Ich liebe meinen Mann mehr als mein Kinder

    • (1) 24.02.17 - 21:25
      seltsame Mutter?

      Hallo zusammen,

      Vermutlich werden einige bei der Überschrift denken, dass hier ein Troll unterwegs ist. Freitagabend und dann auch noch das derzeit so beliebte Thema "Rabenmutter" - klar ;-) es ist mir aber wirklich ernst mit meinem Anliegen.

      Ich habe in letzter Zeit verstärkt festgestellt, dass ich meinen Mann mehr liebe als unsere Kinder. Wir sind beide Mitte vierzig, seit gut zwanzig Jahren ein Paar und haben vier gemeinsame Kinder, darunter Zwillinge, im Alter von 6 bis 10.

      Unser Weg zum Wunschkind war sehr steinig. Ich hatte mehrere Fehlgeburten und auch eine Totgeburt. Bis unsere Älteste auf die Welt kam, vergingen fünf Jahre. Diese Zeit war hart für uns, aber sie hat uns umso mehr zusammengeschweißt. Auch die Jahre bevor wir zusammen kamen waren recht kompliziert, da er psychische Probleme hatte, weil er als Kind in seinem Elternhaus Gewalt erfahren hatte. Ich habe ihn gestützt und genauso hat er es bei mir gemacht, als es mir nach dem Tod unseres Babys schlechtging. Ich liebe meinen Mann abgöttisch, er ist einfach alles für mich. Beschützer, Geliebter, bester Freund, ... Mein Puzzleteil, ohne das ich mich nicht komplett fühle.

      Auch unsere Kinder liebe ich sehr, aber ganz ehrlich - ich könnte mich nicht eindeutig für sie entscheiden, sollte ich vor die Wahl gestellt werden. Meine Freundinnen sagen, wenn es um sowas geht, wie aus der Pistole geschossen: "Keine Frage - ich würde sofort meine Kinder wählen!" So ist es bei mir nicht. Wie gesagt, ich liebe sie, aber sie sind mir nicht wichtiger als mein Mann. Er ist mein Partner, mein Seelenverwandter, mit dem ich auf Augenhöhe kommunizieren kann. Unsere Kinder krönen unsere Liebe und ich will sie nicht missen. Aber eines Tages sind sie erwachsen, haben ihre eigenen Familien, wollen unter Umständen gar nichts mehr von uns wissen - dann sind wir wieder zu zweit und werden miteinander unseren Lebensabend verbringen, während unsere Kinder ihr eigenes Leben haben.

      Ich muss auch gestehen, dass ich lieber Zeit mit meinem Mann verbringe als mit den Kindern. Was nicht bedeutet, dass ich nicht gerne Zeit mit ihnen verbringe. Aber zu zweit mit meinem Mann ist es einfach etwas ganz besonderes (vielleicht auch nur, weil es da ausnahmsweise mal ruhig und ohne Kinderlärm zugeht?).

      Wie gesagt, wenn ich höre, wie meine Freundinnen darüber denken, fühle ich mich seltsam. Als wäre biologisch etwas "schiefgelaufen" bei mir. Vor allem da wir so einen steinigen Kinderwunschweg hinter uns haben, sollte ich meine Kinder doch umso mehr lieben.

      Ich möchte aber betonen, dass ich trotzdem eine liebevolle Mutter bin. Ich habe lange gestillt, bin einige Jahre lang aus dem Job ausgestiegen, bin mit ihnen ins Mutter-Kind-Turnen gegangen usw. (was nicht heißen soll, dass nicht-stillende oder arbeitende Mütter nicht liebevoll sind - ich will nur verdeutlichen, dass ich nicht diese "typische" Karrierefrau bin, die nichts mit Babys und Kleinkindern anfangen kann).

      Ich mache mir in den letzten Wochen wirklich sehr viele Gedanken um das Thema und würde mal gerne hören, wie es euch geht und wie ihr darüber denkt. Wie gesagt, so ganz normal fühle ich mich nicht.

      • (2) 24.02.17 - 21:51

        Huhu,

        was ist schon normal?

        Ich selber bin wohl auch nicht ganz normal....ich würde jetzt nicht sagen das ich meinen Mann mehr liebe, aber sicher genauso wie die Kinder. Da werde ich oft seltsam für angesehen. Aber es ist ähnlich wie bei dir...mein Mann ist meine starke Seite, mein Fels zum anlehnen, der mich auffängt wenn ich in der trotzphase mal wieder verzweifel und im Prinzip der Grund warum ich heute so lebe wie ich es tue. Er hat mich aus der Depression und essstörung geholt und unterstützt mich heute immer noch wenn ich das Gefühl habe es gibt einen Rückfall...

