Cholerische Menschen

    • (1) 22.06.16 - 14:39
      oopp

      Hallo und entschuldigung vorab wenn es etwas länger wird!

      Ich lebe seit 4 Jahren mit einem Choleriker zusammen und ich habe immer versucht damit einigermaßen klar zu kommen, aber je mehr Zeit vergeht, desto weniger kann ich es ertragen. Er war früher mein Traummann. Er ist sehr intelligent, hat perfekte Umgangsformen, ist erfolgreich im Beruf, sieht sehr gut aus, ist überall respektiert und gibt sich nach außen als der perfekte Gentleman.

      Niemals würde er vor irgendjemanden in der Öffentlichkeit das Gesicht verlieren oder ausrasten. Das macht er nur mir gegenüber, wenn es niemand mit bekommt. Anfangs dachte ich es ist meine Schuld, es kam immer nur im Streit vor. Ich dachte ich habe ihn provoziert oder zu unrecht wütend gemacht. Ansonsten war er nicht so und hat sich normal verhalten.

      Ich habe also immer versucht, ihm keinen Anlass zu geben wütend zu werden, stand dabei selbst immer selbst Stress und habe all die Traurigkeit, Enttäuschung und Wut in mich hinein gefressen weil es doch wieder eskalierte.

      Doch ich merke es bringt nichts. Egal wie sehr ich versuche allen Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen, es gibt immer einen Anlass warum er wütend wird.

      Ich kann es nicht mehr alles aufzählen was schon vorgefallen ist. Eines der schlimmsten Vorfälle war auf der Autobahn, ich bin gefahren und er fing einen Streit an wegen einer Kleinigkeit. Ich habe versucht ihn zu ignorieren, weil ich mich auf den Verkehr konzentrieren musste. Er hörte nicht auf und steigerte sich so sehr rein, weil er keine Antwort von mir bekommen hat. Es eskalierte so sehr, dass er mir mit der Faust auf den Oberschenkel geschlagen hat und gebrüllt hat ich soll ihm gefälligst antworten.

      Ich habe mich so sehr erschrocken, dass ich das Lenkrad verrissen habe und wenn mehr Verkehr gewesen wäre, ich bei dem Spurwechsel in den Nebenmann gefahren wäre. Zum Glück war niemand auf der anderen Spur, mit im Auto saß unser Kind. :-(
      Oder einmal habe ich ihm nur im Bad gesagt er soll bitte die nass geschwitzten Joggingsachen nicht in den Wäschekorb stopfen, sondern erst einmal lüften und trocknen lassen, da sie schon einmal zu schimmeln angefangen haben bis ich nach 3 Tagen den Wäschekorb geleert habe. Das hat er wieder als Kritik an sich gesehen und wurde so wütend, dass er den vollen Seifenspender nach mir geworfen hat. Daraufhin bin ich aus dem Bad geflüchtet weil er mich am Kopf getroffen hatte. Er kam hinterher und hat mich lautstark beleidigt und beschimpft und als ich aus der Wohnung gehen wollte, hat er mich am Arm zurück gezogen und so heftig nach hinten geschleudert, dass ich gegen die Garderobe gefallen bin und das komplette Ding mit mir umgefallen ist.

      Ich könnte noch unzählige andere Beispiele nennen.

      Langsam kann ich das nicht mehr ertragen. Er hat sich immer danach entschuldigt für sein Verhalten und ist dann wieder komplett normal und liebevoll und so wie ihn alle kennen. Bis einige Wochen vergehen und seine Frustration und seine Wut ein neues Ventil brauchen was dann immer ich bin die es ab bekommt.

      Wenn ich versuche es bei jemandem anzudeuten wie er auch sein kann, glaubt mir niemand. Niemand kann sich vorstellen, dass er dieses zweite Gesicht hat. Deswegen habe ich auch niemandem wirklich detailliert davon erzählt was vorgefallen ist. Sobald ich sage wir haben uns gestritten und es wurde heftig, sehen mich alle erstaunt an, weil sie das nicht von ihm kennen und ihn für den perfekten Partner halten, für den perfekten Vater. Darum bin ich ganz alleine mit dem Problem. Und es frisst mich auf.

      Wer kann mir Erfahrungen mit cholerischen Menschen berichten? Würde eine Therapie helfen? Wobei er da einsehen müsste dass er ein Problem hat. Das tut er immer nur kurzfristig nachdem es wieder eskaliert ist. Später war alles nicht mehr so tragisch. Wie schafft man es mit so jemandem zusammen zu leben?

      • <<<Würde eine Therapie helfen?>>>

        Nein, da solche Menschen gar keine Notwendigkeit sehen, sich zu ändern.....selbst wenn sie sich nach ihren Ausrastern für einige Tage benehmen und wie ausgewechselt erscheinen.

