Selbstverständlichkeit / Beziehungspflege / Alltag ? Soldat!

    • (1) 02.12.16 - 10:30

      Guten Morgen zusammen,

      mein Mann und ich sind seit fast zehn Jahren verheiratet, haben zwei Kinder im Alter von sechs und 11 Jahren.
      Unser Leben ist, jetzt fehlen mir die treffenden Worte, kompliziert: Ich habe meinen Mann damals als Soldaten kennengelernt. Nach dem Ausscheiden beim Bund absolvierte er, nach einigen Fehltritten bei verschiedenen zivilen Firmen (immer Insolvenz), eine Umschulung und ist nun seit Oktober 2014 wieder bei der Bundeswehr. Dass das nächste Jahr holprig werden würde war uns bewusst. Bundesweit mussten Lehrgänge besucht werden, damit mein Mann für seinen vorhergesehenen Posten ausgebildet ist. Man kneift ja die Pobacken zusammen und sitzt die Zeit ab. Schließlich hat man ein Ziel vor Augen und danach würde es ruhiger werden. Aber Pustekuchen! Nach erfolgreich absolvierten Lehrgängen stellten wir einen Antrag auf Versetzung, damit mein Mann heimatnah versetzt wird, da unser Sohn eine Behinderung hat. Damit kamen dann die nächsten Lehrgänge, Übungen u.s.w..

      Diesen Sommer gab es eine große Auseinandersetzung. Keiner von uns war wirklich zufrieden und ich wurde immer unabhängiger. Schlussendlich haben wir über alles gesprochen, jeder muss an sich arbeiten.
      Nun ging es bei der Bundeswehr wieder rund. Mein Mann sollte versetzte werden und trotzdem noch weiterhin Lehrgänge besuchen, die 800 km (eine Tour) weit weg sind. Für uns war klar, dass wir uns in dieser Zeit nicht sehen.
      Die letzten zwei Wochen, in denen mein Mann nicht da war, waren wirklich heftig. Ich habe meinen Opa ins Hospiz und in den Tod begleitet, war alleine mit den Kindern bei der Beerdigung, das größere Kind hat momentan extremen Druck in der Schule, da viele Arbeiten geschrieben werden müssen (es waren jetzt sieben Arbeiten und zwei Vokabeltest) und benötigt ständige Unterstützung. Hinzu kommen Elterngespräche, Einschulungsgespräche und meine ständigen Arztbesuche, da ich gerade einen Bandscheibenvorfall erlitten habe. Eigentlich bin ich sehr belastbar, aber momentan stoße ich gewaltig an meine Grenzen. Es gibt einfach keinen einzigen Tag mehr, an dem es mal nur einen Auftrag oder einen Termin gibt.
      Was mich auch total verwundert: bei der Beerdigung war ich unglaublich wütend auf meinen Mann, auf die gesamte Situation. Ich saß da alleine mit meinen Kindern, musste ihnen Trost spenden und hatte niemanden, an den ich mich halten konnte. Noch viel schlimmer war es nach der ganzen Zeremonie. Es ist ja nicht so, dass der Mensch unter der Erde ist und es geht einem wieder gut. Erst dann fängt man wirklich an zu verarbeiten. Auf der einen Seite wächst man daran, solche Situationen zu meistern, auf der anderen Seite fühlt man sich wirklich allein und hilflos. Ich hatte auch gehofft von meinem Mann würde an besagtem Tag eine Nachricht kommen, doch es kam absolut nichts unterstützendes. Natürlich äußerte ich ihm abends am Telefon meinen Wunsch, es schön gefunden zu haben etwas von ihm zu hören. Leider bekam ich aber nur eine recht schnippische Antwort darauf.

