Wenn beide Eltern Vollzeit arbeiten....

    • (1) 21.08.16 - 12:16
      Sonntagsfrage

      Hallo,
      Mein Mann und ich arbeiten beide Vollzeit, wir haben zwei Kinder, eins in der Grundschule, das andere geht zur Gesamtschule.

      Seit Tagen ist dicke Luft, da mein Chef mir angeboten hat, mich mehr in Projekten einzubringen, die mit einiger Reisetätigkeit verbunden wären.
      Konkret bedeutet das, dass ich 3-4mal im Jahr nach Fernost reisen müsste, immer für ca 3 Wochen.
      Dazu kommen noch Kurzreisen von einigen Tagen pro Monat innerhalb Europas.

      Mein Kollege, der noch kleine Kinder hat, hat das bisher gemacht, seine Frau ist aber jetzt erkrankt und er muss zu Hause jetzt alles alleine machen und sich um seine Frsu kümmern.

      Ich sehe das als Chance, und bin auch neugierig was mich erwartet.

      Außerdem wird es gut bezahlt und ich würde viele tolle Erfahrungen machen, die mir beruflich sicherlich sehr nützlich wären.
      Mein Mann stellt sich allerdings quer.
      Er sagt, er findet, es schadet unserer Beziehung wenn ich so oft so lange weg bin.
      Außerdem hält er es auch wegen der Kinder für problematisch, obwohl ich das anders einschätze.
      Ich glaube langsam, er ist einfach neidisch und hab ihm das auch so gesagt.
      Daraufhin hat er zugegeben, dass er zu Hause sitzen würde, während ich in der weiten Welt aufregende Erfahrungen mache.
      Er meint, wir würden uns fremd werden, da er ja dabei außen vor ist und ich mich weiter entwickele und er nicht.
      Jetzt überlege ich, ob da was dran ist.
      Ich hatte mich so auf die berufliche Chance gefreut, aber ich möchte auch meine Ehe nicht riskieren.
      Warum kommt mein Mann damit so schlecht klar?
      Ich kenne einige Paare, da ist es umgekehrt, da sind die Männer viel unterwegs, ist das für die Frauen auch so ein Problem?

      Oder ist mein Mann einfach nur verunsichert?

      • Huhu,

        ich denke da spuken verschiedene Faktoren mit rein. Viele Männer haben tatsächlich ein Problem damit, wenn die Frau Karriere macht und viel rum kommt, während sie selber sich in der Zeit um heim und Kinder kümmern müssen. Sollte in der heutigen Zeit nicht mehr so sein, aber ich glaube das ist öfter der Fall als Frau wahr haben will. Klar ist er dann sicher auch verunsichert wie das läuft...du bist viel im Ausland unterwegs, er zu hause, weniger Familienzeit....

        Für mich ist das aber auch eine typsache. Für unsere Familie käme das zB nie in frage, weder für den einen noch den anderen. Dazu ist uns unsere gemeinsame Zeit einfach zu wertvoll. Mein Mann hatte ein Angebot intern in seiner Firma zu wechseln, auch das war mit reisetätigkeiten verbunden. Teilweise Tage aber auch wochenweise. Er hat von sich aus gesagt das möchte er nicht und ehrlich gesagt wäre ich auf Dauer damit auch nicht glücklich geworden. Klar wir verzichten dafür auf Geld, aber sind uns einig das es so für uns besser ist. Mal 2-3 Wochen ohne dem Partner im Urlaub ok wenn es nicht anders geht - aber mehrmals im Jahr eine solche Zeit nein danke.

        Rede mit deinem Mann und findet gemeinsam einen Nenner....solche Entscheidungen sollte man gemeinsam treffen und so das beide glücklich sind.

        Also ich schreibe jetzt mal vom Standpunkt als Tochter deren Mutter oft weg war aus:

