Wie soll das weiter gehen? So verfahren.... *lang*

    • (1) 30.12.16 - 09:51
      no-bullerbü

      Hallo,
      ich lese hier sehr viel mit und schreibe fast nie. Allerdings bin ich jetzt in einer Situation in der ich ein paar Meinungen gut gebrauchen kann.

      Kurz vorweg: Ich werde wohl erst heute Abend wieder reinschauen und auch antworten können.

      Mein Mann und ich sind seit 14 Jahren zusammen, seit 10 verheiratet und haben zwei Kinder (8/6), also alles normal soweit.
      Ich mag unser Leben. Es ist recht bescheiden, aber damit kommen wir gut zurecht.

      Ich habe als unser jüngstes Kind drei geworden ist wieder angefangen zu arbeiten. Im Prinzip kein Problem, allerdings viel zu viele Stunden und die Situation in der Abteilung war aufgrund einer sehr schwierigen Chefin auch alles andere als Optimal.

      Ich habe Anfang letzten Jahres (nachdem ich schon lange massive körperliche Beschwerden hatte) eine dicke Depression bekommen.
      Ich war lange krank geschrieben, habe meinen Job gekündigt und eine Therapie gemacht. Seit Oktober 2015 ging es mir wieder so gut, dass ich einen neuen Job gefunden habe der mir auch wirklich Spaß macht und mit den Kindern super zu vereinbaren ist, ein großer Glücksfall!
      Über die Jahre hat mein Mann sich mehr und mehr aus allem raus gehalten. Alle Entscheidungen habe ich alleine treffen müssen und wenn sich eine als nicht optimal herausstellte, wurde ich dafür auch noch kritisiert (und das nicht zu knapp). Selber eine Entscheidung treffen und dafür dann gerade stehen kommt für ihn aber nicht in Frage.

      Als Paar hapert es schon länger bei uns. Ich habe über die Jahre immer das Gespräch gesucht und immer offen kommuniziert was mir fehlt, und das ich so nicht glücklich bin. Unser älteres Kind war ein Jahr alt, da habe ich ihn das erste mal um eine Paartherapie gebeten, vor einem halben Jahr das letzte Mal. Die Situation zwischen uns war nie akut, ich hatte nur immer schon das Gefühl, dass wir uns schleichend voneinander entfernen und ich kam da einfach nicht gegenan. Seine Reaktion war immer „Das kriegen wir schon hin!“ Ich habe mich nie ernst genommen gefühlt, denn geändert hat sich auch nichts. Ich wollte immer mehr Zeit miteinander verbringen, z.B. einfach mal einen Abend den Fernseher auslassen. Nix zu machen. Jahrelang habe ich gesagt, dass ich keinen Fernseher im Schlafzimmer haben möchte, ratet mal was er letztes Jahr dort angebaut hat.

      Im Zuge meiner Depression habe ich Phasen gehabt in denen ich auf der Couch geschlafen habe. Das war ihm auch immer recht, dann brauchte er nicht darauf achten nicht zu schnarchen.
      Wie gesagt, vor einem halben Jahr habe ich zuletzt um eine Paartherapie gebeten und auch darum, dass wir wieder gemeinsam im Schlafzimmer übernachten. Seine Reaktion: „Meinst du? ist doch eigentlich ganz praktisch so.“ Aha.

      Da habe ich dann irgendwie angefangen mich abzufinden und mich alleine einzurichten.
      Es kommt die alte Leier – Ich habe jemanden kennen gelernt. Er ist auch verheiratet und total verknallt in mich. Ich mag ihn auch wirklich sehr gerne, mehr kann ich dazu gar nicht sagen. Wir haben uns mehrmals heimlich getroffen und auch 2x geknutscht.
      Anfang Oktober habe ich das meinem Mann gebeichtet, weil ich weiß dass es nicht ok ist und ich das auch so nicht möchte. Den Kontakt zu dem anderen habe ich auf Wunsch meines Mannes (klar, alles andere wäre ja Käse) komplett abgebrochen.

      Und seitdem ist es hier unterträglich.

