Kind zerstört meine Liebe

    • (1) 31.12.16 - 14:12
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      Hallo.

      Ich bin hier falsch, habe aber nicht den Mut, das unter meinem Profil zu schreiben.

      Hilfe erwarte ich mir auch nicht so recht. Ich muss nur meiner Verzweiflung mal Raum schaffen.

      Ich habe zwei kleine Kinder. Ich liebe Kinder, die Babyzeit...Dachte ich. Ich dachte, ich hätte jetzt eine Ahnung, was mich erwartet. Pustekuchen. Nichts hätte mich auf dieses Kind vorbereiten können. Sie ist so unfassbar anstrengend. Seit nun fast einem Jahr hoffe ich auf Besserung. Wenn nur die ersten 3 Monate geschafft sind. Wenn Sie sitzen kann. Wenn Sie krabbeln kann... Bald läuft sie...nichts wird besser.

      Sie mag kein Tragetuch, keinen Kinderwagen, kein Autofahren. Getragen werden nur in bestimmten Positionen. Von Anfang an. Und nur aktive Kommunikation, passives tragen und dabei etwas anderes tun geht nicht. Sie schreit fortwährend. Wenn Sie schreit, fängt sie nicht langsam an, sie schreit direkt auf Maximallautstärke. An schlechten Tagen über Stunden. Dann gibt es nichts, womit ich das ändern kann. Ihr Leben ist eine einzige schlechte Phase. Auf 2 gute Tage folgen viele schlechte Wochen. Ich gehe auf dem Zahnfleisch. Fängt sie morgens zu kreischen an, bin ich direkt am Limit. Die Große muss nur zurückstecken, ich überlege mir genau, ob ich überhaupt zur Toilette gehe und mir den Terror, selbst wenn ich sie nur zu meinen Füßen setze, antue. Mein Kopf und meine Ohren tun einfach weh.

      Die Große war ganz anders. Sie tut mir so leid. Sie hat oft so viel Verständnis und ist so vernünftig mit ihren 3 Jahren.

      Ist die Kleine beschäftigt mit uns, ist alles gut, aber sobald das aufhört, ist alles verloren. Ich kann nichts machen. Es ist einfach die Hölle. Mit ihrem ständigen Kreischen, ihrer Wut dabei macht sie alles in mir kaputt. Ich bin der Wirt, sie der Parasit. Bald bin ich ausgebeutet. Sie zerstört meine Liebe zu ihr. Manchmal muss ich mich konzentrieren, sie nicht zu schütteln. Schreien lassen habe ich schon. Das muss ich eh täglich in so vielen kleinen Alltagssituationen. Aber das tut mir auch weh. Natürlich liebe ich sie und möchte nicht, dass sie schreit. Es ist einfach schrecklich. Jeden Tag sehne ich den Abend herbei in der Hoffnung, eine erträgliche Nacht zu bekommen.

      Jetzt verstehe ich Eltern, die sagen, wir wollten kein zweites Kind weil das erste so anstrengend war. Früher habe ich das nicht geglaubt.

      Achso. Sie hat nichts. Nicht laut Ärzten, nicht laut meinem Gefühl. Sie ist topfit. Nur unendlich fordernd.

      Es wird besser werden, das ist mir klar. Bei meiner Bekannten war das mit 3 Jahren der Fall. Aber noch 2 Jahre überlebe ich nicht.

      Kann mich irgendjemand verstehen?

      • Warst Du mit ihr mal in einer Schreiambulanz?

        Meine Tochter, heute 11 Jahre alt, war genauso. Deshalb kann ich dich sehr gut verstehen, Mein Sohn ist 21 Monate älter und musste auch sehr sehr viel zurückstecken.

        Besser wurde es, als sie ca. 1,5 Jahre alt war. Sie hat auch sehr lange bei uns im Bett geschlafen, anders wäre Erholung für mich nicht möglich gewesen.

