Was tun? Gehen? Bleiben?

    • (1) 28.12.16 - 22:19
      ratlosesFragezeichen

      Ich weiß eigentlich gar nicht, wie oder wo ich anfangen soll... Irgendwie sitze ich ratlos hier - ein lebendes Fragezeichen. Die Gesamtsituation meiner Beziehung ist so eigenartig.

      Vielleicht fange ich einfach von vorne an...

      Letztes Jahr wurde ich (Ende 20) schwanger. Den Vater (Mitte 30) meines Kindes kannte ich da erst sehr kurz. Aber wir waren uns schnell einig, "es" versuchen zu wollen. Gefühl war ja da und Kinder wollten wir auch beide.

      Während meiner Schwangerschaft haben wir gebaut (er hatte alles schon in Planung bzw war schon darüber, als ich ihn kennenlernte, ich kam also dazu), das war eine echte Herausforderung für so eine frische Beziehung!

      Schon da kam es zu ersten Unstimmigkeiten. Aber alles in einem Rahmen, der vorkommen kann - dachte ich zumindest.
      Rückblickend muss ich sagen, dass er da z.T. schon Grenzen überschritten hat. Allerdings sind Schwangerschaftshormone in Kombination mit rosa Brille nicht förderlich fürs Denkvermögen.

      Im Frühjahr diesen Jahres zogen wir ein, kurz darauf kam unser Kind.

      Ab da ging es los...

      Er kümmert sich nicht um den Kleinen. Er macht einfach gar nichts. Nicht wickeln/anziehen, nicht füttern (weder Flasche noch Brei), nicht mit ihm spazieren gehen. Er stand noch nie nachts auf, ich konnte noch nie ausschlafen.

      Das Einzige, was er macht, ist mit dem Baby spielen.

      Ich habe klar gesagt, was ich erwarte. Schon in der Schwangerschaft. Wir waren uns einig, Aufgaben zu teilen. Geblieben ist von den Abmachungen rein gar nix.

      Nie habe ich ihn im Umgang mit seinem Sohn reingeredet oder groß Tipps gegeben.

      Auf Nachfrage, warum er so wenig macht, kommt ein Achselzucken und ein "hat keinen Grund".

      Mittlerweile ist dieses Thema totdiskutiert. Wir haben gestritten (bin sogar vorübergehend ausgezogen) sachlich geredet usw. Er bleibt bei seiner Haltung und ich habe kapituliert.

      Das gemeinsame Sorgerecht wollte er übrigens partout nicht haben... Keine Ahnung, warum. Er hat lediglich die Vaterschaft anerkannt.

      Das zweite große Problem ist sein Umgang mir gegenüber.
      Wenn er sauer ist, spricht er nicht mit mir. Teils tagelang. Weder kenne ich den Grund seiner Wut noch sagt er ihn mir. Er spricht dann auch mit sein Kind nicht.

      Alternativ wird er boshaft und ausfallend bzw sehr verletzend (hat mir u.a. schon unterstellt, der Zwerg sei nicht von ihm) und persönlich.

      Drittes Problem: er ist egoistisch. Hat ein zeitaufwendiges Hobby.

      Was ich prinzipiell begrüße, wenn sich jemand engagiert.

      Aber bei ihm ist es so, dass der Kleine und ich völlig hinten anstehen.

      Sogar im Frühwochenbett, als es mir sehr schlecht ging, hat er uns alleine gelassen und sein Hobby gepflegt (den halben Tag).
      Will ich meinen Hobbys nachgehen, muss ich meine Mutter fragen, ob sie den Kleinen nimmt. Weil er ja nie Zeit hat. Oder aber ausruhen muss. Wobei das ein kleineresThema ist, damit könnte ich leben.

      Belastend ist es für mich auch, dass er mir rein gar nix von sich erzählt.

      Ich weiß nicht, was er mag, was ihn aktuell beschäftigt usw. Er erzählt mir nie etwas von sich oder seinem Job (sitzen wir mit Freunden zusammen, ist er in diesen Punkten eine Quasselstrippe).

      Umgekehrt fragt er nie, wie mein Tag war oder so.

      Abends hocke ich am Sofa, er vorm PC. Sogar Weihnachten haben wir so verbracht.

      Will ich mit Freundinnen Mal essen gehen, gibt es Streit, richtig weg war ich seit der Schwangerschaft nicht mehr. Da würde er ausflippen.

