Alles aufgeben nach über 20 Jahren?

    • (1) 28.12.16 - 13:29

      Hallo!

      ich habe schon lange nicht mehr geschrieben. Und heute hab ich das Bedürfnis danach bevor ich platze...

      Ich bin seit über 20 Jahren mit meinem Mann zusammen (Jugendliebe), Kind, Haus, volles Programm.

      Die letzten Monate merke ich extrem, dass ich ihn nicht mehr liebe. Ich hab keine Lust mehr auf Sex mit ihm, sehne mich nicht mehr nach seiner Nähe, ganz im Gegenteil. Wir leben wie Bruder und Schwester nebeneinander her. Unsere Abende verbringen wir nur noch getrennt.

      Aber alles aufgeben was man sich im Laufe der Jahre aufgebaut hat? Für unsere Tochter würde eine Welt zusammenbrechen, ich weiß wie das ist, bin selbst Scheidungskind.

      Aber macht es Sinn daran festzuhalten, weil alles Gewohnheit ist, das Zuhause schön ist.. weil man Angst vor Veränderung hat?

      Aber momentan sehne ich mich einfach nach einer eigenen Wohnung, einem Neuanfang. Ich hab ganz heftig das Gefühl, mir eingestehen zu müssen, dass "unsere" Zeit abgelaufen ist. Wir kamen so jung zusammen... aber was soll noch kommen? Der Gedanke, noch jahrelang so zu leben, macht mich krank.

      An Weihnachten bei meinen Schwiegereltern hat mich das Gefühl überfallen: "jedes Jahr das Gleiche, mein Mann sitzt in der Ecke, wir haben uns nicht mehr sehr viel zu sagen..., das Gefühl ist nicht mehr innig". Es ist lediglich die vertraute Vertrautheit, ich mag ihn sehr. Aber ich überlege, ob es an der Zeit ist neu zu beginnen, ganz egoistisch...

      Ich weiß nicht, ob sich jemand in mich reinversetzen kann. Bitte spart euch: "Arme Tochter, armer Ehemann...". Mir ist durchaus bewusst, was ich aufgebe. Wir unternehmen auch als Paar durchaus noch viel. Aber immer wieder hab ich das Gefühl, es mit einem Freund zu tun. Mein Herz schlägt nicht mehr für ihn. Ich sitze in einem goldenen Käfig. Und ich weiß nicht, wie lange ich diese Fassade aufrechterhalten soll und kann. Und ich komme mir so unehrlich vor, ihm immer wieder zu sagen, wie sehr ich ihn liebe, obwohl ich keine Gefühle mehr habe. Das hat er nicht verdient.

      Entschuldigt das Durcheinander. Bin dankbar für jeden Erfahrungsaustausch.

      • Hallo,

        ich denke, es ist Zeit für ein klärendes Gespräch. Eure Tochter wird merken, wenn es zwischen Euch nicht stimmt. Ihr müsst Euch auch nicht gleich scheiden lassen. Hat Dein Mann überhaupt eine Chance? Wäre eine WG für Euch ein Modell? Bevor Du alles hinwirfst, sprich mit ihm. Eine Trennung ist für ein Kind zwar dramatisch, aber nicht das Ende der Welt. Wichtig ist, wie Ihr nach einer Trennung als Eltern miteinander umgeht.

        LG
        Lana

        Vermutlich geht es ganz vielen Paaren nach Jahrzehnten so, wenn man nicht aufpasst. Man kommt an eine. Punkt, wo man alles hat, alles gut läuft und stellt sich die Frage: und was kommt jetzt, war's das für die nächsten 25 Jahre?

        Ihr geht sehr gleichgültig miteinander um. Dein Mann ist ja nicht beschränkt und wird wohl kaum glauben, dass ihr eine "normale", gesunde Beziehung miteinander führt und alles in Ordnung zwischen euch ist. Warum erzählst du ihm, dass du ihn liebst? Dazu zwingt dich doch niemand. In deinem Fall hält man sich besser bedeckt und sagt nix.

        Bestenfalls solltet ihr mal die Karten auf den Tisch legen. Sag ihm, wie du empfindest. Mit großer Wahrscheinlichkeit rennst du bei ihm offene Türen ein. Und dann entscheidet, ob es noch lohnt, an der Ehe festzuhalten und zu schauen, ob ihr sie wieder beleben könnt. Dieses nebeneinander herleben geht i. d. R. sowieso nur so lange gut, bis einer jemand anderen kennen lernt und aus dem Trott ausbricht. Dem würde ich vorbeugen, denn das wird meist ganz hässlich und führt oft zu einer schäbigen Trennung.

