreiberin unter mir? Bekomme gerade den Zusammenhang Deiner Antwort mit meinem Posting nicht zusammen.

weitere 5 Kommentare laden

Hallo!

Ich bin selber ein Kind aus einer unglücklichen Ehe, ich kann vielleicht Erfahrungen aus erster Hand liefern. Eigentlich war die Ehe schon vor meiner Geburt nicht mehr so toll, Streit gab es immer oft. Als ich dann so ca. 10 Jahre alt war ist es noch schlimmer geworden, als ich 14 war so unerträglich, dass ich am liebsten weg gelaufen wäre, nur irgendwie nie den Mut fassen konnte. Mit 16 habe ich dann meine Mutter gefragt, warum sie nicht endlich geht, und da hat sie sich dann endlich getrennt.

Meine Eltern haben oft mehrmals die Woche gestritten, sich angeschrien, Vorwürfe gemacht - oft wegen dem letzten Käse. Etwa wegen Geld, obwohl es ihnen finanziell gut ging (schnell abgezahltes Eigenheim, zwei Autos, Wohnwagen, 8 Wochen urlaub im Jahr - warum muss man da über Geld streiten?) oder über Hausarbeit, obwohl sie eine Putzfrau hatten. Ganz viel Streit wegen nichts.

Als kleines Kind bin ich oft krank geworden nach großen Streits, dann haben meine Eltern sich erst mal um mich gekümmert. Später habe ich mich eher zurück gezogen, aber man hat es halt trotzdem immer gehört. Selbst wenn sie nicht gestritten haben war oft eine eisige Stimmung, mal zusammen lachen war nicht drin, und auch bei Ausflügen hat zumindest meine Mutter ständig die Augen verdreht und mein Vater rumgejammert. Bei einer Urlaubsreise waren sie mal kurz vor der Trennung weil beim Einparken ein Blinkerglas am Auto zu Bruch gegangen war - da hatte ich schon hoffnung. Aber sie sind dann leider doch zusammen geblieben.

In der Grundschule hatte ich dann Freundinnen deren Eltern geschieden waren und ich habe sie sehr beneidet, weil da der Dauerstreit endlich vorbei war. Sie hatten eine entspanntere Mama, und wenn sie beim Papa waren, dann hatte der auch Zeit für sie. Mein Vater war zwar zu Hause, aber immer ausgeklinkt, er hat in den TV gestarrt aber kaum was mitbekommen. Wirklich mit einem geredet hat er selten.

Die eigentliche Trennung war gar nicht wild. Das war eine Phase der umgewöhnung, aber danach auch wieder vorbei, und vor allem war es dann wesentlich besser, weil es nicht mehr ständig Streit gab.

Wichtig ist nur, die Trennung schnell durchzuziehen ohne viel hin und her, den Kontakt zuzulassen und nicht zu behindern, vielleicht auch häufigere Besuche als jedes zweite Wochenende. Und die Kinder erst mal mit neuen Männern in Ruhe lassen. Nicht gleich nen neuen Freund präsentieren, und erst recht nicht mit jemandem zusammen wohnen und weitere Kinder nachschieben.

Die Trennung sollte ein Ende mit Schrecken sein, aber das ist allemal besser als der Schrecken ohne Ende mit dauernd streitenden Eltern. Das zieht sich halt über so viele Jahre hin die ständig Stress ist. Nach der Trennung kehrt dagegen nach einem halben Jahr wirklich Ruhe ein, man richtet sich damit im Leben ein, und dann ist es wieder viel schöner.

Vielen Dank, dass du hier so offen deine Gefühle und Erfahrungen teilst! Ich finde das sehr mutig von dir.

ja, es gibt familienberatungsstellen/ psychosoziale Beratungsstehen/ eheberatungsstellen, an die du dich wenden kannst
träger dieser Einrichtungen sind häufig caritas, diakonie, pro familia o.ä.

in ller regel arbeiten dort Sozialarbeiter, psychologen, familintherapeuten und dort findest du kometente gesprächspartner, dei mit dir gemeinsam deien indviduelle geschichte anschauen

Danke. Ich werde mich erkundigen.