      Abgesehen davon nimmt er dem Kleinen (wie oben erwähnt) ja nicht alleine

      Sind wir mal gemeinsam aus, kippt er sich massig hinter die Binde und ist am nächsten Tag zu nix zu gebrauchen.

      Er geht generell ewig spät ins Bett und bleibt bis in die Puppen liegen (wenn er nicht arbeitet, versteht sich). Haushalt ist - eben so wie Kind - komplett meine Aufgabe.

      Zärtlichkeiten im Alltag gibt es nicht (sowas wie über die Haare streichen, umarmen oder ähnliches), die berühmten drei Worte kamen ihm noch nie über die Lippen.

      Ich habe nicht die Vorstellung, dass man sich immer alles erzählen muss und jeden Abend zusammen aufm Sofa sitzen soll!

      Aber ein gesundes Mittelmaß ist doch nicht zu viel erwartet?

      Auch in Sachen Romantik bin ich nicht auf rote Rosen und Kerzen gepolt... Aber ab und an ein Kuss ist doch (vor allem bei einer so kurzen Beziehung) normal?

      Auch will ich keine wilden Sauforgien feiern. Aber meine Freundinnen sind alle kinderlos und gehen entsprechend viel weg. Wenigstens ab und an mal möchte ich wieder mit!

      Hier gilt allerdings wieder: Reden zwecklos!! Er ignoriert mich. Hört nicht zu, wendet sich ab (= lässt mich stehen). Oft kommt der Spruch "ist dir eigentlich bewusst, was du alles hast?!" In Kombination mit der Feststellung, dass ich zu hohe Erwartungen habe und undankbar bin.

      Auf der anderen Seite überschüttet er mich mit Klamotten und Geschenken.

      Mal ein Shirt oder so wäre ja kein Ding.

      Aber er deckt mich komplett mit allem ein. Die Dinge sind hochwertige Markenartikel - aber mir ist das unangenehm.

      Neulich kam er sogar mit einer Haarfarbe für mich an (auch so ein Ding, das mir langsam suspekt ist: ich bin dunkelhaarig und hatte immer sehr kurze Haare. Die Haarfarbe, die er mitbrachte, ist blond. Und er will, dass ich sie mir wachsen lasse).

      Er trifft alle (wirklich alle) Entscheidungen und wenn ich mich wehre, spricht er nimmer mit mir. Bzw macht doch, was er für richtig hält. Sogar meine CDs stellt er ab, wenn er heimkommt!

      Er hat ständig Angst, dass dem Kleinen oder mir etwas passiert. Er will wissen, wo wir hingehen, wann wir zurück sind usw. Wehe, ich bin nicht erreichbar!
      Erst fand ich das fürsorglich - mittlerweile finde ich das erstickend.

      Nach außen sind wir das perfekte Paar, groß, schlank, beide beliebt, beide sehr sportlich usw.

      Unser Kind ist zuckersüß!

      Das Haus ist sehr schön und in guter Lage.
      Mein Freund verdient gut, ich steige im Januar wieder Teilzeit in den Beruf ein... es könnte schön sein!

      Aber irgendwie fühle ich mich nicht mehr wohl. Ich war so tough, selbstsicher, fröhlich... Mittlerweile bin ich ein Schatten meiner selbst. Diese ständigen Machtkämpfe haben mir jegliche Kraft geraubt (auch wenn man sie nur dem rauben kann, der sie sich rauben lässt.).

      Ach ja, ich bin logischerweise auch nicht perfekt, habe meine Macken und kann - wie die meisten Menschen - schwierig sein. Das ist mir durchaus bewusst. An manchen Situationen der letzten Monate habe ich klar meinen Teil beigetragen.

      Soweit die Situation... Was tun?

      Am liebsten würde ich rennen, was das Zeug hält!

      Aber da ist ja noch unser Kind. Der Zwerg hält mich an der Seite meines Freundes

      Hat er nicht ein Recht auf seinen Vater?

      Ist es nicht egoistisch von mir, wegen meinem persönlichen Befinden die Beziehung beenden zu wollen?

      Müsste ich mich besser mit meinem Freund arrangieren?

      Aber wie? Kommunikation ist ja nicht seine Stärke... Meine Stärke waren immer klare Ansagen. Nur hier greift das nicht!

