Kämpfen oder gehen..?

    • (1) 19.12.16 - 12:59
      Gefühlschaos

      Hallo,
      meine Welt steht gerade Kopf und ich weiß nicht, wie es weitergehen soll... Seit 10 Tagen weiß ich, dass mein Mann, den ich über alles liebe, mit dem ich seit 7 Jahren zusammen bin und mit dem ich 3 Kinder habe (zwischen 5 Monate und 4,5 Jahre alt), sich in eine gemeinsame Bekannte verliebt hat, die in der selben Straße wohnt und an der gleichen Arbeitsstelle wie er arbeitet, und dass er mich 6 Wochen lang mit ihr betrogen hat... ich habe es selbst herausgefunden, als ich aus einem Bauchgefühl heraus vor deren Tür stand- erst dann hat er mir alles erzählt, meinte aber, er wollte es mir schon die ganze Zeit sagen und wusste nicht, wie.

      Ich war mir immer sicher, ABSOLUT sicher, dass ich in einem solchen Fall (nicht ein einmaliger Ausrutscher, sondern eine richtige Affäre, auch wenn es "nur" wenige Wochen waren) sofort die Ehe beenden würde. In der Situation selbst war ich auf einmal sicher, dass ich bereit bin, um meine Ehe zu kämpfen, wenn von meinem Mann die richtigen Signale kommen. Das Schlimme ist, er wirkt momentan völlig orientierungslos und weiß selbst nicht mehr, was richtig und was falsch ist. Er sagt, er liebt mich, ich bin der wichtigste Mensch in seinem Leben, er kann sich ein Leben ohne mich und die Kinder nicht vorstellen... wir waren auch glücklich, wir hatten eine gute, liebevolle Beziehung und auch ein gutes Sexleben.. letztes Jahr haben wir erst geheiratet... Wenn hier wirklich etwas im Argen gelegen hätte, wenn wir uns nichts mehr zu sagen gehabt hätten oder im Bett nichts mehr gelaufen wäre, dann könnte ich es eher verstehen... Aber er hat halt auch Gefühle für diese Frau entwickelt... Ich erwarte von ihm, wenn ihm wirklich noch etwas an unserer Ehe liegt, dass er sich ganz klar zu mir bekennt und den Kontakt zu dieser Bekannten einstellt und dann mit mir zusammen herauszufinden versucht, wie es dazu kommen konnte. In der letzen Zeit war es sehr stressig, er hatte einen neuen verantwortungsvollen Job, wir sind umgezogen, dann das Baby... vielleicht haben wir uns etwas aus den Augen verloren, vielleicht hat er die Unbeschwertheit und Schmetterlinge gebraucht... aber er muss jetzt eine Entscheidung treffen. Meine Toleranz hat da Grenzen und in unserer Ehe ist für eine dritte Frau kein Platz, das kann ich nicht. Doch er scheint momentan dazu nicht bereit zu sein- zwar gibt es keinen Sex oder private Treffen mehr, aber bei der Arbeit trinken sie noch Kaffee miteinander, und er kann mir nicht sagen, was er weiter vorhat. Er kann sie noch nicht ganz aufgeben... Das ist für mich eine furchtbare Situation... die Vorstellung, dass er Zeit mit der Frau verbringt, in die er sich "verknallt" hat. Er will einerseits mich nicht verlieren und weiß auch, dass er das auf Dauer nicht so weitermachen kann, aber er scheint völlig unfähig, eine klare Entscheidung zu treffen und diese Tür entgültig zu schließen. Er kann mir auch noch nicht sagen, wie es mit uns weitergehen soll. Dabei lief es gerade in den letzten 2 Wochen sehr schön zwischen uns, sogar nachdem die Bombe geplatzt ist. Erstaunlicherweise drehe ich nicht komplett durch, wir haben sehr schöne Momente miteinander- ich denke, auch wenn ich extrem verletzt bin und auch noch nicht weiß, ob ich ihm das wirklich verzeihen und ihm wieder vertrauen kann: Das was wir miteinander hatten, unsere Beziehung und die Familie, das alles ist es wert, zu kämpfen. Aber gemeinsam... die Tatsache, dass es ihm so schwer fällt, sich gegen diese Frau zu entscheiden und es radikal zu beenden, verletzt mich fast noch mehr als der Betrug. Ich komme mir vor, als ob er mich jetzt auf eine Art "Probelauf" geschickt hat, und ich soll ihm zeigen, dass ich die Richtige für ihn bin. Aber muss er denn jetzt nicht genauso um uns kämpfen wie ich? Sicher habe ich nicht alles immer richtig gemacht in unserer Beziehung, zu solchen Entwicklungen gehören immer zwei... aber ER ist derjenige, der an einer anderen Tür geklopft hat. Dass er sich verliebt hat, tut schrecklich weh- aber was ich ihm vorwerfe, ist der Umgang damit. Er hat es nicht mir gesagt, sondern der anderen Frau... er hat es immer weiter zugelassen, den Kontakt gesucht und hatte dann 6 Wochen lang mit ihr eine Affäre, wo er seine Verliebtheit schön ausgelebt hat. Ich verachte diese Frau so sehr... sie war bei uns zum Grillen, hat mich zum Kaffeetrinken eingeladen (allerdings vor der Affäre), sie hatte unser wenige Tage altes Baby auf dem Arm... aber um sie geht es mir nicht so sehr, das ist eine Sache zwischen meinem Mann und mir. Ich habe ihn gefragt, was er sich denn dabei gedacht hat, wenn er mich doch so sehr liebt und seine Familie nicht verlieren möchte. Antwort: Gar nichts... er konnte nicht nachdenken. Er wollte nicht nachdenken... Er will es offensichtlich nach wie vor nicht. Dabei merke ich, dass ich ihm noch viel bedeute. Ich weiß nur nicht, ob es reicht...
      Mir geht es mit dieser Situation gerade ziemlich schlecht, ich schwanke immer zwischen Hoffnung (wir gehören zusammen, wir werden diese Krise meistern) und Verzweiflung (er will doch wahrscheinlich gar nicht mehr; will ich überhaupt so einen Mann zurück, der mir so wehgetan hat und nicht weiß, was er will)... er bittet um Zeit, sich über alles klar zu werden, aber ich glaube, ich kann nicht mehr viel Zeit geben. Ich will hier nicht sitzen und warten, dass er sich entscheidet... ich habe in 2 Wochen 4 Kilo abgenommen, und ich war vorher schon sehr schlank (wenn das so weitergeht, bin ich bald ein Gerippe). Dieses Gefühlschaos macht mich total fertig..

