Ausreden fürs Fremdgehen

    • (1) 27.01.17 - 16:02

      In meinem Freundeskreis ist es jetzt passiert. Eine Freundin hat herausgefunden, dass ihr Lebensgefährte sie betrogen hat. Mehrmals mit ein und der selben Frau. Könnte man ja schon fast als Affäre bezeichnen. Nach langem hin und her wollen die Zwei es aber noch mal versuchen. Seine Entschuldigung war, dass sie zu wenig Zeit füreinander hatten, sie beruflich sehr eingespannt war und zu alle dem kam noch, dass sie sich um die Pflege ihrer Mutter gekümmert hat. Sie war gestresst und hatte keine Zeit und keine Lust auf Zweisamkeit. Das sieht meine Freundin auch ein und möchte ihm deshalb noch eine Chance geben. Ich rede ihr da auch nicht rein und akzeptiere ihre Entscheidung.

      Für mich stellt sich doch aber die Frage, warum Männer oder auch Frauen erst mit der Sprache rausrücken, dass etwas nicht stimmt oder dass sie unglücklich waren, wenn es schon zum Äußersten gekommen ist? Warum wird das nicht besprochen, bevor man fremdvögelt? Ist das am Ende vielleicht gar nicht der Grund, warum man fremdgeht, sondern viel mehr ein Vorwand?

      Also ich kenne keine langjährige Beziehung, in der es immer rote Rosen regnet und alles tutti ist. Trotzdem gehen ganz viele Menschen nicht fremd. Es gibt doch immer wieder mal Phasen, wo es nicht so rund läuft, da erwarte ich aber von meinem Partner, dass er solche Durststrecken aushalten kann. Und falls nicht, dass er es rechtzeitig anspricht. Ich weiß nicht, aber ich kann dafür kein Verständnis aufbringen.

      Was ich mir noch erklären könnte, wäre ein einmaliger Ausrutscher. Als so aus der Situation heraus ohne zu überlegen und überwältigt durch Hormone... - Okay, aber eine Affäre? Dazu gehört doch schon eine gewisse Portion Abgebrühtheit, oder?

      Das sind so meine Gedanken dazu. Ich würde gern eure hören.

      #winke

      • Hallo!

        Mein Mann und ich haben auch schon viele Tiefs mit einander gemeistert. Wenn ich daran denke er würde mir fremdgehen weil es mal nicht so gut läuft, wer es für mich erledigt. Gerade in schlechten Zeiten sollte man sich gegenseitig stärken und nicht in fremde Betten hüpfen. Es kam ja nicht einmal vor sondern in dem Fall mehrmals. Wäre für mich erledigt. Sind alles nur ausreden.

        LG Gabi

        <<<warum Männer oder auch Frauen erst mit der Sprache rausrücken, dass etwas nicht stimmt oder dass sie unglücklich waren, wenn es schon zum Äußersten gekommen ist?>>>

        Aber das ist in den allerseltensten Fälle so !!!!!

        Meistens hat der betreffende Part schon 1.000 mal etwas gesagt......versucht seine Bedürfnisse mitzuteilen, oder über etwas zu reden, und es kam nicht wirklich etwas zurück......in welcher Form man sich das auch immer erhofft hat.

        Klar...es gibt auch männliche wie weibliche Arschlöcher, denen die Gefühlswelt des Partners/der Partnerin egal sind, Hauptsache sie selbst haben Spass....aber das sind vermutlich wesentlich weniger, als diejenigen, wo es entweder einfach passiert ist....die einfach etwas suchen, dass sie "zu Hause" schon lange nicht mehr bekommen.

        Sex ist da übrigens absolut zweitrangig.

        Und wenn man lange Zeit versucht hat zu reden......es nicht funktioniert hat, und sich dann irgendwie auf andere Weise eine Situation ergibt, bei der man ein kleines bisschen von dem bekommt was einem fehlt, weil man da jemanden kennen gelernt hat.....warum sollte man DANN plötzlich anfangen, mit der Partnerin / dem Partner darüber zu reden, die/der vorher nichts hören wollte?

