Zurückstecken um der Partnerschaft willen?

    • (1) 13.10.16 - 16:19

      Hallo zusammen

      ich habe mich extra hier angemeldet, weil ich einfach keinen Rat mehr weiß und auch niemanden kenne, der mir unparteiischen Rat geben könnte.

      Ich bin 46 und habe einen Sohn (8). Der Vater meines Sohnes ist verstorben. Vor fünf Jahren lernte ich einen Mann kennen und nach einem Jahr zogen wir gemeinsam in eine größere Wohnung. Genau während des Umzugs bekam mein Partner (der zu diesem Zeitpunkt auf Stellensuche war) einen Job rund 350 km weit entfernt. Unser Alltag sah so aus, dass er unter der Woche in der neuen Stadt wohnte und jeweils Donnerstag bis Sonntag bei uns war. Das war nicht das Optimum des Familienlebens für mich, zumal ich nicht ankommen konnte. Immer hing die Überlegung im Raum "wie geht’s weiter?", ich richtete die Wohnung deshalb nicht weiter ein und es war unbefriedigend für alle. Mein Partner äusserte dann auch relativ schnell, dass er so nicht weitermachen könne und erwartete, dass wir zu ihm ziehen. Ich habe mir die Region vorher 2-3 angeschaut und wurde nicht warm damit. Immer habe ich mich gefragt, was ich da solle. Mehr noch hatte ich am alten Ort einen sehr erfüllenden Job, und ich wohnte dort gern. Letztendlich habe ich mir aber einen Ruck gegeben, denn ich fand unsere Beziehung sehr schön, ich glaubte, einen Seelenverwandten gefunden zu haben. Zu meinem Kind hat mein Partner einen sehr guten Draht und eigentlich ist der Mann ein Glücksgriff für mich. Ja, eigentlich .... denn wir sind an einem Punkt angekommen, wo ich nicht mehr weiß, was richtig und falsch ist. An dem ich mich frage, was ich falsch mache oder ob ich vielleicht im Recht bin.

      Wir wohnen nun seit 1,5 Jahren am neuen Ort. Beide haben wir schnell festgestellt, dass die Wahl ungünstig war. Wir meinten, das Landleben könne gut für uns sein, was aber nicht so ist, wir müssen in die Stadt. Wir haben vorher vereinbart, nach einem Jahr Bilanz zu ziehen. Ich bin todunglücklich hier, trotzdem ich wirklich guter Dinge war und versucht habe, mich zu integrieren. Ich bin auf die Nachbarn zugegangen, habe mich in der Nachbarschaftshilfe eingetragen und bin ehrenamtlich im Leseclub. Aber ich habe so "Heimweh nach unbekannt", es zerreisst mir das Herz. Kurzum, ich möchte hier nicht mehr bleiben. Mein Mann ist auch nicht wirklich glücklich, aber kann sich wohl besser arrangieren. Aber unsere Meinungen und Vorstellungen gehen nun komplett auseinander, wie es weitergehen soll.

      Am Anfang bewarb sich mein Mann auf einige Stellen in ganz Deutschland, das aber halbherzig und mit wenig Engagement, seit Monaten macht er nichts mehr. Jetzt ist es so, dass meine Arbeit im Homeoffice, die ich seit dem Umzug machen konnte, ausläuft. Das heisst, ich bin bald arbeitslos. Ich werde mit der nahen Umgebung einfach nicht warm und bin immer froh, wenn ich irgendwie durch den Beruf und Urlaub wegkomme. Für mich kämen nur andere Regionen in Frage. Für meinen Mann allerdings nicht. Er will max. nur noch 45 Minuten pendeln, nur liegt in diesem Umkreis keine Stadt. Ich kann gut verstehen, dass er nicht pendeln will, aber wir finden einfach keinen Kompromiss. Ich habe ihm angeboten, dass ich mir ihm zuliebe eine Stadt als Wohnort anschaue, die etwa 1 Stunde entfernt liegt. Ich würde aber nur wegen ihm dorthin ziehen, von wirklichem Wollen kann meinerseits keine Rede sein. Die Stunde ist ihm aber schon zu weit. Wichtig ist, dass wir keine neue Übergangslösung machen können. Mein Sohn hat Wahrnehmungsstörungen und braucht dringend ein stabiles, langfristiges Umfeld – auch mit entsprechenden Einrichtungen für Therapie usw.

