Will ich so weitermachen?

    • (1) 25.10.16 - 17:39
      Oktobergrau

      Liebe Urbianer,

      Könnt ihr mir helfen etwas klarer zu sehen? Es geht um meine Beziehung.
      Wir sind beide Anfang 30 und seit fast sechs Jahren ein Paar.

      Er war nicht mein erster Partner, aber der erste den ich wirklich geliebt habe.
      Die ersten Jahre waren der Wahnsinn. Bis ich ihn kennengelernt hatte, habe ich nicht dran geglaubt, dass Liebe so großartig sein kann. Abenteuer, Zärtlichkeit, Nähe... Wow...

      Ich habe vor zwei Jahren begonnen zu arbeiten. Davor war ich Studentin und konnte meine Zeit gut um seine Schichten herum einteilen. Nun hatte ich selbst Schichtdienst und wir haben wesentlich seltner gesehen als vorher. Die Arbeit hat mich in der Anfangszeit stark gefordert und ich habe mich stark zurückgezogen. Wollte am Wochenende nichts mehr unternehmen, fand es stressig, wenn er mich überrascht hat und Sex sowieso. Ich war einfach oft sehr erschöpft.

      In dieser Zeit hat er eine Affäre begonnen. Das ist inzwischen ein Jahr her. Die Affäre ist glaubwürdig beendet. Er und ich knabbern aber massiv daran, dass es nicht nur um Sex ging (da sind wir recht locker) sondern echte Gefühle im Spiel waren.

      Seitdem können wir nicht voneinander lassen - sind aber auch nicht mehr so vertraut wie vorher. Es gibt Tage, da scheint eine Trennung unausweichlich. Weil das Vertrauen jetzt schon so lange weg ist. Nicht nur bei mir. Auch er zweifelt an sich und der Beziehung. Ist seine Liebe zu mir groß genug, wenn er sich im Stress sofort in eine andere verliebt? Dann streiten wir, sind gemein zueinander und verhalten uns wie ein verbittertes Ehepaar.

      An anderen Tagen spüre ich, wie er mein Herz berührt. Wir hatten gestern wahnsinnig schönen Sex und sind Arm in Arm eingeschlafen. Ich habe mich so wohl und glücklich gefühlt.

      Und heute wieder diese Zweifel....

      Wie komme ich zu einer Entscheidung? Was wäre richtig?

      Wir haben eine Sitzung bei einer Paar-Therapeutin gehabt. Damit konnten wir Beide nicht all zu viel anfangen.

      • Warum streitet ihr denn? Geht's noch immer um die Affäre oder habt ihr andere Themen?

        So wie sich dein Text liest, war die Affäre "nur" ein Symptom und nicht die eigentliche Ursache. Die Ursache scheint ja immer noch dazusein, wenn ihr Zweifel habt, ob eine Beziehung überhaupt Sinn macht.

        Ich finde, wenn man schon darüber nachdenken muss (und das öfter oder längerfristig), dann ist das Ende eingeläutet. Die Affäre hat es nicht geschafft euch wachzurütteln und euch einander wieder näherzubringen. ihr seid m. E. viel zu jung und zu kurz ein Paar, um euch mit einer halbgaren Beziehung herumzuschlagen.

        Und wenn ihr Nähe nur herstellen könnt, wenn ihr Sex habt oder hattet, ist das sehr trügerisch und hat zu wenig Substanz, um euch durch den Alltag zu bringen.

        • (3) 25.10.16 - 20:03

          "Warum streitet ihr denn? Geht's noch immer um die Affäre oder habt ihr andere Themen?"

          Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Wir streiten, wenn man das so sagen kann, grundlos. Ich bin seitdem sehr schnell aus der Fassung zu bringen und irgendwie auch unsicher.
          Da reicht, dass er was komisch formuliert. Dann kriege ich den eifersüchtigen Unterton in der Stimme und er reagiert gereizt statt mir zu sagen, wie wundervoll ich bin. Und dann streiten wir wieder. So aufgeschrieben hört es sich noch blöder an :-(

          • bei euch fehlt leider sehr viel an der Basis. Dein Selbstbewusstsein ist so angeknackst, dass du dich in einer Endlosschleife bewegst. Du brauchst Sicherheit und Bestätigung von ihm. Allerdings ist es etwas viel verlangt, dass du in Streitsituationen danach verlangst. Dafür bedarf es schon sehr viel Selbstbeherrschung und Größe des Partners, den Streit nicht persönlich zu nehmen, sondern als Hilferuf von dir, dass du eigentlich etwas anderes brauchst als Konfrontation. Kannst du auf jemanden mit offenen Armen zugehen, der dich gerade angegriffen hat? Ist schwierig, oder?