        Ich rede hier übrigens nicht von Moral....sondern von etwas, das menschlich durchaus nachvollziehbar ist. Moral ist nur das, was jeder einzelne unbedingt sehen will, und für jeden etwas anderes.

        <<<Okay, aber eine Affäre? Dazu gehört doch schon eine gewisse Portion Abgebrühtheit, oder?>>>>

        Möglich.....Du schaust aber dennoch in die falsche Richtung. Vor der "Abgebrühtheit" des einen, gab es vermutlich eine sehr lange Phase "Gleichgültigkeit" des anderen !

        Denk mal darüber nach. :-)

        • " Und wenn man lange Zeit versucht hat zu reden......es nicht funktioniert hat, und sich dann irgendwie auf andere Weise eine Situation ergibt, bei der man ein kleines bisschen von dem bekommt was einem fehlt, weil man da jemanden kennen gelernt hat.....warum sollte man DANN plötzlich anfangen, mit der Partnerin / dem Partner darüber zu reden, die/der vorher nichts hören wollte?"

          Ja, aber warum beendet man es dann nicht? Wenn ich meinem Partner versuche klarzumachen, dass mir etwas fehlt und dass ich unglücklich bin und ich stoße da auf taube Ohren, dann ziehe ich doch die Konsequenz und beende eine Beziehung, die mir nicht guttut. Ich warten doch nicht, bis sich mir die nächste Gelegenheit bietet um mit jemendem in die Kiste zu hüpfen und hinter her zu jammern, wie leid es mir tut....#kratz

          • <<<dann ziehe ich doch die Konsequenz und beende eine Beziehung, die mir nicht guttut>>>

            Das ist natürlich auch eine Möglichkeit, aber es gibt so viele Dinge die eine solche "Änderung" mit sich bringt, dass viele vielleicht auch einfach Angst davor haben.....die Gründe sind hier sicher so mannigfaltig, wie es Menschen gibt, die sich in so einer Situation befinden.

            Zudem ist es ja evtl. auch nicht so, dass man den/die Partner/in nicht mehr liebt.....aber jeder geht mit ....wie nanntest Du es vorhin....."Durststrecken" anders um.

            Nicht jeder geht fremd, nicht jeder zieht Konsequenzen, und nicht jeder bleibt bei jemandem oder etwas das plötzlich einfach nur gut tut standhaft, nicht jeder resigniert, und nicht jedem eigentlich total unglücklichen und einsamen Menschen sieht man das an.

            Ich finde die "Ausgangssituation" wesentlich wichtiger als die daraus resultierende Handlung, die man als Aussenstehender dann meist nur schwer nachvollziehen kann.....aber über die wird hier nur sehr selten gesprochen.

            Man liest oder hört dann nur "mein Mann/meine Frau hat mich beschissen". Allgemeine Reaktion: "Oh....so ein Lump/Miststück!"

        Möglich.....Du schaust aber dennoch in die falsche Richtung. Vor der "Abgebrühtheit" des einen, gab es vermutlich eine sehr lange Phase "Gleichgültigkeit" des anderen !
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        #pro 150 %ige Zustimmung!!!! Bestenfalls gehen beide gleichermaßen gleichgültig oder unachtsam miteinander um und sehen vielleicht noch nicht mal einen Grund zur Aussprüche, weil es sich mit der Zeit eingeschlichen hat, alles irgendwie reibungslos läuft und man nicht akut Not leidet.

