Wunden in mir brechen auf...

    • (1) 30.05.16 - 09:41
      lebensspirale

      Hallo zusammen,

      wieder einmal fühle ich mich hier im Scherbenhaufen, auch wenn nicht mehr so schlimm, wie noch vor ein paar Monaten.

      Mein Mann (49) und ich (48) sind seit meinem 19 LJ. ein Paar. Es gab in den ersten Beziehungsjahren mal eine Auszeit - damals hatte ich ihn betrogen, bzw. war einfach noch in meiner "Findungsphase".

      Letztes Jahr kam heraus, daß mein Mann eine Außenbeziehung führt, seit ca. einem Jahr. So genau, konnte der Anfang der Affäre nicht mehr definiert werden, diese andere Frau war über Jahre sowas wie "seine beste Freundin".... knapp 1 Jahr hatten sie zusammen Sex.

      Er hat die Affäre dann sofort beendet und auch den Kontakt zu dieser Frau komplett abgebrochen.

      Mir fällt es unbeschreibbar schwer, hier alles hinter mir zu lassen, alles was wir gemeinsam geschaffen haben, aufzugeben, bzw. ihn zu verlassen. Anfang des Jahres ging es mir auch weitgehend richtig gut. Wir waren in Eheberatung und ich hatte das GEfühl, das GEschehene wegstecken zu können, trotzdem mit ihm weiter zusammenbleiben zu wollen/können.

      Doch ist es so, daß Meinungsverschiedenheiten zwischen uns mittlerweile einfach zu Streitereien ausarten. In mir reißen dann alle Wunden wieder auf. Mir ist klar, daß es nicht gut ist, wenn ich ihm dann das alles wieder vorhalte. Ich stelle dabei vieles in Frage: Ob ich mir selber etwas vormache? Ob es überhaupt zu schaffen ist ohne daß ich mich dabei selber ein Stück weit aufgeben muß?
      Mir ist klar, daß das Geschehene künftig immer irgendwie "dazugehören" wird. Was mir dabei so zusetzt, ist nichteinmal der Sex, den beide miteinander hatten, sondern dieses Gefühl, daß er UNS verraten hat, damit was er ihr alles anvertraut hat, wie er diese Heimlichkeiten mit ihr teilte...
      Es ist auch Geld geflossen (ein vierstelliger Betrag). Sie hatte ihm eine Vereinbarung unterschreiben lassen, die sie dann nach Beendigung der Affäre natürlich hervorholte. Einfach diese Vorstellung seiner Primitivität, lässt mich ihn mit anderen Augen sehen.

      Ich kann auch nichtmal sagen, ob ich Rat von euch möchte oder Trost bzw. es einfach nur irgendjemand mitteilen möchte.

      Am liebsten würde ich diese Erfahrung in eine Ecke stellen, an der ich einfach nicht mehr vorbeigehen muss!

      LG

      • Hallo1

        Wie läuft das denn, wenn ihr streitet? Ihr streitet über Hausarbeit, Geld oder was auch immer, und irgendwann kommt der Punkt, wo Du nur noch dran denkst, dass er Dich betrogen hat, und schwupps, ist das Thema wieder Mittelpunkt der Diskussion?

        Es gibt keinen Fahrplan wie man verzeihen muss. Manche können schnell verzeihen, andere nie. Aber seine Untreue hat in einem Streit über ein ganz anderes Thema nichts zu suchen, das gehört da nicht hin.

        Liebst Du ihn denn noch und willst wirklich weiter mit ihm zusammen sein?

        • (3) 30.05.16 - 11:06

          Der Beginn eines Streits resultiert natürlich immer aus einer anderen Ursache. Es ist der Verlauf... da komme ich oftmals dann an einen Punkt, eine Verhaltensweise seinerseits, die dann alles nur noch in eine Richtung lenkt.