      Es ist wirklich keine Übertreibung von mir - mit diesem Mann kann man nicht reden und er sagt von sich in voller Überzeugung, keine Fehler zu machen.

      So ihr klugen Menschen hier - was tun?

      Eine völlig außenstehende Person sieht oftmals klarer, von daher freue ich mich auf Antworten.

      Danke an alle, die das gelesen haben!

      • Nimm die Beine in die Hand und lauf so weit du kannst. Das ist der einzige Rat, den man dir geben kann. Er liebt nicht dich sondern ein Bild von dir, das er in seinem Kopf hat. Er will dich um ändern in sein idealbild. Er ist egoistisch, tut nichts, säuft, kümmert sich nicht um euer Kind, zeigt keine liebe und respektiert dich in kleinster weiße. Was will man mit so einem? Das soll der Vater sein, mit dem ein Kind aufwachsen wird und sich als Vorbild nimmt? Never! Nimm euer Kind und renn.

        • (3) 28.12.16 - 22:46
          ratlosesFragezeichen

          Ich danke dir für deine Meinung!
          Die Sache mit der Vorbildfunktion für mein Kind habe ich auch im Kopf... Nur dachte ich bisher, ich übertreibe. Anscheinend nicht.

      Hallo.

      Lies ... https://www.re-empowerment.de/

      Und geh ... nein, besser lauf... so schnell und so weit weg, Du kannst (was aufgrund der alleinigen Sorge möglich ist ... was ein Glück, dass er es nicht wollte).

      Hier muss man nichts mehr analysieren und totdiskutieren ...

      Alles Gute.

      • (5) 28.12.16 - 22:50
        ratlosesFragezeichen

        Danke für den Link, scheint sehr interessant zu sein.
        Ich habe es jetzt nur grob durchgesehen, will es morgen lesen.

        Meinst du, dass sein Verhalten psychische Gewalt ist? Wobei, nachdem ich jetzt alles aufgeschrieben habe, kann ich mir die Frage selbst beantworten!

    Du hast alles aufgedröselt und es überwiegen ja doch die negativen Aspekte, die du anführst.
    Wenn ich auf so n Deppen reingefallen wäre, würde ich schleunigst die Beine in die Hand nehmen. Da würde ich persönlich auf n neues Haus dreimal pfeifen und zusehen, dass ich mit meinem Zwerg alleine klar komme (was Wirtschaft schaffen würden!). Und es gibt genug Männer auf dieser Erde, die auch eine Frau mit Kind gerne annehmen und auch sehr gut als Patchwork-Papa wirken!
    Hoffe stehst nicht mit bei den Krediten hinsichtlich des Hauses bei...

    Alles Gute!

    • (10) 28.12.16 - 22:54
      ratlosesFragezeichen

      Danke für deine Antwort.
      Das Aufdröseln hat mir schon geholfen, klarer zu sehen und eure Meinungen tun ihr übriges.

      Nein, mir gehört hier nichts, was nicht mit mir ausziehen kann. Mit Krediten habe ich nix am Hut. Zum Glück bin ich dann doch nicht so naiv...

Hallo,

Dein Sohn hat ein Recht auf seinen Vater - das ist richtig.

Aber er hat kein Recht darauf, dass Du in einer "Beziehung" verharrst, die Dir kalt die Nackenhaare hochstehen lässt!

Du hast das Recht, glücklich zu sein - gerade wegen Deinem Kind.

Dein Freund möchte das Kind nicht! Nochmal: Er MÖCHTE nicht!

Er möchte auch eine Beziehung mit Dir nicht. Was er möchte ist eine Barbiepuppe, die er nach seinen eigenen Vorstellungen stylen kann.

Was glaubst Du, wird Dein Sohn dadurch lernen?

Respektvollen Umgang mit Frauen?

Selbstvertrauen?
Glückliche Kindheit bei unglücklichen Eltern?

Fehlanzeige!

Wenn bei Deinem Freund wenigstens im Ansatz erkennbar wäre, dass ihm an einer Zusammenarbeit für die Beziehung und Familie liegt, würde ich anders schreiben, aber so:

Nimm Dein Kind und geh! Ermögliche Deinem Sohn in einem ungetrübten Umfeld aufzuwachsen!

