Fast Taub - aber ist total uneinsichtig

    • (1) 08.06.16 - 18:17

      Hallo, ich muss mir mal den Frust von der Seele schreiben. Ich bin seit gefühlten Urzeiten verheiratet. Mein Mann hat aufgrund einer Infektion beider Ohren durch seine damalige Arbeit eine große Höreinschränkung. Ein Ohr hört fast gar nichts mehr, das andere ist unbedeutend besser. Schon damals, als die ersten Probleme beim Verständnis auftauchten, dauerte es geschlagene drei Jahre, bis er trotz vieler Hinweise von mir ,Freunden , Verwandtschaft und so weiter zum Högeräteakustiker gin und dort ein Test machen ließ. Nach Arztuntersuchung et cetera wurden ihm für beide Ohren Hörgeräte empfohlen. Nach einer Testphase hat er eins wieder abgegeben, damit kam er nicht zurecht. 1 trägt er seitdem. Das ungefähr seit zehn Jahren. Natürlich ist das jetzt nicht mehr das erste Gerät, das jetzige ist aber auch schon fünf Jahre alt. Sein Hörverständnis wird immer geringer, er versteht mich oft nicht, er versteht keine Musik, er versteht unseren Sohn nicht, und das finde ich super schlimm, er muss zig mal nachfragen, er versteht Gespräche in Gruppen nicht... Ich könnte endlos weiterschreiben. Sobald ich das Thema auch nur anspreche, dass er sich bitte ein neues Gerät machen lassen soll oder zumindestens zur Überprüfung gehen soll, geht mein Mann an die Decke wie ein HB Männchen. Er ist total angepisst. Angeblich sprechen wir alle extra leise, oder wir bemühen uns nicht , etwas lauter zu sprechen. Oder die Umgebung war gerade super laut, oder das Radio war nicht klar genug oder oder oder auch hier bei den Ausreden könnte ich stundenlang weiterschreiben. Wir kriegen jedes mal Krach dabei. Ich will ihm doch gar nichts, aber er tut gerade so, als wenn ich ihn persönlich aufs Schlimmste beleidigen würde. Ich verstehe es einfach nicht. Er trägt doch so oder so ein Hörgerät. Ist doch egal , wenn es dann ein stärkeres ist, oder meine Güte wenn er vielleicht wirklich auf beiden Ohren eins tragen muss. Er ist nicht eitel und wir sind auch nicht im Teenager-Alter, daran kanns nicht liegen. Mich wundert sehr, dass er auf seiner Arbeit noch keine Probleme gekriegt hat. Er sagt es hätte sich dort noch niemals jemand dazu geäußert. Ich kann mir das kaum vorstellen, es ist wirklich schlimm geworden. Habt ihr eine Ahnung warum er sich so anstellt?

      Ich habe schon überlegt, ob ich mal zu dem Hörgerätakustiker gehe, und sage, die sollen ihn beim nächsten Mal mal festhalten und alles durchtesten. Aber hallo, ich bin ja nicht seine Mutter, und ich finde eigentlich, das geht auch überhaupt nicht. Aber ich weiß nicht mehr, was ich machen soll.

      Habt ihr eine Idee? Was steckt dahinter?

      VG
      Pitti-lise

      • Hallo!

        Kann es sein, dass er es ind er Arbeit mehr mit Männern zu tun hat? Die sprechen in deutlich tieferen Frequenzbereichen als Frauen und Kinder, und bei Schwerhörigkeit geht ja vor allem das Hörvermögen in diesen hohen Frequenzen verloren. Es kann also durchaus sein, dass er männliche Kollegen problemlos versteht, Frauen und Kinder aber nur sehr schlecht.

        Vielleicht hat er auch einfach Angst, dass er ganz taub wird, wenn es sich weiter verschlechtert und schlicht und ergreifend Schiss, dass ihm ein "Fachmann" bestätigen könnte, dass es so kommt. Es kann aber ebenso gut sein, dass Du von Deiner Stimmlage her ein wenig höher gerutscht bist, und weder er noch sein Hörgerät was dafür können.

