Streitkultur und Kommunikation

    • (1) 10.02.17 - 00:55
      Mal so

      Ihr Lieben,

      Ich muss mal ne Meinung von außen hören.

      Ganz generell: mein Partner und ich sind seit knapp 3 Jahren zusammen. Wir ziehen meine 2 älteren Kinder und unsere gemeinsamen kleinen Zwillinge groß.
      Ich hatte schon ein paar langjährige Beziehungen, aber das ist mir noch nie passiert: wir können keine Konflikte lösen.
      Aufgrund der hohen Belastungen oder einfach, weil das auch in jeder anderen Beziehung normal ist (finde ich), kommt es ab und an zu Meinungsverschiedenheiten. Ich habe die, je nach Partner ganz verschieden, früher immer in einem sich in der jeweiligen Beziehung wiederholenden Muster gelöst bekommen.
      Es entwickelte sich jedes Mal eine Streitkultur, mal leidenschaftlich, mal ruhig. Mit meinem Exmann könnte ich gar nicht streiten, dem habe ich das Problem ruhig benannt, er hat sich bedankt, dass ich es angesprochen habe, da er es nicht bemerkt hatte, dass es zwischen uns stand und hat sich dann meist entschuldigt oder wir haben es durch die Aussprache einfach bereinigen können.

      Mit meinem Partner geht gar nichts. Ich sage glasklare Worte, er interpretiert sonstwas rein. Ich sage jedesmal, dass ich es nicht anders meine als genau die Worte, die ich verwendet habe.
      Dann kommt von ihm jedes Mal: "das war ja absehbar, der letzte Streit ist ja auch schon 2 Wochen her und jetzt muss ich mir wieder diese Dusche geben, es hört einfach nie auf..."
      Bin ich so falsch gestrickt? Ich zumindest denke, dass man Dinge lieber anspricht, die einen stören.
      Und in einem 4-kleine-Kinder-Haushalt mit schlechten Nächten... wie kann man da als Partner den Anspruch haben, als unfehlbar betrachtet zu werden? Da ist es einfach umso wichtiger, sich abzusprechen und auszusprechen, oder nicht?

      Was ich auszusetzen habe? Meist geht es um kleine Dinge, die ich (wirklich!! in der Paartherapie bescheinigt) freundlich sage, und Monsieur fühlt sich dadurch direkt in Frage gestellt.
      Eine normale Bitte "könntest du mal übernehmen?" war bis vor kurzem schon Grund genug, sauer zu werden, denn es bedeutete ja automatisch, er würde nichts tun und nicht erkennen, was zu tun sei.

      Wenn es dann darum geht, dass er mich tatsächlich mal ganz schön verletzt hat mit seinem Verhalten (z.B. sich weigern, das Backen des Geburtstagskuchens für meinen Sohn zu übernehmen, nachdem ich ihn bat, weil ich plötzlich am Vorabend über 39 Fieber bekam, Alternativen bot er mir auch nicht an, ich musste am Geburtstag selbst einen sauteuren Kuchen beim Konditor abholen lassen und das alles organisieren, damit der Geburtstag nicht ins Wasser fiel), und ich ihm das sagen will, heißt es z.B.:
      "Das heißt ja nur wieder, dass ich es nicht schaffe, deinen Ansprüchen zu genügen, ich bin nicht gut genug für dich, du suchst doch nur nach Argumenten, mich raus zu schmeißen!"
      Oder
      "Du hast vorhin gesagt, dass du mich liebst, hast mich auf die Wange geküsst, das war ja offensichtlich nur Fassade, wenn dahinter so ein Frust steckt, das kann ja gar nicht echt sein.

      Also ich finde, man kann jemanden lieben und trotzdem Schwierigkeiten im stressigen Alltag haben. Nur zur Info: ich übernehme im Alltag schon ALLES, was irgendwie machbar ist. Und er tut auch sauviel, so ist das mit 4 kleinen Kindern. Und ich bedanke mich auch oft mit Worten oder einem Lächeln, für das, was er tut. Das ist aber alles nichts mehr wert, wenn ich dann "schon wieder" was auszusetzen habe.

      Dass sich bei kleinen Kindern alle paar Wochen Abläufe ändern können, die dann erfordern, dass man neue Lösungen sucht, ist doch normal, oder? Und dass man den Partner da irgendwie mit einbeziehen will, ihm diese neuen Abläufe also auch erläutern möchte oder gerne mit ihm zusammen neue Lösungen suchen möchte auch, oder?

      Bin grad etwas frustriert, sorry.
      Fühl mich manchmal wie im falschen Film.

      Danke für's Lesen und konstruktive Antworten

      • (2) 10.02.17 - 01:22

        Hallo

        das ist wirklich schwer zu beurteilen.
        Bist du mit deinem jetzigen Partner schon in Paartherapie gewesen?