      Auf seinen Wunsch (!) haben wir eine Paartherapie begonnen. Ich war zu dem Zeitpunkt ehrlich gesagt schon so bockig, ich wollte das gar nicht mehr. Jahrelang waren meine Bedürfnisse nicht wichtig. Jahrelang war es egal, dass ich unglücklich bin und hier emotional gehungert habe. Hauptsache ich lasse die Finger Zuhause und spiele draußen heile Familie.
      Er ist dazu übergegangen mich total zu kontrollieren. Er klaut mir mein Handy, er hat sich in meine Emails eingelogged, er telefoniert mir hinterher usw. Gleichzeitig überschüttet er mich mit seinen Liebesbekenntnissen, die aber irgendwie für mich nicht glaubwürdig sind. Auf einmal findet er mich hübsch? Dafür hat er Sprüche gebracht die mich heute noch zum heulen bringen. Auf einmal ist es wichtig wie es mir geht? Jahrelang habe ich ihm gesagt wie unglücklich ich bin, es war nicht wichtig.

      Ich fühle mich hier Zuhause nicht mehr sicher. Ich fühle mich wie zum Abschuss frei gegeben.
      Er unterstellt mir, dass ich noch immer Kontakt mit dem anderen Mann habe, das stimmt aber nicht. Er glaubt nur was er glauben will, Tatsachen interessieren ihn nicht.
      Wenn ich auf seine ganzen Liebesbekundungen mal nicht so reagiere wie er es sich vorstellt ist er sofort beleidigt und unterstellt mir sonst was.
      Im Grunde ist es so wie es schon immer war: Was ich denke und fühle ist nebensächlich, ich habe zu funktionieren. Ich gebe mir wirklich Mühe, aber nichts was ich tue oder sage überzeugt ihn, das geht seit drei Monaten so. So langsam reift in mir der Gedanke, dass ich es nicht schlimm finden würde wenn er geht. Obwohl ich das eigentlich ja nicht möchte, ich möchte das es funktioniert. Aber ich bin am Ende meiner Kräfte und weiß nicht wie es weiter gehen soll.
      Die Therapeutin redet auch immer sehr viel mit ihm und hat ihn beim letzten Mal inständig darum gebeten nicht so einen Druck aufzubauen. Es nützt nix.

      Ich weiß auch nicht was genau jetzt meine Frage ist.
      Ich weiß gar nicht wohin mit mir. ?
      Danke fürs Lesen.

      • Wäre Trennung eine Möglichkeit für dich? Aus deinem Post lese ich keine Besserung heraus. Weder nach den Gesprächen mit ihm vor der Affäre(wobei das Wort hier übertrieben ist) noch danach und auch die Paartherapie bringt nicht viel. Er ist von einer Extreme in die andere übergegangen. Von einem Ignoranten zum Kontrollfreak ohne Einsicht. Und beides muss total belastend sein und ein glückliches Zusammensein unmöglich machen. Auch die vermeintlichen Liebesbekundungen kommen hier nicht ehrlich rüber. Er ist in seiner Männlichkeit gekränkt und lässt es an dir aus ohne zu hinterfragen warum du so weit gegangen bist. Ich persönlich würde es mit so einem Psychoterror nicht leben können. Überdenke deine Situation ganz sachlich,du bist nicht die Leibeigene deines Mannes

        • (3) 01.01.17 - 17:19

          Danke für deine Antwort.
          Trennung ist auf jeden Fall eine Option für mich.
          Es ist wirklich sehr belastend und wie gesagt: Ich weiß gar nicht wohin mit mir.

      Hallo.

      Ich bekomme Atemnot, wenn ich Deinen Text lese ... und Du tust mir sehr leid.

      Ich würde an Deiner Stelle die Paartherapie nutzen, um eine saubere Trennung einzuleiten und dass Euch die Therapeutin durch die Trennung begleitet.

      Fang wieder an zu leben ... !

      LG

      • (5) 01.01.17 - 17:22

        Danke für deine Antwort.

        Wenn die Kinder nicht wären stünde diese Situation auch keine fünf Minuten zur Diskussion, ich wäre weg. Aber so.... Ich habe einfach die Hoffnung mit der Beratung doch was drehen zu können. Aber nicht um jeden Preis, wenn es nicht geht dann geht es nicht.

    Dein Mann hat keinerlei Respekt vor dir und sieht dich nicht als Mensch auf Augenhöhe.