Ich habe vor nicht allzu langer Zeit dazu eine Psychologin in FrauTV gesehen, die dazu mit ihrem Team Studien gemacht hat.
Das Fazit war, wenn es irgendwie noch geht in der Beziehung, ist es besser, zusammen zu bleiben.
Ob das nun tatsächlich so ist, möchte ich nicht unterschreiben.
Es kommt immer drauf an.

...so etwas las ich nämlich auch schonmal. Da nicht alles total zerfahren ist, keine Eiseskälte, sondern auch Freude herrscht und Liebe gezeigt wird, dennoch bei Problemen meines Erachtens zu schnell und zuviel die Post abgeht, bin ich mir eben unsicher.

Ich möchte keine unüberlegte Entscheidung treffen, die schlimmstenfalls am Ende ein schlechteres Ergebnis nach sich zieht, als ich mir erhofft habe.

Also für mich sind unkontrollierte Wutausbrüche, Beschimpfungen unter der Gürtellinie, Alkohol- und Drogenmissbrauch, ständige angespannte Stimmung zu Hause, völliges Desinteresse eines Elternteils am Familienleben oder auch Ablehnung eines Kindes Gründe, die für eine gesunde und harmonische Entwicklung der Kinder Gift sind. Die Kinder sehnen sich nach Ruhe und Geborgenheit. Wenn beide Elternteile oder Stiefeltern dies auf Dauer nicht erfüllen können, ist eine Trennung auf jeden Fall besser.

Da stimme ich dir größtenteils zu.

Und doch ist das eine (wie du ja auch schreibst) subjektive Einschätzung. Deshalb würde ich mir so gerne Rat von einem Aussenstehenden einholen.

Wo ich hier Probleme sehen, wären Einige sicherlich längst getrennt, Andere wäre froh, wenn sie 'nur' diese Sorgen hätten.

Und woher weißt du, wie der "Außenstehende" denkt? Gibt es irgendwo ein Regelwerk, in dem steht, was „normal“ ist und was nicht? #kratz

Das sieht jeder anders. Du, ich, eine außenstehende Expertenperson usw.
Auch ist jedes Kind anders. Das eine Kind leidet bereits bei xy und das andere lässt diese Situation noch recht kalt usw.

Andere Meinungen hast du hier ja auch schon erhalten. Und auch die Kommentare bei urbia kommen von Außenstehenden!
Somit verstehe ich leider dein Anliegen nicht #kratz

Die Frage ist eher, fühlst du dich in dieser Beziehung wohl?
Bist du glücklich so, wie es ist? Kannst und möchtest du dich mit dieser Situation noch jahrelang arrangieren?
Findest du als Mutter (denn wer kennt deine Kinder besser, als du?), dass deine Kinder unter dieser Situation leiden?

Das sind Fragen/Entscheidungen, die nur du beantworten und treffen kannst.

weitere 2 Kommentare laden

Hallo,

Ich denke dass du deine Partnerschaft nicht immer nach dem Wohlergehen des Kindes ausrichten kannst oder sollst.

Versteh mich nicht falsch: Sicher gibt es Grenzen, wo es dann besser ist, u. a. um des Kindeswohl wegen, sich zu trennen. So wie hier ja schon von einigen Vorrednerinnen näher definiert.

Doch diese Gedanken bzgl. Trennung sollte man dann natürlich auch weiterspinnen: Was wird folgen, wenn man dann wirklich getrennt ist? Wie wird man miteinander weiter umgehen, wie wird es dem Kind DANN ergehen?

Ich glaube nicht, daß es DIE perfekte Partnerschaft, bzw. DAS perfekte Familienleben gibt! Jede Familie hat ihre kleinen und großen Geschichten... auch wenn es nicht alle nach außen tragen. Sicher klappt es bei manchen wirklich besser, als bei anderen.

