Frau wurde vergewaltigt - wie damit umgehen?

    • (1) 19.12.16 - 00:36
      was soll ich tun

      Hallo zusammen,

      Meine Frau und ich sind beide Ende 30 und seit knapp zehn Jahren verheiratet. Ich mache es kurz: Sie wurde vor einem halben Jahr von einem Bekannten vergewaltigt. Sie erzählte mir erst drei Monate später davon, weil sie sich so schämte. Ich war völlig geschockt. Anfangs dachte ich, ich käme ganz gut damit klar. Sie selbst schien auch immer sehr gefasst und ich dachte wir packen das. Na ja, jetzt mit der Zeit merke ich, dass dem leider nicht so ist. Meine Frau leidet unter Schlafstörungen (sie hat Albträume, schlägt um sich, hat Angst vor dem einschlafen) und ist völlig verändert. Früher war sie ein unglaublich lebenslustiger Mensch, eine Frohnatur eben. Jetzt ist sie richtiggehend gebrochen und es tut mir unglaublich weh, das zu sehen.

      Unser Sexleben ist natürlich auch nicht mehr so wie es einmal war. Bzw es ist überhaupt nicht mehr vorhanden. Wir haben vor einigen Wochen versucht wieder miteinander zu schlafen, aber sie hat eine richtige Panikattacke bekommen (Atemnot und Flashback, erzählte sie mir später). Gestern wollte sie es von sich aus nochmal probieren, aber wir kamen wieder nicht weit. Natürlich ist das mein kleinstes Problem, alles andere (ihre psychische Verfassung usw) ist viel schlimmer als der fehlende Sex. Trotzdem macht es mich sehr traurig, weil sie früher wirklich viel Spaß an Sex hatte. Und nun scheint alles kaputt zu sein.

      Zum nächsten Problem: Sie schämt sich unglaublich und ich kann ihr noch so oft sagen, dass es dafür keinen Grund gibt, es hilft einfach nichts. Wie kann ich ihr wieder ihr altes Selbstbewusstsein zurückgeben? Sie befindet sich bereits in Therapie, aber leider hat das bisher noch überhaupt nichts bewirkt. Dadurch, dass sie sich so schämt, kann sie vor ihrer Therapeutin nicht so recht mit der Sprache rausrücken und dementsprechend schwierig ist es für die Therapeutin, ihr richtig zu helfen.

      Was mich ebenfalls sehr irritiert: Während ich unglaublich wütend auf den Typen bin, der das getan hat (ich hasse ihn abgrundtief), nimmt sie ihn sogar in Schutz! Das verstehe ich beim besten Willen nicht. Wieso tut sie das? Sie leidet unter dem was er ihr angetan hat, aber wenn ich abwertend über ihn rede, verteidigt sie ihn! Was hat es damit auf sich?

      Was auch schwierig ist: Sie denkt, ich würde mich vor ihr ekeln. Das tue ich nicht und das sage ich ihr auch, aber sie bekommt diesen Gedanken nicht aus dem Kopf. Wie gesagt, die Therapie fruchtet noch nicht so recht ...

      Sie ist seitdem wahnsinnig schreckhaft, introvertiert und abweisend (mir gegenüber). Ich will einfach nur wissen was ich tun kann, um ihr zu helfen, sie das Geschehene halbwegs vergessen zu lassen und der glückliche Mensch zu werden, der sie einmal war.

      Der Text ist jetzt doch recht lang geworden, Entschuldigung dafür. Vielleicht hat jemand Erfahrung mit sowas oder sonst einen guten Tipp parat, ich bin für alles dankbar.

      • (2) 19.12.16 - 01:04

        Hallo,

        Zunächst einmal tut es mir sehr leid, was deine Frau und ihr zusammen durchmachen musstet und noch immer müsst.
        Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass 6 Monate noch keine lange Zeit sind, um es zu verarbeiten. Du merkst ja selbst, wie sehr sie noch am Anfang steht. Es ist positiv, dass du mehr und mehr erkennst, wie sehr sie die Vergewaltigung belastet.