      • Ich bin oft Deiner Meinung, aber hier muss ich widersprechen. Wenn Du einen Pflegefall zuhause hast, dann noch die eigene Mutter, die einem doch sehr nahesteht - mit allen Ängsten, unruhigen Nächten und dem Aufwand einer Pflege - und Du gehst dann auch noch arbeiten, dann geht Dein Liebesleben komplett zum Teufel. Es ist Dir schlicht sowas von unwichtig, denn man kann sich auch nicht zerreissen. Bei Pflege, je intensiver sie wird, fährst Du ständig auf 200%, und zwar körperlich wie seelisch. Das weiss jeder, der schon jemanden gepflegt hat.
        Wenn DAS der Partner nicht versteht, tja sorry, dann ist er ein A****
        Dann auch noch fremdzugehen, ist schlicht :-[

        Anständiger wäre gewesen, er hätte zusammen mit seiner Frau einen Kurzzeitpflegeplatz für die Mutter gesucht und mit seinem Schatz einen Kuschelurlaub in einem Wellnesshotel gemacht. Das ist die Variante, wie sie in meinem Bekanntenkreis auch gepflegt wird.
        LG Moni

    Hallo!

    Du warst nicht dabei, Du weißt nicht, was da vorher alles gelaufen ist.

    Wenn ich meine Schwiegereltern nach ihrer Trennung Frage ist die Version der Schwiegermutter, dass sie sich ab und zu gestritten haben, aber nie schlimm, und dann hat er sie aus heitem Himmel vor die Tür gesetzt.
    Die Version meines Schwiegervaters ist, dass sie sich nicht nur ab und zu gestritten haben, sondern ziemlich oft, und er dabei deutlich gesagt hat, dass er so nicht mehr weiter machen will mit der Ehe, und nur noch die Trennung als Option sieht, wenn sich nicht endlich grundlegend etwas ändert - und nach dem gefühlt millionsten Streit hat er sie aufgefordert, zu gehen. Endgültig.

    Nachdem mein Schwiegervater nach der Trennung Schulden in 5stelliger Höhe zurück behalten hatte und der Hauptstreitpunkt war, dass meine Schwiegermutter sehr gut geld ausgeben konnte, aber nichts zum Verdienst beitragen wollte, sprechen die Beweise eher für ihn.

    Trotzdem, wenn man meine Schwiegermutter so reden hört, nimmt man ihr die Opferrolle durchaus ab, weil sie ihre eigene Story glaubt, dass sie sich zwar gestritten haben, aber nicht so schlimm. Das ist eben ihre Realität.

    Entsprechend hat Deine Freundin eben auch ihre Realität von dem, was da vorab an Gesprächen war. Gut möglich, dass ihr Mann nicht gehen wollte, weil er sie eben trotz allem noch liebt, die Familie nicht verlieren wollte, ihm aber so viel gefehlt hat, dass er schwach geworden ist. Die Hoffnung hatte, dass es nochmal besser wird zwischen ihnen.

    • Ich kann dir nur zustimmen. Wenn meine Eltern über Konflikte berichten, fragt man sich ob sie das gleiche Gespräch geführt haben...
      Wenn man diesen Gesprächen beiwohnt kann man nur festellen, dass es darum geht eine Position zu verteidigen und nicht um den Konflikt zu lösen. Etwa wie in der Politik.
      Meistens basteln da beide Seiten an der Darstellung rum, bis es passt.
      Solche Konflikte, die in Affären münden sind, wie viele schon geschrieben haben, tiefer liegend. Vielleicht waren sie schon am Anfang der Beziehung da. Manchmal habe ich diesen Eindruck.

Ich denke in vielen Fälle ist den Menschen gar nicht bewusst, dass sie unglücklich sind oder ihnen irgendetwas fehlt, bis es ihnen sozusagen vor die Füße fällt. Man lebt seinen Alltag, hat vieleicht Stress auf der Arbeit, die Kinder beanspruchen viel Zeit und Kraft, der Partner wird als selbstverständlich erachtet usw. Man fühlt sich vielleicht dem Ganzen auch irgendwie machtlos gegenüber. Und dann begegnet man jemandem, der einem Aufmerksamkeit und Zuneigung schenkt und dann ist es meistens schon zu spät.