        Außerdem können moderne Geräte ja doch teilweise mehr.

        Ich habe übrigens einen schwerhörigen Kollegen, der auch auf Hörgerät verzichtet, sondern einen eher verständnislos anschaut. Ich erkenne den Blick schon und "übersetze" dann für ihn, wenn er die Hälfte von einem Satz nicht mitbekommen hat. Wirklich lästig ist es nur, wenn er ans Telefon geht, man dannf ragt wer angerufen hat und worum es ging und er sagt "hab ich nicht verstanden aber ruf mal die Nummer da zurück".

        Er wird entweder Angst haben, dass man ihm sagt, dass er irgendwann völlig gehörlos werden wird. Oder er ist wirklich davon überzeugt, dass es "die Anderen" sind, die ihm Böses wollen.

        Ich würde ihm beim nächsten Zoff sagen, dass ich davon genug habe und er zum Hörgeräteakustiker gehen soll, damit ich den Beweis bekomme, dass es meine Schuld ist, wenn er nichts versteht. Ein Hörtest wird ja wohl kein Problem darstellen, wenn es die Streiterei schlichtet und wenn es nicht seine Schuld wäre, sondern meine, lasse ich mich gerne überzeugen und werde danach auch nie wieder meckern.
        Wenn er das nicht will, ist klar, dass er genau weiss, dass es an seinem Hörvermögen liegt und dann streitet er sich, um seine Umgebung zu manipulieren. Und genau DAS würde ich nicht mehr mitmachen und meine Konsequenzen ziehen.

        • ....Gesichtsausdruck.... hach, wie ich das kenne. Ich sehe es SOFORT, wenn er es nicht verstanden hat. Total krass ist auch, dass er 2x nachfragt manchmal und es dann immer noch nicht verstanden hat, aber so tut, als hätte er. Ohhh ich könnte mich schon wieder in Rage reden....

          Konsequenzen ziehen.... was soll das sein?

          • Sorry, meine Antwort war an euch beide gedacht!

            Das vorher ging an hasipferdi, nehme ich an? :-)

            "Konsequenzen ziehen.... was soll das sein?"

            Ich weiss nicht, wie Deine Konsequenzen aussehen würden, ich kann nur sagen, was ich tun würde. Ab dem Zeitpunkt, ab dem klar wäre, dass er einfach nicht will und er noch nicht einmal sagen würde, woran es liegt (Angst würde ich noch verstehen, aber dagegen kann man ja angehen), würde ich alles nur noch einmal deutlich und in normaler Lautstärke sagen und wenn er es dann nicht versteht, hat er Pech gehabt. Würde er dann weiterhin Streit vom Zaun brechen würde ich ihn um räumlichen Abstand ersuchen, damit er mal drüber nachdenken kann, ob ihm sein Hörproblem lieber als eine friedliche Ehe ist.

            Ich lass mich doch nicht zum Kasper seines Handicaps machen und dafür auch noch anschnauzen.

            • ...in Wut oder in Gedanken red ich ganz ähnlich..... aber ja, da bin ich die emotional Schwächere. Ich kann nicht tagelang nicht reden. Ich will nicht tagelang deswegen Streit haben. Ich weiß ich weiß.... aber meine Güte, ich muss doch auch seine Antworten haben auf Alltagsfragen. Es gibt ja viel zum reden müssen in Haushalt Eltern sein etc..... hab mir schon oft vorgenommen, einfach nicht mehr zu reden. Halt ich aber nicht aus. Grmpf.....

              • Dann wird es halt so weiter laufen, aus seiner Sicht läuft es dann ja prima und er muss nicht handeln.
                Ich prophezeihe aber mal, irgendwann werden Deine Gefühle darunter leiden und schlimmstenfalls Eure Ehe zerbrechen. Für mich gäbe es da keine Alternative - es kann nicht sein, dass ich oder sogar mein Kind unter seinem Hörproblem leidet. Gerade Letzteres wäre für mich sogar noch ein größerer Grund, meinem Mann das Messer auf die Brust zu setzen. Oder ist Deinem Kind das egal, wenn es alles zweimal, dreimal oder noch öfter sagen muss?