      Mein zweiter, und für mich naheliegendster Vorschlag war, dass ich mich in Berlin (dort in der Nähe wohnt meine Familie und ich fühle mich dort heimisch) umschaue nach einer Arbeit, mit dem Kind hinziehe und er übergangsweise wieder pendelt am Wochenende, bis er auch dort eine Arbeit findet. Ich würde auch mehr arbeiten, wenn er bspw. weniger Stellenprozente hätte. Aber auch das kommt für ihn nicht in Frage. Wenn ich das wolle, müsse ich allein hinziehen und ich müsste sozusagen komplett einen neuen Hausstand kaufen. Er will nicht mehr pendeln und unter der Woche in einem Appartement wohnen. Wenn er einen Job in Berlin findet, dann könnten wir ja eine neue Wohnung suchen und erneut zusammenziehen. Aber das geht einfach nicht - für mich kommt das einer Trennung gleich. Ich müsste komplett alle Möbel, Hausrat usw kaufen. Am schwerwiegendsten ist allerdings die Situation für meinen Sohn: Ihm macht unser Hin und Her mit der ganzen Umzieherei und dem Streit und meiner Unzufriedenheit große Probleme. Ich könnte weinen, weil ich mich so schuldig fühle. Ich möchte ihm endlich ein stabiles und sicheres Zuhause bieten. Aber ich weiß einfach nicht, wie ich das bewerkstelligen könnte.

      Ich überlege die ganze Zeit, für meinen Sohn und seine gute Beziehung zu meinem Partner meine Bedürfnisse ganz ausser acht zu lassen und in die Nähe des Jobs meines Partners zu ziehen. Allerdings ist dieser Job nicht 100% sicher und mein Partner auch nicht wirklich dort zufrieden. Und es wäre auch nicht sicher, ob ich dort überhaupt Arbeit fände. Mehr noch frage ich mich, ob ich mich über meine eigenen Bedürfnisse langfristig (weil ich für meinen Sohn eine langfristige Lösung brauche) so hinwegsetzen kann, dass ich trotzdem meinem Kind eine stabile und ausgeglichene Mutter bin und die Beziehung zum Partner gut ist oder wieder wird. Und ich will endlich, endlich nach 4 Jahren unklaren Wohnverhältnissen ankommen, ein Zuhause haben.

      Ich bin ganz verzweifelt und frage mich, wo unsere Liebe hin ist und ob die an so etwas scheitern kann? Und ich suche immer noch nach anderen Lösungen, fühle mich aber wie in einer Sackgasse. Wir waren auch schon bei einer Moderatorin für Paare, da will mein Partner aber nicht mehr hin. Gemeinsame Gespräche sind nicht konstruktiv, weil er mauert und nur sagt, was für ihn geht und was nicht. Für mich kämen auch andere Regionen/Städte als Berlin in Frage, allerdings nur, wenn mein Partner mitmacht und Initiative bei Bewerbungen und nur schon in gemeinsamen Gesprächen zeigt. Ich weiß nicht mehr weiter. :-(

      Kann mir jemand einen Rat geben?

      Danke, und entschuldigt, dass es lang geworden ist.

      • Du und dein Kind vor allem stehen an erster Stelle. Wenn es dir nicht gut geht, geht es deinem Kind erst recht nicht gut. Dein Kind braucht spezielle Förderung. Ergo: zieht weg. Zieht dahin, wo es deinem Kind und dir gut gehen könnte, ihm geholfen wird.
        Wenn dein Partner das nicht einsieht, dann ist das sowieso keine gute Basis. Vielleicht besinnt er sich auch eines Besseren, wenn ihr erst mal weg seid.
        Ich wünsche euch alles Gute.

        • Danke für deine ehrliche Antwort, du hast mir sehr geholfen. Meine Hoffnung ist eben auch, ob er sich vielleicht besinnt. Das Problem dabei, nach seinem Vorschlag müsste ich allein umziehen, mich neu einrichten und könnte auch nur eine kleinere Wohnung für 2 Personen finanzieren. Was hiesse, wenn mein Partner doch käme, müssten wir wieder umziehen. Und das bereitet mir für mein Kind so Bauchweh. Wäre ich allein, wäre das alles kein grosses Problem. Und dann finde ich es auch so abwägig, dass ich nochmal komplett einen Hausstand anschaffe. Kommt das nicht einer Trennung gleich? Oder sehe ich das zu eng und zu emotional? Lieben Dank!

      (4) 13.10.16 - 16:48
      schwierige Situation

      hallo,

      ich finde deine Situation nicht leicht... zumal ihr im Moment als Paar nicht neu weiterdenken könnt: von deinem Partner kommt eine klare Ansage. Und du hast scheinbar dir viel Mühe gegeben, mit den jetzigen Umständen warm zu werden.