        (4) 28.12.16 - 14:42

        Mir ging es genau so wie dir. Ich habe keine Berührungen mehr ertragen, mir aber nie etwas anmerken lassen. Ich habe beim Sex jahrelang so getan, als ob ich gekommen sei, damit schneller Schluss war (er fragte immer nach). Wir hatten keinen Gesprächsstoff mehr und ich habe ihm unterschwellig etwas vorgeworfen was er getan hatte vor Jahren (er hatte den Kontakt zu unserem Sohn abgebrochen).

        Irgendwann habe ich jemand kennen gelernt und mich in ihn verliebt. Ich habe aber seine Avancen zurück gewiesen, weil ich nicht meinen Mann betrügen wollte. Es ist nicht einmal zu einem Kaffee trinken gekommen. Da ich aber frei sein wollte für einen Neuanfang mit diesem Mann, habe ich mich getrennt. Nach 25 Jahren Ehe. Haus, Kinder etc.

        Heute denke ich, das sich meinem Mann keine Chance gelassen habe, an unserer Ehe zu arbeiten. Ich hätte es der Fairniss halber früher ansprechen sollen, dass ich ich entliebt hatte. Aber dennoch wäre nichts zu retten gewesen, Das mit dem Sohn konnte ich ihm nicht verzeihen. Eine Familienberatung hatte er auch abgelehnt.

        Du solltest deine Karten auf den Tisch legen. Und dir klar machen dass du nicht nur einen Mann sondern auch das ganze Umfeld verlieren wirst. Familienleben, evtl werden die Kinder auf dich böse sein und es wird nie wieder wie vorher, Freunde, die gewohnte Umgebung, finanzieller Status - einfach alles gibt man auf bei einer Trennung.

        Sie birgt tatsächlich aber auch eine neue Chance. Bei mir war es so, dass ich fast kaputt gegangen wäre, jetzt aber das Leben habe, das ich immer führen wollte.

      • Ich kann dich sehr gut verstehen und bin - wahrscheinlich auch aufgrund meiner eigenen persönlichen Situation - absolut der Meinung, dass du mit deinem Mann über deine Gefühle reden solltest, so lange zwischen euch noch alles soweit in Ordnung und nichts vorgefallen ist, das eine beidseitig wohlwollende Klärung der Lage behindern könnte.

        Mir geht es auch seit Jahren so, dass ich die positivsten Gefühle im Leben eher nicht unbedingt mit meinem Mann in Verbindung bringe.

        Bloß habe ich leider versäumt, mich damit und anderen Problemen zwischen uns rechtzeitig auseinanderzusetzen.

        Bei uns ist es nicht das Brüderchen- und Schwesterchending, das ja - wenn von beiden Seiten gewollt - im Sinne der Kinder durchaus eine Möglichkeit sein kann.

        Sondern mein Mann denkt, wir haben eine ganz normale Ehe mit Höhen und Tiefen und die Tiefen blendet er gerne aus, sobald mal irgendwas wieder gut gelaufen ist.

        Dabei habe ich auch seit Jahren eigentlich keine Lust mehr auf ihn - in allen möglichen Sinnen.
        Mich hält die Familie und so ein unbestimmtes Gefühl, dass ich vielleicht nicht alles, was möglich gewesen wäre, gemacht habe oder dass meine Gefühle durch den Kinder- und sonstigen Stress einfach nur verschüttet sind und er in Wirklichkeit doch DER Mann für mich ist?

        Aber wenn du schon so klar siehst, dass deine Gefühle echt weg sind und du neu anfangen möchtest, dann mach was!!

        Viel Glück!

        Hast Du schon mal mit ihm darüber gesprochen? Vielleicht geht es ihm ja genauso.

        <<<Aber momentan sehne ich mich einfach nach einer eigenen Wohnung, einem Neuanfang.>>>

        Man sollte durchaus auf sein Bauchgefühl hören. Du wärst nicht die erste Person, die in einer eigenen Wohnung aufblüht, und letztendlich sogar die tot geglaubte Partnerschaft wieder Fahrt aufnimmt.