                Du entscheidest, was passiert, weil er wird alles so weiter laufen lassen, so lange ihm keiner Grenzen setzt.

      (9) 08.06.16 - 23:09

      Hm... ich kann nicht für Deinen Mann sprechen, aber vielleicht von mir erzählen. Ich bin nicht so schlimm schwerhörig wie Dein Mann, aber ein Hörgerät wurde bereits empfohlen. Ich trage aber keins, weil mein anderes Ohr noch gut funktioniert. Warum ich es nicht trage? Vermutlich weil mein Leidensdruck nicht hoch genug ist. Man entwickelt halt Strategien, damit es nicht so auffällt. ZB Lippenlesen oder nur mit dem guten Ohr telefonieren. Meistens kommt man damit gut zurecht.

      Ich habe aber eine Freundin, die so schnell und nuschelig redet, da verstehe ich tatsächlich oft nur die Hälfte :( Aber es ist mir persönlich einfach so peinlich, ständig zu fragen "Was hast Du gesagt?" Zumal das Gegenüber dann oft denkt, man hätte den Inhalt nicht verstanden und fängt an zu erklären... Echt doof.

      Ein Hörgerät ist einfach lästig und schränkt schon ein. Das ist ein Manko mit man nicht ständig konfrontiert werden möchte. Dann blende ich das Problem lieber aus. Vielleicht geht es Deinem Mann ähnlich und er will sich einfach nicht damit beschäftigen, obwohl es ihn selbst schon nervt. Vielleicht versuchst Du es mal mit Verständnis bei ihm und machst den Termin beim Hörskustiker aus.

      Wenn das nicht hilft, muss tatsächlich sein Leidensdruck steigen. Dann rede Du künftig normal mit ihm und wenn er was nicht versteht - selbst schuld. Könnte notfalls auch funktionieren.

      Viele Grüße

      Ach Mensch, das kann ich Dir gut nachfühlen. Mein Mann war zuletzt (er lebt leider nicht mehr) extrem schwerhörig und ca 15 Jahre Hörgeräteträger. Aber BIS ich ihn soweit hatte.... Also - ich habe keine Ahnung, ob DU das so durchziehen kannst, aber ich habe es aus purer Verzweiflung (mir flogen beim Fernsehen schier die Ohren weg) so gemacht:
      1. Ich habe nicht mehr mit ihm TV geschaut, sondern im Nebenzimmer, auch wenn er brummte und eingeschnappt war.
      2. Ich habe definitiv NICHT lauter geredet - meine Stimme ist ohnehin nicht leise - und, ganz wichtig - ich habe mir keinerlei besondere Mühe mehr mit ihm gegeben, besonders deutlich und akzentuiert zu sprechen - oder immer schön direkt ins Gesicht.

      3. Wenn er nachfragte, hab ich es schon nochmal gesagt, aber NICHT lauter - somit half es ihm nichts. Ich habe den Radio in der Küche beim Frühstück auch wegen ihm nicht lauter gedreht, auch wenn er meckerte#cool Sagte nur, dass es für meine Ohren mehr als ausreichend sei.

      4. Anfangs wurde er stinksauer, er war ja der Meinung, er sei gesund - ich habe ihm dann ruhig und bestimmt gesagt, dass ER ein Problem habe und nicht ich. Ich hab ihn einfach stehenlassen und nicht mehr diskutiert. Ich habe ihm mal gesagt, er führe sich auf wie ein bockiges kleines Kind und nicht wie ein intelligenter Mensch. Uiiiii #wolke Aber egal, es half ja letztendlich.
      5. Unser Hausarzt hat ihm klipp und klar gesagt, wenn er sich nicht sofort Hörgeräte machen lässt, würde sein Gehör bald ganz weg sein, so behielte es wenigstens den momentanen Status. Gut, das hat sich später doch noch verschlechtert, aber da war auch ein Schlaganfall und das Alter mit schuldig.

