Mein Freund und der Alkohol

    • (1) 06.06.16 - 10:37
      accupro

      Hallo

      ich befürchte mein Freund ist Alkoholiker.

      Ich bin mit ihm seit nun schon seit 7 Jahren zusammen. Ich liebe ihn wirklich über alles, er war schon meine Jugendliebe. Wir haben viel erlebt, zusammen Krankheiten und Jobprobleme gemeistert und uns immer unterstützt.

      Er hat schon immer mal ein Bier getrunken, manchmal beim Feiern mehr, weil seine Freunde auch alle trinken das ist ganz normal bei denen.

      Aber jetzt ist es so, dass er jeden Tag so 6 bis 8 Bier trinkt. Ab ca 18 Uhr Nachmittags wenn er heim kommt bis er um 23 Uhr oder 24 Uhr ins Bett geht. Er meint es sei ganz normal, er ist kein Alkoholiker, ihm schmeckt es einfach und es ist nichts hochprozentiges.

      Ich kann es jedoch nicht mehr sehen. Ich hasse es. Wenn die Kinder um 21 Uhr endlich schlafen kann man sich mit ihm nicht mehr richtig unterhalten weil er schon angetrunken ist. Er arbeitet viel, Abteilungsleiter, viel Verantwortung unter der Woche. Am Wochenende trinkt er dann soviel, dass er schon nicht mehr geradeaus laufen kann, mit Freunden, Spaß haben, nicht weil er es braucht sagt er sondern weil es ihm Spaß macht. Ich weiss nicht mehr was ich machen soll.

      Verlassen will ich ihn nicht, ich möchte ihm helfen. Jedoch wenn ich sage, dass er sich helfen lassen soll, dann wird er wütend und meint, er hat kein Problem.

      Wenn er nicht viel trinkt ist er der allerliebste und aufmerksamste Mensch. Wir haben zwei Kinder um der er sich so tagsüber gut kümmert wenn er Zeit hat. Aber mein Sohn hat ihn schon betrunken erlebt und das war nicht schön.

      Er hat ihn angepöbelt als er nachts aufgestanden ist und ins Wohnzimmer kam und ihn angebrüllt er soll sofort wieder in sein Zimmer und sich nicht mehr blicken lassen. Mein Sohn war ganz entsetzt und wusste nicht was los ist. Er hat sich nicht von der Stelle weg bewegt und ihn angestarrt. Da hat er ihn am Arm gepackt und in sein Zimmer geschleift und ins Bett gesteckt. Es hat ihn nicht gejuckt dass er geschrien hat.

      So etwas würde er niemals tun wenn er nüchtern ist. Da ist er geduldig und verständnisvoll und geht auf die Kinder ein. Er hat sich dann am nächsten Tag bei ihm entschuldigt und ihm gesagt es ging ihm nicht gut.

      So etwas möchte ich nicht mehr erleben. Ich will dass er sich helfen lässt. Doch wie stelle ich es an? Dass er Hilfe annimmt? Ich will ihm nicht mit Trennung drohen, das würde mir als Erpressung vor kommen. Aber langsam halte ich das nicht mehr aus.

      Wie kann ich vor gehen?

      • Hallo!

        Bitte geh unbedingt zu einer Selbsthifegruppe, die meisten Gruppen für Alkoholiker haben auch angeschlossene Gruppen für Angehörige. Du bist schon längst in einer Co-Abhängigkeit drin, deckst ihn, ermöglichst ihm das Trinken - da kommst Du alleine aber wirklich nicht raus.

        Lass Dir da bitte von erfahrenen leuten helfen, das kannst Du nicht alleine.

        • (3) 06.06.16 - 10:50

          Ich ermögliche ihm das trinken nicht. Ich sage ihm jeden Tag wie sehr es mich anwidert dieses Bier und sein Verhalten wenn er betrunken ist.

          • Du bleibst aber trotzdem bei ihm. Du erträgst ihn, wenn er betrunken herum pöbelt und schützt nicht mal Deine Kinder vor ihm. Und am nächsten Tag ist alles wieder beim aten, egal wie sehr er herum gepöbelt hat.

      (5) 06.06.16 - 10:57

      Hallo!

      Mein Vater ist auch Alkoholiker und wurde sehr aggressiv darunter. Ansonsten war er ein lieber Kerl. Meine Mutter versuchte ihm zu helfen, aber er sah das Problem nicht. Die Spirale ging abwärts und meine Mutter trennte sich. Ich war noch im kiga zu der Zeit. Ab da lebten wir wirklich schön und unbeschwert. Ein Alkoholiker muss es selbst erkennen. Ansonsten kann man ihm nicht helfen. Für ein Kind ist ein alkoholkrankes Elternteil die Hölle.

      Ich würde mich auch dringend an eine Selbsthilfegruppe oder Beratungsstelle wenden. Die kennen sich aus und können sicherlich sehr gute Tipps geben.

