Beziehung mit Höhen und Tiefen

    • (1) 01.03.17 - 22:31
      Ihrhabtschoneinmalgeholfe

      Hallo an alle,

      hier wurde mir schon mal geholfen.
      Meine Frage geht an die Leute, die schon eine längere Beziehung führen und auch schon Heftigeres verzeihen konnten oder gerade dabei sind.
      Ich bin ein sensibler Mensch. Mein Mann und ich sind gerade dabei altes Verhalten zu verändern bzw. ich versuche zu verzeihen und meine Gefühle zu sortieren. Wir gehen zur Therapie. Nach unserer ersten Therapie-Stunde hatte ich ein gutes Gefühl. Nun sitze ich alleine zuhause und Frage mich schon wieder ob ich ihn wirklich von Herzen liebe und ich kann es mir nicht beantworten. Kennt das jemand? Ist einfach der Alltag eingekehrt? Wir nehmen uns einmal die Woche Zeit nur für uns, ohne Kinder. Es ist immer ganz schön aber ich bin gefühlstechnisch eingeigel. Ich komme da zeitweise raus aber hauptsächlich weiß ich nicht ob meine Liebe reicht. Muss das in jedem Fall ein schlechtes Zeichen sein? Wer hat große Krisen überwunden? Wie hat es geklappt oder kann ich im Grunde aufgeben? Ich weiß das mir hier keiner direkt die Antwort geben kann, die ich suche. Mir würden eure Erfahrungen aber evtl. weiter helfen.

      Danke im Voraus!

      • (2) 02.03.17 - 05:46

        Hallo,

        um da was dazu sagen zu können fehlen einfach ein paar Daten.

        Wie alt seid ihr und eure Kinder?

        Wie lange seid ihr schon zusammen?

        Was muss verziehen werden?

        Ich habe selbst schon verziehen und habe eine 16 jährige Beziehung mit vielen Höhen und Tiefen.

        Einfach ist es nicht immer aber ich kämpfe mich durch weil eine Trennung Quatsch wäre.

        LG

        (3) 02.03.17 - 08:44

        was ich vermute, was dir helfen würde ist, dass du nicht "die Liebe" so unter der Lupe betrachtest. Liebe ist mal mehr, mal weniger, wie Ebbe und Flut... und man (so meine Erfahrung) muss sie auch zwischendurch bisschen loslassen können. (Das Buch "Muscheln in meiner Hand" von Anne Lindbergh hat mir vor vielen Jahren gute Impulse gegeben)

        Die kontinuierliche Liebe, die du zu suchen scheinst (oder?), findest du eher bei dir. Und meine Erfahrung ist auch, dass das gleichzeitig das einzige Mittel ist, um eine Paarbeziehung - wenn es denn sein soll - dauerhaft am Leben zu halten. Lenke den Blick auf dich, was brauchst du, wer bist du, was lässt dich lebendig und erfüllt fühlen und wie kannst du das umsetzen... und den Blick auf die Paarbeziehung bisschen lockern.

        Wenn du trotzdem keine Besserung und nicht mehr Leichtigkeit findest, dann ist es vielleicht gut, die Beziehung zu beenden. Aber vielleicht kannst du dir einen Zeitrahmen setzen, wenn du nach xx Monaten immer noch dauerhaft leidest wie ein Hund und es keinerlei Besserung in Sicht ist, dass du die Konsequenzen ziehst. Und so lange lässt du innerlich bisschen los, vertraust auf dich und darauf, dass du deinen Weg schon finden wirst...

        lg

        Es gibt auch Sachen, die man nicht verzeihen kann, da nützt dann auch keine Therapie mehr.
        Die Therapie sorgt dann eher dafür, dass man sich friedlich trennt.

        Was sagt Dein Bauchgefühl?

        • (5) 02.03.17 - 10:39
          Ihrhabtschoneinmalgeholfe

          Danke für deine Antwort. Ich habe irgendwie kein Bauchgefühl. Das ist das Problem. Meine Gefühle sind so eingefroren. Mein Mann gibt sich große Mühe. Die Probleme sind Jahre her aber stehen zwischen uns.

          • Etwas völlig neutral ohne jegliche Gefühle zu sehen, kann auch bedeuten, dass einem das Thema/die Sache völlig egal ist.