        <<<Wie schafft man es mit so jemandem zusammen zu leben?>>>

        Naivität, Gutgläubigkeit in Bezug darauf dass alles schon irgendwann besser werden wird (was aber nie geschieht !!!) Angst alleine zu sein, Angst es alleine nicht zu schaffen, finanzielle Abhängigkeit, emotionale Abhängigkeit...von allem ein bisschen...such es Dir aus.

        Das sind aber nun eher Gründe, warum man sich nicht trennt....denn ein ZUSAMMEN leben mit einem chronisch cholerischen Menschen wird es nie geben.

        Man lebt neben ihm/ihr her .... immer darauf bedacht, bloss nichts falsch zu machen....bis man immer weniger man selbst ist, sondern nur noch funktioniert.

        Nicht dass seelische Grausamkeit nun besser wäre als körperliche Gewalt, aber spätestens wenn es darin ausartet, dass man geschubst du geschlagen wird, oder man Sachen gegen den Körper geworfen bekommt sollte man eigentlich aufwachen und diese Person verlassen.

        Ja...es gab sicherlich bei Euch auch gute Momente....aber das kann es dennoch nie aufwiegen, all das ertragen zu müssen....besonders da es im Lauf der Zeit schlimmer wird....NIE besser !!

        Du bist niemandem Rechenschaft schuldig...auch Deinen Freunden und Bekannten nicht, und solltest Du Dich trennen (wozu ich Dir auf jeden Fall rate !!), und jemand aus Eurem Umfeld will das nicht verstehen, war es auch kein Freund.

        Je früher Du da weg kommst, desto besser.

        Tomm

        • (3) 22.06.16 - 15:21

          Danke für deine Antwort. Ich bin einfach zur Zeit nur noch traurig und leer. Es geht mir psychisch richtig schlecht und trotzdem habe ich so ein schlechtes Gewissen wenn ich mir vorstelle diese Beziehung aufzugeben.Wie ein scheitern im Leben. Und die Frage. Warum rastet er nur bei mir so aus? Niemals bei anderen? Warum ist er so erfolgreich im Beruf und ein geschätzter Mensch von allen und ich bringe ihn immer dazu so auszurasten. Dann kommt automatisch die Frage ob ich doch vielleicht Schuld bin, obwohl ich schon versuche nichts zu tun was ihn aufregt. Wenn ich mich noch mehr zurücknehmen würde, dann wäre ich quasi unsichtbar. Trotzdem eskaliert es immer wieder.

        • <<<Warum rastet er nur bei mir so aus? Niemals bei anderen? >>>

          WEIL ER ES KANN .... und das ohne aus der Deckung treten zu müssen.

          Er wird es auch an anderer Stelle ausleben....wo es nicht auffällt....und sei es "nur" bei der Kassiererin an der Kasse die nicht schnell genug ist, und seine miese Art ebenfalls keine Konsequenzen für ihn hat.

          <<<und trotzdem habe ich so ein schlechtes Gewissen wenn ich mir vorstelle diese Beziehung aufzugeben>>>

          Unheimlich oder?

          Aber das geht vorbei....versprochen !

          (9) 22.06.16 - 18:09

          Weil er ein Arschloch ist.

    (10) 22.06.16 - 15:22

    Was du beschreibst ist kein Choleriker und auch kein Mensch mit mangelnder Impulskontrolle - beide Typen könnten sich im gesellschaftlichen Umfeld ebenfalls nicht zusammenreißen, weil es eben ihre Charaktersache wäre.

    Was du beschreibst, ist schlicht und ergreifend ein Mann, der häusliche Gewalt ausübt, in erster Linie in verbaler Form und in Form von Psychoterror, aber auch schon durch eindeutige Tätlichkeiten und körperliche Übergriffe. Es ist keine Leistung mit ihm zusammenzuleben, es ist eine Leistung, endlich zu gehen und dich und dein Kind zu schützen, weil er immer weiter eskalieren wird. Mir hat damals die Seite www.re-empowerment.de sehr geholfen, weil sie klar, deutlich, unmissverständlich aufzeigt, wo häusliche Gewalt beginnt - nämlich keineswegs beim ersten Schlag.

    "Wie schafft man es mit so jemandem zusammen zu leben? " - im Idealfall gar nicht.

    • (11) 22.06.16 - 15:36

      Danke für deine Antwort. Ich habe in ihm immer einen Choleriker gesehen, da er wegen Kleinigkeiten in die Luft geht. Selbst die kleinste Kritik kann er nicht ertragen. Selbst wenn es nicht direkt auf ihn bezogen ist, denkt er ich will ihn kritisieren.

