Alles viel zu schnell

    • (1) 08.03.17 - 14:48

      Hallo Ihr Lieben,

      ich lese regelmäßig still bei Euch mit und nun schreibe ich selbst was.

      Mein Mann und ich sind knapp 10 Jahre zusammen. Aus der Beziehung sind 2 gemeinsame Kinder entstanden. In die Beziehung habe ich eine Tochter mitgebracht.

      Das was wir haben, hat den Namen Ehe schon lange nicht mehr verdient. Letztes Jahr Frühjahr stand bereits mein Entschluss fest zu gehen, doch das umsetzen hat noch eine Weile gebraucht. Es lief schon lange nichts mehr zwischen uns und seine narzistitischen Züge wurden immer extremer. Sobald man nicht seiner meine war, hat er mich und meine Große in Grund und Boden gebrüllt. Wenn er sauer ist, rollt er los wie eine Dampfwalze, schreit rum und kennt kein Ende. Ich konnte dies jahrelang ertragen, schließlich hatte er es nur mit mir gemacht. Und eine Familie gibt man schließlich nicht so schnell auf. Zudem dachte ich, dass eh nur körperliche Gewalt zählt. Die Narben und Wunden die er mir zugefügt hatte, waren ja nur innerlich. Doch dann fing er an, auch meine Große anzuschreien. Es gab viele unschöne Situationen und mein Entschluss zu gehen verfestigte sich immer mehr.

      Im Spätsommer letzten Jahre passierte dann, was passieren musste. Ich habe mich verliebt. Der Mann ist das absolute Gegenteil von meinem Mann. Egoismus ist ein Fremdwort für ihn, er ist ruhig, geduldig, darauf bedacht, dass es mir gut geht. Das Ganze wurde zu einer Art Brandbeschleuniger für die Ehe und Ende des Jahres stand fest: ICH MUSS HIER RAUS.

      Und damit begann mein Unglück. Wir haben uns zusammen eine Wohnung gesucht. Ich war der festen Überzeugung, dass das klappen würde. Er kannte die Kinder, sie mochten ihn, wir wollten zusammen sein, nicht mehr die mehrere Hundert KM dazwischen.

      Tja. Nichts war gut. Wir sind zusammengezogen, eine absolute Traumwohnung. Aber: Mein Mann akzeptiert die Trennung nicht. Er weiß allerdings auch nicht, dass es da einen anderen gibt. Er denkt es wäre eine Zweck-WG auf Zeit und duldet dies. Die Kinder mögen den neuen Partner sehr, gehen offen auf ihn zu. Aber ich kann das alles nicht.

      Jahrelang habe ich daheim das Leben mit den Kindern allein organisiert, nur dafür gelebt, neben meinem Job den Kindern gerecht zu werden, auszugleichen, was der Papa zu wenig gemacht hatte, für Frieden zu sorgen (also Konfrontationen mit meinem Mann aus dem Weg zu gehen).

      Es könnte alles so schön sein. Aber ich ertrage es nicht, mit meinem neuen Partner und den Kindern unter einem Dach zu leben. Ich wünsche mir ein Leben allein mit den Kindern, mein Partner eine Wohnung in der Nähe und dann das ganze langsam aufbauen. Es erdrückt mich. Ich habe nicht verarbeitet, was in der Ehe passiert ist und diese Zeit brauche ich. Man glaubt gar nicht, was sowas anrichten kann.

      Jeden Tag muss ich aktuell weitreichende Entscheidungen treffen. Sei es die Schulwahl, Betreuung, Kindergarten, Jobwechsel (mir wurde ein Traumjob angeboten). Ich habe nicht den Kopf und die Nerven, mir bei alle dem hier eine neue Familie aufzubauen.

      Mein Partner ist wirklich toll. Er hat alles, was ich mir wünsche. Wäre ich geschieden, ich wrüde ihn vom Fleck weg heiraten und mag auch nie wieder ohne ihn sein. Aber es geht einfach aktuell nicht unter einem Dach.

      Es ist nun so, dass er momentan auf Geschäftsreise ist. Ich bin so froh hier mit den Kindern allein zu sein. Das ist nahezu befreiend.