        <<<. Ich sage glasklare Worte, er interpretiert sonstwas rein<<<

        Offensichtlich kommt es bei ihm anders an, egal wie klar du dich ausdrückst.
        Woran könnte das liegen?

        <<<Dann kommt von ihm jedes Mal: "das war ja absehbar, der letzte Streit ist ja auch schon 2 Wochen her und jetzt muss ich mir wieder diese Dusche geben, es hört einfach nie auf..."<<<<

        Er empfindet es grundsätzlich als Streitgespräch wenn du etwas ansprichst!?
        Das ist schwierig.
        Wenn du wirklich nicht überwiegend Du-Aussagen und Beschuldigungen machst, fühlt er sich wohl grundsätzlich im Nachteil, unterlegen oder schwächer ?
        Bist du redegewandter als dein Partner?
        Führt ihr eine Beziehung auf Augenhöhe?

        Konnte euch der Therapeut nicht helfen?

        L.G.

        • Da hast du direkt bei vielem ins Schwarze getroffen.

          Er konnte zwar schon Deutsch, musste sich aber noch ziemlich reinhängen, auch bis er die Anerkennung (B1) für seinen Job hatte.
          Ist für mich nach Deutschland gezogen.
          Hatte vorher keine Kinder.
          Ist Sozialpädagoge.
          Fühlt sich also per se in Frage gestellt oder als unfähig hin gestellt.

          Aber was soll ich tun, er verhält sich auch oft wie der Elefant im Porzellanladen.
          Und er hat einfach nicht die Erfahrung, die ich mir bereits 2 Kindern schon hatte.
          Und wenn ich (nach 12 Monaten immer noch) Zwillinge stille, komme ich nicht viel zum Schlafen und/oder brauche einfach ab und zu seine zusätzliche Unterstützung...

          Wir haben immer noch Paartherapie.
          Die hilft auch.
          Er ist ja auch vor der Therapeutin sehr einsichtig und redegewandt.
          Er redet aber leider viel lieber, als dass er umsetzt. Und ist leider total unreflektiert.
          Und unterstellt Leuten ganz oft böse Absichten (auch gerne meinem 7jährigen Sohn)

          • Das klingt nach Unsicherheit bei deinem Partner.
            Vielleicht empfindet er dich auch, auf Grund deiner größeren Erfahrung als Mutter, als dominant und überlegen.

            Auf jeden Fall fühlt er sich nicht sicher in eurer Partnerschaft.

            Hoffentlich hilft euch die Paartherapie das zu ändern.

            Alles Gute

            • Ja, du kannst das wirklich gut einschätzen. Er ist sehr unsicher. Und überspielt das mit Arroganz, Kälte, Unbarmherzigkeit etc.

              Und empfindet mich offensichtlich als dominant.
              Ich bettele allerdings schon richtig darum, dass er Dinge in die Hand nimmt. Damit ich sie komplett abgeben kann. Ich versuche ihn in alles einzubeziehen und wünschte mir so sehr, er würde den Karren MIT mir ziehen wollen.
              Dazu muss er aber selbst heraus wollen aus der "Butler-Rolle", in die er sich gezwängt fühlt.
              Ich tue alles für eine Partnerschaft auf Augenhöhe.
              Er tut nichts, um aus der "Sklavenrolle" zu kommen.

              • Hallo,
                Es ist unglaublich schwierig mit 4 kleinen Kindern und Kommunikationsproblemen den Alltag zu wuppen. Ich Weiß nicht ob dir der Satz bekannt ist:"der Empfänger bestimmt die Botschaft." Demnach ist es irrelevant, ob der Paartherapeut deiner Meinung ist.

                Hast du ihn mal gefragt, wie er um Dinge gebeten werden möchte? Vielleicht ist er ein Mensch, der im gewissen Rahmen die Freiheit haben will, sich auszusuchen was er macht. Du sagst ja selbst, dass er viel tut. jeder mag eine bestimmte Art von Kritik nicht. Du bestimmt auch. Weißt du, wie oder wodurch er motiviert ist? Beobachte das mal. Ich Denke, er braucht einfach eine andere Ansprache als du es gewohnt bist. Das kann man aus der ferne aber nicht beurteilen, das kannst du nur "erforschen".

                Mein Partner z.b. mag es gar nicht, wenn ich in eineiner anstrengenden Situation emotional rausplatze, was ich besser gefunden hätte. Ich Versuche das einfach zu vermeiden, weil ich das weiß, dass das nirgends hin führt. Ebenso versuchen wir viel im Vorfeld zu planen.
                Alles Gute

          (7) 10.02.17 - 05:57

          Er konnte zwar schon Deutsch, musste sich aber noch ziemlich reinhängen, auch bis er die Anerkennung (B1) für seinen Job hatte.