      Ich kenne ALLE Ausreden über Hörgeräte; sein Akustiker und ich haben alle widerlegt, mein Mann kam nicht mehr dagegen an und probierte dann endlich eben so lange, bis er die passenden gefunden hat. Allerdings muss ich dazu sagen, die waren hundeteuer in der Zuzahlung, die einfachen nutzten ihm nichts. War aber nicht so wild, da wir eine Zusatzversicherung hatten. Zu einer "Kette" wäre er nicht gegangen, er hatte dann einen Akustiker, dem er vertraute und das half sehr.
      Wie kommt Dein Mann denn im Job zurecht? Brüllen sie ihn da alle an oder ist er dort auch der Überzeugung, alle flüstern extra??
      LG Moni

      (11) 09.06.16 - 01:34

      MÄNNER!!! :-D

      Ich fürchte in mir steckt mehr kriminelle Energie, als mir lieb ist, aber ich würde wohl versuchen irgendwas mit dem alten Ding anzustellen #schein, so dass es komplett verstellt ist und dann vielleicht tatsächlich den Akustiker ins Vertrauen ziehen!

      Verstehen kann man das wirklich nicht. Es ist doch furchtbar, wenn man seine Umwelt nicht richtig versteht und immer nur die Hälfte mitbekommt. Aber was soll ich sagen? Die Arme meines Mannes werden beim LEsen auch immer länger und länger....aber neeeiiinn...er sieht ja ganz wunderbar!!! ;-)

      Gute Nerven dir,
      Luka

      • <<<Die Arme meines Mannes werden beim LEsen auch immer länger und länger....aber neeeiiinn...er sieht ja ganz wunderbar!!! >>>

        Das kenne ich auch. Aber mein Mann ist einsichtig (dann doch nach einer Weile) und hat sich eine Lesebrille zugelegt. Naja und kurze Zeit später reichten meine Arme auch nicht mehr. Aber ich war schneller bereit für eine Lesebrille. #schein

        (13) 09.06.16 - 08:25

        Schlecht hören verändert auch das Sozialverhalten.
        In unserem Verein kann ich mittlerweile genau beobachten, wer nicht mehr gut hört.Sobald es mal so richtig schön munter wird ( bei einem Essen im Lokal z.B. ) werden sie still und können sich nicht mehr an Gesprächen beteiligen.Diese Partyschwerhörigkeit ist weit verbreitet.

        • Stimmt genau, und ich fand das immer soooo traurig, weil mein Mann immer ein ungeheuer lebendiger und kommunikativer Mensch war. Ich bin dann halt immer bei ihm gesessen und hab ihm alles direkt erzählt, dass er nicht ausgeschlossen war. Aber da hatte er seine Hörgeräte schon längst - aber natürlich ersetzen sie das Gehör nicht zu 100%.
          LG Moni

    Hallo!
    Oh, ich kann dich sehr gut verstehen und weiß, wie es ist , wenn jemand im Famienkreis schwer hört.

    Angefangen bei meiner Mutter, trägt allerdings seit vielen jahren Hörgeräte, womit sie aber nicht 100Prozent klar kommt und trotzdem oft nachfragt usw, über meinen SChwiegervater, der auch Hörgeräte (jetzt) trägt, er ist ohne praktisch taub, hört gar nicht, er kommt aber mit seinen (guten) Hörgeräten super zurecht (ist allerdings auch sehr oft beim Akustiker) und jetzt kommts, mein Mann.

    Er hört auch oft schlecht (wie der Vater, so der Sohn), er war vor vielen Jahren deshalb einmal beim Hals-Nasen-Ohrenarzt, hat auch beim Hörtest schon grotte abgeschnitten.
    Leider hat der Doc damals zu ihm gesagt, da könne man nichts machen, ist erblich!