      Aufgrund einer körperlichen Beschwerde wurde mein Mann vom laufenden Lehrgang abgelöst und kam unerwartet eher nach Hause. Eigentlich müsste die Freude riesig sein, sie hält sich allerdings bedeckt. Die Lehrgänge waren komplett durchgeplant und alles hätte im Sommer so gepasst, dass er zur Einschulung und zum Hochzeitstag da gewesen wäre.
      Vorgestern am Abend ist er nach Hause gekommen. Statt sich zu freuen wieder da zu sein, verfällt mein Mann sofort wieder in seinen alten Trott. Er ist schnell von den Kindern genervt. Es gibt Diskussionen darüber, dass ich eine neue Zahnbürste gekauft und seine Alte entsorgt habe - ich hätte ihn um Erlaubnis bitten sollen. Wenn er wie gestern von einer Weihnachtsfeier kommt, klebt er am Handy und spielt irgendwas vor sich hin, möchte anschließend ins Bett und schlafen, da er müde und überfressen ist. Ich hingegen hatte mal gerade seit fünf Minuten Feierabend und musste erstmal zur Ruhe kommen.
      Die nächste Zeit ist gut verplant worden: Auto reparieren, am Motorrad basteln, zwei weitere Weihnachtsfeiern, seinen Sport mit Training und Wettkämpfen...
      Nun ist wieder nichts mehr planbar und wir müssen uns überraschen lassen, was jetzt kommt.

      So leben wir jetzt eigentlich schon länger. Wir können keine Urlaube planen, Geburtstage verbringen wir ohne ihn... Wie ich es nun nächstes Jahr schaffe die Ferien beider Kinder abzudecken lasse ich auf mich zukommen.

      Wie ihr seht, ist alles etwas verhext bei uns und meine Unzufriedenheit trägt nicht zur Besserung bei. Ändern kann ich an meiner Situation momentan nichts, da ich keine Kinderbetreuung habe und eh schon extrem ausgebucht bin.
      Meine Sorge ist auch, dass mein Mann uns weiterhin als selbstverständlich betrachtet und wir es nicht schaffen an unserer Beziehung zu arbeiten. Oder aber, dass man sich immer weiter entfernt.

      LG Tasimas

      • Irgendwie klang es beim Lesen so, als ob Dein Mann froh ist, wenn er weg ist und extra Seminare annimmt, dass er seine Ruhe hat.
        Ok, kann ich völlig falsch liegen, aber das war mein Eindruck.

        Wenn er dann da ist, interessiert er sich nicht für Euch und ernsthaft, wenn es ihn nerven würde, würde er sich einen anderen Job suchen, tut er aber nicht.

        Du lebst doch schon länger alleine, er ist nur Besuch. Jetzt mußt Du in Dich hineinhören, ob vielleicht ein Leben alleine ohne ständig zu warten vielleicht besser ist und Druck rausnimmt.
        Von Liebe steht da nicht viel in Deinem Posting.

        Hast du mit ihm darüber gesprochen? Besonders, was den letzten Absatz abgeht. Was sagt er darauf?
        Mein Mann und ich haben 10 Jahre eine WE-Beziehung geführt, da er auch Soldat war. Ich hatte ihm von vornherein gesagt, dass ich ihn unterstütze, aber nicht, wenn er Berufssoldat werden wollte. Das hätte ich nervlich nicht durchstanden. Somit war die Zeit absehbar.

        Dein Mann scheint unzufrieden zu sein. Jetzt stellt sich nur die Frage, von was? Job? Familie? Pendelei? Ungewissheit vor der Zukunft? Irgendwas ist da.

        Andere frage: es gibt wohl keine Familie im Umkreis? Besteht die Möglichkeit, sich einen Babysitter zu suchen?

        • Guten Morgen,

          Gespräche gab es schon unzählige. Nicht speziell wegen ständiger Auseinandersetzungen, sondern vielmehr Gespräche darüber, wie der andere sich fühlt, was ihn bewegt und was in ihm vorgeht. Aber mein Mann hält sich grundsätzlich bedeckt. Ihm etwas zu entlocken ist extrem schwierig und zeitaufwendig. Und dass ohne zu bohren, sondern nach dem Motto: "Hey, ich hör dir zu. Wenn dich etwas beschäftigt oder unzufrieden stimmt, lass uns reden. Wir finden eine Lösung."

          Eine Familie gibt es in der Nähe, allerdings keine Unterstützung.

          Ich denke auch, dass etwas unzufrieden stimmt, jedoch das Problem nicht gepackt werden kann.