      Ich habe mir für diese Woche einen Termin beim Anwalt geben lassen, um mir ausrechnen zu lassen, was mir an Unterhalt zustehen würde. Wenn bis nach Weihnachten keine klaren Signale von ihm kommen, dass er für uns kämpfen will, werde ich mich auf die Suche nach einem anderen Haus für mich und die Kinder machen. Finanziell bin ich unabhängig, momentan bekomme ich Elterngeld und kann anschließend in meinem Beruf auch in Teilzeit ganz gut verdienen. Außerdem würde der Unterhalt recht üppig ausfallen. Mir graut zwar vor einem Leben als Alleinerziehende, aber ich weiß, dass ich das schaffen würde. Mir liegt nur immer noch so viel an ihm und an unserer Ehe, dass ich mir so sehr wünsche, es mit ihm zu schaffen... Ich habe auch an eine Paarberatung gedacht, aber ich fürchte, dafür ist er nicht der Typ. Ich werde es ihm auf jeden Fall vorschlagen.
      Hat jemand Rat für mich? War jemand schon mal in so einer Situation und hat es geschafft, die Ehe zu retten? Oder meint ihr, ich bin völlig auf dem Holzweg und versuche etwas zu erhalten, was sich nicht mehr lohnt...?
      Traurige Grüße

      • Wow. Was für eine be***issene Situation.