        Ich hätte mir damals gewünscht, meine Familie (ich war deutlich jünger und lebte noch bei meinen Eltern) hätte eine Beratung wahrgenommen. Um eben nicht aus Unsicherheit so komisch zu mir zu sein und mich eben dadurch wirklich noch mehr zu erinnern, als ich es eh schon tat.

        Gegebenenfalls kannst auch du sie zur Therapeutin begleiten, sofern deine Frau das wünscht, frag sie ruhig mal! . Ansonsten würde ich dich an den weißen Ring verweisen. Hat sie Anzeige erstattet? Für mich war das damals tatsächlich fast noch einmal so schlimm, ich hatte eine Klobürste von Polizistin erwischt... Bei jedem Kontakt oder auch Schreiben diesbezüglich bin ich fast ausgeflippt. Ich hoffe sehr, dass all die Schulungen in dem Bereich Früchte tragen und ihr besser aufgehoben seid. Die strafrechtliche Verfolgung ist für viele auch ein Teil der Heilung.

        Alles Gute!

        • (3) 19.12.16 - 01:41

          Hallo,

          Tut mir leid, dass du das auch erleben musstest. Das macht mich traurig und wütend.

          Meine Frau hat leider keine Anzeige erstattet. Sie sagt das wäre das letzte gewesen, was sie hinterher gewollt hätte. Als sie es mir erzählt hatte, war die Tat ja schon ein paar Monate her und Beweise gab es keine ... Sehr schwierig die ganze Sache. Ich hoffe derjenige, der dir das angetan hat, wurde verurteilt?

          Ich habe sie gefragt, ob ich mitkommen soll zur Therapie. Aber das will sie partout nicht. Sie sagt sie will das ganze möglichst von mir fernhalten. Aber das macht es natürlich nicht leichter für mich. Ich weiß praktisch auch überhaupt nichts über das, was damals geschehen ist. Nur dass es passiert ist und fertig. Mehr kann sie nicht erzählen.

          • (4) 19.12.16 - 09:02

            Hast du ihr gesagt, wie verunsichert du bist? Evtl hat sie die Sorge, du würdest mitkommen und dann hören, was sie erzählt. Es geht aber nicht darum, dich mit Details zu füttern, sondern dir aufzuzeigen, wie du sie in der Heilung unterstützen kannst, ohne "es" dauernd in den Mittelpunkt zu rücken.

            Die Beweise gibt es nun nicht mehr, und ob deiner Frau nun eine Anzeige etwas bringen würde, außer einen Konfrontationseffekt, den sie derzeit nicht braucht, wage ich zu bezweifeln. Das Verfahren wird "aus Mangel an Beweisen" eingestellt werden. Allen heren Gerechtigkeitsgedanken hier zum Trotz, das Leben ist kein Ponyhof und so viel Realitätssinn muss hier angebracht sein. Blinder Aktionismus nutzt selten. Ich würde zum Beispiel nicht sicher sagen können, ob ich nochmals Anzeige erstatten würde mit allem, was es nach sich gezogen hat. Tut mir leid!

            Da sie derzeit zumindest nicht möchte, dass du zur Therapeutin gehst, wende dich bitte an den Weißen Ring!!!

            Es wird euch vermutlich noch viele Jahre begleiten, deine Frau muss sich jetzt neu "finden" und diese Erfahrung aus Demütigung, Gewalt und Schuld in ihr Selbstbild integrieren.

            Wie du sie dabei geduldig und verständnisvoll begleiten kannst, ohne sie dauernd zu erinnern, ist vermutlich ein Eiertanz, bei dem es viel Stillstand und auch Rückschritte geben wird. Und mit viel Zeit und Geduld hoffentlich auch Fortschritte. Euch beiden wünsche ich viel Kraft und auch dir eine Unterstützung an deiner Seite!

            • (5) 19.12.16 - 09:34

              Ach ja:
              Ich wurde mehrfach von Streifenwagen aus dem Unterricht (!) geholt zur unmittelbaren Gegenüberstellung. Warum das nicht bis Nachmittags warten konnte, ohne dass die ganze Schule zusammenläuft, ist mir unbegreiflich. Dieses inkompetente und stigmatisierende Vorgehen beschäftigt mich heute noch, im Gegensatz zur eigentlichen Tat.

