Kind(erwunsch) ja oder nein

    • (1) 01.08.16 - 08:18
      Gesprächsthema

      Guten Morgen zusammen, ich hätte gerne mal eure Meinung bzw. eure Einschätzung zum Thema Kind und Familienplanung....
      Natürlich steckt ihr nicht in meiner/unserer Haut, aber vielleicht habt ihr ein paar Gedankenstupser für mich/uns.
      Wir sind seit über 11 Jahren ein Paar, wohnen seit 10 Jahren zusammen. Beziehung hat Höhen und Tiefen durchgemacht und wird es - meiner Einschätzung nach auch weiterhin machen... also ja, wir haben beide Fehler gemacht, von aussen ist Mist auf uns eingeprasselt, aber wir lieben einander abgöttisch und sind zusammen durch all die Krisen.

      Ich bin jetzt Anfang 30, habe die Verdachtsdiagnose Endometriose, verhüte seit 10 Jahren nicht mehr (könnte allerdings seit 2 Jahren überhaupt schwanger werden, vorher hat das eine andere Krankheit nachweislich verhindert) und soll jetzt mit der Verdachtsdiagnose zur Bauchspiegelung und vermeintlichen Säuberung aller Herde. (Alle anderen Ursachen der Unfruchtbarkeit sind bei uns beiden abgeklärt und verneint worden) In den ersten 6-12 Monaten post OP sind die Chancen am höchsten, überhaupt schwanger zu werden... und mit 35 ist vermutlich der Ofen aus - mein Zeitfenster beträgt also insgesamt nur noch 2,5 Jahre.

      Nachdem wir nun in den letzten Wochen viele Paare mit Kleinstkindern/Babies gesehen haben, die allesamt ein wirklich abschreckendes Beispiel fürs Eltern werden waren - sowohl persönlich als auch als Paar - kam auch bei uns natürlich das Thema Kind nochmal auf, ob wir überhaupt eines wollen und was das für uns bedeutet.

      Ich tue mir generell schwer mit Veränderungen... also ich kann das schon, arrangiere mich schnell damit, kann mir aber vorher nie vorstellen, was auf mich zu kommt und forciere Veränderungen auch nicht wirklich. Also ja, ich hab schon dieses romantische Gefühl, dass ich gerne so ein kleines Wesen in meinem Leben hätte, was ich mehr liebe als mich selbst... aber reicht das?

      Mein Mann vermisst nichts, sagt er (und ich glaube ihm) - aber er wäre einem Kind trotzdem nicht abgeneigt.

      Wir teilen unser Leben seit Anfang an mit Tieren, aktuell sind es zwei Hunde, die Älteste ist seit 8 Jahren bei uns... Verantwortung, Regelmäßigkeit etc.pp. ist uns also nicht fremd, davor haben wir auch keine Angst.

      Auch finanziell haben wir keine Bedenken - also korrekterweise ich nicht, er schon ein wenig... aber wenn ich weniger Klamotten bekomme und er sein Hobby einschränken muss und ein Kind eben kein eigenes Pferd bekommen könnte - dann ist das weit entfernt von "finanziellen Sorgen" ;)

      Sorgen machen uns ganz praktische Dinge... ich bin Migräne-Patient, ich ertrage Lärm nicht... wenn einer der Hunde schon länger als eine Minute bellt, krieg ich hektische Flecken... nur dem Hund kann ich sehr schnell klar machen, dass er gleich im Tierheim landet, wenn er nicht ruhig ist...wie werde ich wohl mit einem schreienden Kind umgehen, wie wird es mir damit gehen?

      Mein Mann hat große Bedenken, dass ich mit der "Zwangsvergesellschaftung" nicht klar komme... Geburtsvorbereitung, Krippe, KiTa, Schule... ich hasse Menschen die im Rudel auftreten, ich habs ja nicht mal in der Hundeschule länger als nötig ausgehalten und das ist nun wirklich nicht zu vergleichen. Unser Leben jetzt ist sehr autonom, wir fallen deutlich aus dem gesellschaftlichen Raster. Alle 2-4 Wochen gehen wir mal weg, ansonsten verbringe ich die Zeit mit meinen Hunden auf einsamen Wegen, arbeite alleine (er im kleinen Team aber ohne private Kontakte), wir haben 2-3 Freunde und Kontakt zur engsten Familie, verbringen unsere Freizeit auf dem Bike oder zuhause. Unsere 3 verbliebenen Elternteile sehen wir auch nicht allzu oft, eine Distanz von 400, 500 und 800km sorgt dafür, dass wir uns 1-2 im Jahr ein paar Tage sehen - aber selbst das empfinde ich als anstregend (als wir noch im selben Ort wie meine Mum gewohnt haben, hab ich sie natürlich öfter gesehen und das auch genossen, aber dann war es auch maximal 3-4h am Stück, danach wollte ich Frieden)
      Mit Kind würde sich das alles wohl grundlegend ändern...