        Ich liebe unsere Kinder....aber die Zeit nur zu zweit genieße ich irgendwie mehr. Wenn ich vor der Wahl stände...ich würde mich lieber selber opfern als ihn. Mag sein das es nicht normal ist aber ich würde für unsere Kinder und für meinen Mann durchs Feuer gehen.

        Ich gehöre also sicher nicht in die Kategorie Kinder über alles....trotzdem geht's unseren sehr gut und sie wissen das sie geliebt werden.

        • (3) 24.02.17 - 22:06

          Hallo,

          Danke für deine Antwort! Depression und Essstörung - ganz genauso war es bei mir auch!

          Diese schweren Zeiten schweißen sehr zusammen. Für unsere Kinder tragen wir Verantwortung, wir beschützen sie, aber meinen Mann habe ich bewusst gewählt, um mein Leben an seiner Seite zu verbringen.

          LG

      Lass Dir doch einfach Deine Gefühle.

      Zwing Dir nichts auf, nur weil es mainstream ist.

      Ich liebe meine Kinder auch, aber meinen Mann auch.

      Ich will auch nicht vor die Wahl gestellt werden, Kinder oder Mann im Falle eines Falles.

      Liebe zum Kind wird nicht durch Stillen usw ausgemacht.

      Ich würde sterben, würde einem meiner Kinder etwas passieren, aber der Verlust meines Mannes wäre auch extrem tragisch.

      Da wüsste ich kaum noch ein oder aus.

      Ich liebe sie einfach alle. Jeden auf unterschiedliche Weise.

      Ich bin Hausfrau, für Kinder da. Aber ich geniesse auch Momente ohne sie.

      Darf man.

      Mach Deine Emotionen nicht zu deutlich, markant, weil es unnötig ist. Ihr müsst Euch nicht zwischen Kindern und Mann entscheiden.

      Also warum gedanklich sich irre machen.

    • (5) 24.02.17 - 22:16

      Hi,
      Ich gehöre auch zu denen die so empfinden.

      Bei dem Thema unter dir sagen ja auch alle, dass sie die Kinder mehr lieben und das auch für normal halten.

      Ich sage da lieber nix zu, weil die Mutterliebe in unserer Gesellschaft eh viel zu idealistisch gesehen wird.

      Dass alle! Mütter ihre Kinder lieben und immer beschützen wollen wird vorausgesetzt, obwohl es genug andere Beispiele gibt wo diese angeblich unfehlbare Mutterliebe versagt .
      In meinem Job bin ich täglich mit misshandelten, vernachlässigten, ungeliebten Kindern konfrontiert und mit Müttern die sich null für ihre Kinder interessieren. Und ich rede hier nicht von Einzelfällen sondern von einem häufigen Problem.

      Ich selbst habe diese überwältigende Mutterliebe auch nie empfunden, schon mal gar nicht nach der Geburt.
      Als Babys hab ich ich meine Kinder aus reinem Verantwortungsgefühl versorgt , Liebe hat sich erst zaghaft über Jahre hinweg entwickelt.

      Meinen Mann hab ich auf den ersten Blick geliebt und müsste ich wählen, ich würde mich gegen die Kinder und für ihn entscheiden.

      Auch nach einer Trennung würde ich die Kinder bei ihm lassen, ohne emotional darunter zu leiden. Würde ich da offen drüber reden? Nein.
      Ich lese hier schon mal beim Frühen Ende mit und finde mich da in den meisten Aussagen auch nicht wieder.

      Hab eine FG in der 18. Woche gehabt und hab da weder groß getrauert, noch es so empfunden, dass ich ein Kind verloren habe. Es war ein Fötus, kein Kind, unfertig und hatte null Ähnlichkeit mit meinen termingerecht geborenen Kindern.
      Ich hab mir den Fötus kurz angeschaut, wollte ihn aber weder stundenlang halten noch hatte ich das Bedürfnis mich zu verabschieden. ..ich hab da keinerlei Bedürfnisse in diese Richtung gehabt.

      Es wurden Fotos gemacht ,die ich mir nie angesehen habe, auch eine Beerdigung hab ich abgelehnt.

      Deshalb fühle ich mich auch in diesen Foren immer fehl am Platz weil ich zu diesen Gefühlen die die Frauen da schildern, nichts beitragen kann.
      Ich habe drei Kinder und nicht 4 oder wie viele immer sagen: ein Sternenkind.
      So ist es für mich keineswegs. Jahrelange Trauer wird da viel eher akzeptiert als eine Mutter die sagt: ich bin fertig damit und getrauert hab ich auch nicht.
      Wie gesagt, ich denke dass Mütter nur ganz bestimmte Gefühle in Bezug auf ihre Kinder zugestanden werden.