Ich denke, deine Frage kann man einfach nicht beantworten. Man kann einer unperfekten Partnerschaft sowohl positives als auch negatives in Bezug auf das heranwachsende Kind abgewinnen: Das Kind kann lernen, daß Probleme durchaus lösbar sein können, dass man nicht gleich alles hinwirft, dass man im Leben auch kämpfen muss... oder es kann lernen, dass ein Partner der Horror sein kann.... oder es kann lernen, daß man jederzeit aufgeben, neue Wege gehen kann.... und, und, und....!
Wenn dein Kind nun Auffälligkeiten zeigt, ja so kann das natürlich mit dem Verhalten in der Familie zusammenhängen. Doch sei ehrlich: Kannst du dein Leben überhaupt so führen, daß es deinem Kind immer nur gut geht? Selbst wenn du eine absolute Vorzeige-Partnerschaft führst, kann es für dein Kind doch irgendwas geben, womit es dennoch nicht klar kommt. (Vielleicht kommt es dann eben außer Haus nicht klar, wenn es zu Meinungsverschiedenheiten kommt).

Ich hoffe, du verstehst, wie ich das meine.
LG

Deine Antwort hat mich wirklich aufgemuntert.

Denn ja, wäre es hier der blanke Horror, würde ich nicht nur des Nachwuchses zuliebe hier bleiben.

Dennoch ist mir bewusst, dass gewisse Dinge hier auch mal ein gesundes Maß überschreiten. Deshalb mache ich mir ja Gedanken. Ich sehe hier keine für mich offensichtlichen Auffälligkeiten am Kind, ich möchte aber wirklich genau hinschauen und feinfühlig bleiben, denn was zB hasipferd geschildert hat, wäre schlimm, für beide Elternteile sicherlich. Wir lieben unseren Nachwuchs beide sehr, aber jeder hat mit seinen Schwächen zu kämpfen, weshalb es eben nicht immer toll läuft.

Schönen Tag wünsche ich dir!

Ja - genau hinschauen und feinfühlig bleiben. Aber pass auf euch auf, daß du dich nicht zu sehr in evtl. Auffälligkeiten verrennst.

Bei unseren Kindern gab es auch immer mal Auffälligkeiten - eine Phase löste praktisch die nächste ab...
Auch in unserer Partnerschaft lief nicht alles immer gut - leider.

Es hört sich schon so an, als ob ihr BEIDE darauf achtet, daß ihr eine einigermaßen "gutes" Familienleben zusammen hinbekommt - das ist doch schon was.

Eine Freundin von mir hat sich getrennt, als ihre Tochter (Einzelkind) 13 Jahre alt war. Bis vor der Trennung hatte sie eine langjähriges Verhältnis mit einem anderen Mann - sie sagt, Eheleben gab es für sie quasi nicht mehr, sie stritt sehr häufig mit ihrem Mann über alles mögliche und das wirklich über mehr als 5 Jahre hinweg. Als sie sich dann trennten, ging alles sehr schnell: Haus verkauft, beide Elternteile in verschiedene Wohnungen gezogen, die Tochter kam mit zu ihr - und darauf folgten für sie dann echt die absolut heftigsten Jahre ihres Lebens. Die Tochter hat ihr das Leben zur "Hölle" gemacht: Abhauen, Alkohol, Diebstahl, Einbruch, Drogen, Schule schwänzen, Polizei, Jugendamt, Erziehungshilfe... mit alldem hat sie mehr Bekanntschaft gemacht, als ihr lieb war...! Heute ist das Mädel 18 - es läuft nun einigermaßen wieder in geglätteten Wogen, die Mutter ist mit dem neuen Partner immer noch zusammen, aber der Preis war hoch! Sie hat sich aus Liebe zu dem neuen Partner in dieses Mienenfeld begeben und mit seiner Unterstützung auch einigermaßen überstanden... wäre sie alleine gewesen - vlt. wären die Probleme nicht so heftig aufgetaucht, vlt. wäre sie aber auch daran zugrunde gegangen.