      Die größte Sorge meines Mannes ist "was wäre wenn", er hat in seiner Familie schlimmes erlebt... Ein Cousin als Teenager am Verkehrsunfall gestorben, eine Cousine schwerstbehindert zur Welt gekommen, er hat mitbekommen, wie die Eltern daran zerbrochen sind...
      Außerdem fragt er sich, ob diese Welt wirklich gut genug für ein Kind ist... ob man diesen Wahnsinn überhaupt noch mit einem Kind fördern sollte...

      Wir beide sind BDSMer... unser Sex hat mit Schmerzen zu tun, schon immer und es ist für uns genauso wichtig wie Sex und Zärtlichkeit... einziger Unterschied: SM geht nicht lautlos, egal wieviel Mühe man sich gibt. Bedeutet ein Kind für uns, dass wir uns gegenseitig sexuell begraben können? Wie sollen wir das hin bekommen, bzw. können wir das irgendwie hin bekommen? Die Vorbilder im Bekanntenkreis halten sich im ganz engen Rahmen...

      Eigentlich geht es uns wirklich gut, aber natürlich ist da die Angst jetzt einen Fehler zu machen, wenn wir nicht versuchen schwanger zu werden, es auf ewig zu bereuen... und mindestens genauso groß ist die Angst einen Fehler zu machen, indem wir es probieren... Ich habe auch große Angst überhaupt den Gedanken an ein Baby zuzulassen (weil meine Chancen für eine Schwangerschaft deutlich erniedrigt sind, auch post OP) und überhaupt kann ich ja nicht gut mit Veränderungen... mein Mann ist definitiv der Kopfmensch und zählt auch nur ganz nüchtern Fakten auf...

      Ich freu mich auf euren Input!

      • Oh wie süß, ihr wollt also das allererste perfekt Elternpaar sein, bei den sich das Kind komplett reibungslos in den Alltag reinfügt, ja...? ;-))))

        Das was du hast, das sind ganz normale Bedenken, welche jedes!!!!! Elternteil hat. Schaffe ich es, wie wird der Alltag sein, was muss ich einschränken....? Das sind ganz normale Sorgen. Und ich kann dir sagen: auf das was kommt ist man eh NICHT vorbereitet, es schmeißt alles um, es strängt einen an, es bringt einen manchmal an die Grenzen, es lässt verzweifeln.

        ABER: Mutter zu werden ist das beste was mir im Leben passiert ist, es gab noch NIE eine einzige Sekunde in der ich es bereut habe, ich bin jeden Tag so dankbar für mein Kind!!!

        K

        • Selbstverständlich möge unser Kind bitte perfekt in einer schmerzfreien, kurzen, komplikationslosen Geburt zur Welt kommen, um dann nach und nach alle Entwicklungsstufen völlig problemlos zu nehmen, immer nur das gute zum Vorschein zu bringen und dann leben wir glücklich bis ans Ende meiner Tage :))

          Danke für Deinen Post liebe kulka... es gibt mir in der Tat das Gefühl, nicht allein zu sein - in unserem nächsten Umfeld habe ich lediglich Singles oder frischgebackene Eltern die eben so gar kein positives Beispiel darstellen.

          • Gern geschehen.

            Ich habe einfach das Gefühl, dass du es eigentlich möchtest und einfach nur Angst hast.

            Ich verspreche dir: auch nach einer schlaflosen Nacht, in einer unaufgeräumten Wohnung, müde und hungrig, wenn du dann ein warmes rosa wohlriechendes Baby im Arm hältst, wirst du es abgöttisch lieben.

