Fühle mich so einsam

    • (1) 07.11.16 - 13:59

      Hallo,

      ich bin neu hier und möchte das Forum nutzen, um euren Rat zu bekommen, wie es für mich weitergehen kann.

      Ich bin 56 und seit 20 Jahren mit meinem zweiten Partner zusammen bzw. verheiratet. Wir haben jeweils 2 Kinder aus 1. Ehe und mein Mann hat inzwischen auch Enkel. Wir haben es nie leicht miteinander gehabt: erst hat uns meine Scheidung sehr belastet, dann jede Menge Probleme mit den damals noch halbwüchsigen Kindern, dann haben meine Eltern den Kontakt zu mir eine Zeitlang abgebrochen, dann haben wir immer Sorgen und finanzielle Problem wegen der Selbständigkeit meines Mannes gehabt. Beide hatten wir eine depressive Phase mit jeweiligem Klinikaufenthalt, hatten dann ganz große Probleme miteinander. Jetzt bin ich in den Wechseljahren und ich weiß im Moment nicht, wie der zukünftige Weg für mich aussieht, bin überhaupt nicht geerdet und leide wieder an Depressionen. In der Vergangenheit hatten wir zwei schreckliche Auseinandersetzungen; ich hatte zu viel getrunken und habe schlimme Dinge gesagt. Ich habe mich dafür entschuldigt und versprochen, dass mir das nicht mehr passiert und mein Mann hat es auch irgendwie akzeptiert. Allerdings empfinde ich ihn seitdem distanzierter als früher. Muss ich mit leben...

      Ich fühle mich schon seit langer Zeit sehr einsam in unserer Ehe, mein Mann ist in erster Linie mit seiner Firma verheiratet, hat darüber hinaus keine richtigen Interessen, sitzt zuhause meist vorm PC oder dem Fernseher. Er pflegt keine Kontakte, vernachlässigt die wenigen Freunde, sucht auch keinen Kontakt zu seinen Enkeln. Einladungen müssen immer von seinen Kindern oder mir ausgehen, er ruft nicht an, lädt nicht ein, oder besucht sie mal von sich aus. Freizeitplanung geht immer von mir aus, wenn ich mich nicht darum kümmere, passiert gar nichts. Jeder macht so sein Ding, der Wunsch nach Nähe ist bei ihm angeblich vorhanden, aber er sucht sie nicht bewusst, am besten noch das Essen vor dem Fernseher einnehmen .

      Er ist seit mehreren Jahren impotent.

      Wir haben ein Haus mit großem Garten, er beteiligt sich wenig an der Pflege (wir haben allerdings eine Putzfrau) Gartenarbeit macht er nur ungern und ich muß oft bitten. Dort bin ich auch allein, wir verbringen so gut wie keine gemeinsame Zeit dort, ich in der Sonne, er vor dem Fernseher.

      Gestern hatten wir einen schlimmen Streit und da hat sich in mir etwas fundamentales getan. Er hat morgens bewusst verletztend Kritik geübt (bin zu blöd zum Streichen, sieht alles scheiße aus). Er hat tagsüber den Balkon gestrichen! Er hatte letzte Woche versprochen, meine Winterreifen aufzuziehen. Auf meine Frage, was damit ist (heute sollte es schneien) ist er total ausgerastet und hat mich angeschrien, ich würde nur Druck machen. Als nächstes hat es sich beschwert, dass ich zwei Schuhkartons auf das Regal in "seinem" Zimmer abgestellt habe. Ich soll meine Sachen aus seinem Zimmer nehmen, die hätten da nichts zu suchen. Ich habe dann gefragt, wie man Autoreifen wechselt. Anwort: das kannst du nicht allein. Ich zeige dir wie das geht, dann kannst du das machen. Das war zuviel: das einzige, um das ich ihn bitte, was er für "mich" tun soll, ist sich um das Auto zu kümmern, also mal nach dem Öl gucken und halt die Reifen. Öl kümmert er sich nicht, mach ich eben selbst. Ich mache die Wäsche, auch seine, ich koche, auch für ihn. Was macht er für mich? Nichts. Ich hab total heulen müssen und ihm gesagt, dass ich ihn gemein finde. Reaktion: was mir einfällt, so etwas über ihn zu sagen, da würde ich ja unterstellen, dass er mich bewusst verletzen will, das ist ja das Allerletzte. Tür geknallt und raus.