Ich (und auch mein Mann) sind beide in "unglücklichen" - für uns dann gesundheits- und teilweise lebensgefährlichen - Haushalten aufgewachsen. Wir sind nun über 30, aber es beeinträchtigt uns teilweise noch immer, obwohl wir viel aufgearbeitet haben.

Unser 10-jährige Sohn macht das natürlich "mit uns mit". Er kennt unsere Vergangenheit und ich bin jeden Tag wieder glücklich, dass wir eine tolle kleine Familie sind - aber genau wegen meiner Vergangenheit würde ich ihm so ein "Heim", wie Du es beschreibst, niemals antun!

Ich wünsch Dir alles Gute!

jg

  • (12) 28.12.16 - 23:06
    ratlosesFragezeichen

    Ich danke dir für deine ehrlichen Worte!

    Und ja du hast Recht - mein Kind hat nichts von einer unglücklichen Mutter.
    Er hat ein Recht auf einen unbeschwerten Start ins Leben, den ich ihn so nicht ermöglichen kann

    Und ich wünsche mir für meinen Kleinen auch ein männliches Vorbild, das ihm Werte wie Respekt vor anderen vorlebt. Schon als ich den Text geschrieben habe, ist mir viel klar geworden...

    Ob er sein Kind nicht möchte, kann ich so nicht sagen. Viel mehr glaube ich,

    er will die Verantwortung nicht. Aber das eine bedingt ja das andere.

    Dir (und deiner Familie!) auch alles Gute

    • Na siehst Du!

      Man ist so viel mehr bereit zu ändern für die eigenen Kinder als für sich selbst. Das wirst Du noch viel mehr merken, wenn Du älter wirst.

      Elternliebe ändert sich, so wie sich auch die Kinder ändern. Insbesondere ist mir die Anerkennung meines Kindes mir gegenüber viel Wert.

      Die würde Dein Sohn Dir gegenüber gar nicht haben, wenn Du weiter in dieser Situation verharrst.

      Das würde ich mir später nicht vorwerfen (lassen) wollen!

      Ich wünsch Dir alles, alles Gute!

      jg

Ohgottohgottohgott................ Ganz ehrlich, beim Lesen deines Textes bekam ich Gänsehaut und einen leisen Fluchtreflex.

Der Mann entwickelt sich zu Psychopathen. Er arbeitet darauf hin, dich von Freunden und allen anderen Vertrauenspersonen zu isolieren. Er kontrolliert dich und verlangt Rechenschaft über dein Treiben. Er übt psychische Gewalt aus. Er kleidet dich ein (DU nennst es Geschenke und glaubst, er meint es gut und möchte dir eine Freunde bereiten...... In Summe mit allem anderen, glaube ich das leider nicht), er möchte eine Typveränderung und dich nach seinen Wünschen formen.

Das letzte Mal habe ich sowas in einem Psychokrimi gelesen. Das begann auch eher harmlos und endete gruselig.

Geh! Ich habe auch nicht einen einzigen Punkt gelesen, der ein Leben mit ihm lebenswert macht.

Aber bitte: Kümmere dich erst um eine neue Bleibe, informiere enge Freund und deine Familie darüber damit sie dich notfalls unterstützen. Und DANN erst rede mit dem Mann. Am besten lässt du das Kind bei deiner Mutter und triffst dich mit ihm auf neutralem Boden, um alles zu besprechen. Ich habe echt etwas Angst um dich.

  • (15) 29.12.16 - 08:48
    ratlosesFragezeichen

    Vielen Dank für deine Antwort.

    Heute Nacht habe ich kein Auge zugemacht. Und ich bin wie du zu dem Entschluss gekommen, dass ich erst eine Wohnung für Zwergi und mich finden muss. Diese Trennung muss gut geplant sein, denn dass er uns "einfach gehen" lässt, passt nicht zu ihm.

    Heute morgen ist das Fass dann übrigens entgültig übergelaufen. Auf eine harmlose Frage von mir ist er völlig ausgerastet und hat aufgezogen. Zugeschlagen hat er nicht. Ich hab ihm nur gesagt, dass ich ihn anzeigen werde, wenn er das tut und dass er sich die Konsequenzen gut überlegen muss. Das nächste Mal wird er vermutlich nicht so beherrscht sein.

    Oh man, in was hab ich mich nur reimmanövriert...!?!

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