            K

      Hallo liebe TE, ob ihr Kinder möchtet oder nicht solltet ihr rein nach Herzenswunsch entscheiden. Das ist ein Leben das man schenkt... eine große Herausforderung..deinem Text liest sich mir viele Kontras.... Natürlich muss man sich ersteinmal einschränken mit Freizeit Job usw... Aber das was man bekommt ist unbezahlbar. Bei mir liest sich es leider nicht so das es für dein Leben wichtig ist. Das ist ein Wunsch ein starker dem man in seinen Herzen trägt und wenn man unbedingt ein Kind möchte ist man bereit zu diesen Kontras. Ich habe zwei wunschkinder mein erstes mit 21 und das zweite mit 25 bekommen und bin sehr glücklich. Eine Bekannte von mir hat Jahrelang Kinderwunsch hinter sich und wurde mit 40 Mutter und wir beide hätten uns ein Leben ohne Kind nicht vorstellen können. Aber das muss jede Frau für sich selbst entscheiden, da gibt es kein richtig oder falsch... lass dich nicht von gesellschaftlichen Vorschriften in deiner Entscheidung beeinflussen. Alles Gute für euch

      Ich finde gerade das erste Kind ist eine Riesen Herausforderung für einen persönlichen und für die Beziehung. Nicht umsonst scheitern soviele Beziehungen im ersten Babyjahr. Dein Mann zweifelt anscheinend etwas mehr ob es das richtige ist und bei dir klingt es jetzt auch nicht wie ein Herzenswunsch Mutter zu werden.

      Ich finde es gut das ihr euch so intensiv darüber Gedanken macht. Natürlich gibt es nie den perfekten Zeitpunkt und man ist nie 100% auf alles vorbereitet, aber beide sollten sich sicher sein das sie es wollen.

      Ich war jobmässig Hektik, Stress und Lärm
      Gewöhnt, war nie ein Problem - aber 3 Monate ein fast dauerschreiendes Baby hat mich an meine Grenze gebracht.

      Zum thema sex: wie wohnt ihr denn? Wir müssen in den Keller (ausgebaut ;-)) gehen aber es geht seit unser Kind 3 Monate alt ist - aber trotz allem mit Einschränkungen zu früher.

      Wir haben (trotz Höhen und tiefen) es nicht bereut unseren Sonnenschein zu haben aber ich kenne tatsächlich Eltern die im Nachhinein sagen ohne war besser.

      Redet miteinander und entscheidet gemeinsam was für euch das richtige ist. Auch ein Leben ohne Kind kann erfüllend sein, auch wenn man mavhmal das Gegenteil suggeriert bekommt.

    • Für mich klingt es so, als solltet ihr es lassen. Du beschreibst mehr dich als ihn, aber für dich scheinen mir damit viele Veränderungen verbunden, durch die du dann nicht mehr du selbst bist. Das muss man schon sehr bewusst in Kauf nehmen und wollen.

      Mir scheint, ihr könntet gut ohne Kind. Und eins zu bekommen, nur weil man sonst nicht weiß wie es ist, finde ich zu wenig.

      Sag dir mal bewusst: ICH bleibe kinderlos. Wie fühlt sich das an? Gibt das einen inneren Aufschrei?

      Grüße Küstenkönigin

      • (8) 01.08.16 - 14:03

        Auf Grund erblicher Vorbelastung, der Tatsache dass ich seit 10 Jahren bereits nicht verhüte und der aktuellen Diagnose ist "ich bleibe kinderlos" seit jeher ein Option, ob erwünscht oder nicht. Ich kann mir den Aufschrei nach diesem Satz eigentlich gar nicht leisten und hab mich schon viele Jahre damit angefreundet.

    Es gibt 1000 Gründe gegen Kinder....

    Die Frage ist was schwererwiegt. die 1000 Gründe oder das Lebensglück mit einem Kind zu teilen.

    Man kann alles hinkriegen und wenn die Eltern in der Umgebung schlechte Beispiele sind, dann macht man es halt anders.
    Wir haben oft gesagt "wenn wir mal ein Kind haben.... machen wir das anders" und machen es auch so.

    Zum Geburtskurs musst du nicht und in die Krippe, Kiga und Schule geht dein Kind ja ohne dich. Und so viele Veranstaltungen sind da auch nicht, dass man ständig hin muss.

    Es lässt sich alles regeln. Nicht jedes Kind schreit stundenlang am Spieß. meine Migräne ist seit der SS verschwunden. Und fremdes Kindergeschrei empfindet man viel schlimmer als das des eigenen Kindes.

    Hör auf dein Gefühl und ich glaube auch, dass du es bereuen wirst, wenn ihr es nicht probiert.
    Ich würde die Natur entscheiden lassen. Also mich auch nicht drauf versteifen sondern wenn es passiert dann soll es so sein und wenn nicht dann nicht.

    wir haben ganz aktiv auf ein Baby gehofft und mein erster Gedanke beim positiven Test war "Scheiße!". Du weißt auf einmal das ist jetzt echt. Keine Vorstellung, kein Traum sondern echt ohne Rückwärtsgang.