      • Hallo Ihr Lieben,

        vielen Dank für eure wirklich netten Antworten bisher. Kein Steinwurf - eher Verständnis und der Versuch, wirklich Hilfestellung zu leisten. Dafür danke ich!

        Aus allen Antworten konnte ich etwas hilfreiches ziehen. Es stimmt, man gibt nicht nur seine Familie auf, sondern das gesamte Umfeld (Freunde, Haus, das Finanzielle etc. etc.). Das ist mir schon klar. Ich liebe mein Zuhause, aber ich liebe den Mann, der mit mir darin wohnt nicht mehr wirklich. Ich spüre das in jeder Geste. Ich habe eher Mitleid, wenn ich daran denke, was ich ihm antun würde mit einer Trennung. Natürlich hab ich auch Riesenrespekt vor dem Finanziellen (Haus etc.) und ich kann mir jetzt schon vorstellen, dass ich alleine in meiner doch gewünschten Wohnung sitze und zweifele, ob das so richtig war, alles wegzuwerfen.

        Aber was nützt mir ein schönes Zuhause, die Sicherheit im Hintergrund, wenn ich mit einem Mann zusammenlebe, für den ich kaum was mehr empfinde? Natürlich spürt er ebenso, dass ich nicht glücklich bin - aber dass ich eine Trennung in Erwägung ziehe, damit rechnet er keinesfalls. Jetzt kommt Silvester, Urlaub ist gebucht für Sommer nächstes Jahr... ich weiß nicht, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist, so ein Fass aufzumachen und mich ihm ehrlich zu offenbaren?

        Der Gedanke als WG zusammenzuleben ist gar nicht so verkehrt - aber offen gesagt denke ich auch nicht, dass das der richtige Weg ist, Monat für Monat, Jahr für Jahr zu verbringen, um die Fassade, die Familie aufrechtzuerhalten... ? Ich brauche klare Verhältnisse.

        Für mich habe ich den Entschluss gefasst, dass ich 2017 stark "in mich gehe" - bestimmt auch mal eine Gelegenheit für ein Gespräch suche mit meinem Mann - und genau zu dem Zeitpunkt wie heute, dann entscheiden werde. Fühle ich mich in einem Jahr genauso wie heute, dann werde ich mich wohl trennen.

        Ich hab schon immer großen Respekt vor Frauen, die ihr Leben in die Hand nehmen mit allen Konsequenzen - und eben nicht Jahr für Jahr vor sich hintümpeln... Ich glaube, Ihr wisst, was ich damit meine.

        Über weiteren Gedankenaustausch freue ich mich!

        • Hallo!

          Wie wäre es mit einer Eheberatung?

          Vergessene Gefühle sind meistens nur unter Alltag und eingefahrenen Strukturen in Vergessenheit geraten, aber nicht ganz weg. Die kann man Wiederbeleben, wenn BEIDE daran arbeiten wollen.

          Ja, das macht Mühe, und man muss wieder miteinander ins GEspräch kommen, aber im Moment gibst Du ihm ja gar keine Chance.

          Und nur wegen dem Sommerurlaub würdest Du dann doch noch ein halbes Jahr bei ihm bleiben - dann kann es so schlimm ja nun nicht sein. Es ist Langweilig. aber daran kann man wirklich arbeiten.

          Die Wahrheit ist: es wird nichts wesentlich besseres kommen. Männer im passenden Alter sind wahlweise vergeben oder selber schon geschieden, und auch da werden sich die Gefühle mit der Zeit abnutzen. Nach 10 Jahren prickelt es eben nicht mehr großartig. Da kommt halt irgendwann der Punkt, an dem man ernsthaft anfangen muss, an einer Beziehung zu arbeiten. Solange es nicht mal was gibt, was Dich wirklich massiv stört sehe ich keinen Grund, nicht ernsthaft zu versuchen, die Ehe zu retten.

          Deine Gefühle kommen mir soooo bekannt vor, Schwestern im Geiste...
          Jetzt vor Weihnachten /Silvester mag ich auch nicht reden, dann stehen wieder familiäre Geburtstage an, dann hat Sohn Nr. 2 KommunIon...
          Ich schaff den Absprung auch nicht wirklich.

          Schreib mir gern mal zwecks Erfahrungsaustausch!

          LG Smilla

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