Mein Mann und meine Eltern

    • (1) 07.02.17 - 22:10
      Zwischen den Fronten

      Hallo Ihr lieben,

      Mein Mann liegt seit zehn Tagen wegen einem Unfall auf der Intensivstation. Gebrochene Rippen, Schulter, Brustwirbel, gequetschte innere Organe. Aber es wird wieder werden, zum Glück.

      Er war auf einem Jungesellenabschied auf einer Skihütte, und ist wohl früh um drei stockbesoffen mit dem Schlitten runtergefahren. Von der Piste abgekommen und in ein Bachbett gestürzt. Ich seh ja ein, dass er da selbst schuld ist, keine Frage, wenns ihm wieder gut geht, werde ich da auch mit ihm drüber reden.

      Meine Eltern sind der Meinung, ich wäre ohne ihn besser dran, und ich soll ihn dort jetzt nicht jeden Tag besuchen. Er hat sich vorher die Wochenenden mit seinen Saufkumpanen um die Ohren geschlagen, sollen die ihn jetzt besuchen, sonst hat er sich auch nicht für uns interessiert.

      Wenn ich ehrlich bin, haben sie auch recht, zumindest teilweise.
      Wir haben drei Kinder, einen Dreijährigen Jungen, und knapp Zweijährige Zwillingsjungs.

      Wir haben immer schon viel gestritten, flippen beide schnell aus, und schreien, sagen Dinge, die so nicht gemeint waren, (meistens nicht vor den Kindern) und versöhnen uns schnell wieder. Für Außenstehende vielleicht schwer zu verstehen, manchmal habe ich mich selbst gefragt, ob ich so noch weitermachen soll.

      Drei Wochen vor der Geburt der Zwillinge kam er dann nachts betrunken heim, und ist so aufs Babybett/Beistellbett unseres Großen gekracht, dass es mit ihm zusammengebrochen ist. Der war zu dem Zeitpunkt zum Glück daneben bei mir im Bett, sodass ihm nichts passiert ist. Ich bin trotzdem ausgezogen, zu meinen Eltern.

      Die Geburt der Zwillinge kam dann drei Wochen später, fünf Wochen zu früh, mit ein paar Komplikationen. Als der NotKaiserschnitt gemacht werden sollte, konnte meine Mutter, die dabei war, ihn noch anrufen, ob er kommt. Er kam nicht, war zu betrunken.

      Ich musste mit den Babys im Krankenhaus bleiben, er hat mich nicht besucht. Der Große war bei meinen Eltern, er hat nicht nach ihm gefragt. Meine Eltern haben mir dann die Einliegerwohnung (2 Zimmer) bei Ihnen im Haus überlassen, als ich fit genug war, und mir auch so viel geholfen mit den Kindern. Er hat nur Unterhalt bezahlt, das aber immerhin pünktlich. Die Kinder hat er ab und an kurz besucht, an mehr hatte er zum Glück kein Interesse.

      Als die Zwillinge ein Jahr alt waren, haben wir uns wieder versöhnt, irgendwann nach Wohnung gesucht, aber kein Vermieter wollte drei Kinder unter zwei. Im Herbst haben ihn meine Eltern zähneknirschend bei uns einziehen lassen.

      Er hatte sich echt bemüht dann, war auch öfter daheim, und nüchtern. Ich war auch wieder schwanger, habe das Baby aber Weihnachten verloren, in der 15. Woche. Musste wegen der Blutungen ins Krankenhaus. Die Kinder -bei meinen Eltern, mal wieder. Er- besoffen, mal wieder.

      Seitdem gings bergab, ich am heulen, er am trinken, und nur am streiten, wenn er denn mal da war. Hatte sogar überlegt, mich doch wieder zu trennen.

      Bis dann morgens der Anruf kam, er ist im Krankenhaus und würde grade operiert, es ist wohl schlimmer. Den ganzen Tag und die Nacht gehofft und gebangt, bis am nächsten morgen der Anruf kam, dass er wieder wach und ansprechbar ist.

      Ich liebe ihn immer noch. Trotz allem. Und ich habe es geschafft, ihn beinahe jeden Tag zu besuchen, für eine Stunde. Die Kinder bei meinen Eltern gelassen, mal wieder. (Manchmal auch bei einer meiner Schwägerinnen) er hat sich gefreut.

      Habe mich nun bei meiner Patentante ausgeheult. Sie ist der gleichen Meinung wie meine Eltern.
      Aber ich kann ihn doch in der Situation nicht alleine lassen. Wir haben doch mal gesagt, in guten wie in schlechten Tagen.