        Mein erster Gedanke war: Wie soll ein radikaler Konraktabbruch mit dieser Frau funktionieren, wenn sie in der gleichen Straße wohnt und mit Deinem Mann zusammen arbeitet? Offensichtlich sind Haus und Arbeitsstelle ja auch noch relativ frisch, jetzt wieder umziehen udn wieder ein neuer Job, damit der Mann der anderen Frau nicht mehr dauernd übern Weg läuft?

        Ich finde es toll, dass Du kämpfen willst, aber ich denke, das wird ein heftiges Ding. Gut, dass Du schon für beide Eventualitäten weiterdenkst.

        • (3) 19.12.16 - 13:20

          Danke für deine Antwort!

          Ja, wie das funktionieren soll, habe ich mich auch schon gefragt... den Job wechseln kann mein Mann auf keinen Fall, er hat ewig auf diese Chance gewartet.. umziehen würde ich sofort, ohne zu zögern, mich hält an diesem Haus nichts mehr, es wäre aber sehr aufwändig... Ich kann mir vorstellen- vorausgesetzt, mein Mann entscheidet sich konsequent für die Ehe mit mir- dass es trotzdem funktionieren könnte. Hier läuft man den Nachbarn nicht ständig über den Weg, wenn man es nicht möchte. Und bei der Arbeit arbeiten sie nicht unmittelbar zusammen, sondern in unterschiedlichen Abteilungen, wo sie zwar regelmäßig, aber nicht eng Kontakt haben (damit könnte ich leben, solange es nur im beruflichen Kontext bleibt). Eigentlich ist mein Mann auch ein sehr konsequenter Typ... so, wie er im Moment rumeiert, kenne ich ihn gar nicht.

          Ich werde notfalls MEINE Konsequenzen ziehen. Er sagt, er weiß das- vielleicht glaubt er es aber noch nicht so ganz. Vielleicht wacht er auf, wenn er uns wirklich verliert... vielleicht auch nicht, aber dann war die Ehe auch nicht das, wofür ich sie die ganze Zeit gehalten habe.

      Hi,

      Du wirst von einem Mann, dem die Affäre aufgedeckt worden ist, der auch noch mit der Ehefrau verbunden ist, nicht so schnell eine Entscheidung erhalten.
      Er wird erst einmal Abstand und auch eine Auszeit benötigen, die solltest Du Dir auch gönnen, um keinen Schnellschuss zu machen.

      LG
      Lisa

      • (5) 19.12.16 - 13:28
        Gefühlschaos

        Danke dir... genau das fürchte ich auch.

        Mein Mann sagt, er würde am liebsten für 4 Wochen ganz weit wegfahren- kann er aber aus beruflichen Gründen nicht, das lässt seine Position nicht zu. Ich habe auch schon überlegt, wegzufahren- aber wohin auf die Schnelle mit 3 kleinen Kindern...? Verwandte haben eine Ferienwohnung 600km entfernt, aber dann bin ich weg und die andere Frau ist immer noch hier- das ist auch nicht das, was ich mir als nötigen Abstand (für ihn) vorstelle. Ich möchte wirklich nicht vorschnell eine Entscheidung treffen, aber die Situation zerreißt mich manchmal fast. Dann denke ich: Raff dein letztes bisschen Selbstachtung zusammen und gehe DU, bevor er es tut- fang in Ruhe neu an. Aber so lange mir noch so viel an ihm liegt, zögere ich. Das Schlimme ist, mal bin ich sicher, dass wir es schaffen, dann wieder bin ich sicher, dass alles kaputt ist... schwer, da etwas zu entscheiden...

    ich vermute mal das es schwierig ist die 'kontaktsperre' auf arbeit beizubehalten.

    vllt würde euch ein bisschen abstand gut tun, das er und auch du euch sicher sein knnt was ihr wirklich wollt und was nicht.