      Wer davon abweicht, ist in den Augen der Müttermafia direkt unnormal.

      Ich glaube eher ,du hast gar nicht verstanden hast, was mit dieser bedingungslosen Liebe zu den Kindern gemeint ist.
      In meinem Umfeld kenne ich keine Mutter, die lieber mit den Kindern essen gehen würde, als jeweils mit ihrem Mann. Und keine - mich eingeschlossen - müssen symbiotisch nur mit den Kindern Zeit verbringen. Der Mann bewegt sich (hoffentlich) auf Augenhöhe und ist bestenfalls mehr, als nur der Erzeuger der Kinder.

      Und ich war damals froh, wenn ich mich nach einem ganzen Tag mit Kindern mit einem Menschen bzw. meinem Mann verbal austauschen konnte.

      Aber all diese Frauen würden ganz sicher - vor die ultimative Wahl gestellt - die Kinder retten, ihnen eine Niere spenden etc. Auf die Frage, wen sie aus einem brennenden Flugzeug retten würden: den Mann oder das Kind (eine andere Alternative gibt es nicht), dann würdest du sagen: Klar, meinen Mann rette ich und die Kinder müssen zusehen, wie sie zurecht kommen. Mein Mann ist mein Leben.......... Na, ich weiß ja nicht

      • (7) 25.02.17 - 01:29
        seltsame Mutter?

        Hallo,

        So leicht würde ich es mir natürlich nicht machen. Also nach dem Motto "die Kinder müssen zusehen, wie sie zurechtkommen". Aber ich könnte mich keinesfalls so eindeutig für sie entscheiden, wie andere Mütter das tun würden.

        LG

        • Aber ich könnte mich keinesfalls so eindeutig für sie entscheiden, wie andere Mütter das tun würden.
          -------

          Wenn man alle liebt, leidet man so oder so. Aber ich bin sicher, dass man sich automatisch für die Schwächeren entscheidet, denn sonst würde man seines Lebens nicht mehr froh

          • (9) 25.02.17 - 02:18

            Außer man sagt, ich rette den Mann, dann können wir noch weitere Kinder zeugen ;-)

            Spaß bei Seite, ich verstehe dich schon, aber ich glaube, du kannst nicht pauschal sagen, dass jede Frau ihr Kind ihrem Partner gegenüber bevorzugen würde.

            • (10) 25.02.17 - 09:21

              Du hast sicher Recht! Mein Beispiel war jetzt der Extremfall. Im normalen Alltag sieht es leider häufiger anders aus.

              Das erlebe ich leider jede Woche. Nicht umsonst leben Kinder in Wohngruppen, kommen ohne Essen oder Geld in die Schule, ohne wetterangemessene Kleidung, ohne die nötigen Arbeitsmaterialien und werden zuhause geschlagen, gedemütigt oder sonstwas.

              Oder mit jedem neuen Stecher wird ein neues Kind angesetzt obwohl sie mit den vorhandenen schon längst überfordert sind. Seit ich ständig mit Kindern zu tun habe, kann ich der Zwangssterilisation direkt was abgewinnen.

          (11) 25.02.17 - 09:46

          >>denn sonst wird man seines Lebens nicht mehr froh<<

          Vllt entscheidet man sich im Flugzeug genau deswegen dann für die Rettung der Kinder - bleibt aber freiwillig selbst auch zurück beim Partner, als sich für ein Leben mit den Kindern zu entscheiden. Weil man eben merkt man liebt seinen Mann mehr...und kann sich das alleine leben mit den Kindern nicht vorstellen. (Klingt schrecklich bedüfrtigt wahrscheinlich...gerade für die starken urbiamütter hier)

          Es ist schwer zu beschreiben...und ja man fühlt sich nicht normal. aber das bedeutet nicht automatisch das Kinder darunter leiden müssen.

          • Weil man eben merkt man liebt seinen Mann mehr...und kann sich das alleine leben mit den Kindern nicht vorstellen. (Klingt schrecklich bedüfrtigt wahrscheinlich...gerade für die starken urbiamütter hier)
            ---------

            Stimmt, das klingt und IST bedürftig, weil diese Art Frauen mit ihrem Leben allein schon überfordert sind. Das ist dann aber weniger Liebe sondern Abhängigkeit. Ohne jemanden, der der Fels in der Brandung ist und sie ans Händchen nimmt, fühlen sie sich nicht lebensfähig oder vielleicht nur unter größten Anstrengungen. Da stellst sich dann eher die Frage, warum sich solche Menschen dann die Verantwortung über viele, viele Jahre für Kinder an den Hals laden. Müssten sie ja nicht und es zwingt sie niemand, wenn man am glücklichsten ist, hat man sein Gegenstück im Mann erst gefunden. Vielleicht wächst man dennoch über sich hinaus, wenn es letztlich sein muss oder man holt sich anderweitig Hilfe, um über die Runden zu kommen. Dafür ist der Mensch i. d. R. ja lernfähig (die meisten jedenfalls).