LG

<<<Ab wann/woran ist erkennbar, ob eine Trennung für das/die Kind(er) besser wäre, als eine nicht rund laufende Partnerschaft der Eltern?>>>

Wenn jeden Tag nur noch Unfrieden und Streit herrscht, der durchaus auch vor den Kindern "ausgetragen" wird, und selbst Kleinigkeiten ausreichen, um einen der Beteiligten sofort ausrasten zu lassen, ist in meinen Augen der Punkt erreicht, an dem ernsthaft über eine Trennung nachgedacht werden sollte, solange man zumindest noch miteinander spricht.

Oft ist es ja sogar so, dass wenn man sich nach der Trennung nicht mehr jeden Tag sieht, sich auch der Umgang miteinander wieder so weit bessert, dass das Miteinander wieder zumindest höflich von statten geht.....und auch wenn Mom und Dad nicht mehr zusammen leben, ist DAS für die Kinder sicher besser als wenn jeden Tag die Fetzen fliegen, oder man sich so rein gar nichts mehr zu sagen hat und nur eiskaltes Schweigen herrscht.

>>Meiner Meinung nach muss es schon ziemlich schlimm sein, dass eine Trennung der richtigere Weg ist! <<

ich denke, kein Paar macht es sich leicht mit einer Trennung. Was aber "ziemlich schlimm" ist, und was nicht, da hat jeder seine eigene Vorstellung von

Hallo,

ich kann deine Frage gut verstehen, da sie mich selbst lange beschäftigt hat.

Meine Ehe lief einige Jahre nach dem Motto: "Zu gut,um zu gehen, zu schlecht, um glücklich zu sein."

Mein Mann war in jüngeren Jahren recht jähzornig mit geringer Frustrationstoleranz. Auf der anderen Seite war er ein Vollblutvater, der sehr viel mit den Kindern unternahm, sich kümmerte, vollumfänglich seiner Verantwortung für die Familie nachkam. Aber alle positiven Attribute konnten nicht wettmachen, dass er mit seinen Aussetzern häufig die Atmosphäre zu Hause vergiftete. Er vergriff sich gerne im Ton, sowohl gegenüber mir als auch den Kindern.
Das war für mich auch so eine schwere Zeit! Einerseits sah ich meine Kinder, wie sie freudestrahlend mit dem Papa vom Ausflug zurückkamen und andererseits musste ich sie genauso oft trösten, wenn er wieder mal verbal austickte. Ich weiß nicht, ob das richtig war, aber ich meinen Kindern damals in solchen Situationen immer wieder bestätigt, dass ich das Benehmen ihres Papas auch ganz schlimm finde und ich sauer bin! Ich wollte ihnen so wenigstens spiegeln, dass das Verhalten inakzeptabel ist. Meine größte Befürchtung war nämlich, dass sie sich daran gewöhnen und es als "normal" ansehen könnten.
Noch komplizierter wurde es, als mein ältester Sohn anfing, ähnliche Verhaltensstrukturen zu entwickeln. Da wusste ich nicht, ob er das Wesen meines Mannes geerbt hatte oder ob er es sich abschaute, was mich wieder in den Zwiespalt stürzte. Denn ICH bin nicht so und empfinde Jähzornigkeit als Störung des Charakters. Ich wollte keinesfalls, dass mein Sohn so ein Verhalten übernahm. Aber verhindern konnte ich es auch nicht, zumal der Papa sowieso der Star für den Älteren war. Es waren Jahre, die nicht schön waren. Mehrere Male äußerte ich auch den Wunsch nach einer Trennung. Dann wurde es wieder besser, man schöpfte Hoffnung...na ja, wie das halt so ist...

