Vertrauen nach Affäre ...

Hallo miteinander,

kurz zur Vorgeschichte: mein Mann hatte eine Affäre (ca. 15 Monate) - diese hat er vor gut einem Jahr, nachdem es aufflog, beendet. Wir sind noch zusammen, waren in Eheberatung, gingen ca. 9 Monate durch Höhen und Tiefen, haben alles "lang und breit" beredet und ich würde sagen, seit einigen Monaten fühlt es sich wirklich wieder gut und richtig an.
Dennoch merke ich aktuell, daß ich ein Problem damit habe, ihm zu vertrauen. Ich war vor dieser Affäre keine eifersüchtige Ehefrau, ganz und gar nicht, hatte ihm ABSOLUT vertraut.

Er war am Wochenende allein zu einer Geburtstagsfeier, ich hatte mir zuhause einen gemütlichen Fernseh-Couchabend gemacht und so gegen Mitternacht fing ich innerlich i-wie an, auf ihn zu warten... dachte "nun könnte er bald kommen". Ich ging ins Bett um ca. 0.30 Uhr, konnte aber nicht einschlafen und je weiter die Zeit fortschritt, desto mehr zog sich buchstäblich mein Magen zusammen. Er kam ca. um 1:15 Uhr heim.

Nun fahre ich kommendes Wochenende alleine weg für 3 Tage. Das letzte Mal war ich vor 2 Jahren alleine übers Wochende weg und habe dann im Nachhinein erfahren, daß er damals zur ANDEREN gefahren ist... also einen NAchmittag mit ihr, bei ihr zuhause verbracht hatte (sie hatte die Kinder "ausgelagert" ihr Mann war arbeiten). Und mein Problem ist nun, daß ich mit wahnsinnig zwiegespaltenen Gefühlen in dieses Wochenende gehe. Ich werde mitfahren, aber ich habe wirklich momentan Magenschmerzen, weil ich einerseits zurückdenken muß, was er damals tat, als ich das letzte Mal weg war, bzw. mir anderseits denke: "Hat er wohl für die sturmfreien Tage schon was geplant?" ... "Würde ich es wieder nicht checken, wenn er mich betrügt?"...
Mein KOpf sagt mir zwar, daß es Unsinn ist, denn er hat mir ja gut genug bewiesen, daß ich nicht extra wegfahren muß dazu, sondern dass eine Affäre auch "laufen" kann, während ich zuhause bin.

Ich komme irgendwie nicht klar damit, was in mir gerade "abgeht".

MIr war immer klar: "wenn ich davon krank werde, dann ist die Ehe zu Ende"... und nun frage ich mich, ob ich mich verrückt mache, Ob ich ihm wohl jemals wieder vollends vertrauen werde?

hallo,
ich würde nicht fahren. einmal fremdgänger-immer fremdgänger. ich weiß wovon ich rede, bin selbst einer.

wohlwollende grüße
d.

Warum sollte sie dann nicht fahren? Gehst Du weniger fremd, nur weil Deine Frau mal ein Wochenende sausen lässt?

hallo,
ja. die umstände sind dann weniger günstig.

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Ich vermute, es ist nicht das, was du hören möchtest: Nein, das Vertrauen kommt nicht wieder. Zumindest nicht so wie es einmal war - und wie es eigentlich in einer guten Beziehung sein sollte. Das sage ich aus eigener leidvoller Erfahrung. Der Betrug bleibt immer im Hinterkopf- und die unguten Gefühle werden sich immer wieder den Weg an die Oberfläche suchen.

Ich glaube, dass wirklich nur die allerwenigsten Beziehungen einen Betrug dauerhaft überstehen. Das ist ein bisschen wie mit der zerbrochenen Vase. Du kannst die Stückchen wieder zusammensetzen und sie kleben - aber wie vorher wird sie nie wieder.

Du musst halt entscheiden, ob du damit dauerhaft leben kannst und willst.

Ich mag das Bild mit der zerbrochenen Vase und möchte eine weitere Ebene hinzufügen.