        Das erste Jahr lang hat sie von abends 16.00h bis nachts ca. 3.00h nur gebrüllt. Mit 5 Monaten wurde eine Atlasblockade diagnostiziert, mit 6 Monaten durfte sie dann eingerenkt werden. Die Schmerzen waren dann zwar weg, das Schreien aber automatisiert und es hat lange gedauert, bis sie ruhiger wurde.
        Tagsüber brauchte sie 100% Aufmerksamkeit. Ablegen ging nicht, Kinderwagen nicht, Tragetuch nicht.

        Es war furchtbar, obwohl ich viel Hilfe von Oma und Uroma hatte.

        Heute ist klar, meine Tochter ist hochsensibel. Im Kitaalter stand Mutismus im Raum. Sie ist außerhalb daheim immer noch ruhig und schüchtern, daheim immer noch eine Zimtzicke mit mehr oder weniger starken Bockanfällen. Aber damit kann ich gut umgehen.

        Es wird also wirklich besser. Hast du Hilfe? Wäre stundenweise Kita oder Tagesmutter eine Option? Such dir jemanden, der sie dir täglich etwas abnimmt, damit du Kraft tanken kannst.

        • (4) 31.12.16 - 15:53

          Du sagst es. Gelegentlich mal abgeben würde nicht reichen. Um wieder entspannt zu sein, müsste sie täglich eine zeitlang weg sein. Das ist leider aber nicht möglich. Nicht familiär und Tagesmutter leider auch nicht. Wir haben schon eine zeitlang nach einem Sitter gesucht, das wäre finanziell natürlich nicht täglich machbar, aber selbst für gelegentlich wurden wir nicht fündig. Wenn es nicht leichter wird, ist das frühestmöglichen halt der Kindergarten mit 2.5. Sonst hätte ich sie mit 3.5 hingegeben.

          Es ist frustrierend. Ich habe eine gute Bekannte, die selbst zwei Kinder groß hat. Sie nimmt mir beide Mädels gelegentlich am Wochenende mal stundenweise ab, damit mein Mann und ich auch mal etwas zu zweit machen können. Aber der Tag startet dann natürlich dennoch wieder spätestens um 6.

          Ich bin einfach froh, wenn diese Zeit vorbei ist. Sie hat definitiv nichts. Ich denke, sie wird schlimmer trotzen als die Große, aber dass sie besonders sensibel ist, denke ich nicht. Auch unter Fremden ist sie super drauf, solange nur Aktion mit ihr getrieben wird.

          Danke. Es hat gut getan, Ernst genommen zu werden.

          • Sie müsste ja ca. 1 Jahr alt sein? Wie wäre es mit einer Krippe? Jeden Tag ein paar Stunden?

            Jeder, der einem erzählt, daß Babys halt so sind und daß man weißt, worauf man sich einlässt, hat keine Ahnung.
            Das hat mir auch immer zugesetzt, das Gefühl, daß einen keiner (der mein Kind nicht wirklich kannte) ernst genommen hat. Auch der Kinderarzt hat immer die Schultern gezuckt und meinte, so sind Babys halt, da müssen wir durch. Kam mir schon komplett unfähig vor.

        (7) 31.12.16 - 17:22

        Dein Beitrag könnte von mir sein.
        Meine Tochter hat zwar eine andere Diagnose (als hochsensibel gilt sie ebenfalls), aber die Babyzeit und Auswirkungen sind nahezu dieselben.
        Das Gute: Ich hatte keinen Vergleich, also dachte ich, das ständige Schreien und alles wäre eben einfach so bei manchen Kindern.(Um ganz ehrlich zu sein:
        Ich dachte alle anderen Eltern lügen, wenn sie erzählten, dass sie ihr Baby in der Wiege lassen können und den Haushalt machen etc.).
        Muss schlimm für die Threaderöffnerin sein, wenn man es eigentlich anders kennt.
        Ich hab nur unheimlich an mir selbst gezweifelt, ob ich etwas anders machen könnte, meine Tochter habe ich trotz der seelischen und körperlichen Erschöpfung immer geliebt.
        Bei uns läuft vieles besser seit wir die richtige Therapieform haben und einfach wissen, was los ist.
        Lg, Emmi