      Die missliche Lage (so sehe ich das, aber vielleicht hat hier jemand eine ganz andere und bessere Idee?) ist, dass du in jedem Fall entscheiden musst. Und egal für was du dich entscheidest: es beinhaltet immer eine Entscheidung gegen etwas anderes, was dir auch wichtig ist. Da du dich nicht zerreissen kannst, würde ich mir eine Prioritätenliste erstellen.

      Ich lese deine Prioritäten so: stabiles Umfeld für das Kind und ein glücklicher Beruf für dich. Und die Partnerschaft kommt danach...

      Würdest du die Partnerschaft an erste Stelle stellen, würde es dir immer das Herz brechen, weil alles andere hinkt. Dein Partner ist im Moment nicht kompromissbereit. Er hat seine Gründe. Anscheinend sind ihm seine Gründe wichtiger als ein Zusammenkommen. Und das würde mir so dermaßen Bauchschmerzen bereiten, dass es mir sogar leichter fallen würde nach Berlin zu gehen.

      Wie lange eine Partnerschaft glücklich und gut läuft, weiß man nie. Dass man immer Mutter ist und dass man eine eigenständige Frau ist, die auch gerne im Berufsleben aktiv ist, das wird sich nicht ändern. Und in Berlin hast du ein soziales Umfeld - was in Krisen und Nicht-Krisen-Zeiten immer Goldwert ist.

      Ich würde den Schritt wagen und dann erst mal die Beziehung weiterführen. Ob ihr dann Wege findet oder nicht, das zeigt sich dann...

      • Vielen Dank für deine hilfreiche Antwort! Du bringst es auf den Punkt, ich konnte das so gar nicht formulieren: Die Entscheidung liegt wirklich bei mir, nur ich allein kann etwas ändern. Habe ich das so richtig verstanden?

        Meine Prioritäten sind ein wenig anders: 1. stabiles und langfristiges Umfeld für mein Kind (mit entsprechenden Einrichtungen zur Therapie in der Nähe) in einem Umfeld, in dem ich mich wirklich wohlfühle, 2. Partnerschaft, 3. mein Beruf (Erfüllung wäre schön, würde ich aber hinter die Partnerschaft stellen. Kann also auch ein nicht so erfüllender Job sein.). Ändert das etwas emotional und an der Vorgehensweise?

        Ja, und du hast recht mit den Bauchschmerzen was die Zugeständnisse betrifft. Ich bin mittlerweile aber so hin und hergerissen, dass ich meinen eigenen Empfindungen nicht mehr traue und ganz verunsichert bin. Was ist richtig, was ist falsch? Ich frage mich die ganze Zeit, ob ich zuviel verlange oder das falsche. Ob meine Einstellung egozentrisch ist. Ich danke dir jedenfalls sehr für deine Antwort, weil sie mir doch etwas Sicherheit zurückgibt.

        • (6) 13.10.16 - 17:51
          schwierige Situation

          ... würdest du keine Entscheidung treffen und auch deine Prioritäten nicht setzen, würde indirekt die Verantwortung für euer Glück auf den Schultern deines Partners liegen... und damit scheint er im Moment überfordert zu sein. Stellst du klar, dass du dich für das Wohl deines Kindes entscheidest und die Konsequenzen daraus ziehst, was würde das für eure Partnerschaft bedeuten?

          Fernbeziehung und ein neues Ausprobieren, wie eure Beziehung lebendig und liebevoll werden kann unter neuen Umständen? Oder? Vielleicht schafft ihr es, den Schritt als eine neue Herausforderung für eure Beziehung zu sehen - auch weil ihr beide Wege sucht, wie jeder von euch unter Umständen leben kann, die ihn glücklich machen?

          Ich selbst stelle den Beruf, bzw. eine Erfüllung im Beruf der Partnerschaft gleichrangig, bzw. ein bisschen höher: weil ich nur in der Partnerschaft glücklich und satt sein kann, wenn ich es mit mir selbst auch bin. Und dazu gehört für mich das Ausleben, die Kommunikation etc im beruflichen Feld. Ich hasse Abschiede, wenn ich dann wieder unterwegs bin. Jedesmal kullern wieder die Tränen, aber es macht mich gleichzeitig auch so leicht im Herzen...
          lg

      Etwas wichtiges habe ich vergessen: Du schreibst, dass Partnerschaften nicht sicher sind, man aber immer Mutter ist. Ich bin auch so verzweifelt, weil mein Kind so ein gutes Verhältnis zu meinem Partner hat und er für ihn zum Vater geworden ist. Ich mag mir gar nicht ausdenken, was für verheerende Auswirkungen eine Trennung mit meinem Partner auf meinen Sohn hat und stelle mir das bereits jetzt sehr schlimm vor.

      • (8) 13.10.16 - 17:53
        schwierige Situation

        was wäre denn schlimmer? die Trennung vom Ersatz-Vater oder das Fehlen von...?