      Was denkt ihr?
      Danke fürs lesen
      Und schönen Abend

      • Natürlich bist Du in einem Alter, in dem man selbst entscheiden kann, aber Eltern wünschen sich ja etwas anderes für ihre Kinder.

        Er scheint ein Alkoholproblem zu haben und es scheint so, als ob Dir mehr an ihm als ihm an Dir liegt.
        Bei einem Neuanfang "muss" man sich dann ja zusammen reißen, aber schon bald ist es wieder wie vorher.

        Ich hätte ihn aus Prinzip nicht besucht, er hält es selbst ja anders herum auch nicht für nötig, und würde die Ehe wirklich überdenken.

        Hallo!

        Er ist Alkoholiker... Entweder er muss in die Klinik zum Entzug oder ich rate dir auch komplett zur Trennung. Der Entzug muss aber von ihm gewollt sein. Ansonsten besteht da gar keine Hoffnung.

        Ich bin ein Gegner von Alkohol und würde nach einer solchen Vorgeschichte mit Ende auf der Intensiv so schnell rennen wie ich nur kann.

        Mein Vater hat sich auch besoffen hinters Steuer gesetzt und ist schwer verunglückt. Meine Mutter war ewig mit uns alleine (wir waren 2 und 4 Jahre alt) und hat sich Gott sei Dank getrennt. In meinen Augen die einzig richtige Entscheidung.

        Alles Gute und viel Kraft

        Hallo,

        ganz schön krass!

        Na sicher besuchst du ihn, hätte ich auch so gemacht.

        ABER sobald er aus'm KH wieder raus ist, ist ein Gespräch fällig. Macht eine Paartherapie und er soll sein Alkoholproblem angehen.

        Wenn er weiter derart abstürzt, setzt du ihn umgehend vor die Tür!

        Alles Gute für dich

        • (5) 07.02.17 - 22:59
          Zwischen den Fronten

          Hallo, dankeschön für deine Antwort. Paartherapie hatten wir schon, jedenfalls so Gespräche bei der Caritas, da könnten wir mal wieder eines ausmachen, wenn er wieder zu Hause ist.

          Was das Alkoholproblem angeht, ist das schon eines? Er hat öfter mal Wochen, in denen er gar nichts trinkt, und wir haben es wirklich schön miteinander, er kümmert sich mittlerweile auch toll um die Jungs.

          Und dann trifft er zB freitags einen Bekannten, und geht mit dem auf " ein Bier" und taucht Sonntag abends wieder auf. Oder es gibt eine Feierabendhalbe in der Arbeit, oder zwei... Und dann muss er das Auto stehen lassen, obwohl ich es gebraucht hätte....
          Er kann aber auch lieb und nett sein, ist zB durch halb Bayern gefahren, um mir genau den Zwillingswagen zu holen, den ich wollte (musste ein gebrauchter sein, weil Budget nicht so groß).
          Ich werde ihn wohl morgen wieder besuchen, obwohl mir die Antworten hier schon zu denken geben, alle der gleichen Meinung wie meine Eltern...
          Und vor die Tür setzen... Wie sag ich das denn den Kindern? Die mögen ihn doch trotz allem.

          Lg

          • Es gibt sogenannte Quartal Trinker. Die betrinken sich nicht täglich sondern nur alle paar Wochen, dann aber richtig und verschwinden 2 Tage um zu saufen. Genau wie dein mann. Ja, er IST Alkoholiker. Und natürlich mögen ihn die Kinder trotzdem. JEDES Kind liebt seine Eltern, egal, was sie ihnen antun. Kinder lieben ihre Eltern auch dann, wenn sie sie misshandelt oder missbrauchen. Denn die Kinder kennen es nicht anders und nehmen die Dinge so an, weil sie denken, das wäre normal. Und mal ehrlich, deine kinder mögen ihren Vater? Die Aussage ist schwach. Ein Kind LIEBT seine Eltern, mögen ist wie "wäre auch nicht schlimm, wenn er nicht da ist." Abgeseh4n davon hast du die Verantwortung für das Wohlergehen eurer Kinder. Es ist deine Pflicht, dafür zu sorgen, dass sie gesund und glücklich aufwachsen können..bleibst du bei einem Alkoholiker ohne deine kinder vor ihm zu schützen, machst du dich schuldig, wenn er ihnen im auf aus verdrehen etwas antut (seelisch gesehen ist es schon eine Verletzung deiner Fürsorgepflicht, dass sie ihn überhaupt betrunken erleben müssen).

