Partnerschaft ohne Trauschein - Wer noch?

    • (1) 20.02.17 - 12:06

      Hallo ihr Lieben,

      ich glaube in diesem Thread suche ich vielleicht nach Menschen, in einer ähnlichen Situation. In meinem Umfeld bin ich nämlich ein Exot, wenn auch ungewollt.

      Das "Problem" kurz umrissen: Mein Partner und ich sind beide 34 Jahre alt. Wir sind seit 6 Jahren zusammen, haben einen 2-Jährigen Sohn und leben gemeinsam in einem Haus in eher dörflicher Nachbarschaft.

      Wir sind nicht verheiratet und werden es mit großer Sicherheit auch niemals sein. Der Grund dafür ist mein Partner, der absolut nicht heiraten möchte.

      Vor einem Jahr gab es deshalb einen großen Streit, an dem die Beziehung fast zerbrach. Ich habe versucht mit Druck einen "Sinneswandel" bei ihm herbeizuführen, was das Gegenteil bewirkte. Er ist nun fest entschlossen, dass er niemals im Leben die Ehe eingehen wird. Weder mit mir noch mit einer anderen Frau.

      Im letzten Jahr musste ich mich in vielen Punkten neu sortieren und einen klaren Blick auf die Dinge zu gewinnen. Es waren teilweise wirklich schlimme Monate dabei, weil ich so unendlich wütend und traurig war. Ich fühlte mich abgewiesen und konnte es nicht verstehen.

      Ich habe es einfach nicht nachvollziehen können, dass man die Frau, mit der man sein Leben verbringen will, mit der man ein Kind und ein Haus hat, nicht heiraten will.

      Heiraten war mir vorher nie wichtig, es existierte einfach nicht in meinem Kopf. Als dann aber plötzlich eine regelrechte Hochzeitswelle losging, fühlte ich mich irgendwie unter Zugzwang. Jede neue Freundin mit Ehering am Finger löste in mir das Gefühl aus, unsere Liebe sei nicht vollkommen, wie sie ist. Wir müssten ebenfalls heiraten, ansonsten stimmt etwas nicht mit uns.

      Ob der Wunsch zu heiraten aus mir selbst heraus kommt, weiß ich gar nicht. Eher denke ich, dass ich eben sozialen Druck empfinde. Ich werde regelmäßig, mindestens einmal in der Woche auf das Thema angesprochen. Menschen fragen mich, wann wir heiraten, Menschen weisen mich auf die Witwenrente hin, die ich im Sterbefall nicht bekomme. Kolleginnen schwärmen von ihren Hochzeiten, zeigen ihre funkelnden Verlobungsringe oder fragen mich, wie ich meinen Partner denn nenne "Freund" oder "Lebensgefährte".

      Solche Momente erlebe natürlich bloß ich. Mein Partner als Mann wird nie darauf angesprochen. Das ist besonders unfair, weil ich es ja dann bin, die erklärende Worte finden muss.

      Ich habe viel über unsere Beziehung nachgedacht. Ich liebe das Leben, das wir miteinander haben. Wir haben einen tollen Sohn, verstehen uns super, reisen viel und genießen das Leben. Was rechtliche Dinge angeht haben wir für den jeweils anderen für den Sterbefall privat vorgesorgt und andere Dinge wie Vollmachten etc anders geregelt.

      Ich würde gern wissen, ob es Frauen wie mich hier im Forum gibt. In meinem gesamten Freundeskreis sind wir das einzige Paar ohne Trauschein, was bereits ein Kind hat. Alle anderen sind entweder ganz am Anfang ihrer Beziehung oder verheiratet mit Kind. Und natürlich heiraten gefühlt alle zwei Monate die nächsten. Und mit jeder neuen Hochzeit denke ich wieder über all das nach. Ich muss mir irgendwie immer wieder aufzählen, dass wir ja all die Werte leben, die eine Ehe bedeuten. Dass es bei uns nicht darum geht, dass wir nach etwas anderem suchen.

      Ich habe keine wirkliche Frage, aber es wäre schön, mal von anderen Mamas zu lesen, die vielleicht ähnliche Situationen erlebt haben. Die sich gegen die Ehe entscheiden haben, aus welchen Gründen auch immer. Oder die wie ich, mit einem Mann leben, der Heiraten kategorisch ablehnt. Vielleicht hilft mir das, mich nicht so weit außerhalb der Norm zu empfinden, wie ich es manchmal tue.