    Und darauf wird sich jetzt ausgeruht. Allerdings ist es bei ihm noch lange nicht so schlimm, dass es es wirklich im Alltag stört. Aber ich denke, die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass das irgendwann kommt.
    Mit viel reden (und er nix verstehen) werde ich ihn dann aber ans Hörgerät bekommen, er sieht ja, wie es bei seinem Vater ist.

    Du mußt irgendwie einen Weg finden, deinen Mann davon zu überzeugen, noch mal andere Hörgeräte zu testen (vielleicht erstmal zum HNO-Arzt?)

    Lg Sportskanone

    hallo,

    vielleicht hat dein Mann einfach ein Problem zu seiner massiven Höreinschränkung zu stehen?

    Ich selbst bin auch schwerhörig und habe furchtbaren tinnitus beidseitig. Irgendwann gings nicht mehr so weiter. In der Arbeit musste ich Sitzungen leiten udn habe je nach Akkustik im Raum nichts verstanden und musste dauernd nachfragen oder ich habe mir aus Wortfetzen irgendwas falsches zusammengebaut. Auf der Arbeit haben sie auch nichts gesagt, aber ich glaube manchmal fanden sie mich seltsam, weil ich durch meine Schwerhörigkeit nicht adäquat reagiert habe.
    Ich ging nur noch selten raus, weil ich dem gespräch in der bGruppe nicht mehr folgen konnte. etc.

    Nun ja irgendwann habe ich Hörgeräte getestet und auch welche genommen. ich stehe dazu und sage inzwischen´auc auf Arbeit, dass die Leute laut sprechen müssen bei mir.

    Das Problem mit den Hörgeräten ist zuumindest bei mir, dass es zur Gewöhnung kommt und nach der anfänglichen sehr deutlichen Verbesserung eine Verschlechterung eintritt. Ich muss inzwischen wieder sehr oft nachfragen, weil ich vieles nicht mehr richtig höre. Ist das bei deinem Mann auch so? Vielleicht hat er resigniert?

    Da hilft aber nur dran bleiben. Weil es für mich selber sehr anstrengend ist schlecht zu hören und natürlich fürs Umfeld auch.

    Grüße

    (17) 09.06.16 - 19:12

    Hallo,

    was das Thema Schwerhörigkeit angeht, habe ich in unserer Familie einige Erfahrung. Mein Mann ist schwerhörig, unser Sohn auch (bei ihm angeboren, bei meinem Mann ist es erst seit einigen Jahren schlimm geworden).

    Als mein Mann irgendwann feststellte, dass er wohl zum Hörgeräteakkustiker gehen muss, war das für ihn sehr schlimm und er fragte, ob ich mitgehe. Ich denke, er hätte noch viel länger gewartet, wenn er nicht zur Schwerhörigkeit nicht auch noch einen nicht mehr behandelbaren Tinnitus gehabt hätte. Und er hatte gehört, dass dieser durch Hörgeräte womöglich ausgeblendet werden kann (was Gott sei Dank stimmt!!).

    Mein Mann war zu diesem Zeitpunkt gerade mal knapp 40 Jahre alt. Ein supersportlicher, cooler Typ, der wirklich ein riesiges Problem damit hatte, nun zum Hörgeräteträger zu werden, was natürlich in seinen Augen ein "Opa"-Problem darstellte.Damals ahnten wir ja noch nicht, dass unser Sohn bereits schwerhörig zur Welt kam....

    Nun ist es so, dass mein Mann wirklich super Hörgeräte hat. Man sieht sie kaum, sie sind winzig (es gab Leute, die dachten, er macht Witze, wenn er sagte "Moment mal, ich mache nur die Hörgeräte lauter"). Er kommt gut damit klar, aber es tritt immer mal ein Gewöhnungseffekt ein (wie eine Userin schon schrieb). Die Geräte werden ja nicht von Anfang an auf 100% eingestellt.