    Man könnte jetzt natürlich drauf rumreiten, dass du dich respektlos verhalten hast mit deinem Fremdknutschen. Aber jahrelang hast du dich allein um eure Ehe bemühen wollen und er hat es konsequent ignoriert. Du hattest also nur zwei Möglichkeiten: Entweder endgültig zu gehen oder deine Defizite anderweitig auszuleben. Er hat anscheinend noch nicht einmal gemerkt, dass du auf Abwege geraten bist und auch nichts vermisst in eurer Ehe, eher zugesehen, dass er sich dich vom Hals hält - bis zu deinem Geständnis. D.h. vorher hat er dich überhaupt nicht für voll genommen......"lass die Eule reden, geht mich nix an, ich mache, was mir passt". Nun....., jetzt hast DU mal getan, was dir in den Kram passt und damit kann er überhaupt nicht umgehen.

    Dein Mann scheint auch jetzt noch überwiegend auf sich fokussiert zu sein. Dir dein Handy wegzunehmen und sich in deine Emails einzuloggen, ist kein Spaß mehr sondern extrem übergriffig (nicht anders als einen Fernseher ohne Absprache einfach in das GEMEINSAME Schlafzimmer einzubauen). Es sieht eher so aus, als warte er nur darauf,,dass er etwas findet, um dann die Bestätigung zu haben "ich hab's ja gewusst!"

    Frag ihn, was er von dir erwartet. Sollst du jetzt die nächsten Jahre nur zuhause sitzen, ihm dein Handy zur Kontrolle überlassen......? Sag ihm, dass er dich mit diesem Kontrollwahn nur aus dem Haus treibt. Und wenn er das möchte, weil er selbst nicht den Mut hat, sich zu trennen, dann soll er dir das sagen. erspart euch beiden dieses energieraubende Theater. Manche Menschen haben auch nur Interesse an etwas oder an jemandem, das/der plötzlich nicht mehr uneingeschränkt zur Verfügugn steht. Das hat mit Liebe aber wenig zu tun sondern mit Besitzansprüchen.

    • (7) 01.01.17 - 17:25

      Vielen Dank für deine Antwort.

      Ich habe sie nun mehrmals durchgelesen und muss jedes mal wieder schlucken, du triffst es sehr genau. Das tut irgendwie weh, aber es gehört wohl zu den Tatsachen die ich bisher ausgeblendet habe.

      Ich werde erstmal die weitere Therapie abwarten und die Punkte ansprechen.

      Tut mir leid, ich bin sehr wortkarg, ich fühle mich wie gelähmt.

Hallo!
Der Text hätte von mir sein können.
Ein paar Dinge sind bei uns anders und anders gelaufen, aber er hat sich auch von einem Extrem ins andere verwandelt und am Ende habe ich mich nur noch erdrückt gefühlt, hatte keine Luft mehr zum Atmen.
Wir haben es noch 4 Monate probiert, aber ich hatte dann irgendwann das Gefühl, raus zu müssen und Abstand haben zu wollen.

Also bin ich mit den Kindern ausgezogen.
Wenn ich an damals denke, hätte ich mir gewünscht, ich hätte ein bisschen länger durchgehalten. Die Kinder leiden schon sehr, wenn sie ihren Papa nicht mehr jeden Tag sehen oder mich nicht sehen, wenn sie bei ihm sind.
Und eine Trennung ist auch echt heftig für einen selber, ich hatte monatelang Schuldgefühle, dass ICH die Familie nicht retten konnte, obwohl natürlich immer 2 dazu gehören.
Aber irgendwie habe ich es nicht mehr ausgehalten und bin diesen Schritt gegangen.
Ich habe einen neuen, ganz lieben Partner und mag mein "neues" Leben.
Trotzdem wäre es schöner, auch für Dich und die Kinder, Ihr könntet Euch irgendwie wieder zusammen raufen.
Ich hoffe, dass er sich mal beruhigen kann.
Vielleicht kann die Therapeutin mal mit ihm reden, dass er die Trennung riskiert, wenn er jetzt nicht mal einen Gang runter schaltet!

Ich wünsche Dir wirklich alles Gute!!!!

  • (9) 01.01.17 - 17:29

    Vielen Dank für deine Antwort!

    Das was du schreibst sind auch meine Gedanken. Ich kann mir nicht vorstellen was das mit den Kindern macht. Ich bin sehr dankbar für deine ehrlichen Worte. So viele Leute sagen immer nur "die Kinder werden sich dran gewöhnen!" Das tun sie sicher irgendwie und irgendwann, aber es fühlt sich für mich so an wie du sagtest: Mit Mama und Papa zusammen ist es doch am schönsten....

    Alles Gute für dich!

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