      Eure Tara

      • Hallo!

        ne ich kenne komischerweise nur Frauen mit Kind, die entweder infolge einer Scheidung (die meisten), in einem Fall Tod des Mannes und in einem anderen Fall "Unfall" nicht in einer Ehe leben, oder aber sie sind eben verheiratet.

        Ach so es fällt mir noch ein Fall ein, wo der Mann schon 3 erwachsene Kinder hat mit der Mutter verheiratet ist und beide die Scheidung nicht wollen, allerdings seit mindestens 15 Jahren getrennt leben. Der erwartet jetzt ein Kind mit seiner Freundin, aber auch nur weil die es unbedingt will und sie auf alle Rechte verzichten will, bzw. er keine Pflichten hat #klatsch

        Ich weiß nicht welche Dinge Dein Freund so aufs Tapet bringt gegen eine Ehe. Das einzige wo ich mitgehen könnte wären sehr ungleiche / schwierige Erb-/Familienverhältnisse, vielleicht das eigene "Vorleben" in die man die nächste Generation nicht hineinziehen möchte, eine bestehende Ehe. - Es müssten allerdings sehr schwerwiegende Gründe sein, wenn ich das akzeptieren sollte und auf meine Heirat verzichten sollte - sofern Du in einer Heirat nicht nur eine coole "Hochzeits"-Party siehst.

        LG, I.

        PS. Hat er die Vaterschaft des Kindes anerkannt?

        • Ja Paare die eine Ehe hinter sich haben und nun ohne Trauschein leben wollen, kenne ich auch, aber die sind alle über 45 und haben schon große Kinder vom Expartner :D

          Mein Freund hat in der Schwangerschaft die Vaterschaft anerkannt und wir leben auch ansonsten ein ganz normales Familienleben. Er übernimmt alle Verantwortungen, die er auch übernehmen würde, wenn er mein Ehemann wäre.

          Seine Gründe dagegen sind von außen schwer zu verstehen. Selbst für mich als Partnerin auch nur bedingt nachvollziehbar. Es geht ihm darum, dass er das Modell als veraltet findet und aus seinen Beobachtungen in Familie und Freundeskreis ein sehr negatives Bild dazu aufgebaut hat. Dazu kommt wohl der Druck den ich aufgebaut habe.

          • Hallo!

            ne, das kann man nicht verstehen! Muss man das denn wirklich verstehen und akzeptieren? Veraltetes Konzept? - Ich denke ihr lebt in einer Familie. Oder was genau macht er anders im täglichen Leben als Paare mit Heiratsurkunde? Vieles kann man - sofern nicht sittenwidrig - in einem Ehevertrag regeln.

            Na ja spätestens wenn es in relativ einfachen Fällen zu Sorgerechtsfragen kommt, wird das dann lustig. Er hat durch die Anerkennung der Vaterschaft nicht automatisch das Sorgerecht - und da fängt der Unterscheid schon an - im Gegensatz zu verheirateten Väter muss er es extra beantragen! Mit dem Sorgerecht in der Hand kann er doch einige nicht ganz unwahrscheinliche Fragen für das Kind klären:
            Einverständnis für medizinische Behandlungen des Kindes zu geben
            Die Schule/KiTa des Kindes aussuchen dürfen und einschulen und bei allen Gesprächen, Notenbesprechungen, Elterngespräche, Schulausflüge.... in Kenntnis gesetzt werden
            Einen Pass für das Kind beantragen

            über seine religiöse Erziehung zu entscheiden
            über den Wohnort zu entscheiden

            Aber das werdet ihr schon bestimmt sonst geregelt haben, und dann verstehe ich wiederum nicht was er gegen Heirat hat!

            LG, I.

            • Über unsere rechtliche Situation sind wir gut informiert und haben alles soweit geregelt, was geht.

              Es geht mir hier auch nicht um die Diskussion darüber, warum er nicht heiraten will oder die Vorteile des Heiratens an sich. mir ist bewusst dass der Großteil der Menschen es nicht versteht und deshalb suche ich hier im Forum auch den Austausch mit Menschen in ähnlichen Situationen.

              Danke dennoch für deinen Kommentar

          Denkanstoß ...

          sollte deinem Partner etwas passieren bekommt nur dein Kind Halbwaisenrente. Für den Rest mußt du arbeiten, evtl. die bereits existierende Arbeitszeit aufstocken. In einer solchen Situation sicher nicht die beste Alternative.
          Eine Witwenrente für dich kann zwar so einen Verlust nicht auffangen aber einem eine kleine Sicherheit geben.

          Für uns damals nach 2 Kindern und vielen Jahren Beziehung der ausschlaggebende Punkt. Ich bin und war immer berufstätig und verdiene auch gut, aber in solch einer Situation könnte ich mir vorstellen eher kürzer zu treten um die Kinder etwas aufzufangen.