            Vielleicht brauchst du jemanden zum Reden nur für,dich. (Wobei ich eine Paartherapie nicht verkehrt finde, um alles loszuwerden, was noch so in dir schlummert, ohne dass ihr gleich aneinander geratet). Du hast ihm im Grunde nicht verziehen, vielleicht deiner Wut und Verzweiflung damals nicht genug Ausdruckmverliehen. Er hat einen großen Fehler gemacht, aber das rechtfertigt nicht, es jahrelang büßen zu müssen. Irgendwann muss man entweder damit abschließen oder sich von dem Elend verabschieden. Ihr macht euch damit das Leben zur Hölle und dafür ist es zu kurz und zu wertvoll.

            Wenn du oder ihr so weitermacht, wird auf kurz oder lang wieder jemand ausbrechen. In eurem Fall würde ich glatt auf deinen Freund tippen. Er hatte eine Nebenbeziehung als es mit euch nicnt rundlief, er weiß, wie es anders sein könnte und er hatte sich verliebt. Er wird sich nicht ewig damit rumschlagen wollen, eine Beziehung am Limit aufrecht zu erhalten.

      Er hat bei der Anderen etwas gefunden, was er bei Dir vermisst hat? Dann ist die Lösung: Wenn er nächstesmal etwas vermisst, also z.B. Nähe und Zuwendung, dann sagt er Dir das sofort und Ihr findet gemeinsam einen Weg.
      Umgekehrt übrigens auch, ist ja nicht so, als könnte Dir nicht auch mal etwas fehlen, was Du dann bei einem Anderen suchst und findest.

      Richtig ist also, mit der Vergangenheit Frieden zu machen und die Zukunft anders zu gestalten.

      Hm, meine Meinung ist...

      Wenn ein Part sich gleich ne Affäre suchst weil es zuhause mal nicht so läuft dann ist das alles andere als ein gutes Zeichen. Und die riesige Liebe war es wohl zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr.

      Fraglich ist für mich allerdings auch wieso du dich stark zurück gezogen hast! (keine lust auf Unternehmungen, keine Lust auf sex etc) "NUR" weil du mit Ende 20 angefangen hast zu arbeiten??

      Normalerweise sollte man neben der stressigen arbeit Überraschungen und Unternehmungen mit dem Partner als schön und entspannend empfinden. Du solltest dich fragen warum es nicht so war.

      • (7) 25.10.16 - 21:32

        "Fraglich ist für mich allerdings auch wieso du dich stark zurück gezogen hast! "

        Ich habe mich am Anfang übernommen. Irgendwie habe ich die Eigenschaft, dass Menschen mir gerne und schnell Verantwortung geben. Da ich aber Berufseinsteigern war, war das am Anfang einfach zu schnell und zu viel. Von den Entscheidungen die in meinem Bereich gefällt werden hängt viel ab. Ich saß dann oft Abends zuhause und habe überlegt: War das richtig so? Warum habe ich das nicht so gemacht? Ich habe dann super viel gelesen und eine freiwillige Weiterbildung um mein "Unwissen" auszugleichen.... Im Nachhinein ist mir klar, dass ich keine zusätzliche Weiterbildung sondern eine ordentliche Einarbeitung gebraucht hätte und weniger Verantwortung am Anfang.

        Das ist mir mit der Zeit aber klar geworden und meinen Job habe ich heute deutlich besser im Griff als vor zwei Jahren. :-)

        Vor meinem Jobeinstieg waren wir ein sehr aktives Paar. Gemeinsames Ehrenamt. Sind häufig übers Wochenende weggefahren, ... Er hat es in der Zeit nicht verstanden, dass ich in der Freizeit gerade keine Abenteuer sondern Schlaf und Entspannung brauche.

        Er wollte dann immer gerne, dass ich mitkomme/mitmache/mich ein bisschen in die Planung einbringe. Und da habe ich dann mit einer totalen Verweigerungshaltung reagiert. So nach dem Motto: "Hilfe! Nicht noch mehr Stress!".

    Hallo!

    Viele Menschen haben so dieses romantische Märchenbild im Kopf - es gibt den EINEN RICHTIGEN Partner, und alle anderen kommen nicht in Frage. Gerne Transportiert von Hollywood, den Gebrüdern Grimm, Schnulzigen Liedern (einer von 80 Millionen)...