          -> er ist langsam und das nervt dich!

          Ist für mich nach Deutschland gezogen.

          -> er ist abhängig von mir.

          Hatte vorher keine Kinder.

          -> Und du schon, deswegen hast du mehr Ahnung von Allem.

          Ist Sozialpädagoge.
          Fühlt sich also per se in Frage gestellt oder als unfähig hin gestellt.

          -> Und das ist eine absolute Abwertung und Demütigung.

          Aber was soll ich tun, er verhält sich auch oft wie der Elefant im Porzellanladen.

          -> keinen Respekt

          Und er hat einfach nicht die Erfahrung, die ich mir bereits 2 Kindern schon hatte.

          -> ich bin einfach klüger und besser als er darin.

          Und wenn ich (nach 12 Monaten immer noch) Zwillinge stille, komme ich nicht viel zum Schlafen und/oder brauche einfach ab und zu seine zusätzliche Unterstützung...

          -> es wäre einfach toll, wenn er das macht, was du willst. Dann würde es keine Konflikte geben.

          Liebe TE,

          eine Beziehung funktioniert nur auf Augenhöhe. Kommunikationsprobleme entstehen da, wo die Beziehungsebene nicht geklärt ist. Du hast keinen Respekt vor diesem Mann. Er spürt das in deinem Blick und in deiner Haltung. Das hat mit zu sensibel sein nichts zu tun.

    Ich weiß nicht ob das weiterhilft, aber mein letzter Partner war ähnlich im Streitverhalten.

    Fühlte sich IMMER sofort persönlich angegriffen, hat nicht verstanden, was ich sagte, fühlte sich immer unschuldig und andere waren schuld an Situationen die er durch sein Verhalten verursachte. Die bösen waren immer andere.

    Wurde im Streit auch fies und ging mich persönlich an.... es stellte sich im Laufe der Zeit ein massives AD(H)S Problem in seiner gesamten Familie heraus, im männlichen Strang.

    Damit "erklärte" sich auch sein für mich sehr unverständliches Verhalten.

    Lichtchen

    Ich glaube, euer Problem ist ganz und gar nicht ungewöhnlich, sondern im Gegenteil sehr, sehr häufig vertreten bei vielen Paaren mit kleinen Kindern.
    Ihr habt gleich 4 davon und die sind alle noch sehr klein. Natürlich ist das eine große Belastung für Dich und auch für Deinen Partner.
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass ihr sehr viel weniger (und "besser") streiten würdet, wenn eure Kinder alle schon einige Jahre älter wären.
    Die Zeit mit kleinen Kindern ist einfach extrem stressig, bedingt durch den Schlafmangel, das viele Gewusel, die permanente Beaufsichtigung, die in dem Alter nötig ist, die vielen Handgriffe und Hilfestellungen, die bei kleinen Kindern nötig sind usw. Irgendwann sind beide Elternteile einfach so genervt von der Gesamtsituation, dass sie sich beide viel schneller wegen Kleinigkeiten in die Wolle bekommen, als sie das normalerweise tun würden. Nicht umsonst ist die Scheidungs-/Trennungsrate bei Paaren mit kleinen Kindern sehr hoch.
    Von daher: versuch erstmal, nicht gleich an eurer gesamten Beziehung zu zweifeln, sondern sieh das auch ein Stück weit mit Gelassenheit!
    Wo könnt ihr euch mal etwas Entlastung holen? Habt ihr einen Babysitter oder Eltern/Schwiegereltern, die euch mal die Kinder für eine kurze Zeit abnehmen können, so dass ihr mal kleine Verschnaufpausen habt?
    Ich finde, das Wichtigste ist, ganz oft und regelmäßig miteinander zu kommunizieren, damit ihr nicht den Blick und das Verständnis für die Situation des Partners verliert.
    Setzt euch jeden Abend für 10 min zusammen und sprecht über den Tag. Jeder von euch beiden darf erzählen, der andere hört nur zu. Jeder von euch soll eine stressige Situation schildern. Der andere hört zu und bewertet das nicht, sondern versucht zu verstehen, warum der andere sich so gefühlt hat.
    Versucht nicht mit Vorwürfen zu kommen ("Du machst nie/ immer...") sondern erzählt nur in der "ich-Weise".
    Gibt es bei euch in der Nähe eine kostenlose Beratungsstelle für Familien? Die Caritas oder der Kinder-& Jugendschutzbund bieten sowas oft an. Dort kann man sich auch viele gute Tipps holen.
    Alles Gute!
    (PS: die Aktion mit dem Kuchen fand ich jetzt etwas überzogen. Warum muß es denn eine Konditortorte sein für einen Kindergeburtstag? #kratz Ein einfacher Rührkuchen mit Smarties überzogen hätte es doch auch getan, notfalls ein einfacher gekaufter Bäckerkuchen oder ein paar Muffins! Und wieso sollte wegen einer fehlenden Torte gleich der ganze Kindergeburtstag ausfallen? Bitte schraub Deine Ansprüche etwas runter. Ich glaube, einiges an Streß machst Du Dir selbst.)