          • Ja das ist auch für mich immer ein Thema über das ich nachdenke. Er hat eine Lebensversicherung auf mich abgeschlossen, so dass ich in solchem Fall abgesichert bin.

            Aber klar, das würde die Ehe automatisch mit sich bringen.

    Wir leben zwar nicht ohne Trauschein zusammen, aber ich kenne einige Paare, die dies tun.

    Was mich mal interessieren würde, aus welchen Gründen dein Freund Heiraten kategorisch ablehnt.

    • Er sieht es als veraltet an und hat keine romantische Vorstellung zur Heirat oder zur Ehe. Für ihn ist es ein Vertrag, das lehnt er in Bezug auf die Liebe ab. Alles was er gibt, will er freiwillig geben.

      • Im Gegensatz zu den meisten Frauen hier sehe ich es genauso wie dein Freund.
        Der Unterschied ist nur, dass ich schon einmal verheiratet war und es schon damals nicht von mir aus ging.

        Auch in unserem Freundeskreis haben alle geheiratet und wir werden auch ständig gefragt wann wir diesen Blödsinn nachmachen. Natürlich gucken alle blöd, wenn ich sage gar nicht.
        Ich muss das auch keinem Außenstehenden erklären, denn es geht niemanden etwas an. Wir lieben uns auch ohne diesen blöden Wisch. Mir persönlich fällt kein Grund ein zu heiraten. Wir sind ja schon eine Familie und ich finde ein Kind verbindet mehr als ein Schein.

        Ich finde Leute generell komisch, die sich von anderen Menschen etwas einreden lassen oder sich unter Zugzwang setzen lassen.

        • Ist auch interessant, dass manche hier ziemlich gehässig reagieren ...

          • Das ist überhaupt nicht gehässig, aber für mich macht es einen Unterschied ob man von sich gerne heiraten möchte und es somit einfach ein Herzenswunsch ist oder ob man nur heiraten möchte, weil es "alle" tun und es erwartet wird.

            Entweder man heiratet, weil man es selbst gerne möchte oder man lässt es eben bleiben und klar ist es schwer wenn einer will und der andre nicht. Mein Partner sagt auch wenn sich der Wunsch irgendwann einstellt können wir darüber reden, aber nicht weil andere es gerne so hätten.

            Wenn du in einem Gespräch mit deinem Freund über dieses Thema auch oft fallen lässt, dass xy sich verlobt hat oder sonstwer jetzt auch verheiratet ist nur ihr nicht wirkt das eben wirklich nur so, dass du es nur willst, weil alle andern es auch machen. Reagiert dein Freund auch so abgeklärt, wenn du einfach sagst du würdest gern heiraten , weil es dir allein ein Bedürfnis ist und du euch dann als vollständige Familie siehst?

            Ich wollte dir damit nur zeigen, dass es auch noch mehr Menschen wie deinen Freund gibt, aber ich würde meinen Freund nicht abblitzen lassen, wenn ich wüsste es wäre sein sehnlichster Wunsch unabhängig von anderen.

            • Oh ich meinte nicht dich mit "Gehässig". Ich meinte andere Reaktionen hier. Sorry, wenn das so rüber kam :)

              • Keine Panik Missverständnisse gerade auf nonverbaler Ebene passieren schnell ^^

                Deswegen bin ich nicht gleich beleidigt.

                Mich würde aber dennoch interessieren ob du und dein Freund das Thema auch besprecht nur mit dem Hintergrund, dass du es einfach schön finden würdest.

                Übrigens ist das Argument ein Mann stünde nach einer eventuellen Scheidung schlechter da als nach einer Beziehung ist Humbug. Mit Hilfe von einem Ehevertrag hat ein Mann nichts zu befürchten ;) (ebenso wie Frau je nachdem eben)
                Ich hab nach meiner Scheidung auch nichts bekommen und auch nichts gewollt, was nicht mir gehörte. Bei gemeinsamen Anschaffungen wurde eben ausklabustert, aber das ist bei einer normalen Trennung ja genauso.

                • Normal haben wir das Thema noch nie besprochen , nur im Streit damals und dann immer mal wieder wenn jemand anderes heiratet.

                  Aber das Thema ist momentan einfach noch zu negativ besetzt. Du hast sicher recht damit, dass es Unterschiede gibt, wie man was ansprechen kann. Er reagiert (wie ich) auf seine eigene emotionale Weise. Einen neutralen Zugang zu dem Thema haben wir (noch) nicht.

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