            • (13) 25.02.17 - 13:39

              Und warum sollten wir unsere Kinder nicht haben? Wir sind eine völlig normale Familie, unseren Kindern geht es mit Sicherheit gut. Nur weil man (im unrealistischen Fall der Fälle) die Kinder lieber einer dritten Person anvertrauen würde als sich bedingungslos für sie zu entscheiden? Nun ich denke es gibt viele Kinder die schlechtere Voraussetzungen haben.

              Wenn du es überfordert vom Leben nennst ok dann ist das deine Meinung. Ich finde es eher gruselig wenn ich mit Freundinen rede die gerne feststellen das sie alles allein so toll machen das ihr Mann ja eigentlich nur nettes Beiwerk ist ;-)

              • Die Diskussion ist zwar müßig mit dir....

                DU hast selbst angeführt, dass du im Extremfall lieber mit deinem Mann glücklich und gemeinsam untergehen wollen würdest, als allein mit den Kindern zu bleiben. Wir absurd. Du hättest nichts davon und dein Mann auch nicht - ihr wärt dann einfach nicht mehr da (jetzt immer bezogen auf mein abstruses Beispiel, aber darauf hast du ja auch Bezug genommen).
                Wer so wenig eigenen Lebenswillen und Antrieb hat und so wenig Sinn im alleinigen Leben sieht, den finde ich wahrlich ganz arm dran und bedürftig. Und es klingt wenig nach Partnerschaft auf Augenhöhe, wenn ein Part so viel stärker ist und der andere wie ein Vater und Beschützer auftritt.

                Offensichtlich hast du eine andere Schwarz/Weiß Denkweise, als die meisten Menschen bzw. Frauen, die ich kenne. Du definierst Partnerschaft lt. Deiner Kommentare eher darüber, wie viel der Mann an Unterstützung bietet.

                Warum sollte ein Mann nur nettes Beiwerk sein, wenn Frau auch gut die Nägel allein in die Wand schlagen kann und gut zurecht kommt, wenn der Mann 3 Monate im Auslandseinsatz oder generell zu den Tageszeiten wenig präsent ist?

                Mir würde es in der Tat Angst machen, wenn irgendwann eine Trennung anstünde oder der Mann verstirbt. Darüber müssen sich Menschen mit genügend eigenem Antrieb keine Sorgen machen, die überleben auch als Alleinerziehende oder ganz allein.

                ----Nur weil man (im unrealistischen Fall der Fälle) die Kinder lieber einer dritten Person anvertrauen würde als sich bedingungslos für sie zu entscheiden?---------

                Das ist sicher besser, als nichts zu tun und die Kinder müssen mit ansehen, wie sich die Mutter in ihrem Elend ergeht. Das wäre grausamer.

                Man könnte sich aber auch wieder Hilfe und Unterstützung an die Hand holen, um mit einer neuen Situation umgehen zu lernen. Man muss es aber auch wollen. Wenn jemand sich entscheidet, meine Kinder sind mir nur bei mir und um mich herum wichtig in Kombination mit meinem Mann - und ist der nicht mehr da, dann gehe ich lieber mit ihm unter bzw. gebe die Kinder weg, der sollte sich m. E. lieber einen Hund kaufen.

          (15) 25.02.17 - 14:16

          Vllt entscheidet man sich im Flugzeug genau deswegen dann für die Rettung der Kinder - bleibt aber freiwillig selbst auch zurück beim Partner, als sich für ein Leben mit den Kindern zu entscheiden. Weil man eben merkt man liebt seinen Mann mehr...und kann sich das alleine leben mit den Kindern nicht vorstellen. (Klingt schrecklich bedüfrtigt wahrscheinlich

          Wie meinst du das und deinen nachfolgenden Beitrag (den mit dem Weggeben an eine Dritte Person)?
          Sollte dein Mann heute unheilbar an Krebs erkranken und nur noch wenige Monate Lebenszeit haben. Organisiert du baldmöglichst die Betreuung eurer Kinder von einer dritten Person und stürzt dich nach seinem Tod aus dem Fenster oder lebst du dann ein Singelleben? #kratz

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