    • (7) 19.12.16 - 13:35

      Das wäre das Beste... es ist nur so schwierig umzusetzen! Er kann momentan nicht weg; ich könnte zwar weg, aber dann bin ich weg und der Kontakt mit der anderen Frau besteht weiter... und sie löst sich leider auch nicht in Luft auf. Vielleicht sollte er sich auch einfach ein Zimmer irgendwo nehmen... ich weiß momentan gar nicht mehr, wo oben und unten ist. Und ich habe Angst, mich gerade voll zum Deppen zu machen, weil ich um diese Ehe kämpfen will.

(8) 19.12.16 - 13:32

Als ob er ihr nicht erzählen würde, dass er sich von Dir noch nicht trennen kann, weil Du sonst durchdrehst oder ihm die Kinder wegnimmst. Als ob er mir ihr keinen Sex mehr hätte, wenn er schon zugibt, dass er mit ihr auf der Arbeit noch aktiven Kontakt hat.

Er ist clever, er bringt Dich in die Position, in der Du Angst hast, ihn zu verlieren und alles tun würdest, damit er bleibt. Sogar dulden, dass sie noch Kontakt haben. Sehr bequem für ihn. Er hat vor allem nicht mal Angst, dass Du gehen könntest. Du genießt ja die wenigen schönen Momente, anstatt ihm zu zeigen, wo der Frosch die Locken hat.

Schlag ihm keine Paarberatung vor, da kann er selbst drauf kommen. Zeig ihm deutlich, dass Du auf dem Weg der Trennung bist. Erzähl ihm, was der Anwalt gesagt hat. Und schmeiss ihn nach Weihnachten raus. Du wirst ganz sicher sofort sehen, wo er als erstes an der Türe klingelt, es ist ja in derselben Straße.

Es mag richtig sein, dass an so einer Situation selten einer alleine Schuld hat. Aber was gar nicht geht ist das, was er gerade mit Dir veranstaltet. Er will Euch beide behalten und versucht es gerade so hinzubiegen, dass er das bekommen kann.

  • (9) 19.12.16 - 13:42

    Genau das sind auch meine Befürchtungen... was er ihr erzählt, weiß ich natürlich nicht. Sie war am Tag nach dem Platzen der Bombe bei mir (immerhin kennen wir uns ja auch recht gut, so als gute Nachbarn...) und hat selbst gesehen, dass ich NICHT am durchdrehen bin. Ich weiß nicht, warum ich überhaupt mir ihr geredet habe, aber sie weiß auf jeden Fall, dass ich nicht die durchdrehende Furie bin und dass die Kinder kein Druckmittel sind.
    Ich werde ihn selbstverständlich über alle Schritte informieren, die ich tätige. Übermorgen nach dem Anwaltstermin werde ich ihm das Ergebnis mitteilen. Und ich habe ihm auch schon gesagt, dass er gerne zwei Häuser weiter unterkommen kann- dann aber nie mehr bei mir anzukommen braucht, wenn er es sich doch wieder anders überlegt...
    Es fällt mir wahnsinnig schwer, zu gehen (rausschmeißen geht schlecht, er zahlt den Großteil der Miete...). Aber eine Dreiecksbeziehung werde ich nicht mitmachen, so groß ist die Liebe dann auch nicht! Und abhängig bin ich zum Glück nicht von ihm...

    • (10) 19.12.16 - 14:43

      Glaub mir, Du wirst nie vergessen können, dass er sich jetzt nicht unverzüglich klar und deutlich zu Dir bekannt hat. Eine Affäre ist nun keine besondere Rarität, auch nicht, dass sie unvermittelt auffliegt. Passiert immer wieder, auch den besten Paaren. Was aber später immer zu starken Zweifeln führt ist, wenn dann nicht sofort der Kontakt abgebrochen wird. Du fragst Dich später immer und immer wieder, ob er sich wirklich für Dich und nicht nur für die bequemere und finanziell bessere Lösung entschieden hat.