              Das Verfahren ist dennoch irgendwann eingestellt worden, da kein Täter ermittelt werden konnte.

              Als ich die erste Aussage gemacht habe, war die Polizistin sichtlich genervt von meinem stockenden Bericht, sie hat mir mehrfach 'Vorschläge ' gemacht, wie es weitergegangen sein könnte, um endlich voran zu kommen im Text.

              Rational weiß ich, dass dieses Vorgehen ganz sicher nicht der Goldstandard der Polizei sein wird. Traumatisierend war es dennoch.

              Meine Eltern haben mich leider nicht vor der Polizei geschützt. Das eine hätten sie nicht verhindern können, aber alles, was danach folgte, schon.

      Ist der Täter in Haft? Ich finde es ganz wichtig, dass er für seine Tat büßt.

      • (7) 19.12.16 - 01:44
        was soll ich tun

        Nein, ist er leider nicht. Ich habe alles getan um sie zu einer Anzeige zu überreden, aber sie will partout nicht.

        Und jetzt, wo ich mich intensiver informiert habe, frage ich mich, ob es überhaupt etwas gebracht hätte. Es gibt keine Beweise und somit wäre es vielleicht gar nicht zu einer gerichtsverhandlung gekommen. Einfach nur traurig.

        • Hätte sie ihn sofort nach der Tat angezeigt, hätte vielleicht etwas nachgewiesen werden können, allein durch die ärztliche Untersuchung.

          Vergewaltigung kommt gleich nach Mord und wird empfindlich geahndet.

          So besteht natürlich das Risiko, dass er das (an anderen Frauen) wiederholt, immerhin ist er einfach so davon gekommen.
          Außerdem hätte eine Verurteilung Deiner Frau ein wenig Genugtuung und Selbstbewußtsein wieder gegeben.

          • (9) 19.12.16 - 01:58
            was soll ich tun

            Ja, so sehe ich das auch. V.a. das mit der Genugtuung.

            Aber ohne die ärztliche Untersuchung leider hoffnungslos :-(

            • Vielleicht schafft sie das mit der Therapie zu einem späteren Zeitpunkt oder sie wechselt die Therapeutin.
              Sie sollte sich schon helfen lassen, ich vermute allein wird das ein steiniger Weg.
              Natürlich ist das noch nicht lange her und in ein paar Jahren geht es besser. Aber da muss man erstmal hinkommen.

          (11) 19.12.16 - 10:28

          "Vergewaltigung kommt gleich nach Mord und wird empfindlich geahndet."

          Ich bin kein Jurist, aber der Rechtsrahmen ist bei Raub mindestens genauso hoch und die Strafe in der Praxis eher noch höher, auch weil die Sachlage häufig eindeutiger ist.

          (12) 19.12.16 - 12:26

          Hallo,

          hätte, hätte, Fahrradkette; auch muss ich an dieser Stelle deine Spekulationen aushebeln:

          1 Ist die Beweiskraft in den meisten Vergewaltigungsprozessen extrem gering, weswegen es prozentual gesehen zu verhältnismäßig wenigen Verurteilungen kommt.

          2 Bei Vergewaltigungen ist z.B. Ersttäterschaft sowie äußere Umstände der Tat (Gewalteinwirkung, Bedrohung, etc.) strafmaßentscheidend. Deshalb fällt die tatsächliche Strafe oft verhältnismäßig gering aus (relativiert an den Folgen für das Opfer).

          3 Strafen haben auf Serientäter oftmals keine abschreckende Wirkung, ob es sich bei dem Täter um einen solchen handelt, weißt du nicht.
          4 Sind Vergewaltigungsprozesse oftmals hochgradig belastend für die Opfer; bei Vorliegen einer psychischen Störung aufgrund der Tat kann es zu Destabilisierungen bis hin zur Dekompensation kommen, Suizidhandlungen, eine Manifestation einer Störung, ein Ausbrechen einer Störung, Psychiatrieaufenthalte etc. sind keine Seltenheit, so viel zu einem Zuwachs an Genugtuung und Selbstbewusstsein.