            Ich denke Du solltest eher mal ehrlich zu Dir selbst sein, Du fühlst gar nichts? Dann steh dazu!
            Du mußt nicht zwingend ein Gefühl suchen, was es nicht mehr gibt!

            (8) 02.03.17 - 11:51

            Hey,

            vielleicht solltest du dir noch etwas Zeit geben. Ich habe auch schon verziehen, aber dieses "meine Gefühle sind eingefroren" kenne ich vom Tod meiner Mutter. Sie starb als ich 20 war und ich hatte sonst keine enge Familie. Mein Partner war immer für mich da und eigebtlich war die Zeit danach alles gut zwischen ubs. Trotzdem habe ich mich ein halbes/dreiviertel Jahr später gefragt, ob ich ihn noch liebe. Ich habe nämlich einfach nichts mehr gefühlt. Wahrscheinlich aus Selbstschutz. Ich habe abgewartet und immer mal wieder in mich hineingefühlt und bin irgendwann wieder angekommen.
            Nachdem ich Ohm etwas tiefgreifendes verzeihen musste, hat technische das nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass sich das bei manchen einstellen kann.

            Dir noch alles Gute!

            (9) 03.03.17 - 19:31

            Hallo an euch alle, ich habe nun endlich Zeit Mal in Ruhe zu schreiben. Ihr habt im Grunde alle auf eure Art Recht. Ich liebe mich nicht so sehr zur Zeit, wurde kurzerhand von meinem Vater verstoßen und bin viel alleine hier. Mein Mann ist liebenswert hat aber auch grobe Fehler gemacht weshalb mein Vertrauen gebrockelt ist. Ich denke auf jeden Fall auch viel zu weit und generell zu viel. Habe zB Angst noch ein Kind zu bekommen obwohl mein Wunsch immer groß gewesen ist. Habe finanzielle Ängste weil ich zur Zeit zuhause bin und wir ein Haus etc. haben. Naja und dann habe ich eine beste Freundin die meeeega verknallt ist und alles an ihrem Freund toll findet. Ich war niemals so verknallt, noch nie. Weiß nur nicht ob es an mir liegt oder daran das ich nie den richtigen Mann gefunden habe. Naja U das dann gehen die Gedanken los. Ich wäre so gern verliebt und würde gerne Pläne haben. Ich kenne meinen Mann und unsere Fehler und wir arbeiten hart an uns.

            Manchmal bin ich wirklich alles Leid und würde gern mit jemandem von Vorne beginnen. Natürlich komme ich dann gedanklich in die Realität zurück und weiß das jede Beziehung auch einmal Schattenseiten hat. Oh je, ich bin wirklich etwas im Loch.

      Kommt mir so vor, als ob Du zuviel nachdenkst und gar nicht präsent bist, wenn Du mit ihm zusammen bist. Entweder bist Du in der Vergangenheit bei dem was nicht gut war, oder Du bist in der ungewissen Zukunft. Beides ist nicht dienlich, da Du dann verkennst was jetzt gerade passiert, bzw. es ständig bewertet wird - es geht auch ohne.

      Daran würde ich arbeiten, Fragen wie bspw. hilft mir der Blick in die Vergangheit, was bringt es mir für das, was gerade geschieht?
      Flüchte ich schon wieder in Gedanken, anstatt den anderen anzunehmen so wie er ist?
      Dabei reicht oft schon das bloße Wahrnehmen und ein liebevoller Blick auf sich selbst um das zu lösen.

      "hauptsächlich weiß ich nicht ob meine Liebe reicht"
      Was ist Liebe für Dich? Ein Gefühl, eine Emotion, ein Sammelbegriff für Handlungen, kannst Du Liebe in Dir für Dich finden, brauchst Du den anderen dazu, muss Liebe zwingend romantisch sein, damit sie sich so anfühlt etc.? Kannst Du das für Dich selbst herausfinden?

      Wenn's vermeintlich nicht mehr geht, finde ich auch den Vorschlag gut, eine Beziehung auf Zeit zu verabreden, bspw. zu sagen: ok ab jetzt bis Ende September sehe ich unsere Partnerschaft als gesetzt an und am ersten Oktober bewerten wir das nochmal neu.

      Das hat manchmal etwas sehr Befreiendes, weil Du Dich erst einmal entschieden hast.