      Ich bin dann lange spazieren gegangen um ruhig zu werden und mir ist klar geworden, dass ich so nicht mehr weiterleben will. Wenn ich allein zuhause bin geht es mir ganz gut, wenn er da ist, empfinde ich das meist als Belastung, habe ich mir bisher nur nicht eingestehen wollen.

      Mir geht es heute richtig schlecht, es dreht sich alles und ich weiß überhaupt nicht, was ich machen soll. Bei dem Gedanken mit ihm heute Abend in dem Haus zu sein, wird mir schlecht.

      Habt ihr einen Rat, wie ich wieder Boden unter die Füße kriegen kann? Ich habe überhaupt keine Vorstellung, wie es jetzt weitergehen soll.

      Ist ein ziemlich langer Text geworden, aber ich mußte das mal loswerden.

      Birgit

      • Hallo Birgit,

        Fühl dich erst mal fest gedrückt! Ich denke, es kommen bei euch zwei Problematik zusammen: Es handelt sich um die zweite Ehe, das heißt, jeder hat seinen Ballast aus der Vergangenheit (und wie es scheint auch persönlicher Natur, durch die Depressionen). Und zweitens, scheint ihr gerade in einer Negativspirale zu stecken, in der jeder erst mal die eigenen Interessen wahrt und den anderen angeht. Du: er tut nicht genug für mich, er schätzt mich nicht wert. Er: Sie lässt mich nicht in Ruhe, sie schätzt mich nicht wert.

        Ich denke, du musst dir wirklich zunächst klar werden, ob dir noch etwas an der Beziehung liegt. In meiner Ehe kommen wir auch oft an diese Kreuzungen, wo nur noch jeder sich selbst sieht und was ihm fehlt. Dann gehe ich oft ganz bewusst auf meinen Mann zu, achte wieder auf mehr Augenkontakt (man glaubt gar nicht, wie oft man so nebeneinander her lebt und sich im Vorbeigehen Sachen zuruft, ohne den anderen wirklich zu SEHEN) und frage ihn auch mal, was er so braucht. Oft ist das in seinem Fall auch mal Ruhe, mehr Zeit für sein Hobby, mehr körperliche Nähe. Je mehr er merkt, dass ich auf ihn zugehe, desto mehr gesteht er mir meine Bedürfnisse wieder zu.

        Wenn du nicht mehr bereit bist, diesen Schritt auf deinen Mann zuzugehen, dann bleibt nur noch, Konsequenzen zu ziehen und zu überlegen, wie ihr eure beiden Leben wieder entwirrt, so dass jeder sein Leben alleine weiterführen kann. Geht es finanziell, dass ihr getrennte Wohnungen habt und euch erst mal räumlich trennt? Andererseits hört es sich so an, als ob euch eh nur noch der gemeinsame Wohnraum verbindet, weil ihr euch ja fast aus dem Weg geht. Die letztendliche Entscheidung liegt sicher bei dir, weil dein Mann ja ein sehr passiver Mensch zu sein scheint. Ich wünsche dir das Beste und dass du wieder glücklich werden kannst!

        VG,
        Watte

        • Hallo Watte,

          danke für deine aufmunternden Worte, das tut schon mal sehr gut.

          Dein Rat hört sich gut an, aber im Moment möchte ich nicht auf meinen Mann zugehen, das fühle ich ganz deutlich. Ich möchte nur meine Ruhe und mir klar werden, wie es für mich weitergeht. Ob es noch ein uns geben wird? Ich hab keine Ahnung!