"In Japan werden zerbrochene Schalen und Vasen an ihren Bruchstellen mit Gold repariert, sodass die Gefäße in ihrer Unvollkommenheit vollkommen werden. Hier liegt der Glaube zugrunde, dass, wenn etwas mit Schaden behaftet ist und eine Geschichte hat, es an Schönheit gewinnt."

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Was bereitet dir denn genau Bauchschmerzen? Schleichen sich da Ahnungen an, dass er die Exgeschichte wieder aufleben lassen oder dass er sich ganz neu orientieren könnte?

Hallo,

nein, dass er die Exgeschichte wieder aufleben lassen könnte, dass ist außer Frage.

Am Wochenende bei dieser Geburtstagsfeier, da war es bsp.weise so, daß ich wusste, daß dort einige Frauen sind, mit denen er sich einfach gut versteht (schon seit Jahren). Früher hätte mir das absolut keine Gedanken bereitet, im Gegenteil ich hätte mich wohl für ihn gefreut, zu wissen, daß er einen kurzweiligen, geselligen, unterhaltsamen und lustigen Abend haben wird.

Die Affäre war zwar nicht aus dieser "Runde", doch auch sie kannte er jahrelang, ehe sie sich näherkamen.

Und was mir wohl fürs Wochenende Bauchschmerzen beschert, ist in erster Linie die Erinnerung daran, daß er damals zu IHR gefahren ist (das einzige Mal, das er bei ihr zuhause war)... und ein kleines Bisschen im Hinterkopf meine Gedanken "Hat er für dieses WE irgendwas geplant"....
LG

Ok......verstehe. Aus eigener Erfahrung kann ich dir nur berichten, dass immer mal wieder etwas angetriggert wird. Da kommen unliebsame Erinnerungen hoch durch einen Film im TV, durch bestimmte Musik. Ich kann z. B. das Aftershave meines Mannes aus der damaligen Zeit nicht mehr riechen. Es verursacht mir regelrecht Übelkeit obwohl er aktuell gar nichts getan oder gesagt hat, was Grund zur Sorge bereitet. Es gibt aber Schlimmeres, denke ich.

Ob das Vertrauen wiederkommt, kann dir niemand vorhersagen. Ist auch eine Charakterfrage. Die einen sind nachtragend, vergessen nie und kultivieren regelrecht ihr Misstrauen und ihre negativen Gedanken. Aber betrachte es doch mal pragmatisch: wie wichtig ist dir absolutes Vertrauen? Stellt sich die Frage: Gibt es das überhaupt? 50 % der Menschen gehen statistisch betrachtet fremd. Ich finde es weltfremd und unrealistisch zu behaupten, uns/mich trifft es nie! Man hofft das Beste und sieht wohin das Leben führt. Mit viel Misstrauen und viel Kontrolle wurde selten der Worst case verhindert, auch wenn viele Menschen das anders sehen wollen.

Deine Erinnerungen und die Vergangeheit schleppst du von jetzt an mit - egal wohin (oder mit wem) du gehst. Wieviel Vertrauen würdest du einem anderen Mann entgegen bringen? Du kennst ihN nicht, weißt nicht viel aus seiner Vergangenheit. Man lässt sich also relativ blind auf etwas ein, von dem man nicht weiß, wie es ausgeht. Jetzt hast du deine traurigen Erfahrungen noch im Gepäck. Würdest du lieber für den Rest deines Lebens allein bleiben wollen aus Angst vor Enttäuschungen und weil eben diese Erinnerungen dich im Leben blockieren? Vermutlich nicht, das wäre ganz bitter. Du würdest also jemand völlig Fremden eine Chance geben, sich als Partner und Mensch zu beweisen.
Genauso kannst du deinem Mann diese Chance geben. Ihr kennt euch 20 Jahre. Besser als du sonst jemanden kennst. Ihr habt euch ausgesprochen, ein Jahr steinigen Weg hinter euch gebracht, Fehler korrigiert und geht achtsamer miteinander um. Deinem Mann geht es ähnlich. Für ihn war es auch nicht NUR schön und die Zeit nach den 15 Monaten sicher erst gar nicht. Wenn ihr wirklich (und nicht nur aus Mangel an Alternativen, schlechtem Gewissen, praktischen Gründen usw.usw.) schaffen wollt, dann bekommt ihr das auch hin und du wirst nach und nach deine Bedenken ablegen. Ich glaube, das ist wie eine Narbe, die ab und an Schmerzen verursacht, wenn das Wetter umschlägt, wenn man andere mit der selben Krankheit sieht oder wenn man das Krankenhaus aufsucht. Es wird etwas angetriggert, aber die Schmerzen werden weniger.