      Das mit dem gehen das stimmt. Es ist schwer, weil man sich erst eingestehen muss dass es wirklich nicht mehr geht. Ich war schon so oft kurz davor, wo er Sachen von mir zerstört hat um mir weh zu tun oder mich übelst beleidigt hat. Doch ich habe es nicht geschafft zu sagen es ist Schluss und ich nehme das Kind und gehe. Vielleicht auch aus angst dass mir jemand die Schuld gibt. Weil er nach Außen hin ganz anders wirkt und niemand weiß wie er sein kann. Doch ich merke wie auch meine Gefühle für ihn immer weniger werden. Ich kann ihn nicht mehr so sehen wie noch vor einigen Jahren, es ist so viel kaputt gegangen.

      • (12) 22.06.16 - 15:49

        Das schwierigste ist es, sich selbst einzugestehen, was einem passiert. In dem Moment, indem man bereit ist, nicht mehr sich selbst die Schuld zu geben und damit das Problem zu "kontrollieren" und zu verharmlosen (bin ja selbst schuld) kann man anfangen ehrlich damit umzugehen und sich Hilfe zu holen. Denn es wird nicht besser, nur schlimmer. Trotzdem ist es unglaublich schwer zu gehen. Noch schwerer die ganzen Dummschwätzer zu ertragen, die dreist behaupten "Also ICH wäre ja schon längst gegangen!" - die aber in Wahrheit nicht die geringste Ahnung haben, wovon sie sprechen. Zum Glück gibt es viele Stellen, die helfen, mit dem Gelernten umgehen zu lernen. Das Frauenhaus kann übrigens auch als hilfreicher Ansprechpartner dienen, wenn du nicht vorhast, da einzuziehen.

Es tut mir sehr leid, was du alles ertragen musst. Mich wundert ein wenig, warum du dich nicht gleich nach der allerersten Attacke, spätestens aber nach der Episode im Auto mit dem Kind getrennt hast. Du hast sehr viel durchgemacht und hättest dir das alles ersparen können, ja eher ersparen müssen. Auch deinem Kind.

Hier wird oft ein Link gepostet, den ich für unheimlich hilfreich erachte und dessen Inhalt du dir unbedingt durchlesen solltest https://www.re-empowerment.de

Hast du Menschen, die dir bei einer Trennung zur Seite stehen? Hast du für eine der Attacken Beweise? Wende dich an Opferschutzvereine und lass dich beraten, bevor du überstürzt eine Entscheidung triffst. Bei einem solchen Arsch muss man strategisch Vorgehen und du benötigst Leute um dich, die dir glauben und sich mit dir gegen ihn stellen und sich nicht einlullen lassen. Alles Gute und viel Glück!

(14) 22.06.16 - 16:18
eigene Erfahrung

hallo,

ich kann leider nur berichten, dass bei uns Trennung der einzige Weg war. Erst danach habe ich mühsam meine eigene Vitalität wieder aufgebaut, das Gefühl, dass ich mich sicher fühlen darf und nicht ständig in einer Hab-Acht-Stellung sein muss...

lass dich nicht davon irritieren, wenn dich keiner oder nur wenige verstehen.

meine Strategie an deiner Stelle wäre: jeder hat sein eigenes Zuhause und seinen eigenen Raum. wenn er etwas ändert mit Hilfe von was auch immer, dann könnte eure Beziehung vielleicht eine Chance haben. Falls nicht, ist für dich der nächste Schritt noch leichter.
UND: du hast jetzt schon mal deinen eigenen Freiraum, in welchem du das ausleben kannst mit allen Freiheiten, was dir wichtig ist: einfach lustig sein, etc...

mein Freund hat damals, wenn ich lustig war, gemeckert, dass das doch nicht ich wäre. Hää??? diese Verhalten war für mich so ungesund... gut dass ich den Weg weg davon geschafft habe!

alles Gute!

Dir hilft eine Therapie, um die Gewalt verarbeiten zu können. Dem gemeinsamen Kind im übrigen auch.
Dem Choleriker hilft in meinen Augen nur eines: Allein und einsam sterben. Er wird sich nicht ändern. Das steckt tief in ihm drin und wird auch mit keiner Therapie verändert. Denn eine Therapie kann man nur erfolgreich machen, wenn man an sie glaubt. ein Choleriker glaubt nicht an das Unrecht, das er selbst begeht. Er ist schliesslich immer im Recht.

Also, ich würde sagen, es ist Zeit zu gehen. Nimm dir einen Anwalt und geh kurz und bündig, notfalls in ein Frauenhaus, damit dir und eurem Kind nicht noch mehr passiert.

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