          Seine Passivität daheim ist so lähmend. Er hat einen anstrengenden Beruf, aber das habe ich auch. Das restliche Leben kann doch nicht aus Nebeneinanderherleben bestehen. Er sagt, er ist ausgepowert, ist viel mit sich beschäftigt und hat Probleme mit dem Älterwerden. Die schwindenden Kräfte mag er kratzen am Ego. Kann ich verstehen. Aber ich werde überhaupt nicht mehr gesehen, wie es mir geht, was meine Gesundheit macht, mein Ärger im Job, meine Gefühle... kein Interessse. Meine Bedürfnisse werden nicht gesehen, interessieren nicht, oder werden mit dem Kommentar abgetan: für mich interessiert sich auch keiner.

          Wir haben schon Paartherapie hinter uns, es ist alles gesagt und ergründet.

          Ich wünsche mir, dass er sich bewusst Zeit für mich nimmt. Er möchte mehr Zärtlichkeit. Da ist aber kein zärtliches Gefühl mehr in mir.

          Wie kann ich denn rausfinden, was ich will? Wie verliere ich die Angst vor der Trennung?

          LG

          Birgit

      (4) 07.11.16 - 14:35

      Das würde ich mir nicht länger antun wollen! Leb Dein Leben alleine und Du wirst sehen, wie Du aufblühst.

      Wem gehört denn das Haus? Such Dir eine Wohnung oder er zieht aus je nach Beseitzverhältnissen, reiche die Scheidung ein und fang ein neues Leben an!

      • (5) 07.11.16 - 14:47

        Das ist auch so eine Sache: das Haus läuft zwar auf meinen Namen, ist erst zur Hälfte bezahlt (jeweils von uns beiden).

        Vor dieser Herausforderung (Verkauf, Streit ums Geld) habe ich am meisten Angst!!

    (6) 07.11.16 - 16:05

    uff....
    frag Dich selbst, ob Du Deinem Partner vertrauen kannst, ob Du ihm Respekt und Wertschätzung entgegenbringen kannst und auch willst?
    Wenn da ein "nein" kommt und Ihr bereits eine Paartherapie gemacht habt, frage ich mich, wie wollt Ihr da zusammenkommen?

    Bevor Du etwas unternimmst, würde ich anfangen ein Tagebuch zu schreiben - über das was ist und noch wichtiger, über das wie es in Zukunft sein soll, eine Vision von der perfekten Beziehung, wie sie sich anfühlt, wie es da aussieht wo Du dann lebst etc.

    Dann solltest Du den Fokus weg von ihm auf Dich legen (so gut das eben geht). Tu Dinge für Dich, mit Freundinnen weggehen, Kino, Theater, Kurs an der VHS, spirituelle Themengebiete, kram in den Kindheitserinnerungen, was wolltest Du immer tun oder können, Ballet tanzen, Klavier spielen?... und bau Dir damit eine Zukunft, ein eigenes Leben auf.

    Das nimmt Dir die Angst, wenn Du Dich dann evtl. doch trennst und gibt Dir Mut und Kraft, weil Du etwas hast auf das Du Dich freuen kannst. Eine selbstbestimmte Zukunft mit Inhalten, die Dir wichtig sind.

    Viele Wohnungen und Häuser sind bei Scheidungen/ Trennungen noch nicht abbezahlt, das ist nichts Ungewöhnliches, will sagen der Weg von da heraus ist machbar. Lass Dich vorher beraten.

  • (7) 07.11.16 - 17:10

    hallo!

    gib dir alle Zeit und den Raum, den du brauchst. Denk erst mal ganz kleinschrittig:

    1. du brauchst heute Abend deinen Raum für dich. wie ist das umsetzbar? bzw. kannst du dich in dem Haus soweit zurückziehen, dass du für dich sein kannst? oder kann er zu einem Freund für ne Weile? oder gibt es in der Nähe einen Platz, wo du dich wohl fühlst und ihm nicht begegnest?

    2. deine Erkenntnis ist eine große gewesen. das ist ja schon erst mal wie ein Schock. Vielleicht brauchst du erst noch Zeit zu verdauen und um das auf dich wirken zu lassen.