          LG

      Ich habe 40 Jahre bei der Bundeswehr als Zivilangestellte - aber mitten in der Truppe - gearbeitet und kann Dich sehr gut verstehen. Ich habe es leider zigfach miterlebt, dass es nur zwei Alternativen gab: Entweder die Familien zogen alle paar Jahre um - oder es war oft über lange Strecken eine Wochenendehe. Viele Beziehungen/Ehen blieben auf der Strecke.
      Schon in den 80ern wurden die Soldaten deutschlandweit kreuz und quer versetzt.
      Dass Ehen hier halten, braucht eine fast übermenschliche Portion an Toleranz - von BEIDEN Seiten, sonst kommt es zu Kleinkriegen, wie Du sie beschreibst, und der Mann ist Sonntagabend froh, dass er wieder wegkommt zu irgendeinem Lehrgang. Aber nicht die Lehrgänge allein sind das Problem - Fortbildungen gibt es in vielen Berufen.
      So wie ich das sehe, hat Dein Mann leider sehr wenig Lust, sich auf seine Familie voll einzulassen, wenn er daheim ist - Sport ist okay, aber muss es gleich ausarten? Flüchtet er vor den häuslichen "Problemen" und will seine Ruhe?
      Da wäre ein offenes Wort unter vier Augen - und möglichst ohne Vorwürfe, überfällig.
      Es gibt zigtausende Männer, die in Berufen tätig sind mit viel Abwesenheit (Monteure, LKW-Fahrer, Vertreter aller Art usw) es liegt schon sehr viel an dem Mann selber, was er daraus macht. Oft wird der Beruf auch wirklich nur vorgeschoben, um zu sagen können "ich hab soviel Stress, lass mich in Ruhe"- das mag hin und wieder durchaus gelten. Aber ich brauch keinen Mann, den ich NUR in Ruhe lassen soll.
      Mein Mann war über viele Jahre jeden Sommer auch wochenlang beruflich unterwegs - aber wenn er da war, war er da, und das nicht nur körperlich sondern auch geistig.
      Auf wie lange hat sich Dein Mann nun neu verpflichtet? Will er nach Möglichkeit ganz dabeibleiben?

      Redebedarf besteht wirklich - sonst sehe ich ziemlich schwarz für eure gemeinsame Zukunft.
      LG von Moni

      • Guten Morgen Moni,

        ich denke unsere Situation setzt voraus, dass die Kommunikation stimmen MUSS. Sprich, Zeit zum Reden, zum Gedankenaustausch und nicht mit der Nase im Handy.
        Ich kann gar nicht sagen, ob er vor uns flüchtet. Ich hatte allerdings schon des Öfteren das Gefühl, ihm ist es hier zu viel und er kann sich nicht auf die Familiensituation einlassen.
        Im Allgemeinen ist er unzufriedener geworden, regt sich über alles und jeden auf und ist negativ eingestellt. Empfinde ich als wirklich anstrengend.

        Würde es nach meinem Mann gehen, würde er gerne BS (Berufssoldat) werden.

        LG

        • Grins, ich weiß, was ein BS ist ;-)
          Dass diese Situation anstrengend ist, ist mir vollkommen klar. Ich würde vielleicht mal versuchen, alleine mit ihm essen zu gehen, entspannte Umgebung, ohne Kinder. Und dann mal, wirklich lieb und freundlich, ohne Vorwürfe, ihn fragen, was los ist, was er gerne anders haben möchte, was ihn so mißmutig und unruhig macht, dass er sich von einer Freizeitaktivität in die nächste schmeißt, wenn er daheim ist.
          Vielleicht hast Du Erfolg - vielleicht ist es auch nur irgendeine Kleinigkeit, die man ändern könnte.
          Männer sind meist nicht die großen Redner - und wenn man dann ihr Problem hört, denkt man sich, Mannnnnn das hättest du auch leichter haben können.
          Meiner war auch ein ähnliches Exemplar. Die ersten Jahre unserer Ehe musste ich ihm alles aus der Nase ziehen, wenn er was hatte - später wurde es dann besser.
          Versuch es. Viel Erfolg.
          LG Moni

          • Ups, ich habe gerade erst weiter oben gelesen, dass Du schon Gespräche versucht hast.
            Tja, wenn er derart blockt - würde ich ihn direkt fragen: So, ich hab nun alles versucht, herauszufinden, was dich belastet. Wenn du nicht reden magst, dann frage ich direkt. Willst du deine Familie loshaben? Wenn ja - sag es einfach. Alles ist besser als dieser besch***** Schwebezustand.
            Vielleicht kommt er dann aus der Reserve, wenn er merkt, dass Du es ernst meinst.
            LG Moni

    Hallo!