        Meine Eltern sind seit ich 12 war geschieden (es gab schon viele Jahre lang Eheprobleme davor), sie haben sich entfremdet, da ja auch immer irgendwelche Termine waren zwecks Arbeit. Als ich noch ganz klein war, war das schon so, allerdings wurde es immer mehr an Arbeit wegen der Karriere. Zudem war meine Mutter in ihrer Freizeit eher damit beschäftigt den Haushalt zu machen (mein Vater auch) oder sich zu erholen. Ich habe sie selten gesehen, was ich dann auch toll fand. Ich fand es immer schön, wenn sie nicht da war, da sie nur genervt hat, weil sie ja alles macht, um uns so viel zu bieten. Und wenn dann mit dem verdienten Geld was unternommen wurde, dann fand ich das immer blöd, denn es war nervig stressig und für mich unnötig. Wir haben uns immer weiter entfremdet, sie kam auch nur mit Geschichten aus meiner frühen Kindheit, da sie ja sonst nichts von mir wusste. Nun ist sie in Rente und lebt sehr gut von ihrem hart verdienten Geld, dass sie zurückgelegt hat, verbittert und allein.
        Ja, Karriere hat sie gemacht, aber zu welchem Preis? Ich hab jetzt auch keinen Kontakt mehr zu ihr, denn sie mischt sich ungefragt in alles ein und kennt mich auch nicht. Wenn der Vater das macht ist es doch genauso, finde ich. Ich möchte hier keine klassische Rollenverteilung befürworten. Es gibt ja auch die klassischen Wochenendpapis.

        Ihr habt euch doch für die Kinder entschieden, oder? Du musst dir sehr gut überlegen, ob du diesen Karriereschritt wirklich machen möchtest. Die Bedenken deines Mannes kann ich verstehen, war bei meinem Vater auch so.

        Besteht denn die Möglichkeit, dass du es erst mal nur zeitlich begrenzt machst oder dich mit jemand anderen abwechseln kannst? Das würde deine Karriere trotzdem fördern und du hast mehr Zeit für die Familie. Dein Mann würde das bestimmt als guten Kompromiss sehen. Nur so als Idee, weiß ja nicht, was du arbeitest.

        • (4) 21.08.16 - 13:09

          Hallo, danke für deinen Beitrag.
          Ich sehe allerdings nicht, dass wir hier Gefahr laufen, ähnliche Probleme zu bekommen.

          Wir haben sicher weniger Zeit für unsere Kinder als Eltern, die Zu Hause sind oder Teilzeit arbeiten.

          Ich habe aber nicht den Eindruck, dass mein Mann oder ich durch unsere Berufstätigkeit die Beziehung zu den Kindern aufs Spiel setzen.
          Ehrlich gesagt, geht es mir bei unserem Problem auch nicht um die Kinder und was das für sie bedeutet, da sehe ich nicht unsere Schwierigkeiten.

          Es geht mir wirklich um unsere Partnerschaft, was es mit der Beziehung zu meinem Mann macht, unabhängig davon was es für die Kinder bedeutet.

          Das ist eine andere Baustelle.
          Ich bin ja jetzt auch abends erst um 20.00 oder später daheim.
          Und das schon seit ihrer Geburt.

          Mein Mann arbeitet noch mehr.Wir haben junge Großeltern im Haus, wo die Kinder ab 17.00 nach der Schule hin gehen. Außerdem wohnt meine meine Schwägerin in der Nähe , die für alle kocht und auch einkauft.
          Das sind feste, liebevolle Bezigspersonen und die geben auch die nötige Stabilität.

          Für die Kinder macht es wenig Unterschied, ob ich nachts noch nach Hause komme oder nicht.

          Das einzige was natürlich dann noch teilweise weg fällt sind die Sonntage.
          Ich muss das nochmal in Ruhe überdenken und mit meinem Mann bereden. Alleingänge bringen nichts, ich werde das auch nicht auf Biegen und Brechen durchsetzen.

          Spontan hab ich mich halt über das Angebot sehr gefreut und es wäre auch genau mein Ding.
          Aber es muss halt das Drumherum auch passen.

          • Ich find es auch krass! So oder so.
            Dein Mann mal außen vor, aber eure Kinder tun mir echt Leid.

            puh, WANN verbringst du eigentlich Zeit mit deinen Kindern?
            Bist DU eine Bezugsperson von ihnen?
            Ich würde das Angebot ausschlagen und Teilzeit arbeiten, um endlich mal eine

            Mutter-Kind Bindung aufzubauen.