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Hallo!

Ich kann dich verstehen. Meine Mama hat leider das volle Programm mit Fremdgehen und so erlebt. Ich würde an deiner Stelle fahren. Mach dir mit deinen Freundinnen schöne Tage. Was bringt es dir zuhause zu bleiben und danach bereust du es. Fahre und versuche zu genießen. Wie schon mehrfach geschrieben muss man nicht wegfahren damit sein Partner ein Stunden mit der Affäre hat. Versuch es wenigstens. Vielleicht bringt es euch gemeinsam wieder einen Schritt weiter wenn du weg bist und siehst es auch mit ein wenig anderen Augen. Wenn beide an sich arbeiten kann durchaus wieder Vertrauen entstehen. Siehe es als Chance für euch beide.

Alles Liebe Gabi

Vetrauen, tut mir leid stirbt nach Fremdgehen.
Wir wären getrennt ab dem Moment wo ich es erfahren hätte.

Verstehe Frauen nicht die dann noch bleiben!

Nur zum besseren Verständnis:

Ist die heile Welt und das Vertrauen für dich anschließend generell hinüber oder nur diese eine Person betreffend?

Diesem Partner gegenüber.

Meine Geschichte habe ich schon ein paar Mal hier erzählt. Lange verheiratet. Die Kinder waren ausgezogen und mein Mann hatte eine Affäre. Als es heraus kam zog er zu seiner Affäre. Ich stürzte ins Bodenlose. Nach endlosen Gesprächen und PT sind wir wieder zusammen, aber ich habe dadurch eine ganz andere Einstellung zu Liebe, Vertrauen etc.

Wir machen uns einfach etwas vor. Wir glauben, so haben wir es gelernt, dass es nur einen Partner das ganze Leben gibt. Natürlich gibt es Menschen, die völlig monogam sind, aber grundsätzlich sind es Menschen nicht. Wir sind nur zur Monogamie aus gesellschaftlichen Gründen verdonnert und ich gebe zu, auch mir sind schon Männer über den Weg gelaufen, wo ich wohl nicht nein gesagt hätte.

Ich habe auch lange Zeit mit dieser Frage beschäftigt. Wo geht es hin, was macht er etc.? Es hat mich kaputt gemacht. Inzwischen hinterfrage ich das nicht mehr und neige auch nicht zur Selbstzerstörung. Wenn er irgend wo sich Sex holen sollte, dann kann ich ihn ohnehin nicht halten. Ich bekäme es wahrscheinlich auch nicht mit. Ich will es einfach nicht wissen und wenn er es tut, hoffe ich, dass er es so geschickt macht, dass ich es nicht mitbekomme.

<<<...Ich will es einfach nicht wissen und wenn er es tut, hoffe ich, dass er es so geschickt macht, dass ich es nicht mitbekomme. ..>>>
Oh - nein, dem kann ich mich nicht anschließen. Ich vertrete da eher die Einstellung: Ich werde es nicht aufhalten können, falls es nochmal passieren sollte - aber ich möchte dann einfach von Anfang an Klarheit, Ehrlichkeit.

Sicher hast du recht, daß uns die Monogamie einfach anerzogen wurde, bzw. da hineingeboren wurden, diese zu leben. Denn wären wir etwa in einem anderen Breitengrad geboren/aufgewachsen hätten wir da evtl. andere Werte gelehrt bekommen.