      Aber das kann es doch nicht sein. Wo sind die Gefühle hin, die positiven GEdanken.

      Man muss dazu sagen, dass mein Mann wenigstens 3mal täglich mit den Kindern sprechen will. Es sieht sie fast jedes Wochenende, auch wenn wir inzwischen knapp 400 km entfernt wohnen. Ich kriege dort den Abstand nicht hin, weil ich mich nicht traue, dies durchzusetzen. Es ist weder Unterhalt berechnet (ich hoffe auf sein Wohlwollen wenigstens für die Kinder regelmäßig zu zahlen), die Steuerklasse nicht gewechselt. Ich weiß, wenn erst mal die Anwälte loslegen, wird seine Wut ins unermessliche steigen. Ich habe seine erste Scheidung miterlebt und bei mir wird es sicher noch schlimmer werden.

      Ich weiß nicht weiter, werde morgen mit meinem Partner sprechen. Wie gerne würde ich dem Ganzen Zeit geben. Doch diese Problematik ist, seit wir hier wohnen. Seit 2 Monaten und es schreit in mir. Aber die Angst ihn komplett zu verlieren wird auch lauter. Und nein... ich bin keine 20 mehr, sondern Anfang 40.

      Könnt ihr mir ein paar Denkansätze geben? Danke

      • (2) 08.03.17 - 15:03

        hallo,

        kann es sein, dass der neue Partner mehr die Türklinke für den Absprung war?
        Zeiht doch noch mal um in eigene vier Wände und gib dir dann die Zeit und den Raum, zu schauen, was du wirklich willst.

        hast du dort einen job und bist einigermaßen unabhängig?

        lg

        • Als Türklinke für den Absprung habe ich ihn nicht gesehen u sehe ihn auch jetzt nicht so. Die Gefühle waren so intensiv.

          Doch jetzt werde ich von der Nähe erdrückt, kann vor den Kindern u meinem Mann nicht zu der neuen Beziehung stehen aus purer Angst vor der Wut meines Mannes (meine Große weiß jedoch bescheid u mag ihn total, die Kleineren (7\5) akzeptieren ihn.

          Mein Partner drängt nicht, versucht aber einen Weg vorzugeben, zu ebnen. Aber das wirkt auch wie eine Zwangsjacke.

          Seit gut 1 Woche gehe ich total auf Abstand, weiche aus u in mir steigt immer mehr der Gedanke au: Wir brauchen 2 Wohnungen.

          Ich habe einen festen Job, einen noch besser bezahlten Job ab Sommer, das Kindergeld. Ich bin nicht komplett von meinem Mann abhängig.

          • (4) 08.03.17 - 15:15

            ihr könnt doch die Beziehung auch erst mal weiterleben und trotzdem eine zeitlang in zwei Wohnungen leben, oder? das würde euch vermutlich nur gut tun...

            dann musst du vor deinem ex-Mann auch nicht alles ausbreiten...

            oder?

      Du bist sehr vernünftig. Du hast gemerkt, dass Dein aktueller Partner ein Sprungbrett ist (zumindest zum Teil) und Du erst einmal Deine wohl stressig werdende Scheidung hinter Dich bringen musst. Du brauchst Raum für Dich, zum Verarbeiten und Dich wieder zu finden. Das hat nichts mit Deinem Partner zu tun, wird ihn aber treffen, wenn Du Dich nicht zurück ziehen kannst.

      Rede morgen mit ihm, ganz ruhig und schildere ihm Deine Gefühle. Sag ihm erst einmal noch nicht, dass Du Dich räumlich anders orientieren willst, sondern nur, was Du alles fühlst. Vielleicht schlägt er dann selbst mehr Abstand vor?

      • Ich habe ihn nicht als Sprungbrett gesehen, weil ich eh gehen wollte. Aber erst im Sommer. Nur das mit ihm, die intensiven Gefühle, der Wunsch zusammen zu sein, das friedliche respektvolle Leben mit ihm hat alles so beschleunigt u die Ehe unerträglich gemacht.

        Ich musste da raus - sofort.