          Beispiel: Mein Mann ist eher konfliktscheu, d. h. er ist keiner, der sich in Rage oder Wut redet - ich schon eher. Es läuft dann meist so, daß er kurz und ruhig seine Ansichten mitteilt und wenn ich mich damit nicht abfinde, d. h. einfach nochmal nachhake, dann werde ich dabei auch mal im Ton etwas fordernder. Ich schrei ihn nicht an, aber ich schaffe es auch nicht immer einen absolut ruhigen Tonfall beizubehalten, wenn mich gerade etwas furchtbar ärgert. Das ist für ihn meist ein Auslöser um total auf "Sendepause" zu schalten, d. h. er sagt dann nichts mehr, geht manchmal auch einfach....
          ...und in den Monaten bevor die Affäre aufflog, habe ich ihn hin und wieder mit meinem Verdacht, bzw. mit meinem Gefühl, daß irgendetwas einfach nicht mehr stimme... er soll mir endlich sagen, was los ist... er soll mir einfach sagen, wenn er mich nicht mehr liebt ... usw. konfrontiert. Dabei war ich teilweise auch wirklich sehr verzweifelt, weil ich ja merkte, daß etwas nicht mehr stimmt, daß es so nicht weitergehen kann .... da hat er mich ebenfalls immer angesehen, nichts mehr gesagt... quasi einfach links liegen lassen.

          Und da ist nun diese "Übereinstimmung" in zwei komplett verschiedenen Themen, wo ich mich dann wieder total zurückversetzt fühle in diese damalige Zeit...
          Oder etwa ging es neulich um eine Neuanschaffung (wir wollen hier einen Terassenbereich erneuern)... wir haben uns verschiedene Möglichkeiten näher angesehen, dabei spielt natürlich auch das Finanzielle mit ein. Bisher war es immer so, daß wir bei solchen Angelegenheiten nach einer Lösung suchten, die uns beiden gefiel, die aber auch finanziell im Rahmen war....

          ... nun würde mir ein Terassenbelag gut gefallen, der ziemlich teuer ist... vor ein paar jahren noch hätte dieser Preis einfach eine Grenze überschritten, wo ich mir gesagt hätte "Nein, für soviel Geld nicht... da ist das andere, günstigere ebenfalls in Ordnung". Da er dieser Dame nun aber ziemlich viel Geld "zugestanden" hat, hat sich diese Einstellung in mir geändert. Ich denke mir: "Wozu hier nun darauf achten, daß wir weniger ausgeben... ihr hat er's einfach hinterhergeworfen..." Wobei mir mein Kopf natürlich sagt, daß das einfach Schwachsinn meinerseits ist.... denn dies wird sich ja alles so nicht wiederholen!
          LG

          • (4) 30.05.16 - 11:11

            .... oder etwa wenn ich bei unserem jüngsten Sohn, der uns beide derzeit durch sein Verhalten mitunter zur Weißglut oder Verzweiflung bringt, bemerke, daß ich von ihm belogen werde... dann kommt von mir auch mal der Querschläger "Na ja, du als Papa hast ihm ja deutlich genug vorgelebt, daß man durchaus Menschen, die einem nahe stehen, hintergehen kann, wie man es jedem Anderen nicht zumuten würde...!

          • Hallo!

            Les Dir mal nochmal durch, was Du geschrieben hast.

            Dein Mann "streitet" schon immer so. Und hat das während der Affäre und auch danach so beibehalten. Ja, mich würde das auch zur Weißglut treiben, aber dass Du ihm immer mehr Vorwürfe machst macht eure Meinungsverschiedenbheit ja nicht besser, oder? Da musst Du schon auch an Deiner eigenen Streitkultur arbeiten.

            Dass Du euer Kind da mit rein ziehst geht aber echt gar nicht. Erwachsene leben Kindern immer und ständig vor, dass man in zig Situationen lügt. Du ganz sicher auch. Hast Du noch nie im Beisein Deiner Kinder eine Ausrede erfunden?

            Kinder lügen, das ist normal und gehört zu ihrer Entwicklung dazu. Und wenn die Eltern gerade so viele Probleme haben und sehr mit sich beschäftigt sind, lügen Kinder noch mehr, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Konzentriert euch lieber auf eure Kinder.

            Und in Sachen Geld: ja, er hat ihr Geld gegeben, aber deswegen wird euer Budget ja nicht größer. Sondern eher die Ersparnisse noch magerer, also wäre das eher ein Grund weiter sparsam zu sein.

            • (6) 30.05.16 - 12:14

              Ja ich habe beim Schreiben selber schon bemerkt, was du meinst.