            Mit Geld kann man diese nämlich nicht kaufen.

            lg

            >>Ehrlich gesagt, geht es mir bei unserem Problem auch nicht um die Kinder und was das für sie bedeutet, da sehe ich nicht unsere Schwierigkeiten.<<

            Das ist ja leider das traurige. Es geht hier nicht um die Kinder. Es geht hier nur um dich. Als Tochter eine "Karriere-Vaters" kann ich mich schasch nur anschließen: Die Beziehung hat gelitten. Ich habe heute kaum Kontakt mehr zu meinem Vater. Ich habe immer gespürt, dass meinem Vater seine Karriere wichtiger war, als Zeit mit seinen Kindern zu verbringen. Klar hat er die Zeit mit uns genutzt, wenn er nicht unterwegs war (er war auch 3-4 mal im Jahr für ein paar Wochen in der Welt unterwegs), aber das hat seine Abwesenheit nicht wett gemacht.

            >>Es geht mir wirklich um unsere Partnerschaft, was es mit der Beziehung zu meinem Mann macht, unabhängig davon was es für die Kinder bedeutet.<<
            Erschreckend, wie wenig Beachtung bereits jetzt schon deinen Kindern beimisst!

            >>Ich bin ja jetzt auch abends erst um 20.00 oder später daheim. Und das schon seit ihrer Geburt.<<
            Finde ich für deine Kinder sehr traurig. Bei solchen "Geschichten" frage ich mich, warum man dann eigentlich Kinder in die Welt setzt #kratz Du hast doch sowieso nichts von ihnen, oder nicht? Und nur, weil sie es von ihrer Geburt an gewohnt sind, heißt das ja nicht, dass es gut für sie ist.

            >>Für die Kinder macht es wenig Unterschied, ob ich nachts noch nach Hause komme oder nicht.<<
            Mir würde das als Mama einen Stich ins Herz versetzen, wenn es meinen Kindern eigentlich total egal wäre, ob ich da bin oder nicht. Und du schreibst, dass die Beziehung zu deinen Kindern gut ist? Ein gutes Eltern-Kind-Verhältnis sieht für mich persönlich anders aus... #kratz

            Und nochmal die Frage, weil sie mich wirklich interessiert (und nicht anfeindend gemeint ist): Warum habt ihr Kinder bekommen? Ihr arbeitet beide so viel und habt eigentlich gar keine Zeit für eure Kinder. Die Erziehung übernehmen jetzt ja auch eher Oma und Opa bzw. die Schwägerin...

            Ich finde es gruselig....und frage mich ernshaft...warum schafft Ihr Euch Kinder an?
            "das einzige was natürlich dann noch teilweise wegfällt sind die Sonntage." Logisch...mehr gemeinsame Zeit habt ihr ja auch kaum....
            Aber die Kinder werden Dich vielleicht kaum vermissen..bist ja eh kaum in ihrem Leben vorhanden...
            Ich hoffe es sind liebevolle Menschen ,die Euch ersetzen!
            Und ich hoffe Ihr kommt später niemals auf die Idee irgendwelche Ansprüche an Eure KInder zu stellen ......denn die müssen dann ganz bestimmt ihrem Traumjob nachgehen und haben für ihre alten Elter keine Zeit ...und dafür werden Ihr dann hoffentlich genauso Verständnis haben.
            liebe Grüße Iris

      Ich glaube das fremde Meinungen euch da nicht weiter helfen.
      Ich zB würde es absolout Scheisse finden wenn mein Mann so oft im Jahr beruflich verreist. Auch ich selber würde das nie tun, denn ich bin ein großer Familienmensch und für mich gibt es nicht wichtigeres als so viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen wie es nur geht.
      Es kommt auch etwas drauf an, ob man sowas vorher besprochen hat.

      Generell darf man aber ja auch seine Meinung ändern.

      Wie du siehst, bringt dir meine Meinung nicht viel weiter.
      Wünsche euch, das ihr einen Kompromiss findet, der allen passt

      Liebe Grüße

      • (12) 21.08.16 - 13:58

        Ich hatte halt gehofft, dass es hier noch mehr Partnerschaften gibt, wo ein Partner beruflich verreisen muss und wie diese Paare damit umgehen.

        Ich kenne es halt aus Soldatenfamilien, wobei das natürlich Extreme sind, wo die Familie auch noch Angst um das Leben des Betreffenden haben muss.
        Meine Freundin ist Soldatin und ständig monatelang auf Auslandseinsätzen, natürlich in allen möglichen Krisengebieten.

        Sie hat drei Kinder und der Mann muss sich alleine kümmern obwohl er auch Vollzeit arbeitet.

        Er sagt, er kennt es nicht anders und wusste dass seine Frau Soldatin ist und worauf er sich einlässt. ...
        Da liegt wahrscheinlich der Unterschied.