      Alles Gute

      Ninly

      Es hat nichts aber auch gar nichts mit Erpressung zu tun, wenn man einen Zustand, den man selbst unerträglich findet, geändert haben möchte. Es ist dein Leben und das Leben deines Sohnes, welche unter diesen Bedingungen leiden. Ich würde daher nicht nur mit Trennung drohen, sondern diese nötigenfalls auch durchziehen.
      Viel Glück für euch

    • Du möchtest es zwar nicht mehr erleben, aber Dir ist jetzt schon klar, dass Du das immer öfter erleben wirst. Wenn Du das für Dich so entscheidest, ist es ok, aber nicht für Deine Kinder.

      Ich hatte einmel für über 50 Jahren so ein Erlebnis, dass ein Alkohliker mich mitgezerrt hat. Bis heute habe ich einen Ekel vor Betrunkenen. Und bei mir war es ein Fremder, nicht auch noch der Vater, vor dem ich mich hätte ekeln müssen. Das Gefühl wird Deinem Sohn für immer bleiben, Du solltest ihm das ersparen. Du kannst Dich quälen lassen (wird schon noch kommen), halte aber Deine Kinder da raus.

      Ich hätte eine klare Ansage: "Entweder Du hörst mit der Sauferei auf, oder ich bin weg!"
      Er wird natürlich abstreiten, dass er säuft. Aber hier kommt es nicht auf sein Urteil an, sondern auf Deins und das Deiner Kinder.
      Beim nächsten Vorfall wäre ich weg für eine Weile. Das kannst Du jetzt schon vorbereiten, das nächste Mal kommt ganz bestimmt. Sieh zu, dass Du bei Eltern oder Freunden für eine Weile unterkommen kannst. Bring schon mal Klamotten und sonstige Notwendigkeiten hin.

      Wenn er dann wieder ausfällig wird, nimm sofort die Kinder und sei zwei Wochen weg. Wenn Du sehr viel Glück hast, wacht er dann auf, wahrscheinlich aber nicht. Dann mußt Du Dir eine dauerhaftere Bleibe suchen. Als Abteilungsleiter verdient er ja sicher nicht schlecht, ich würde dann sofort Unterhalt verlangen. Und geh nur nicht nach zwei Tagen zurück, dann wird alles von vorne losgehen.

      Profesionelle Hilfe ist auf jeden Fall angebracht.
      Gruß Bernd

      • (8) 06.06.16 - 11:55

        Du hast nach 50 Jahren noch Erinnerungen daran? Ich dachte eigentlich er vergisst diesen Vorfall nach einigen Wochen wieder. :-(

        Es fällt mir so schwer mir vorzustellen ihn zu verlassen.

        Doch so eine Trennung auf Zeit kann ich mir doch vorstellen, wenn so etwas noch einmal vor kommen kann. Bisher war es das erste Mal, obwohl es schon seit einiger Zeit so extrem ist. Doch er ist immer erst richtig angetrunken wenn die Kinder schlafen, deswegen haben die bisher nichts mit bekommen.

        Dieser Vorfall war ein Schock für uns alle, auch für ihn. Ich denke so kennt er sich auch selbst nicht.

        Ich habe gesagt ich möchte so etwas nie wieder mit machen. Und die Kinder sollen das natürlich auch nie wieder mit machen.

        Ich versuche mich mit dem Gedanken anzufreunden zu meinen Eltern zu gehen wenn es noch einmal passiert.

        • Lüg Dir doch bitte nicht selber in die Tasche, wenn Dein Mann um18 Uhr daserste Bier aufmacht, dann hat er bis 21 Uhr schon so viel intus, dass die Kinder sicher merken, dass der papa nicht mehr ganz normal ist.

          Dann kommt Dein Sohn einmal noch raus - ein einziges mal, was ja schon eher ungewöhnlich ist, das Kinder immer und jeden Abend sofort in ihren Zimmern bleiben. Schon das würde mich ja eher stutzig machen, dass eure Kinder sonst nie nochmal was wollen oder nochmal aufstehen.

          Und dann so ein Ausfall, natürlich vergisst der Kleine das nicht sondern behält das als sehr beängstigende Erinnerung für ein ganzes Leben.

    (10) 06.06.16 - 11:58

    >>>Er hat sich dann am nächsten Tag bei ihm entschuldigt und ihm gesagt es ging ihm nicht gut.<<<

    So eine Entschuldigung macht aber nicht 1% von dem wieder gut, was er bei deinem Sohn angerichtet hat.

    >>>und es ist nichts hochprozentiges.<<<

    Das ist ja mal eine Milchmädchenrechnung. Die Menge machts. Die Menge Alkohol in acht Flaschen Bier entspricht einem halben Liter Weinbrand.

    • (11) 06.06.16 - 12:41

      Das mit der Entschuldigung das kann sein. Es war mir trotzdem wichtig dass er sich entschuldigt damit mein Sohn weiss es war falsch das Verhalten. Die Menge hat sich immer gesteigert, bei zwei Bier habe ich gedacht es ist nicht tragisch. Bei drei dachte ich o.k. muss das jetzt wirklich so viel sein. Doch es wird immer mehr.