    Jedenfalls ist es bei meinem Mann so, dass er einige Tage vor dem nächsten Akkustikertermin regelrechte Panikanfälle bekommt. Er denkt, irgendwann sind seine Ohren so schlecht, dass das Nachstellen der Geräte nicht mehr helfen wird. Das möchte niemand gesagt bekommen. Ich kann gut nachvollziehen, dass man zuerst in eine Abwehrhaltung kommt. Da finde ich es kontraproduktiv, Denjenigen anzuquengeln, extra das Radio leise zu lassen oder schnippisch zu werden. Klar kenne ich auch das Gefühl, fast durchzudrehen, wenn ich meinen Mann mehrmals rufen, ihm mehrmals Dinge erzählen muss oder den Kindern erklären, warum Papa nicht reagiert hat. Aber dann setze ich mich hin mit meinem Mann und erkläre ihm, dass ich seine Ängste verstehe und versuche, ihn zu beruhigen und nicht unter Druck zu setzen. Bisher hat es noch immer geklappt, dass er irgendwann zum Akkustiker ging und hinterher erleichtert war.

    Ich weiss, da ticken die Männer sicher unterschiedlich. Aber ich wollte nur aufzeigen, dass hinter dem Verhalten Deines Mannes sicher keine Sturheit, sondern Angst steckt!

    Liebe Grüße und viel Erfolg
    Katja

    (18) 09.06.16 - 20:15

    Ich kenne das sehr gut, was du schilderst. Ich habe mal ein paar Jahre bei einem Industrieunternehmen gearbeitet, das Hörgeräte für die Akustiker anfertigte. Wir hatten auch eine eigene Entwicklungsabteilung und suchten nach Probanden als Testträger der neuen Geräte. Es war wirklich bei vielen unisono das gleiche, was du schilderst. Bei sehr vielen hat es Jahre gedauert, bis sie sich endlich aufraffen und ihre Krankheit annehmen konnten. Auch dass viele statt der verordneten 2 nur 1 Gerät akzeptierten. Das ist eigentlich fatal, weil damit auch das Richtungshören verloren geht, wenn der Schall nur aus einer Richtung wahrgenommen werden kann. Das kann in manchen Berufen oder im Straßenverkehr übel ausgehen, auch in großen Räumen oder Gruppen (wo auch MIT Gerät oft Schwierigkeiten auftreten können) haben die Patienten oft Probleme, weil sie nicht hören, aus welcher Richtung nun wer gerade mit ihnen spricht.. Außerdem ist es nicht gut, nur ein Ohr zu versorgen (meist das schlechtere). Das wirkt sich negativ auf das bessere Ohr aus.

    Bei einer Brille kämen wir auch nicht auf die Idee, nur ein Glas zu kaufen und das bessere Auge mit Fensterglas zu versorgen.

    Ihr macht einen fatalen Fehler. Ihr passt euch IHM an und nicht umgekehrt. Der Fernseher wird immer lauter gedreht, alles wird zig Mal wiederholt, was ja nicht zwingend nötig wäre.

    Schwerhörigkeit macht normalerweise einsam (sofern man nicht Lippen lesen kann).Das ist schlimmer als Blindheit. Ihr solltet wieder zur Normalität zurück kehren. D. h. nicht alles wiederholen. Normale Sprechlautstärke für alle (denn auch für alle normal hörenden ist es unglaublich anstrengend, ständig zu wiederholen oder extrem laut zu sprechen. Das wirst du sicher wissen). Dein Mann wird merken, wie es ihn isoliert und wenn du Glück hast, auch erkennen, dass er gern wieder am sozialen Leben teilhaben möchte. Wenn nicht, machst du sowieso nix. Bisher hat er aber eben wenig Grund, sich behandeln bzw. testen zu lassen. Außerdem gibt es praktisch jedes Jahr neue Geräte mit neuer Technik auf dem Markt, die immer besser auf den individuellen Hörverlust angepasst werden können und ganz viel von allein regeln.. Je größer der Hörverlust, umso größer wird das Gerät. Trägt er ein Im-Ohr Gerät oder ein HdO? Vielleicht hat er auch Angst, er müsste einen besonders großen Okkulyten tragen.

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