    Hallo,

    ich sehe es 50:50, aber auch, weil ich selber schon viel im Ausland untwerwegs war.

    3-4 mal im Jahr für jeweils drei Wochen ist schon viel.
    Das wäre mir selber auch zu viel - ich würde es höchstens dann machen, wenn beide Kinder aus dem Haus wären und es sich dann auch irgendwie einrichten lässt, dass z.B. mein Mann in diesen Perioden auch mal nach Fernost kommt, damit wir etwas Zeit hätten.

    Aber könntet Ihr alle (also Dein Mann und auch Dein Chef) nicht auch Kompromisse finden?

    Wäre es möglich, dass Du Dir diese Auslandsarbeit mit einem weiteren Kollegen "teilst"?
    Dann wäre es max. 2x im Jahr, was schon wieder etwas machbarer wäre.

    Und was Deinen Mann betrifft - klar, so reagieren viele, die sehen das auch etwas als Revierpieselei, wenn die Frau da Karriere macht.

    Für Dich ist es eine Chance und es kommt auch die Zeit, wo die Kinder selbstständiger werden. Es wäre Schade, so eine Chance vertreichen zu lassen.

    Überlege Dir Pros und Contras, wie Du evtl da Deinen Mann mit einspannen kannst.
    Rede auch mal mit dem Chef, ob Du Dir diese Auslandsarbeit eben mit einem Kollegen oder einer Kollegin teilen könntest.
    Vielleicht wäre das machbar.

    Auch eine Idee: kläre mal ab, wann diese Reisen wären.
    Vielleicht passt es ja gut, dass davor oder danach auch mal Ferien sind.
    --> dass Ihr alle zusammen hinfliegt, dort eine schöne und spannende Zeit verbringt.
    Und dann reisen Dein Mann und Deine Kinder wieder ab und Du bleibst da zum Arbeiten.

    Es gibt bestimmt einen Weg - komplett vertreichen lassen wollte ich diese Chance auch nicht. Bei kleinen Kindern wie meine es noch sind, hätte ich Probleme.
    Bei Schulkindern würde ich aber eben schauen, ob sich eine Light-Variante umsetzen lässt.

    LG

    Wenn Du einige Paare kennst bei denen das auch so ist, dann sprich die doch mal direkt an und Frage nach.

    Da ihr beide Vollzeit arbeitet, gehe ich mal davon aus, dass ihr vereinbart habt euch die Familienarbeit 50/50 zu teilen?

    Hast Du schon mal zusammengerechnet, wie lange Du dann insgesamt weg wärst? ca. 12 Wochen in Fernost und dann nochmal ca. 1 - 1,5 Wochen/Monat auf Dienstreise in Europe? Also insgesamt so ca. 24- 26 Wochen unterwegs - kommt das hin?

    Und wenn Du dann zu Hause bist, hast Du dann frei oder musst Du dann auch bis 20:00 Uhr abends arbeiten? Wo und wie kann Dein Partner dann Freiräume haben? Wenn ihr noch Zeit mit euren Kindern verbringen wollt, wann gibt es Zeit für euch?

    Und klar erlebst Du was neues und er nicht. Ist das aber so tragisch? Er kann sich ja auch Zeit nehmen, um sich weiterzuentwickeln...

    Das ist eine gute Chance und ich würde die mir auch nicht entgehen lassen - manchmal muss man eben an sich denken. Wer weiß wie lange ihr noch zusammen seid und dann ärgerst Du Dich, dass Du aus Rücksichtnahme diese Chance hast verstreichen lassen.

    Naja, wenn Du es nicht machst, wirst Du wahrscheinlich für sehr lange Zeit sauer auf Deinen Partner sein und wenn Du es machst, dann hm....

    Ich finde es schade, dass es immer noch so ist, dass es für fast jeden Mann selbstverständlich ist, Karriere zu machen, einschließlich mit Reisetätigkeit und Frau in der gleichen Situtation Schwierigkeiten hat so eine Beförderung anzunehmen und sie sogar gefragt wird, warum sie sich Kinder angeschafft hat.

    Wenn der Mann sich irgendwann aus der Ehe verabschiedet, kümmert sich niemand darum, ob Frau dem Mann und den Kindern zur Liebe auf Karriere verzichtet hat und
    sich dann mit Hartz IV begnügen muss.

    Sonntagsfrage, ich kann dir nur empfehlen: Mach es.

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