        • In Phasen völliger Erschöpfung hatte ich teilweise sogar den Gedanken: wenn ich ihr JETZT ein Kissen aufs Gesicht drücke, ist Ruhe.
          Kaum hatte ich diesen Gedanken gedacht, hab ich geheult wie ein Schlosshund, mich geschämt und noch mehr geheult. Es ist irre, was der ständige Schlafentzug, das Funktionieren-Müssen und das stundenlange Gebrüll mit einem anstellen.

          Und dann teilweise die Kommentare Außenstehender. Meine Tochter war kein Vorzeigekind, das munter von einem Arm auf den anderen gereicht werden konnte, sie hat immer und überall gebrüllt, geheult, getreten, gefremdelt. Oft hieß es, daß ich das Kind verwöhne, sie schreien lassen soll, ihr mal ein Klaps auf den Po gehört (da war sie 7 Monate alt!!!).

          Heute denke ich, daß ICH selbst auch immer so unter Strom stand, daß sich meine Unruhe auch auf mein Kind übertragen hat. Natürlich war sie nie ein einfaches Baby, aber ich hab ihre Art glaub ich noch verstärkt, in dem ich selbst einfach völlig fertig war.

          Ach Gott, ich bin soooo froh, daß diese Zeiten vorbei sind.

    Ich bin zwar in einer anderen Situation, kann es aber nachvollziehen. Meine Jungs (22 Monate & 10 Wochen) sind bei weitem nicht so anstrengend, aber es gibt Tage, da kommt mein Mann rein, sagt freundlich "guten Abend" und ich denke "bitte sprich nicht mit mir, ich kann keinen Pieps mehr hören" #schwitz

    Wenn ich das multipliziere... ohweh...

    Ich schätze mal das naheliegende hast du alles schon durch (Arzt, Ostheopath etc...).

    Ganz ehrlich - ich würde schauen, ob sie ein paar Stunden zur Tagesmutter oder in die Krippe gehen kann. Du musst ja mal durchatmen!

    Hallo!
    Unser 4. Kind war ein Schreikind. Es wurde erst nach dem 3. !!!! Geburtstag besser.

    Es war die Hölle!

    Ich weiß heute ( er wird jetzt 6) nicht, wie ich diese Zeit überlebt habe. Hilfe hatte ich nicht.

    Drück dir die Daumen, dass du nicht sooo lange, wie ich durchhalten mußt.

    Lg Sportskanone

(12) 31.12.16 - 16:33

Unser Sohn war genauso. Er ist jetzt sieben und wir haben vor einigen Wochen einen IQ-Test machen lassen. Er hat einen IQ von 139 und ist damit hochbegabt. Bei unserem Sohn wurde es besser, als er lernte sich zu artikulieren. Er fing mit 15 Monaten an zu sprechen, mit 18 Monaten sprach er schon wie ein 4 jähriger. Vor dem 2. Geburtstag konnte er bis 20 zählen und kannte alle Fraben. Er konnte links und rechts unterscheiden, mit 4 fing er an zu multiplizieren. Er ist bis heute anstrengend, aber anders als als Baby.

  • (13) 02.01.17 - 16:30

    Hallo,

    Dein Text hätte von mir sein können! Unsere Mittlere hat noch vor jedem Augenaufschlag dermaßen auf 180 losgebrüllt, dass die eine Nachbarin sich regelmäßig erkundigte, was für eine Krankheit sie hätte :-( einmal standen andere Nachbarn vor der Tür und klopften wehemenst, als sie mal wieder komplett hysterisch war - sie dachten, mir sei etwas passiert und Kinder quasi alleine oder ähnliches, dabei trug ich sie mal wieder seit Stunden, sang und machte....Kinderarzt und Ostheopath fanden nix. Besser wurde es etwas, als sie laufen konnte. Ein zorniges Brülläffchen ist sie noch immer. Inzwischen ist sie sechs.
    Diagnosen damals in der Babyzeit: Lärmtrauma, daraus chronischer Tinnitus, und zwei Autoimmunerkrankungen. Also bei mir! Diagnosen bei ihr, relativ frisch: Höchstbegabung, Hochsensibilität.