    • Vielen Dank für die Antwort. Vielen Dank für das Verständnis und die Sichtweise.

      Das mit dem Kuchen habe ich nicht genug erklärt.
      Das Backen eines wunderschönen Kuchens ist für mich ein Ritual, welches mir unglaublich wichtig ist, mit dem ich meinen Kindern ein Stück meiner Wertschätzung für die an ihrem besonderen Tag zeigen möchte. Alle Geburten waren super dramatisch, ich habe 4 Frühchen, das Backen ist für mich sowohl eine Art Therapie (die Verlustängste um meine Kinder bei und nach der Geburt kommen jedes Mal um den Geburtstag hoch ) als auch etwas, das ich wirklich gut kann und deshalb so gerne an diesem Tag meinen Kindern schenken möchte. Eine Art Aufmerksamkeit, die ich dem Kind an dem Tag widmen möchte.
      Der Kuchen auf dem Tisch gehört für mich dazu wie die Blumen und Geschenke.
      Das alles mit einem schön dekorierten Tisch.
      Um dem Kind ein immer gleiches Ritual zu geben, das ihm sagt: "schön, dass es dich gibt"
      Mein Sohn hatte sich von mir zum Geburtstag einen speziellen Kuchen gewünscht. Den ich wegen der kleinen Zwillinge schon seit über einem Jahr nicht mehr machen konnte.

      Klar, wenn ich krank bin, muss alles ne Nummer kleiner gehen.
      Aber alles außer den Geschenken weg fallen lassen? Und die waren noch nicht mal verpackt.

      Der Konditor war die einzige Lösung, die mir einfiel. Hat mein Partner an meinem Geburtstag so gemacht. Ich konnte weder klar denken mit dem Fieber, noch mich auf den Beinen halten. Sonst hätte ich natürlich die Lösung bevorzugt, die du beschrieben hast.
      EinfCher Kuchen vom Bäcker hätte gereicht. Es hätte mir auch gereicht, dass mein Partner sich drum kümmert, egal mit welchem Ergebnis.
      Aber er ließ mich damit allein. Ohne Kuchen, ohne Aufräumen, ohne Blumen, ohne alles.

      • Mit Fieber sollte niemand in der Küche stehen und stundenlang backen. Da gehört man ins Bett. #liebdrueck

        In solch einer Situation hätte ich einen einfachen Kuchen gekauft und vielleicht etwas "aufgepimpt" und meinem Sohn die Situation erklärt und gesagt, dass ich ihm seinen Wunschkuchen einfach 1 Woche später backe, weil ich eben gerade krank bin. Und dann bekommt er als "Entschädigung" für sein Warten eben noch eine kleine zweite "Feier", wo dann Dein toller Kuchen angeschnitten wird.
        So in der Art. Er hätte das ganz sicherlich verstanden!
        Mach Dir und euch nicht so einen Streß!
        Eure Situation mit 4 kleinen Kindern ist anstrengend genug. Da kann nicht immer alles perfekt laufen. Wird ein wenig gelassener und versuche, nicht immer alles zu 100% zu machen. Mit 90% kann auch jeder gut leben. ;-)

(15) 10.02.17 - 10:03

hmm, da schlüpft einer in die Kindrolle, da kannst Du gar nicht viel machen.
Du drückst bei ihm vermutlich so alle Knöpfe, die ihm wehtun und dafür hat er kein passendes konstruktives Verhaltensmuster parat, ergo erfolgt Rückzug in die Opferrolle.

Eine Möglichkeit Druck weiter aufbauen, dann bist Du im Recht, macht das Ego stark (von Dir kam der Hinweis: in der Paartherapie bescheinigt) und trotzdem kommst Du keinen Schritt vorwärts.

Andere Möglichkeit, die Schwäche und die blinden Flecken des Partners erkennen und anders Handeln und Reden als Du es bisher getan hast, das wirkt Wunder. Vielleicht auch einfach mal verbale Kommunikation herunterfahren (nur auf Zeit) um zu sehen, wie er sich dann verhält.

Auch wenn Du es so nicht meinst, für ihn scheint fast alles was Du sagst ein Angriff zu sein, irgendwoher muss die Angst kommen, das ist dann seine Baustelle, hilf ihm, daß er diese findet.

Top Diskussionen anzeigen