    3. der Spaziergang hat dir so gut getan. so hast du schon mal ein Hilfsmittel für die nächsten Tage, um immer mehr zu Klarheit und Ruhe zu kommen - ganz unabhängig von all dem was sonst um dich passiert oder ist. Du bist die wichtigste Person in deinem Leben.

    4. Umso klarer deine Fragen und umso klarer dein Gefühl, umso sicherer wirst du in dem, was du tust. Aber das muss ja wie ein Pflänzchen auch reifen dürfen. Wie genau ihr das mit dem Haus macht, es finden sich immer Lösungen... das was dein Herz sagt, ist das wichtigste. Und den Rest kann man regeln.

    alles Gute, gute Nerven, und erholsame Träume wünsche ich dir.

    • (8) 09.11.16 - 09:14

      Hallo pellet,

      danke für den Zuspruch. Ich versuche jetzt in der Tat Klarheit über meine Gefühle zu bekommen und habe angefangen alles was mir in der Hinsicht einfällt, aufzuschreiben. Dann kann ich diese Gedanken sortieren und immer mehr zu mir selbst finden. Hoffe ich jedenfalls.

      Außerdem bin ich gestern zu einer Frauen-Gespächsgruppe gegangen. Hat gut getan, auch persönlich mal mit jemandem über meine Situation zu sprechen und eine Reflektion zu bekommen.

      Also, das sind so die ersten Schritte hin zu mehr Eigenständigkeit. Ich möchte meinen Gefühlshaushalt nicht mehr so abhängig von anderen machen. Ist er nett zu mir, geht es mir gut und umgekehrt.... davon möchte ich wegkommen.

      • (9) 10.11.16 - 10:28

        du bist 56! das ist nicht alt! das ist jung genug, um den Weg so zu gehen, wie es für dich gut ist!
        klar, es scheint schwieriger als mit 20. allerdings weißt du jetzt auch viel besser, was du nicht möchtest und was dir wichtig ist. so kannst du den Weg fokussierter und zum Teil auch kompromissloser gehen.
        es kann sein, dass du noch 50 Jahre vor dir hast... es lohnt sich in jedem Fall.

        bei Luise Reddemann "der Weg entsteht unter deinen Füssen" und "Imagination als heilsame Kraft" findest du möglicherweise Inspiration und Kraft für deine Schritte und Wünsche.

        Alles Gute dir! deine Pläne klingen wunderbar!
        lg

(10) 08.11.16 - 17:43

Hallo!
Gehst du denn (noch) arbeiten?
Ward ihr jemals richtig zusammen, ein Paar? Du schreibst 'er hat Enkelkinder' sind es nicht auch irgendwie deine?

Bist du stark genug, alleine weiterzu machen?

  • (11) 09.11.16 - 09:20

    Ja, ich gehe noch arbeiten und das nicht zu knapp :-)

    Die Enkelkinder mag ich sehr gern, aber teilweise werden sie bewusst auf Distanz zu mir gehalten. Ihnen "rutscht" ab und zu das Wort Oma heraus, dann werden sie insbesondere von der Tochter korrigiert, das ich nicht Oma bin, sondern Birgit. Sie ist auch eifersüchtig, wenn die Kinder (2 Mädchen) zu sehr Zutrauen zu mir entwickeln.

    Und das mit demm alleine weitermachen ist sicherlich nicht einfach und eine schwerwiegende Entscheidung. Ich bin nicht mehr jung, das Leben liegt schon zu einem guten Teil hinter mir. Da noch mal neu anzufangen wird bestimmt kein Spaziergang.

    • "Ich bin nicht mehr jung, das Leben liegt schon zu einem guten Teil hinter mir. Da noch mal neu anzufangen wird bestimmt kein Spaziergang. "

      Hallo Birgit,

      klar wird es nicht einfach aber mit der jetzigen Situation - einfach weitermachen und immer mehr abstumpfen und am Ende sogar verbittert werden - ist auch kein Weg.

      Ich wünsche Dir alles Liebe

      flamingoduck.

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