    Das ist aber nicht so, sondern für jemanden der innerlich bereit ist, sich zu verlieben, kommt eine ganze Reihe potentieller Partner in Frage. Wichtiger ist, dass man jemanden in der passenden Phase kennen lernt und eben prinzipiell für eine Beziehung offen ist, und schon fangen die Hormone an, eine Verliebtheit zu erzeugen. Liebe wird erst viel später daraus, aber Liebe ist eben nicht so aufregend wie das erste Hormonfeuerwerk, sondern so ne Sache von relativ langweiligen Bindungshormonen, an die man sich ja auch ein Stück weit gewöhnt.

    Dein Freund hat also in einer Phase, wo ihr beide schon nur noch langweilige Bindungshormone hattet und Du auch noch eine berufliche Krise hattest, durch die Du ihn und Dich vernachlässigt hast, jemanden kennen gelernt - und das Hormonfeuerwerk hat seine Arbeit aufgenommen, er hat sich verliebt.

    Das passiert in ganz vielen langjährigen Beziehungen irgendwann - dass sich einer fremdverliebt. Mal wegen einer echten Krise wie bei euch, mal aber auch einfach nur, weil sich die alte Liebe so vertraut und gemütlich anfühlt wie ein oller Flanellpyjama - und etwa genauso sexy. Manche Leute flirten nus, andere fangen eine Affäre an, wieder andere trennen sich und fangen eine neue Beziehung an.

    Das heißt aber nicht, das deswegen eure gemeinsame Liebe nicht stark genug wäre oder nichts wert wäre, sondern das Hormonfeuerwerk war nur eben in der Phase stärker, sicher auch, weil Du nicht wenige Fehler gemacht hast, Dein Freund allen Grund hatte, sich ungeliebt und abgelehnt zu fühlen, weil Du eben überarbeitet warst.

    Fang an das etwas mehr mit Logik zu sehen: Du warst wirklich abweisend, und die andere war eben da, und da haben seine Hormone ein wenig durchgedreht. Jetzt weißt Du, was Du falsch gemacht hast, und wirst verhindern, dass es wieder so weit kommt. Und er weiß, dass er in solchen Situationen empfänglich ist, und wird nächstes mal schneller offen mit Dir reden, wenn er sich vernachlässigt fühlt. Das heißt, es muss wirklich nicht wieder vorkommen, wenn ihr beide draus gelernt habt.

hallo,

ich bin mir nicht sicher, ob eure Basis euch genug trägt. Es klingt eher nach einem ständigem Tanz auf Eierschalen, mit seltenen Glücksmomenten.

Auch wenn es so unglaublich tiefe, intensive Momente gibt, bedeutet das für mich nicht, dass diese Momente einen ganzen Alltag tragen können.

Ihr könnt nicht mehr voneinander lassen, seitdem er eine Affäre hatte, schreibst du... das klingt für mich eher nach einem Tanz mit Schmerz, Sehnsucht, Leidenschaft und Distanz und Abstand, wie ein Tango. Das kostet Kraft... und ist die Frage, ob du so auf Dauer leben möchtest...

Es gibt auch Menschen, die besser zu einem passen... wo das Miteinander leichter ist... meistens auf der Basis, wenn beide mit sich selbst gut klar kommen.

lg

Ich sehe es wie User guest weiter oben, habe aber eine Frage an dich: Was genau war mit der Paartherapie nicht in Ordnung?

An und für sich ist eure Problematik gut bei einem Berater oder Therapeuten aufgehoben, wenn man sich auf die Arbeit dabei (und das IST Arbeit, für alle Beteiligten) und alle möglichen Folgen einlässt.
Ich denke nämlich, dass ihr beiden diese Krise noch nicht überwunden habt.

Du warst beruflich überfordert und fühltest dich unverstanden vom Partner, der mehr von dir wollte, als du geben konntest.
Er war plötzlich ohne dich, fühlte sich sicher abgelehnt von dir, unverstanden in seinen Bedürfnissen nach Beziehung, wie ihr sie vorher ja geführt habt.

Es wäre für euch beide sehr hilfreich, wenn ihr das alles aufarbeiten würdet. Das kann dann zu einem Neubeginn als Paar führen, oder zu einem Ende, das im Guten stattfindet.

Ich wünsch euch die Kraft dafür,

White

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