              Doch z. B. die Sache mit dem Geld: Natürlich sind unsere Ersparnisse dadurch geschrumpft, aber als er ihr nach Auffliegen der Affäre das Geld gab (er hatte eine Vereinbarung unterschrieben, die sie naürlich erst nach dem Beenden der Affäre forderte) ... da habe ich mich schon seehr geärgert. Er hat das GEld damals komplett überwiesen mit der Begründung, daß er so einen Schlußstrich ziehen möchte und dafür halt dann einige Überstunden leisten wird und sich diese ausbezahlen lässt. Bei uns gab es vorher nie ein DEIN und MEIN - das war UNSER. Und natürlich kann er gar nicht soviele Überstunden leisten, um das wieder reinzuholen, außerdem bleibt ja aufgrund der Überstunden letztlich anderweitig wieder mehr an mir hängen....

              Ich verstehe es einerseits, daß er sagte, er will einen Schlußstrich, er will sich mit ihr nicht rumstreiten deswegen.... andererseits hätte es sicher einen Weg gegeben, diese Summe zu reduzieren.

              LG

              • Vielleicht wäre es doch besser, erst mal eine RICHTIGE Paartherapie zu machen, eben damit Du besser verstehst, was da passiert ist und was zwischen euch schief läuft.

                Ihr habt viel Alltag, Alltagsprobleme, Alltagsstreitereien (die vor allem von Dir aus nicht gerade nett verlaufen). Und er hatte da eine beste Freundin, mit der er über alles reden konnte, die ein offenes Ohr hatte, ihm zugehört hat und beigestanden ist - und da ist es halt passiert, dass er sich verguckt hat, sie sich auch körperlich näher gekommen sind, eine Affäre draus wurde.

                Gut möglich, dass es ihm dann eigentlich schon vorher zu viel wurde, sonst hätte er sich nicht so schnell und sofort getrennt, und das mit dem Geld - vielleicht wollte er sich wirklich "frei kaufen" oder hatte das Gefühl, es ihr zu schulden.

                Aber er hat sich für Dich entschieden, und wenn ich so lese wie eure Meinungsverschiedenheiten ablaufen, kann ich schon irgendwo nachvollziehen, dass er dafür anfällig war, für eine verständnisvolle Frau die ihm das Ego streichelt. Offenbar tut er sich ja sehr schwer, sich Dir gegenüber auch mal durchzusetzen.

                Aber ihr müsst jetzt BEIDE was draus lernen, und vor allem an eurer Streitkultur was ändern. Dafür wäre eine paarberatung wirklich wichtig. Im Moment kommt ihr ja kein Stück weiter.

      (8) 30.05.16 - 11:46

      Ich denke, eure Beziehung macht so keinen Sinn. Wenn das Thema bei jedem Streit direkt oder indirekt wieder auf den Tisch kommt.... Das ist jetzt auch keine Kritik. Ein Jahr lang betrogen zu werden ist ja auch noch ne ganz andere Hausnummer als ein Ausrutscher....

      Wir sind seid meinem 17.LJ ein Paar. Auch wir hatte mal eine Auszeit, nachdem ich meinen Mann (damals Freund) betrogen habe, allerdings war das "nur" eine einmalige Sache.

      Wir versuchten zunächst zusammen zu bleiben, aber auch bei uns kam dieses Thema dann ständig aufs Tablett. Ich hätte machen können, was ich will, er meinte, er hat jetzt das Recht zu tun was er will... Wir haben uns dann richtig getrennt und sind beide unserer Wege gegangen, ganz friedlich und ohne das Ziel wieder zusammenzukommen. Nach einem halben Jahr haben wir uns wieder gefunden, und seitdem sind wir auch wieder ein Paar auf Augenhöhe. Aber das andere hätte nie funktioniert.

      Ich habe nie eine Paartherapie gemacht, daher vermag ich nicht einzuschätzen, ob diese es vermag, für eure Beziehung wieder eine Basis zu schaffen, momentan scheint die nicht vorhanden zu sein.

      Ich finde es auch schwierig, da etwas zu raten. Ich persönlich bräuchte wohl eine räumliche Trennung. Alles andere zeigt dann die Zeit...