      Die Affäre herauszufinden war schlimm, aber dieses Herumgeeier ist der Tod für jegliches Vertrauen. Gerade dann, wenn er nicht bereit ist, moderierte Gespräche zu führen, eben beispielsweise in Form einer Paartherapie.

      Wenn ich das mal so sagen darf, er verhält sich Dir gegenüber wie ein Arsch.

Ich kann dir nur raten: bitte ihn zu gehen!

Er ist im Moment ambivalent - kann man ihm nicht einmal vorwerfen. Aber von dir kann niemand erwarten, in der Warteschleife auf unbestimmte Zeit auszuharren ohne zu wissen, was danach kommt.

Zu agieren ist oft befreiender, als nur zu reagieren auf Dinge, die einen ereilen. Und bei ihm beschleunigt das u. U. die Entscheidung ,wenn er sich nicht mehr alle Zeit der Welt lassen kann, weil er dich in der Hinterhand hat und die andere im Job und beim reizenden Kaffee trinken.

bisher habt ihr auch noch nicht viel zu Ende diskutiert. Du hast ihn nicht gefragt, ob er eine Paartherapie machen würde. Bis auf "ich weiß nicht", ist von ihm kaum etwas gekommen. Und glauben musst du ihm obendrein, dass sie "nur" Kaffee trinken. Aber tauschen sie sich noch exzessiv aus...per Whatsapp, per Mail....? So kann m. E. kein Entlieben funktionieren. Ohne drastischen Cut geht's auf Dauer nicht.

M. M. n. kannst du nur auf dich schauen und gucken, was für dich hinnehmbar ist, ohne dass du irre wirst.

alles Gute#klee

  • (12) 19.12.16 - 13:52

    Ich frage mich auch ganz oft: Was machst du hier eigentlich? Er hat mich betrogen und ICH kämpfe. Am Wochenende habe ich ihm gesagt, dass auf diese Art unsere Beziehung keinen Sinn macht, dass ich das nicht so weiter machen kann. Und dass ich irgendwann auf die Art auch den Respekt vor ihm verliere. Er versucht, mich weiter hinzuhalten ("vielleicht merke ich ja in 4 Wochen, dass das alles nur eine Spinnerei war.."), und meint, ansonsten müsste ich eben eine Entscheidung treffen. Ich habe Angst, zu früh aufzugeben, andererseits denke ich wie du- wenn ihm wirklich was an mir liegt, würde er mich doch nicht gehen lassen. Und wenn er es tut, war die Ehe nichts mehr wert... lange kann ich das sowieso nicht mehr mitmachen- mit jedem Tag schwindet die Hoffnung, das Ganze noch mal verarbeiten zu können, es geht ja ständig mehr in mir kaputt.
    Bis Weihnachten warte ich noch ab- wenn dann nichts passiert ist, ziehe ich meine Grenze.
    Danke für deine Einschätzung...

    • Ich kenne das leider sehr genau! Und in vielen deiner Antworten finde ich mich wieder. Schon komisch, dass die Menschen so verschieden sind, sich aber einige Situationen und Aktionen so sehr gleichen können.

      Hast du ihm mal gesagt, dass du den Respekt vor ihm verlierst? Vor allem jemand, der sonst viel Wert auf Loyalität, Familie, Ehrlichkeit etc. legt, wie du ihn beschreibst, kann das schwer verdauen. (Zumindest ist mein Mann ein ähnlicher, an sich bodenständiger und durch und durch pragmatischer Typ, mit gleichen Werten. Das hatte ihn hart getroffen - einmal weil er seine eigenen Maßstäbe an sich selbst derart mit Füßen getreten hat und dass ich ihm sagte, ich würde ihn nicht mehr kennen und den Respekt vor ihm verlieren)

