Angst vor Trennung, wir leben aneinander vorbei, keine Liebe mehr bei mir

    • (1) 20.10.16 - 12:56
      Heuteanonym12

      Hallo,

      ich muss mir mal meinen Frust von der Seele schreiben. Ich halte mich kurz, da ich mit dem Handy tippe. Mein Mann und ich sind seit 10 Jahren zusammen, zwei Kinder. Seit ca 1-2 Jahren ist die Beziehung eingeschlafen. Wir schlafen getrennt, haben zudem keine gemeinsame Interessen mehr. Zu Hause haben wir wie eine WG gelebt. Zudem musste ich immer alles alleine machen, den Haushalt, die Kinder, Entscheidungen usw. Meine Gefühle für ihn sind nach einigen Vorfällen (er hat mich mehrmals belogen bei finanziellen Dingen) nicht mehr da. Ich liebe ihn nicht mehr.

      Nachdem ich nun jemanden nach langer Zeit wieder gesehen hatte, mit dem ich vor 12 Jahren mal was hatte, fahren meine Gefühle nur noch mehr Achterbahn (bzgl Trennung).
      Mein Mann gibt sich derzeit richtig viel Mühe, kümmert sich viel um die Kinder, hilft im Haushalt, träumt von einem Neustart in einem neuen Haus. Und ich... Ich ertrage seine Nähe nicht mehr. Dabei wollte ich nie, dass meine Kinder Scheidungskinder sind, ich müsste zudem alle anderen Träume wie gemeinsames Haus usw begraben. Wir müssten in eine kleine Wohnung ziehen. Jetzt haben die Kinder einen großen Garten zum spielen usw. Ich möchte weder meinem Mann das Herz brechen, noch den Kindern das antun.

      Aber soll ich nur aus Vernunft bei ihm bleiben?! Ach eigentlich weiß ich gar nicht, was genau ich fragen will. Kann die Liebe wieder kommen?! Oder kann mir jemand Mut machen, es alleine geschafft zu haben (finanziell, Betreuung für die Kinder während der Arbeit usw). Wie haben eure Kinder das verarbeitet?

      Vielen Dank.

      • (2) 20.10.16 - 19:17

        Hallo,

        ich kann dir ja mal schreiben wie es bei mir war:

        23 Jahre zusammen, 18 verheiratet. Der Rest ähnlich wie bei dir - auch wie in ner WG gewohnt, dazu noch sehr viel gestritten die letzte Zeit bevor ich ausgezogen bin. Und mein Mann hat sich nicht bemüht - er hat sich auch geweigert, "neutrale" Dritte hinzuziehen.

        Wohne jetzt mit dem jüngeren Kind alleine, der Große ist beim Vater geblieben, kommt aber regelmäßig am Wochenende. Der Kontakt mit allen ist mittlerweile gut, als Eltern kümmern wir uns, wir helfen uns sogar gegenseitig bei verschiedenen Sachen und telefonieren auch häufig um Dinge zu klären. Aber ein Liebespaar waren wir schon lange nicht mehr. Mein Plan war eigentlich, das Ganze auszusitzen, bis die Kids noch älter sind. Habe dann auch eine rein platonische Beziehung zu jemand gehabt, und allein diese Tatsache, dass ein Mann auch nett sein kann, hat mir dann den Rest gegeben und dann war klar ich ertrage das nicht länger. Und ab da ging es eigentlich gut. Für die Kinder (sind aber schon Teenager) war es eine Umstellung, aber auch eine Befreiung, bei uns war es wirklich nicht mehr schön.

        Bei euch hört es sich ja nicht so krass an, aber wenn du seine Nähe nicht mehr erträgst, ist das ein schlechtes Zeichen. Ich kann mich zum Beispiel noch gut an den letzten Sex erinnern, und da war es schon so quälend dass ich eigentlich wusste, das wird nix mehr. Ich hätte es aber dennoch versucht, wenn er bereit gewesen wäre. War er aber nicht. Ich hatte an diese Beziehung irgendwann auch gar nicht den Anspruch, groß verliebt zu sein, mir hätte es gereicht, ein gutes Team zu sein und in Freundschaft verbunden, aber das war ja dann auch weg und so wurde mir die Entscheidung letzlich abgenommen.

        Und was nützt dir der Traum vom Haus, wenn du darin unglücklich bist? Ich wollte auch immer ein Haus haben oder eine eigene Wohnung - letzten Endes bin ich froh, dass es nie dazu kam, das hätte uns finanziell bestimmt das Genick gebrochen und es wäre ein Drama für mich gewesen, ein Eigentum aufgeben zu müssen.

        So kann ich sagen dass ich deutlich zufriedener bin, es gibt nicht ständig Knatsch oder dieses eiskalte Schweigen, ich mache in Ruhe meinen Kram. Klar ist es finanziell nicht so toll, aber das war es vorher auch nicht, bin eher bescheiden in meinen Ansprüchen und von daher war die Umstellung nicht so groß, auch weil ich schon immer gearbeitet habe. Klar stellt man sich das nicht so vor, dass die Kinder Scheidungskinder werden, und es tut mir auch immer noch weh, wenn ich scheinbar intakte Familien sehe - aber letzten Endes kann man den anderen auch nicht in den Kopf gucken. Und leider liest man ja immer wieder von so schrecklichen Dingen wie jetzt in Hamburg, wo die Fassade stimmte, aber das Dahinter nicht.

        Ich habe für mich gelernt, mein Herz nicht so sehr an Dinge zu hängen. Menschen kommen, Menschen gehen, manche kommen wieder, andere nicht. Ich für mich kann mir aktuell keinen Mann an meiner Seite vorstellen, wüsste auch gar nicht wann, vielleicht wenn die Kinder wirklich auf eigenen Füßen stehen - so ein spätes Glück ok, besser spät als nie.

        Was war denn der Auslöser für das getrennt Schlafen? Von heute auf morgen - beschlossen?

        Ich würde ihm vorschlagen professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen, dann hat man wenigstens das Gefühl, es versucht zu haben. Alles Gute.

      Hi,

      Der Satz

      "Und ich... Ich ertrage seine Nähe nicht mehr."

      ist kein gutes Zeichen!

      Wenn du es nochmal versuchen willst dann würde ich das nur mit Hilfe von außen machen (Paarberatung etc)
      Drauf warten, dass es von alleine wieder wird würde ich nicht!

      Mit Erfahrung kann ich dir nicht dienen, habe zwar auch einmal an Trennung gedacht, aber fehlende Gefühle waren da nicht das Problem.

      Und du solltest dir auf alle Fälle ein Konzept für eine Trennung zurecht legen. Wie sieht es bei dir mit Job und Arbeit aus? Kommst du finanziell über die Runden? Betreuung für die Kinder? Unterstützung welcher Art auch immer?

      Eine kleine Wohnung ist kein Untergang.

      LG

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