      Man kann fast alles verzeihen.nur etwas vergessen geht nicht.
      Je nachdem wie schlimm es dich getroffen hat...
      Zum Thema Trennung ja oder nein:
      Ich hab mir die Frage gestellt, ob ich die Person oder die Situation vermissen würde.
      Würde er als Person mir fehlen oder würde einfach irgendetwas mir fehlen, wenn sich mein bisheriges Leben ändern würde bei Trennung.

      Da kann dir leider keiner ausser du selbst eine Antwort drauf geben. Auch kein Therapeut. Die können nur Denkanstöße geben.

      Alles gute für dich!

      • (12) 02.03.17 - 20:11
        Ihrhabtschoneinmalgeholfe

        Ich danke euch. Ich glaube ich denke einfach wieder zu viel. Das war schon als Kind so!

        • (13) 02.03.17 - 20:30

          Ich kenne das, mit dem zuviel nachdenken - man kann sich da regelrecht reinsteigern - alles wieder zurückholen, so als ob man die Befürchtung hätte, manche Details zu vergessen, wenn man es nicht immer wieder durchdenkt.

          Ich arbeite daran, das geht - ich stelle mir symbolisch eine Kiste vor, wo ich diese ganze Geschichte reinstecke, mit meinem Kopfkino, mit allen Details, Erinnerungen, Wut und Schmerzen - drumherum binde ich ein stabiles Seil, verknote die Kiste und stell sie irgendwo ab, wo ich kaum vorbeikomme. Manchmal öffnet sich diese Kiste von allein und die Dinge quellen hervor - diese Dinge, ERinnerungen will ich aber nicht wieder ansehen, ich kenne sie alle, also drücke ich alles zurück in die Kiste und mach sie wieder zu. Ich werde immer im Bewusstsein behalten, daß diese Kiste irgendwo steht, aber irgendwann wird sie verschlossen bleiben - hoffe ich.

    (14) 02.03.17 - 20:25

    Hallo,

    also ohne nun zu wissen, worum es konkret geht, möchte ich dir einfach antworten:

    Ich weiß nicht, ob man nach vielen Jahren Beziehung es noch so intensiv spürt, daß man jemanden von ganzem Herzen liebt - Was wohl dazu gehören sollte, auch nach vielen Jahren Beziehung, ist gegenseitiger Respekt, gegenseitige Achtsamkeit, sich aufeinander verlassen, vertrauen zu können... Eins dieser Kriterien vermute ich mal, wurde bei dir mißachtet... auch das kann natürlich im Laufe einer Beziehung passieren - das passiert sogar in ziemlich vielen Partnerschaften - Ich denke, wenn du nicht vorrangig das Gefühl hast, es mit ihm nicht mehr auszuhalten, dir nicht vorstellen kannst, daß du auch die nächsten Jahre neben ihm einschlafen oder aufwachen möchtest, dann solltest du damit erst mal "zufrieden" sein.

    Es hört sich nun nicht so an, als ob du, wenn du dich nun trennen würdest, es dir besser vorstellst - also was hast du momentan zu verlieren, indem du es einfach so nimmst, wie es ist. Es gibt es mitunter schöne Momente, das scheint dir irgendwie zu wenig zu sein. Welche Erwartungen hast du an die GROßE Liebe? Die Schmetterlinge im Bauch sind vorbei nach so vielen Jahren. Vielleicht ist deine Erwartungshaltung zu hoch.

    Ich kenne es schon ähnlich wie du: Auch wir haben schlechte Zeiten hinter uns (Affaire meine Mannes über ein Jahr) - da kommt man nachher oft ins Grübeln, ob es nun nicht alles besser, perfekter sein muß, ob man es nicht deutlicher wieder spüren müsste. Ich habe lange immer wieder mit mir gerungen - bleiben oder gehen? Mittlerweile denke ich so: Momentan fühlt es sich gut an, daß ich weiter hier bin (natürlich gibt es zwischendurch mal weniger gute Tage), aber wenn ich mir nun vorstelle alleine weiter zu machen - ich glaube ich daß ich dadurch für mich etwas "gewinnen" würde und wenn ich das starke Gefühl habe, es nicht mehr auszuhalten, in seiner Gegenwart krank zu werden.... dann kann ich immer noch gehen.

    Wir haben wohl beide etwas gemeinsam: Erfahrungen gemacht zu haben, die wir uns nicht wünschten aber von nun an gehören diese dazu zu unserem Leben, egal ob hier oder anderswo.

    LG

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