            • (7) 07.02.17 - 23:15
              Zwischen den Fronten

              Ok, irgendwie hast du schon recht, auch mit dem mögen. Wenn er nicht da ist, wird das akzeptiert, gehen sie eben zu Opa.

              Er kommt normalerweise nicht betrunken nach Hause, erst wieder wenn er nüchtern ist. Bis auf ein paar seltene Ausnahmen. Wo er dann bleibt, weiß ich nicht.

              Aber normalerweise erleben sie ihn nicht betrunken, maximal verkatert auf der Couch. Wenn er abends nicht da ist, und ich denke, es besteht Gefahr, schließe ich die Tür zu. Das Schloss ist kompliziert, und betrunken bekommt ers nicht auf. Habe ihn dann manchmal schlafend im Treppenhaus gefunden.
              Naja, wenn man das schreibt, klingt es echt bescheuert. Aber ich versuche schon, die Kinder zu schützen.
              Tja, schönen Abend noch alle

              • Deine so und romantische Schreibweise ist das, was mich am meisten schockiert. Du hast dich abgefunden, bei dir klingt nichts von all dem schlimm. Aber genau das ist es. Ich lese nichts davon, dass du deine kinder da irgendwie vor schützen willst, es klingt eher lieblos und als ob es egal ist. DAS ist das gefährliche. Dass dir deine kinder nicht wichtiger sind als er. Du bist mutter, wo ist der Teil in dir, der ALLES dafür tun worden, dass es deinen Kindern gut geht? Wo ist der Teil von dir, der das Glück der Kinder über das eigene stellt? Das lese ich hier nicht. Eher "na ja, dann rede ich mal irgendwann mit ihm... gehe mal wieder zur paartherapie... Und wenn das nicht hilft, na ja, egal. Mache ich eben so seiter". Das schockiert mich mehr als das Verhalten deines Mannes. DEIN Verhalten schockiert mich mehr als alles andere.

          Es sind einfach so viele Sachen passiert, dass ich deinen Eltern schon fast Recht geben muss.

          Er fällt im Suff! aufs Babybettchen! Stell dir vor das Baby wäre drin gewesen!

          Er besucht dich nach der Geburt der Zwillinge nicht im KH! Und auch danach nicht!

          Ich fasse es einfach nicht, ich bin geschockt.

          Es ist löblich, dass du ihn trotz allem besuchst. Jeder hier würde verstehen, wenn du das nicht tun würdest.

          Aber er hat definitiv ein Alkoholproblem!

          Eigentlich solltest du ihn direkt auf die Straße setzen und dann soll er erstmal was tun, bevor du auch nur in Erwägung ziehst, ihn wieder bei dir aufzunehmen!

          >>>Er kann aber auch lieb und nett sein,<<<

          Das habe ich hier schon 100 mal gelesen.
          Da gibt es Männer, die lügen, betrügen, schlagen, saufen, kiffen, spielen, kümmern sich um nichts.... aber "Er hat auch seine guten Seiten", oder noch schlimmer "Ich liebe ihn doch"

          Bist du dir nicht mehr wert, als neben einem Mann auszuharren, der "auch mal lieb und nett" ist?

          Fährt einmal für dich durch halb Bayern und dafür ist wieder das nächste Dutzend Fehltritte verziehen?

          Du bist in der absolut beneidenswerten Situation, dass du Wohnraum hast, den dir keiner nehmen kann. Warum vergällst du dir das Leben mit so einem Mann?
          Was gibt er dir? Oder andersrum gefragt, was würde dir fehlen, wenn er weg wäre?
          Mit dem Alk wird es im Lauf der Jahre eher schlimmer als besser.

          (12) 08.02.17 - 08:55

          Na dann ist doch alles halb so schlimm, also hör auf zu jammern ... #augen #augen #augen

          Na ja, der Zwillingswagen war schon auch für SEINE Kinder, oder? Und wer bitterböse drauf ist, sagt, dass das ersparte Geld sicher gut in "geistreiche" Getränke investiert werden konnte.
          Macht das jetzt seine Unzuverlässigkeit (Auto!) wett?

          LG, basta.pasta

          >>> Er kann aber auch lieb und nett sein <<<

          #bla#bla#bla

          >>> Wie sag ich das denn den Kindern? <<<

          Wie wäre es mit der Wahrheit? Mal ausnahmsweise ... dann siehst Du ihr vielleicht auch mal selbst ins Gesicht!

    Mit fehlen die Worte...

    Rebekka West wo bist du??

Top Diskussionen anzeigen