    Manchmal dachte ich, vor Schlafentzug und manchmal auch Schmerzen durch Dauertragen (das half wenigstens etwas), wirklich und wahrhaftig wahnsinnig zu werden. Ich konnnte kein Auto mehr fahren vor Erschöpfung, dabei immer immer immer ihr wahnsinniges Gebrüll im Auto. Und auch sonst.auch keine Hilfe bei uns. Die Zeit war einfach nur schrecklich und hat einen hohen Preis (meine Gesundheit) gefordert. Und dennoch: ich bin so froh, dass es sie gibt! Sie ist immer noch sehr fordernd und kann immer noch wahnsinnig laut sein, jedoch ist sie auch ein so unglaublich humorvoller und fröhlicher Mensch - von allem hat sie halt ein bisschen mehr in sich vereint. Dass das für Sie anstrengend ist und laut nach außen bricht ist auch nur logisch ;-)

    Liebe Grüße!

(14) 31.12.16 - 17:57

Aus Zeitmangel antworte ich mal zusammengefasst.

Ich danke euch wirklich sehr. Man rechnete ja eigentlich mit ein paar Querschlägerantworten, mit nur Verständnis habe ich gar nicht gerechnet.

Ja, es gab schon Momente, wo ich auf der Straße in Tränen ausgebrochen bin und herumgebrüllt habe, wenn irgendetwas sie unmittelbar nach dem erlösenden Einschlafen sofort wieder weckte, nachdem sie stundenlang zuvor durchgebrüllt hatte. Und die geschilderten Situationen, bei mir mit dem Wunsch, sie jetzt einfach aus dem Arm fallen zu lassen, kenne ich auch. Man fühlt sich wie ein Monster, dabei ist es einfach schlimmste Gehirnwäsche, der man täglich ausgesetzt ist. Und das Baby meint es ja gar nicht böse.

Heute ist seit langem wieder ein recht guter Tag. Sie ist ein so witziges und blitzgescheites Kind (die Große auch, sie zeigt ihr viel). Ich denke, ich könnte sie auch häufiger zu etwas besserer Laune bewegen. Aber ich bin des Dauersingens und Pausenclownmiemens einfach so müde.

Leider gibt es hier nur eine Einrichtung für 1 Jährige. Abgesehen davon, dass ich bezweifele, dass wir einen der raren Plätze bekämen, ist das finanziell nicht machbar. Freunde sind dort und der Platz würde knapp 500 Euro kosten. Das ist leider für mich derzeit zuviel. Mein Job ist ebenfalls sehr hart, dorthin möchte ich noch nicht zurückkehren.

Wenn ich aber eure Diagnosen teilweise lese, frage ich mich, ob ich doch nicht so schlimm dran bin? Ich vermute keine Besonderheit, nur einen sehr starken Charakter. Mal abwarten.

Nochmals vielen, lieben Dank.
Verbringt einen schönen und unfallfreien Abend ;-)

  • Vielleicht gibt es in der Schreiambulanz Hilfe für dich.
    Manchmal sieht man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr und es hilft, wenn von außen nochmal jemand auf die Situation schaut.

    Auch gibt es immer noch das Seelsorge-Telefon! Dort sind Menschen die einem zuhören und in ganz stark beanspruchten Situationen einen helfen oder einfach da sind ohne zu bewerten!

    Viel Kraft #klee und gute Nerven für das kommende Jahr

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