    Wie läuft es denn bei einem längeren Urlaub? Kommt Dein Mann da eher in eurer Familien-Alltags-Situation an oder hat er da auch so große Probleme mit der Umstellung?

    Er führt eben derzeit zwei komplett verschiedene Leben und ist gar nicht mehr richtig zu Hause bei euch.

    Und Du bist derweil die meiste Zeit "alleinerziehend" und hast dabei trotzdem am Wochenende Rücksicht zu nehmen auf ihn, und das ohne Aussicht, Dir einen neuen Partner für einen gemeinsamen Alltag zu suchen.

    Allerdings frage ich mich auch, warum euer Kind so viel Hilfe in der Schule braucht, das ist ja gerade erst frisch auf einer weiterführenden Schule vom Alter her, und kommt jetzt schon so extrem schlecht alleine klar - wie soll das über die nächsten jahre dann werden, wenn es schon jetzt nur mit intensiver Hilfe läuft? Ist das nicht auch einS tück weit hausgemachter Ärger?

    • Guten Morgen,
      auch bei längerem Urlaub ist die Situation angespannt.

      Das Kind ist in der sechsten Klasse. Das zweite Halbjahr ist bei uns recht kurz, weshalb es momentan Arbeiten hagelt. Und der Stoff der sechsten Klasse heute hat wenig mit dem damaligen Stoff zu tun. Es ist also (noch) nachvollziehbar, dass dabei Hilfe benötigt wird.

      LG

(11) 05.12.16 - 17:58

Hallo,

das klingt alles sehr kompliziert bei Euch. Wir werden sicher nicht wirklich weiterhelfen können aber ihr solltet dringend über eure gegenseitigen Erwartungshaltungen sprechen.
Du schreibst ja schon sehr gut, was Dir fehlt - weiß er das?
Manche Sachen kommen auch für mich irgendwie nicht passig rüber - einerseits viele Lehrgänge, andererseits jetzt aber SEINE zu planende Termine vom Sport mit Training und Wettkämpfen? Sowas sollte - so meine Meinung - erstmal hintenan stehen.
Er kam nun wegen körperlichen Beschwerden nach Hause und will trotzdem Sport - muss ich das verstehen? Und was ist mit Deinen Beschwerden?

Bekommst Du denn wenigstens Physio oder hast Zeit, auch für Deinen Bandscheibenvorfall bzw. dagegen etwas zu tun? Falls nicht, solltest Du Dir da - auf welche Weise auch immer- Freiräume verschaffen, sonst wird es noch schlimmer.

Ich muss dazu sagen - mein Mann und ich sind seit 13 Jahren verheiratet, haben zwei Kinder (knapp 8 und knapp 11 Jahre) und mein Mann ist ebenfalls Berufssoldat. Das mit den Lehrgängen kennen wir hier auch. Allerdings habe ich den Eindruck, wir setzen andere Prioritäten als ihr bzw. Dein Mann. Auch wir haben schon Zeiten hinter uns, wo wir mehrere Wochen und Monate mehrere Km voneinander entfernt wohnen mussten und ja, das war nicht immer leicht. Aber mein Mann ist ein absoluter Familienmensch. Er nutzt seine Dienstzeit für den Sport (und das ist ausdrücklich erlaubt, da Sport Pflicht ist für Soldaten!) und wenn er zu Hause ist, ist er für die Kinder da. Und er hat noch mehrere Ehrenämter (ja, er ist auch nicht so viel zu Hause #schwitz) aber die Zeit, die wir gemeinsam haben, versuchen wir auch als solches zu nutzen und zwar so, dass jeder zu seinem Recht kommt und nicht nur einer keulen muss.

Ihr solltet wirklich miteinander sprechen.

LG

a79

  • (12) 12.12.16 - 09:09

    Guten Morgen,

    falls mein Mann mit zuhört, sollte er wissen was mir fehlt.
    Ich bekomme Physio und eine Schmerztherapie, welche momentan aber leider nicht wirklich anschlägt.

    LG

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