Hallo,

stell Dir eine Frage: nach welcher Situation wärest Du bereit Dich zu trennen, um Dich und die Kinder zu schützen? Alkohol bringt das Schlimmste in einen Menschen hervor. Du hast selbst erlebt, wie Dein sonst geduldiger, liebevoller Ehemann als besoffener Vater seinen Sohn körperlich angeht und ihn schlecht behandelt. Welche Steigerung benötigst Du, damit Du gehst?
Einen Alkoholiker kannst Du nicht helfen, das kann er nur selbst, wenn er will. In erster Linie zählen die Kinder, nicht er.

LG
Lexy

Einem Alkoholiker kannst du am besten helfen in dem du ihn fallen lässt. Dem muss es in der Regel erst richtig dreckig gehen. Ich bin was das betrifft aber kein Experte nur so wie du es beschreibst klingt es für mich danach als wäre es der Anfang der Sucht. Kannst du in ruhe mit reden? Wenn ja würde ich das tun und mit ihm zum Arzt gehen und mich da beraten lassen. Ich würde prompt die Schiene fahren das ich ihm sage ich habe angst um dich und mache mir sorgen bitte lass uns zum Arzt gehen wenn der sagt es ist alles okay dann ist es ja gut. Es ist auch nicht so das Alkoholiker nur hartes zeug trinken gibt auch welche die nur Bier trinken.

<<< Er meint es sei ganz normal, er ist kein Alkoholiker, ihm schmeckt es einfach >>>

Dann soll er doch mal auf "bleifrei" umsteigen wenn es "nur um den Geschmack" geht.

Ich gehe aber jede Wette ein, dass er stinksauer wird wenn man ihm diesen Vorschlag unterbreitet, weil es definitiv um die Wirkung geht....nicht um Spass...nicht um Geschmack....alles nur scheissdumme Ausreden von ihm, wie sie jeder SUCHTKRANKE von sich gibt, um sein Verhalten zu rechtfertigen...sowohl vor sich selbst, als auch vor anderen.

Dazu kommt der Kontrollverlust der schon üble Auswirkungen zeigt.

Insofern: JA....Dein Mann IST Alkoholiker !

<<<Wie kann ich vor gehen?>>>

Da gibt es kein Patentrezept.....die betreffende Person muss erkennen dass sie ein Problem hat, und davon ist es so weit entfernt wie die Antarktis vom Äquator. Du könntest den Biervorrat weg kippen und seinen wahrscheinlich folgenden Wutausbruch danach völlig ruhig aussitzen. Halte ihm vor Augen wie sehr er sich ändert wenn er mit vollem Kopf agiert, und dass er sich darüber mal Gedanken machen soll.

Ein Sohn der vor seinem Vater Angst haben muss.....GEHT´S NOCH?

Oder Du stellst ihn vor die Wahl: Sprit oder Familie....und das hat nichts mit "Erpressen" zu tun. Soll er mal ein paar Tage bei seinen Saufkumpanen schlafen wenn er was trinken will....vielleicht reicht das ja schon damit er aufwacht.

1. Ich schließe mich den Ausführung von "Seelenspiegel" voll an - und er ist immerhin ein Mann (die beschönigen leider sehr oft und finden saufen männlich)

2. Ich war mit genau so einem Typen verheiratet. Nüchtern lieb, besoffen schrecklich.
Nein, er war kein Alkoholiker, ihm schmeckte es nur. Nein, er könne jederzeit aufhören.
Und ja - nur ich sei hysterisch - ER hatte natürlich kein Problem.
Irgendwann schlug er zu, als ich ihm Vorhaltungen machte. Zuerst mich, dann wollte er auf die Kinder los - das war sein letzter Tag bei mir. Ich hab ihn von jetzt auf nachher rausgeschmissen und mich scheiden lassen. Meine beste Entscheidung, obwohl ich massig Probleme dadurch hatte.

3. Mein Sohn war bei dem Trauerspiel damals keine 5 Jahre alt - und ja, er kann sich noch an das Sauf-Drama erinnern! Soviel zum Thema 'Kinder vergessen das'. Nein, solche Erlebnisse vergessen sie meist nicht.

4. DU kannst ÜBERHAUPT NICHTS machen, dass er Hilfe annimmt, wenn er es nicht will.
Höchstens die Pistole auf die Brust setzen - entweder du lässt dir helfen oder du gehst.
Das ist keine Erpressung - sondern reiner Selbstschutz - für Dich und Dein Kind; mit welchem Bild vom Vater wächst das Kind auf?
Aber das müsstest Du auch durchziehen. Seine Versprechungen sind für die Katz. Du brauchst es nicht "zu befürchten" - Dein Freund ist Alkoholiker - bei diesen Mengen und dieser Regelmäßigkeit - und bei der gezeigten Aggressivität.

Ich wünsche Dir alles Gute. Was Du tun sollst, musst Du selber wissen, dass kann Dir keiner raten. Aber es geht nicht "nur" um Dich sondern auch um Dein Kind.
LG Moni

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