        • Ja, das ist eine Frage die ständig in meinem Kopf ist und zu der ich keine Antwort finde. Dank dir für deine Mühen und das Verständnis. Du bist eine große Hilfe.

          • (10) 14.10.16 - 11:21
            schwierige Situation

            ist dir schon lange klar, dass du deine Prioritäten so setzt wie oben beschrieben?

            und weiß dein Partner, wie wichtig dir das ist und wie gerne du 1. und 2. Priorität vereinen können würdest?

            • Vielleicht ist ja das unser Problem - vielleicht mache ich ihm zu wenig klar, wie wichtig mir die Partnerschaft ist. Das ist ein guter Hinweis von dir. Ich bin im kommunizieren oft sehr pragmatisch und sachorientiert. Vielleicht vermisst mein Partner seinen Platz in meinen Überlegungen. Ich werde das gezielter ansprechen. Danke!

Huhu,

das ist ja wirklich ein Dilemma...

Über welche Entfernung sprechen wir denn von jetzigem Wohnort nach Berlin?

In dem ganzen Konstrukt fände ich die Berlinlösug denke ich am besten. Ich kann verstehen, dass er keine Lust hat, unter der Woche in einem (möblierten?) Appartement zu wohnen - das geht mal für nen Übergang, aber es ist eben doch nicht "zu Hause".

Würde er denn die jetzige Wohnung behalten (können- finanziell gesehen?)? Oder auch was kleineres suchen? Ich finde den Vorschlag (je nach Entfernung) vernünftig - ein bisschen Initiative von seiner Seite zwecks Job muss dann schon aber auch kommen.

Deinen Wunsch nach einem stabilen Umfeld für das Kind kann ich nachvollziehen, aber es muss für alle passen. Und wenn es hinterher nur noch ein Umzug ist, evtl. ohne Schulwechsel und therapiebegleitet, dann ist das vielleicht doch was anderes als ein Komplettumzug.

  • Vielen Dank für deine Rückmeldung! Stimmt, es ist wichtig zu wissen, um welche Entfernungen es sich handelt. Um grosse - leider. Wir sind jetzt im Odenwald und Berlin liegt etwa 500km entfernt. Schulwechsel (dann zum 2x :-() wäre notwendig. Aber wäre vermutlich auch hier nötig, weil die Probleme in der hiesigen Dorfschule zu groß werden und mein Sohn eine spezielle Schule benötigen wird.

    Und ja, mein Partner würde die jetzige Wohnung behalten wollen. Aber es ist ein angemietetes Haus, ziemlich groß für eine Person und mitten auf dem Land. Er selbst fährt jeden Tag rund 30km zu seiner Arbeitsstelle.

(15) 13.10.16 - 18:19

In dem ganzen Szenario habe ich nicht finden können, was dein Mann eigentlich präferiert.

Ihr seid BEIDE recht unglücklich auf den Land, sein Job ist nicht 100 % sicher und Spaß macht er ihm auch nicht richtig, deiner läuft bald aus, du möchtest in die Stadt, er nur max. 45 min. pendeln.....richtig?

Aber im Umkreis von 45 min. Fahrtzeit gibt es keine Stadt.

Ich versteh's nicht so,ganz. Irgendwann ...irgendwo muss es doch wieder eine Stadt geben. So im Niemandsland kann man doch nicht wohnen. Das wäre dann vielleicht 1 oder 2 Std. vom jetzigen Standort entfernt. Warum bewirbt er sich in ganz Deutschland, wenn er doch eigentlich in der Region bleiben will? Gibt's in den nächstgrößeren Städten rundherum keine Jobs? Was auch immer ihn in der Region hält, das könnte er dann in vielleicht 2 Std. Fahrtzeit am WE erreichen, wenn es die schöne Gegend oder Ruhe oder was auch immer sein sollte. So richtig scheint er aber nicht zu wissen, WAS er sucht.

Für mich klingt das alles so vorgeschoben. Immerhin hast du schon einmal alle Zelte abgebrochen und bist ihm nachgereist. Er will aber all das nicht, was dir wichtig ist und letztlich würde er dich auch allein ziehen lassen. Gibt's da vielleicht noch ein partnerschaftliches Problem bei euch und kein rein geografisches?

Du hast einen Vorschlag mit Berlin gemacht, der ihm aber nicht zusagt. Was trägt er denn Konstruktives zu der Diskussion bei? Wenn man sich die Landkarte gemeinsam ansieht und die Umgebung, sollte es doch möglich sein, sich auf einige Städte zu einigen, um sich in den.Regionen gezielt zu bewerben.

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