Ich gehöre mittlerweile zu jenen, die wissen, es kann passieren, jedem. Aber dann sollte auch jeder für sich entscheiden können, ob er damit so weiterleben möchte.

LG

Hi,

wenn ihr eine Eheberatung gemacht habt, kam sicherlich auch das Thema "miteinander ehrlich zu reden" auf, oder?

Rede mit Deinem Mann und teile ihm Deine Ängste mit!
Sag ihm, das Du noch nicht so weit bist, das jeder sein eigenes DIng am Abend/Wochenende macht und du da sein Hilfe benötigst.
Nicht als super eifersüchtige Ehefrau, die ihn auf Schritt und Tritt überwachen will sondern einfach klar Deine Ängste mitzuteilen.

lisa

Na ja, ICH will ja wegfahren das Wochenende über - nicht er. Und ich hab ihn auch nicht gefragt, ob er mitkommen möchte.

Und jetzt nur noch gemeinsam alles zu unternehmen, das wäre nichts für mich.

Mit ihm reden, das mach ich.

Hallo,

Meine Eltern hatten beide eine Affaire.

Mittlerweile sind sie fast 40Jahre verheiratet....

Sie haben sich letztendlich füreinander entschieden,obwohl meine Mama immer wieder erzählt,dass sie da ein paar schwere Jahre hatten.

Sie haben sich dann noch einmal Kirchlich trauen lassen....ich glaube,dass war das symbolische Versprechen,was sie einfach gebraucht haben....

Vielleicht brauchst du,braucht ihr auch so etwas.

Und wenn es wenigstens das Versprechen um zB Ehrlichkeit ist,damit so eine Situation nie mehr eintritt...aber eben....naja- feierlich.

Nicht einfach lapidar.

Macht es wichtig für euch.

Und dann kann das auch wieder wachsen....

Weißt du,ein Sturm kann ein Haus umpusten.
Kaputt machen.

Aber manchmal wird es neu sogar noch schöner,vor allem wisst ihr jetzt,wie ihr euch gegen Sturm wappnen könnt.

Es wird dauern- aber das kann auch wieder werden...

Alles Gute wünscht euch
Lulu

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Ich verstehe dich, kann dir aber sagen, dass das normal ist. Mein Mann hat mich vor acht Jahren betrogen. Die ersten beiden Jahre habe ich sehr daran zu knabbern gehabt. Mir ging es wie dir. Bis ich irgendwann beschlossen habe, mir nicht den Kopf darüber zu zerbrechen. Wenn er fremdgehen will, dann wird er das tun, ob ich mir vorher Gedanken darüber mache oder nicht.

Er hat mir nie wieder einen Grund geliefert misstrausch zu werden und ich vertraue ihm heute sogar mehr als früher. Wir haben die Sache aufgearbeitet und er weiß sehr gut, wie sehr er mir damals wehgetan hat. Ich weiß ebenfalls, dass es ihm sehr leidtut und er hat sich sehr lange viele Selbstvorwürfe gemacht. Heute würde ich sogar sagen, dass unser Beziehung dadurch stärker geworden ist.

ich danke dir - deine Antwort macht Mut.

Ich würde wegfahren! Und zwar geschminkt und schick angezogen, mit schöner Unterwäsche im Koffer. Und das ganze Wochenende zu beschäftigt sein, um zu Hause anzurufen und zu fragen ob es ihm gut geht. Oder ans Telefon zu gehen wenn er anruft. Leider. ;-)

Hallo,

ich war weg.
Hatte ein schönes, kurzweiliges, sehr unterhaltsames, lustiges, feuchtfröhliches Wochenende.

Ich hab nicht eine Sekunde daran verschwendet, mir darüber sorgen oder Gedanken zu machen, was er wohl gerade "treibt". Das ist für mich im Nachhinein ein deutliches Zeichen, dass ich wohl auch wieder vetraue.

Angerufen hab ich aber schon mal Zuhause.

Lg