      Schwer verständlich finde ich in eurem Fall, dass er relativ kurz nach eurer Hochzeit sich in albernen 6 Wochen derart in einem Gefühlschaos befinden kann. Man kann sich vergucken oder jemand übermäßig anziehend finden. Manchmal genügt ein Schuss vor den Bug indem es auffliegt und man landet sehr schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen, ohne sich richtig erklären zu können, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Aber jetzt schon eure Ehe wegen etwas Neuem mit (noch) wenig Substanz in die Tonne hauen zu wollen, macht wirklich sprachlos. Denn ist so eine Affäre erstmal entzaubert und als Licht gekommen, dann ist die Romantik vorerst den Bach runter. Da ist nix mehr mit Leichtigkeit und rosaroten Wolken. Man(n) hat plötzlich Probleme zu wälzen, die man sich vorher nicht im Traum vorstellen konnte.

      Wie steht denn die Affärenfrau dazu? Ist sie Single, würde sie ihn überhaupt haben wollen? Vielleicht ist auf der Seite noch keine konkrete Entscheidung gefallen und er wartet deshalb ab. Denn "schön" ist wirklich was anderes. Auch die Dame (und auch er) wird reichlich Spießrutenlaufen, wenn dein Mann nun zukünftig offen ein paar Häuser weiter bei ihr ein- und ausgeht. Sowas spricht sich in Lichtgeschwindigkeit herum und nicht jeder Unbeteiligte hält mit seiner Meinung hinter dem Berg. In einer großen, anonymen Stadt mag das keinen interessieren, aber in einer idyllischen Wohnsiedliung oder einem Dorf sieht das ganz anders aus. Und beruflich werden sie sicher auch die ein oder andere Tuschelei über sich ergehen lassen müssen. Macht keinen Spaß das Tratschthema des Unternehmens zu sein bis sich die nächste Sensation dort auftut.

      Vielleicht provoziert dein Mann auch eine Entscheidung von dir und sitzt es aus bis du entnervt aufgibst. Macht sich immer besser, wenn man sagen kann, die Fraumhat sich getrennt und ist mit Sack und Pack ausgezogen. Die wenigsten fragen dann detaillierter nach, woran DAS denn gelegen haben mag. Und dann erscheint die Kollegin als Seelentröster auf der Bildfläche, um dem geschundenen Mann bei der Verarbeitung des traumatischen Ereignisses zur Seite zu stehen. Wer will es Ihnen verdenken, wenn sie sich dabei näher gekommen sind - immerhin haben sie sich schon lange gut verstanden und mal einen Kaffee zusammen getrunken........

      Das sollte nicht deine Sorge sein. Aber es gibt verschiedene Möglichkeiten, warum es so läuft, wie es bei euch gerade läuft.

