Kein Mitgefühl für großes Kind

    • (1) 23.10.16 - 22:19
      jenna1234

      Ich möchte gern anonym schreiben.

      Folgendes. Ich habe zwei Töchter. 6 und 3 Jahre. Bei der großen war ich von meinem Mann getrennt, als ich erfuhr, schwanger zu sein. Dann folgte ein auf und ab der Gefühle. Ich bin muslimin und unverheiratet ein Kind zu bekommen wäre die vollkatastrophe gewesen.

      Also beschlossen wir, dass wir das Kind nicht bekommen und trennten uns. Ich war sicher 10 mal bei pro Familia und in der Tagesklinik und hab es nicht übers Herz gebracht. Ich habe mit meinen Eltern geredet und gebeichtet. Auch wenn sie enttäuscht waren, bestärkten sie mich das Kind auch ohne Vater zu bekommen. Sie stünden hinter mir. Also teilte ich meinem ex mit, dass ich das Kind bekommen werde, ihn aber auf Wunsch gern aus allem raushalten würde. Finanzieren konnte ich mich schon immer allein. Auch mit Kind.

      Er war hin- und hergerissen. Mal wollte er das Kind und mich mal wollte er alles nicht. Es war ein Wechselbad der Gefühle. Wir beschlossen aber trotzdem zusammenzuziehen und das Kind zu bekommen. Die Schwangerschaft war echt schlimm. Er war da, war höflich, aber ich war ihm nicht wichtig genug. Als ob er mir die Schuld daran gab, sein Leben zu verderben.

      Dann wurde die kleine geboren und er war schlagartig ganz anders. Ein toller Papa, ein toller liebender Partner. Gefühlvoll, fürsorglich, verlässlich usw.

      Wir waren und sind sehr sehr glücklich. Die zweite Schwangerschaft war sich geplant und diese war ein Traum. Sind auch verheiratet.

      Nun ist es so, dass ich beide Kinder liebe, aber wenn die Große schmerzen hat oder hinfällt, es mich nicht berührt. Natürlich tröste ich sie dann, aber innerlich tut es mir nicht weh. Ich hab kein Mitgefühl. Das war mir gar nicht klar, bis die kleine kam. Wenn sie nur ihr Gesicht verzog, weil sie ne Kolik hatte, zuckte ich richtig zusammen vor Mitgefühl. Kennt ihr das Gefühl, wenn euer Kind hinfällt und so ein komisches Gefühl in der magengegend aufkommt. Als ob man fallen würde. Das empfinde ich bei der Kleinen, bei der großen aber nicht.

      Das macht mich total traurig und es tut mir leid. Meint ihr es liegt an den beschissenen Umständen bei der Geburt der Großen und ich das unbewusst nicht verarbeitet habe?

      Wenn sie sich wehtut nervt es mich sogar innerlich und ich tue es eher ab als bei der kleinen.

      Was soll ich tun? Tipps?

      Ich stehe schon auf der Warteliste sämtlicher Therapeuten. Kennt das jemand?

      • Hallo,

        puh, ein heißes Eisen!

        Ein Therapeut ist sicher sinnvoll - das klingt bei dir schon krass.

        Meine Schwester (Ärztin) hat mir erklärt, dass man bei psychischen "Störungen" heute nicht mehr davon ausgeht, dass da ein Krankheitsbild da ist, das der Patient hat und "gesunde" Menschen nicht, sondern es ist vielmehr so, dass alle Menschen "Macken" haben - bei manchen sind die Macken ausgeprägter und wenn es richtig störend und dramatisch ist muß man versuchen, etwas dagegen zu tun.

        Tatsächlich habe ich so einen "Hauch" von deinem Problem auch:

        Zu meiner jüngeren Tochter (2,5) habe ich eine sehr innige Beziehung, z.B. stille ich sie immer noch gelegentlich. Sie ist auch sehr kuschelig z d verschmust und kommt oft von allein an um mich in den Arm zu nehmen. Die "Große" (4,5) tut das nicht.

        Ich muß mich oft selbst daran erinnern, dass ich die Große auch umarme und streichel...

        Und oft bin ich mit der Großen auch ungeduldiger: sie jammert tatsächlich mehr als die Kleine - die Kleine ist eindeutig härter im Nehmen - und ich ertappe mich dabei, dass ich bei der Großen ungeduldig werde, während ich die Kleine sofort herze und drücke, wenn sie gefallen ist...! Ein ganz gefährliches Verhalten!

        Bei mir wird es besser, seit ich mir immer mal vorstelle, wie die Mädels in 2 Jahren sein werden: die Große dann 6 (wir haben im Freundeskreis eine 6jährige, die Vorstellung funktioniert also ganz gut) und die Kleine 4, so wie die Große jetzt, aber immer noch die Jüngste.
        Das hilft mir, meine ältere Tochter auch eher als kleines Kind zu sehen, wenn du verstehst, was ich meine? Und dadurch auch empathischer zu reagieren.

        LG!

        <<<Meint ihr es liegt an den beschissenen Umständen bei der Geburt der Großen und ich das unbewusst nicht verarbeitet habe?>>>

        Möglich, ich gehe aber davon aus, dass hier im Forum niemand versiert genug ist, nur durch einen einzelnen Beitrag gleich die Hintergründe analysieren zu können.

        Du machst Dir Gedanken darüber, versuchst es für Dich selbst zu begreifen und schiebst es eben NICHT gedanklich in irgendeine Ecke....und das ist glaube ich der wichtigste Schritt überhaupt.

        Alles andere benötigt Zeit.

        (4) 24.10.16 - 13:33

        Ich finde erstmal gut das du erkennst das da was nicht ganz optimal läuft.

        Ganz ehrlich, fällt es mir manchmal auch schwer meine grosse auch noch genauso wahr zu nehmen wie den kleinen.

        Die kleineren brauchen einfach mehr Aufmerksamkeit.

        Ich merk das aber und dann rufe ich mir das immer wieder ins Gedächtnis.

        Vllt machst du dir mal nur mit deiner "grossen" einen schönen Nachmittag. Dann kannst du sie malwieder anders wahr nehmen.
        Ich mach das auch ab und an. Das bewirkt wahre wunder #herzlich

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