          Ich würde einfach darum bitten, in einer solchen sensiblen Diskussion nicht derartige Fakten auszublenden, sondern diese in die Empfehlungen an einen TE miteinzubeziehen.
          LG

          (13) 19.12.16 - 19:00

          Da du ganz offensichtlich juristischer Laie bist: Vergewaltigung hat eine deutlich niedrigere Strafandrohung als Mord,nämlich 6 Monate bis fünf Jahre im vergelten zur lebenslangen Freiheitsstrafe für Mord.

          Davon abgesehen finde ich es unter aller Kanone, dem Opfer eine Mitschuld für mögliche zukünftig Taten den Täters zuzuschreiben. Es ist einzig und allein Sache des Opfers, ob sie sich einer, häufig seht schwierigen, Strafverfolgung auszusetzen. Vorwürfe, auch noch von Frauen, helfen niemandem weiter. Verantwortung für mögliche zukünftige Taten trägt einzig und allein der Täter.

          • Natürlich tut er das.

            Ich war vor vielen Jahren im Rahmen einer Vergewaltigung ebenfalls betroffen und war entsprechend bei der Verhandlung. Der Richter sagte zu mir, dass Vergewaltigung gleich nach Mord kommt und der Täter hat eine saftige Strafe bekommen.
            Sollte es mittlerweile ein Kavaliersdelikt sein, so ist mir das nicht bekannt, entschuldigung.

    (16) 19.12.16 - 16:11

    der Täter, der sich an meiner Schwester vergriffen hatte, war nach kurzer Zeit wieder draußen.

    ich verstehe das nicht. allerdings kann ich ubuntus Gedanken nachvollziehen, auch wenn der mehr Schaden als Nutzen bringt...

    :-(#wolke

    • (17) 19.12.16 - 20:32

      Ich wollte dies auch nicht zum Aufruf für Lynchjustiz verstanden wissen. Ich hänge viel zu sehr an unserer Rechtsordnung als dass man dem Einzelnen überlassen sollte, Recht und Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen. Man kann sicher über das Strafmaß von bestimmten Straftaten streiten, ob unserer Gesetze zu milde oder zu unverhältnismäßig sind.

      Was ich eigentlich meinte, ist die bedrückende Situation für den TE. Abgesehen von den unzweifelhaft dramatischen Erlebnissen seiner Frau.

      Man will doch eigentlich beschützen können, sich und seine Familie. Und wenn dies schon nicht gelungen ist, so doch zumindest, ganz alttestamentarisch, Auge und Auge, Vergeltung üben. Darf man aber auch nicht. Ich denke, das sind enorme psychische Belastungen, die man spürt. Wie etwas, was man tun muss oder tun sollte einerseits aber nicht darf, nicht kann, nicht soll.

      Und ganz ehrlich: ich wüsste nicht, wie ich reagieren würde. Ob ich mich noch an unseren Rechtsstaat erinnern würde, wäre ich persönlich betroffen wie der TE? Ich kann es nicht sagen.

(19) 20.12.16 - 12:02

Wenn alle beim Täter sind, wer bleibt dann beim Opfer?

Ich denke nicht, das es -JETZT gerade wichtig ist über den Täter zu sprechen.

Hey, es tut mir sehr leid dass euch das passiert ist.
Ich kann dir nur sagen dass es Zeit braucht.
Sowas kann man nicht mal eben verarbeiten.
Das mit den Flashbacks kenne ich.
Es braucht nur eine bestimmte Berührung und Situation, die einen an diese furchtbare Situation erinnert und man befindet sich wie in einem Film...,ein Horror Film und man selbst spielt die Hauptrolle ....
Auch das mit den Alpträumen ist sehr belastend... ich hatte auch sehr lange Zeit Angst vorm einschlafen. Um zur Ruhe zu kommen, hat mir hochdosiertes johanneskraut geholfen.
Von Psychopharmaka halte ich nichts, dadurch werden Geschehnisse nur verdrängt (meine Meinung).
Es ist gut und wichtig, dass du Uhr beistehst und helfen möchtest.
Pass nur auf das du nicht zu euphorisch bist ihr helfen zu wollen.
Man fühlt sich in der Situation schnell unter Druck gesetzt und missverstanden.