      Alles Gute für dich!
      (Und gönn dir ruhig die schöne Terasse;-))

      • (9) 30.05.16 - 11:57

        Ja - diese Auszeit in jungen Jahren - das kenne ich ähnlich. Das kann man auch nicht mit der Situation über 20 Jahre später vergleichen (damals waren wir trotz allem frei - keine Kinder - kein gemeinsames Haus und vor allem nicht soviel was gemeinsam durchgestanden worden war und wir wohnten beide noch zuhause, bzw. keiner musste seine Sachen packen und sich eine neue Bleibe suchen)

        Ich komme halt letztlich immer wieder an den Punkt wo ich mich frage: "Warum hat er mir und uns das angetan?" Klar ist eine Ehe nach so vielen Jahren nicht nur perfekt, aber er hätte seine Energie doch darin einbringen können, daß wir da rauskommen.

        Eine richtige Paartherapie war das eher nicht, was wir gemacht haben, das war eher so Erste-Hilfe-Programm nachdem alles aufgeflogen war. Letztlich müssen auch wir es wissen, wie und ob es weitergeht - ein anderer wird uns das nicht sagen können.

        LG

        • (10) 30.05.16 - 15:29

          Sicher war die Situation in jungen Jahren anders (wenn bei uns nun auch nicht soo jung und zu Hause wohnend), aber war es deswegen weniger verletzend?
          Was aber auf jeden Fall gleich ist- du kannst nicht einfach darüber hinweg sehen. Wenn du das Thema nicht abschließen kannst, bleibt dein Mann der "Untergebene", der etwas wieder gutzumachen hat. Das wird er verständlicherweise auch nicht ewig mitmachen. (und ob das nun von seiner Seite ein verspätetes "Wie du mir, so ich dir" ist.... Aber das ist ja eigentlich auch egal)
          Wenn ihr noch keine richtige Paartherapie gemacht habt, und er dazu bereit ist, versucht das doch. So etwas lässt sich ja nicht mit dem Verstand bereinigen, wenn das schlechte Gefühl bleibt...

          • (11) 30.05.16 - 19:20

            Das stimmt - das muß irgendwann, wie auch immer, abgeschlossen werden, damit man sich wieder auf einer Ebene begegnen kann - alles andere wird auf Dauer nicht gut gehen.

            Danke dir!

    (12) 30.05.16 - 12:42

    """"""Es ist auch Geld geflossen (ein vierstelliger Betrag). Sie hatte ihm eine Vereinbarung unterschreiben lassen, die sie dann nach Beendigung der Affäre natürlich hervorholte. Einfach diese Vorstellung seiner Primitivität, lässt mich ihn mit anderen Augen sehen."""""""

    wer hat wem geld gegeben? sie ihm, mit vereinbarung? für was brauchte er das?

(14) 30.05.16 - 12:56

Ich kann Dich absolut verstehen, ich denke es braucht Zeit....... sehr viel Zeit.

Und natürlich den Willen es zu schaffen.

Ich denke schon, dass es mit der Zeit einfacher wird.

Du musst ihn jetzt auch "mit anderen Augen" annehmen, was sicher lange braucht.

Eine Frage..... hat sie ihn erpresst? Das mit dem Geld klingt so danach.

  • (15) 30.05.16 - 13:20

    Ok - muss das mit dem Geld wohl deutlicher erklären.
    Es war so: Wir haben ihr den leerstehenden Stall zur Pferdeeinstellung vermietet. Mein Mann hat angeblich öfter versucht, die Affäre zu beenden. Als dies dann wieder mal "zur Debatte" stand, sie wohl merkte, daß es nichts von Dauer sein wird, kam sie ihm damit, falls sie eben aus dem Stall auszieht, (egal ob Kündigung unserer- oder ihrerseits) daß sie dann einen gewissen Betrag als Entschädigung erhalten möchte... ursprünglich sprach sie wohl von einem doppelt so hohen Betrag, worauf mein Mann sich nicht einließ... und dann hat sie ihm diese Vereinbarung unter die Nase gehalten und zur Untschrift gedrängt... erpresst kann man nicht sagen.

    Mein Mann hat es unterschrieben, ich erfuhr davon als dann alles aufflog...
    LG

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