Du merkst vielleicht, dass mein Text in der Vergangenheit geschrieben ist. Ich bin inzwischen 15 Jahren mit meinem Mann verheiratet und noch nicht geschieden! :-D Er ist in manchen Situationen immer noch ungeduldig, aber heute in einem gesunden Maß. Es kommt nicht mehr vor, dass sich mein Mann dermaßen im Ton vergreift. Szenen, wie sie sich vor 5 Jahren abgespielt haben, finden heute nicht mehr statt. Keine Ahnung, warum und wie mein Mann zu einem gesunden Verhalten eines erwachsenen Menschen gefunden hat. Ich denke, er wird wohl auch durch die Kinder gewachsen sein. Vor allem mein ältester Sohn bekam durch seine aufbrausende Art schnell Probleme im Kindergarten, später in der Schule. Ja, was soll man da der Lehrerin sagen, wenn sie im Beisein meines Mannes das schwierige Verhalten meines Sohnes beschreibt, das hätte genau so von ihm selber sein können? Vielleicht ist auch der Testosteronspiegel um die 40 gefallen? ;-) Vielleicht hat er auch erkannt, was auf dem Spiel steht, denn auch eine Frau mit 40 lässt sich bei Weitem nicht das gefallen, was sie mit 25 noch über sich ergehen ließ. Ich lasse wohl keinen Zweifel daran, dass das Maß voll ist und ich nicht bereit bin, ein bestimmtes Verhalten zu dulden. Ich fühle mich zu alt für das ganz große Drama. Das mache ich nicht mehr mit.

Bei uns scheint es sich zum Guten gewendet zu haben. Ich denke mit schwierigen Entscheidungen ist es nie leicht! Man muss zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Entscheidung treffen, nach bestem Wissen und Gewissen und auf der Basis der Ressourcen, die man zu diesem Zeitpunkt hat. Niemand kann wissen, ob es im Nachhinein besser gewesen wäre, anders entschieden zu haben.

Auch ich kann das schlussendlich nicht wissen. Meine Kinder sind wohl im Großen und Ganzen glücklich in unserer Familie. Auch der Papa wird heiß und innig geliebt und er selbst geht nach wie vor in der Rolle auf. Er ist ein guter Mensch, mit einem guten Herz. Das war er schon immer. Trotzdem kann ich sein Verhalten in jüngeren Jahren nicht beschönigen. Das war schlimm. Ob mir meine Kinder eines Tages mit einem erwachsenen Blick auf ihre Kindheit vorwerfen werden, dass ich mich nicht getrennt habe, das weiß ich nicht. Verstehen könnte ich es.

Was ich dir sagen kann, ist, dass ich die Frage, ob ich mich trenne, vor allem auch von mir selbst abhängig machen würde. Bin ich mit meinem Leben im Großen und Ganzen glücklich und zufrieden? Fühle ich mich stark und lebendig? Wenn dem so ist, kann man doch so einiges auffangen. Schlimm ist es, wenn einem der psychische Stress mehr und und mehr zusetzt und man immer kraftloser wird. Das ist ein schleichender und gefährlicher Prozess. Dann kann man nämlich weder für die Kinder da sein, noch hat man die Kraft, eine notwendige Trennung durchzuziehen. Es ist tatsächlich eine Wanderung auf ganz schmalem Grat.

Dir alles Gute
Malena

Ein wirklich reflektierter und sehr hilfreicher Beitrag.#blume
Mir ging es vor vielen Jahren ähnlich .
Mein Sohn hat ganz eindeutig die Verhaltensweisen seines Vaters erkennen lassen.
Seine Wutanfälle verschwanden innerhalb weniger Monate nach unserem Auszug.
Meine Kräfte schwanden so langsam, wie von dir beschrieben.
Es war ein Befreiungsschlag sich von diesem Mann zu trennen, für den ich insgeheim , recht lange noch, eine ungesunde Loyalität empfunden habe.
Meine Kinder waren bald froh über die Trennung und konnten sich ihre Eltern als Paar nicht mehr vorstellen.
Ich wünsche dir und deiner Familie ,dass alles weiterhin friedlich und zu händeln bleibt.