Das sie den Täter in Schutz nimmt kenne ich auch, dass habe ich selber sehr lange getan, bis ich verstand, das ich nichts falsch gemacht habe, sondern er!
Man schämt sich und denkt, mannhätte diesen Übergriff selber provoziert durch ein eigenes Fehlverhalten.
Dann denkt man drüber nach, ob das alles wirklich so schlimm war, oder ob man sich da grad reinsteigert... man hat sich schließlich nicht gewehrt oder genug zur Wehr gesetzt um es zu verhindern.
Vielleicht harter mein Verhalten als Flirt interpretiert, ich war zu aufreizend gekleidet.... da konnte er ja gar nicht anders.... ich bin selber schuld....

alles total absurd und realitätsfern, aber solche sachennachwirrenbim Kopf herum.

Sag ihr einfach immer wieder das du für die da bist!
Und sich dir vielleicht einen eigenen Therapeuten!
Ich glaube es täte dir gut und wäre hilfreich, damit du das ganze auch verarbeiten kannst.

Ich wünschte euch alles gute.

Vielleicht lest ihr mal auf https://www.re-empowerment.de/
Die Seite hat mir geholfen.

(21) 19.12.16 - 12:14

Hallo,
ich kann mir vorstellen, dass die Situation auch für dich sehr schwer ist, deine Frau jetzt so zu erleben. Aber für die Verarbeitung von derlei traumatischen Ereignissen gibt es keine zeitliche Fristsetzung. Verständlicherweise, ich meine das absolut nicht verurteilend, wirkst du sehr ungeduldig auf mich. Verständlicherweise, da du dir ja wünschst, dass es deiner Frau gut geht. Trotzdem denke ich, dass ebenjene Ungeduld aktuell nicht angebracht ist. Du solltest dir selber Hilfe suchen, um dich zu entlasten, denn im schlimmsten Fall setzt du deine Frau unter Druck mit deinem - ich betone noch einmal - durchaus verständlichen, nachvollziehbaren Bedürfnis, es möge ihr bitte besser gehen.
Genau das kann sich aber zuweilen fatal auf den Verarbeitungsprozess auswirken. Auch würde ich nichts dergleichen mehr von Anzeige o.ä. erwähnen.

Bei einer Vergewaltigung wird einer Frau u.a. das Recht auf Selbstbestimmung genommen. Es ist IHR RECHT auf Selbstbestimmung, was sie wahrnimmt, wenn sie sich weigert, den Täter anzuzeigen.
Des Weiteren langt ein Blick auf die Statistiken, was Vergewaltigungsprozesse und deren prozentualer Anteil an Verurteilungen angeht. Neben den blanken Zahlen ist alleine schon das Ermittlungsverfahren eine höllische Belastung für Opfer von Vergewaltigungen. Es ist nicht gesagt, dass es jedem Opfer einer Vergewaltigung durch eine Anzeige besser geht, manche destabiliseren dadurch zusätzlich.
Insofern hör bitte auf, sie dahingehend überzeugen zu wollen.
Hab Geduld mit ihr, suche dir selber Hilfe. Zeige Verständnis und achte deine eigenen Grenzen, und ganz besonders jetzt ihre.
LG

  • (22) 19.12.16 - 18:26
    was soll ich tun

    Hallo,

    Ja, was die Ungeduld betrifft hast du wohl recht. Ich habe nur Angst um sie und davor, dass sie nie wieder glücklich werden kann. Ich weiß auch, dass ein halbes Jahr nicht lange ist, aber wenn ich sehe wie sie leidet, ist es natürlich gleichzeitig viel zu lang.