      • (14) 19.12.16 - 19:59

        Ja, das habe ich ihm schon gesagt... dass ich extrem enttäuscht von seiner Unehrlichkeit bin, dass er die Werte, die ihm selbst so viel bedeuten, verraten hat, und dass ich nicht weiß, ob er jemals der Mann war, für den ich ihn gehalten habe. Er ist auch nicht stolz darauf, sagt er. Ihn belastet das schon... Gerade mich wollte er nie enttäuschen, weil ich selbst so ein ehrlicher Mensch bin und ihm so vertraut habe... Und er sah sich auch immer als einen absolut loyalen und verlässlichen Menschen und Partner.
        Ich kann auch überhaupt nicht verstehen, wie er aus einer vermeintlich harmonischen, schönen Beziehung auf einmal so ins Schlingern gerät. Noch vor wenigen Monaten hat er mir erklärt, er sei sich mit mir so sicher, er wolle immer mit mir zusammen sein, er sei so glücklich mit seiner Familie... Es ist so, als ob er momentan gar nicht er selbst wäre. Kann es sein, dass Menschen in extrem stressigen beruflichen Situationen auf einmal völlig gegen ihren sonstigen Charakter handeln...? Er hat eine sehr anspruchsvolle Führungsposition eingenommen und das hat in der letzten Zeit unser Familienleben auch sehr beeinträchtigt. Vielleicht war die neue Liebe auch so etwas wie eine Flucht... Wenn ich wenigstens ansatzweise wüsste, was er will. Er sagt, er will uns nicht verlieren und kann sich ein Leben ohne mich und die Kinder nicht vorstellen. Gleichzeitig tut er aber nichts aktiv, um zu verhindern, dass er uns verliert.
        Die Affärenfrau war ja am Tag, nachdem ich es herausgefunden habe, bei mir, um "zu reden". Saß dann ganz fertig bei mir auf der Couch und hat mir erklärt, wie leid ihr das tut und dass sie da so reingerutscht sei, er sei da bei ihr in der Tür gestanden und hätte ihr seine "Verknalltheit" gestanden, sie hätte sich dem nicht entziehen können... Sie hat sich direkt von ihrem Freund getrennt und dann mehr oder weniger erwartet, dass er sich schnell entscheidet. Sie war dann doch ziemlich genervt, dass er sich eben nicht schnell entschieden hat, weil sie ja auch nicht wolle, dass er "nur zu mir kommt, weil du ihn rausschmeißt"- nein, sie wollte, dass er sich FÜR SIE entscheidet. Sie wüsste auch nicht, ob sie ihn überhaupt noch will, nach dem ganzen Herumgeeiere. Naja, offensichtlich hat sie noch nicht ganz aufgegeben...

        Beruflich könnte es etwas unangenehm werden, wenn er zu ihr wechselt... er hat eine Führungsposition und ist dort ziemlich im Fokus, es werden schon einige Gerüchte im Umlauf sein, weil man sie öfters Kaffeetrinken sieht. Wenn sie plötzlich als seine Partnerin auftritt, kann man sich den Rest ja denken... und es ist bekannt, dass er gerade erst zum dritten Mal Vater geworden ist. Diese Perspektive scheint ihn aber nicht sonderlich zu beunruhigen.
        Überhaupt scheint er allgemein wenig beunruhigt zu sein, seit es rausgekommen ist... vorher hat er schlecht geschlafen, ich habe ihm angemerkt, dass er sich unwohl fühlt. Jetzt schläft er wieder gut- als wäre eine Last von ihm genommen, seit die Lügnerei zu Ende ist.

        Ich bin gespannt, wie er reagiert, wenn ich wirklich gehe... fast befürchte ich, dass er wirklich erleichtert ist, keine Entscheidung mehr treffen zu müssen...

        • Hallo!

          Ganz ehrlich: höre genau auf das was er sagt und nimm es wortwörtlich:

          " Er sagt, er will uns nicht verlieren und kann sich ein Leben ohne mich und die Kinder nicht vorstellen. "

          Ja, er will dass alles so "bequem" bleibt wie es ist und er zusätzlich noch eine Geliebte / Freundin / Affäre hat!
          Und es ist tatsächlich unbequem und tatsächlich "unvorstellbar" wenn erstmal Kontakt mit den Kindern nach Stundenplan hat und das auch noch neben seinem bestimmt zeitlich und räumlich (?) sehr flexiblen Job auch noch managen muss.

          ICH würde ihn noch vor Weihnachten bitten die gemeinsame Wohnung zu verlassen - es gibt möblierte Zimmer - wo er sich Gedanken machen kann wie es weiter geht. Zu Weihnachten kann er Euch BESUCHEN kommen, die Kinder ins Bett bringen und dann wieder gehen ....
          Besprich das auch mit dem Anwalt.

          Alternativ verlässt DU alleine das gemeinsame Haus und lässt ihn da mit den Kinder sitzen - das könnte die Entscheidungsfindung etwas beschleunigen. Er hat dann in einem Punkt seinen Willen: er verliert nicht die Kinder. Ich denke die Kinder werden keinen "Schaden" nehmen, sofern Dei Mann ein passabler Papa ist. Ich weiß, perfekt wie bei Mama wird es wohl nciht, aber es gibt keine Schäden.

          LG & VG, I.

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