An dieser Stelle muss man schon ein hohes Maß an Selbstreflektion besitzen um rechtzeitig die Reißleine zu ziehen. Den Meisten gelingt das nicht. Stattdessen wird ausgeblendet. Bewusst wird man sich all dessen in der Regel erst, wenn alles auffliegt und man vor einem Scherbenhaufen steht. Ich persönlich ziehe den Hut, vor Leuten, die in der Lage sind, eine Affäre des Partners zu verzeihen und nicht gleich alles hinzuschmeißen. Dafür ist viel Charakterstärke erforderlich. Ich bin nicht sicher, ob ich das könnte.

  • Sehr schön geschrieben, wirklich.
    Ich kenne die Situation als Opfer und auch als Täter... die wenigsten gehen bewusst auf Affärensuche sondern Gelegenheit mach eben Untreue. Und dass Flucht (in die Affäre) erstmal deutlich einfacher ist als Kampf, muss ich wohl keinem erklären.
    Aber jemand, dem es an nichts mangelt, dem bietet sich auch keine Gelegenheit... eine Beziehung ist ein geben und nehmen... und wenn ein Partner über längere Zeit nichts geben kann, sonder nur nimmt und dann taucht noch jemand auf, der gerne geben möchte...

    Ich hab daraus gelernt und weiß meine Prioritäten mittlerweile richtig zu setzen - mein Mann auch.

    (13) 27.01.17 - 21:14
    für-viele-schwach

    <<<....Ich persönlich ziehe den Hut, vor Leuten, die in der Lage sind, eine Affäre des Partners zu verzeihen und nicht gleich alles hinzuschmeißen. Dafür ist viel Charakterstärke erforderlich....>>>
    Ich glaube ja, daß wenige es als Charakterstärke sehen. Denke eher, daß die meisten Außenstehenden sich wohl denken "Wie blöd muß man sein" oder "Der/Die ist wohl zu schwach, das Leben allein zu meistern"....
    LG

    • " Denke eher, daß die meisten Außenstehenden sich wohl denken "Wie blöd muß man sein" oder "Der/Die ist wohl zu schwach, das Leben allein zu meistern"...."

      Machen wir uns nicht vor. Auch diese Menschen, wird es geben, aber die meinte ich nicht. Ich meinte diejenigen, die sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzten.

      • (15) 28.01.17 - 09:11
        für-viele-zu-schwach

        Ich habe meine eigenen Erfahrungen gemacht. Ich wurde betrogen - das ist wahrlich alles andere als schön und nicht das, was man haben möchte.

        Mein Mann und ich haben die Situation aufgearbeitet - es war kein einfacher Weg. Uns verbinden mehr als 20 Jahre und da überlegt man sich gut, was man aufgeben möchte, was man bereit ist zu ändern, was sich verzeihen lässt.

        Dennoch: manche im Umfeld wissen davon und da kommen auch heute noch manchmal Sprüche wie: "So verarschen würde ich mich ja nicht lassen" oder "Manche sind ja blöd genug, sich alles bieten zu lassen"... diese Sprüche sind nicht persönlich an mich gerichtet - sie kommen eher aus einem allgemeinen Gespräch heraus zustande, wenn Fremdgehen eben aus welchem Grunde auch immer, Thema ist. Das versetzt mir dann oftmals einen Schlag - ja, ich habe manche Kontakte aus diesem Grund verringert oder sogar auf Eis gelegt. Die Sache geht letztlich nur mich und meinen Mann etwas an, ob, wer, was, wann verzeiht, wer, wann, wie oft den anderen betrogen hat....
        Klar könnte ich in solch einer Situation meine Entscheidung klar definieren... will ich aber nicht Dritten gegenüber tun - wobei es schon ein, zwei gute Freundinnen gibt, mit denen ich das reichlich diskutiert haben.
        LG

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