    Das mit der Anzeige habe ich mittlerweile auch schon sein lassen. Sie hat es mir mit denselben Argumenten wie du erklärt und leider sind die ziemlich überzeugend.

Das braucht Zeit.

Sie muss das Geschehene verarbeiten, und muss erst wieder lernen, Nähe zuzulassen.

Da gleich mit Sex "einzusteigen" ist vermutlich der komplett falsche Weg. Der Vergleich hinkt jetzt wohl, aber viele Menschen bei denen in die Wohnung eingebrochen wurde brauchen Monate und Jahre um die Verletzung ihrer Privatsphäre zu verarbeiten.....wie schlimm ist das dann also bei einer Tat bei der es um Psychische und Physische Gewalt an einer Person geht?

Suche ihre Nähe, aber bedränge sie nicht. Klingt vermutlich seltsam, aber ihre Hand zu halten bringt ihr vermutlich gerade mehr als innige Umarmungen.

Habt ihr gemeinsame kleine Rituale......wie zB. ihr den Kaffee ans Bett zu bringen oder ähnliches? Richte Dein Augenmerk verstärkt auf diese kleinen Gesten. Es mag trivial aussehen.....das ist es aber nicht !!

Erwartet keine Wunder von der Therapie...so etwas zu verarbeiten dauert lange, und ist auch von Mensch zu Mensch verschieden. Mitunter ist vielleicht auch die Therapeutin nicht die richtige, was ich aber natürlich nicht beurteilen kann.

<<< sie ihn sogar in Schutz! Wieso tut sie das?>>>

Vermutlich gibt sie sich unsinnigerweise die Schuld für das was da passiert ist. Evtl. fragt sie sich immer und immer wieder, ob sie dem Typ bewusst oder unbewusst irgendwelche "Signale " gegeben hat.

Das ist für jemand "Aussenstehenden" natürlich absoluter Quatschfug.....ein Nein ist immer ein Nein, egal zu welchem Zeitpunkt..... aber sie wird sich das dennoch fragen, immer und immer wieder, und zusammen mit den Bildern die sich eingebrannt haben ergibt das einen üblen Gedankensalat, bei dem alles immer wieder um das gleiche dreht.

Evtl. hilft es DIR ja auch mal, mit Profis zu sprechen. Wende Dich doch mal an eine Institution wie zB. den weissen Ring.

Auch Angehörige von Opfern einer solch miesen und schändlichen Tat sind Opfer !

  • (24) 19.12.16 - 18:22

    Danke für deine Antwort.

    Das mit dem Sex war gar nicht unbedingt meine Idee, ich bin momentan selbst eher gehemmt. Sie wollte es probieren, ich denke um sich zu beweisen, dass sie es "kann". Das konnte ja nur schiefgehen ...

    Diese Rituale haben wir, ja. Ich bemühe mich eh schon besonders aufmerksam und zuvorkommend zu sein, koche, frage ob ich ihr einen Tee oder eine Wärmflasche machen soll usw. Leider scheint sie derzeit eher auf Distanz aus zu sein ... Ich komme gar nicht mehr an sie heran.

    Nochmals danke für deine nette Antwort.

Zum eigentlichen Sachverhalt hast du schon viel gehört.

Ich möchte noch etwas sagen zum "Täter in Schutz nehmen".

Das ist eine normale Reaktion auf eine Gewalttat. Man kennt den Begriff auch unter Stockholm-Syndrom. Ein Opfer einer Gewalttat versucht unbewusst, sich mit dem Täter zu identifizieren, sich eine Mitschuld oder gar ein Einverständnis einzureden um so dem Gefühl des totalen Kontrollverlusts etwas entgegenzusetzen zu können. Es ist eine Art Schutzmechanismus der Seele.

Man kennt das bei Fällen von häuslicher Gewalt. Mitunter dauert es Jahre, bis die Opfer sich lösen können und genügend Kraft aufbringen, um sich der Tragweite der erfahrenen Gewalt zu stellen.

Mach ihr das bitte nicht zum Vorworf.

lg und alles Gute

thyme

Top Diskussionen anzeigen