    • (10) 01.08.16 - 14:07

      Liebes GemGirl,

      danke für Deinen Beitrag! Ausser den Zyklus medikamentös zu unterstützen kommt für uns nach aktuellem Stand auch keine weitere medizinische Hilfe in Frage. Ich werde nicht mein Leben in den nächsten Jahren nach einem vermeintlichen Kinderwunsch ausrichten, um dann am Ende doch "leer auszugehen"...Das Loch in das ich/wir dann fallen würden, wäre einfach zu gross.

Hallo,

"nur dem Hund kann ich sehr schnell klar machen, dass er gleich im Tierheim landet, wenn er nicht ruhig ist..." Nicht dein Ernst, oder? Du machst doch sicher Spaß.

Wenn nicht, würde ich das mit dem Kind wirklich sein lassen.
Oder du ziehst in Erwägung, deinem Kind, wenn es älter und verständiger ist anzudrohen, dass es bei Geschrei und normalen kindlichen Entgleisungen ins Kinderheim kommt, weil dich gerade wieder die Migräne quält. Im Gegenteil, wenn dein Kind krank ist und du vielleicht wieder Migräne haben solltest, haben du oder dein Mann für dein Kind da zu sein. Ich kenne einige Mütter, die selbst krank ihre Kinder versorgen mussten, weil es in diesem Augenblick eben nicht anders zu organisieren war.

Ich habe noch keine Mutter gehört, die sagte, dass alles genauso gekommen ist, wie sie es sich vor der Geburt in ihren romantischsten rosa Träumen ausgemalt hat. Im Gegenteil, meist muss man sich nach der Geburt ganz schnell darauf einstellen, dass alles 1. anders kommt und 2. als man denkt. Leben mit Kind ist tägliche Veränderung, tägliches organisieren des Alltags etc.

Die Entscheidung, den Kinderwunsch aktiv anzugehen, könnt nur ihr allein treffen.
Für mich hört sich bei deiner Schilderung allerdings alles mehr nach contra Kind an.

LG

Nici

  • (12) 01.08.16 - 11:57

    Ähm ja, bevor da Missverständnisse auftauchen: Selbstverständlich droh ich den Hunden mehrmals pro Woche an, sie ins Tierheim zu bringen - bevor ich das allerdings machen würde, würde ich mir eher den rechten Arm abhacken ;)
    Dass man dem Hund gegenüber alles konsequenzenlos verbalisieren kann, was einem so in den Sinn kommt, ist einer der ganz großen Vorteile ;)

Hallo!

Ich wollte unbedingt KInder - vor 13 Jahren. dann stellte sich heraus, das es bei uns ohne ICSI nicht klappen würde, da sagten wir, wir warten noch ein wenig. dann wurde mein Vater zum Pflegefall, und damit war das Thema Kinder erst mal vom Tisch.

eigentlich könnten wir jetzt, wo mein Vater nicht mehr lebt, immer noch den Kinderwunsch angehen - aber ehrlich gesagt, wir wollen beide nicht mehr so richtig.

Die Zeit ist einfach vorbei, wir haben uns sehr gut in unser Kinderloses Leben eingewöhnt, fühlen uns rundum wohl, so wie es ist. Der wunsch ist einfach nicht mehr da. Um genau zu sein werde ich eher hektisch, wenn meine Regelblutung zwei Tage zu spät kommt.

Ich lese bei dir auch nicht vieles, was wirklich für ein Kind spricht. Eigentlich willst Du wenn, dann sowieso nur ein perfektes, pflegeleichtes Kind, wenn man Dir vorher sagt, dass es echt anstrengend wird, dann eigentlich schon wieder nicht.

Ja, ich lese auch von den mamas, dass Kinder ihr größtes Glück auf Erden sind. aber das muss bei mir nicht genauso sein. Und es gibt ja auch viele Eltern, die es durchaus bereuen, nur lieber nicht so laut sagen.

In Sachen es bereuen keine Kinder zu haben: glaube ich nicht mal wirklich. Man lebt ja auch ohne Kinder weiter, auch wenn es irgendwann zu spät ist. Und auch Eltern mit Kindern haben keine Garantie, dass sie in 30 Jahren immer noch guten Kontakt zu den Kindern haben, die dann hoffentlich in der Nähe wohnen und regelmäßig mit den Enkeln zu Besuch kommen.

Ich sehe es so: ich brauche nicht mehr unbedingt ein Kind. Mein Mann auch nicht, wir sind auch ohne glücklich. Eigentlich würden Kinder jetzt unser Leben nur völlig auf den Kopf stellen, aber nicht mehr "komplett" machen, wie ich es vielleicht vor Jahren empfunden hätte. Wir sind auch so "komplett".

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