        Ich will ihn auch nicht verlieren. Er ist der wunderbarste Mensch, den ich in den letzten Jahren kennengelernt habe. Aber ich brauche Raum u Zeit. Für mich und die Kinder gemeinsam, für mich allein, für ihn u mich gemeinsam, für ihn die Kinder u mich gemeinsam.

        • Ich hab das schon richtig verstanden. Du hattest Dich verliebt und warst überzeugt davon, dass es richtig ist, sofort zusammen zu ziehen. Dann hast Du aber gemerkt, dass es nicht mehr funktioniert und jetzt brauchst Du mehr Abstand.

          Es gibt genug Beziehungen, die so entstehen und nur Monate oder wenige Jahre halten. Genau aus dem Grund - sie sind zu schnell zu eng geworden. D.h. räumlicher Abstand kann Euch jetzt helfen, eine stabile und dauerhafte Beziehung aufzubauen.

          Aber ich finde, da sollte man ihn eben langsam heran führen, es ist ja doch ein Rückschritt. Ich würde ihm heute noch nicht sagen, dass Du getrennt wohnen willst, nur Deine aktuelle Situation und die Gefühle beschreiben.

    Hallo

    ich kann mich sehr gut in deine Situation hinein versetzen, weil ich mal in der selben war.
    War es vorher schon schlimm, wurde es nach der Trennung noch mal viel schlimmer.
    Die Kinder und ich kamen nicht zur Ruhe. Viele Gerichtliche Auseinandersetzungen, Telefonterror, Klingelterror...wir sind sogar zwei mal umgezogen, haben den Abstand vergrößert ( soweit gerichtlich zugelassen ).
    In dieser Zeit hätte ich beim besten Willen keine Beziehung führen können.
    Ich wollte auch keine.
    Ich habe mehr als zwei Jahre meine Wunden geleckt.
    Außerdem kämpfte ich an allen Fronten um meine Kinder.
    Nach drei Jahren habe ich dann meinen Mann kennengelernt.Wir sind allerdings erst nach weiteren zweieinhalb Jahren zusammengezogen.Selbst nach drei Jahren hatte ich noch eine Menge aufzuarbeiten ( mit fachlicher Hilfe ). Wenn man mit einem Narzisten verheiratet war, muss man sich erst mal wieder aufrichten, bevor man eine neue Beziehung aufbauen kann.
    So habe ich das erlebt.

    Getrennte Wohnungen wären in deiner Situation und den bald folgenden Auseinandersetzungen ( er bekommt es raus über kurz oder lang )wirklich das beste.

    Alles Gute.Irgendwann ist der Spuk vorbei.

    L.G.

    • Es ist gut jemanden zu "treffen", der verstehen kann was es bedeutet mit einem Narzisten zusammen gewesen zu sein. Es kostet extrem viel Kraft währenddessen, aber danach noch viel mehr. Ich habe die letzten Wochen schon oft gedacht, dass ich mit meinem Weggang nix gewonnen habe. Aber sicher ändert sich das mit der Zeit.

      Die Kraft die ich immer noch in das Alte investiere, fehlt für das Neue. Daher auch die Sehnsucht nach Raum u Zeit. Ich denke gerne u wehmütig an die Tage zurück, an denen wir Zeit alleine für uns hatten, noch bevor wir zusammengezogen sind. Dabei habe ich wohl in weiser Voraussicht gesagt, dass diese Zeit wenig mit der Realität zu tun hatte.

      Mein Partner ist mir sehr wichtig, aber auch nach dem lesen der Antworten hier, denke ich, dass 2 Wohnungen die einzige Chance für uns sind. Danke an Euch!

Hallo!

Wenn Dein neuer Partner wirklich so ein toller Mensch ist, wie Du ihn siehst, dann wird er Dich verstehen.

Von 0 auf 100 gleich Familie sein mit neuem Partner, das ist für Dich zu viel, für die Kinder eigentlich auch - und wenn Dein neuer Partner Sorgen wegen deinem Ex haben muss, dann ist es für ihn vielleicht auch erst mal besser, wenn er sich eine eigene Wohnung in der Nähe sucht, oder?

Also rede mit ihm, dass das nichts mit Deinen Gefühlen für ihn zu tun hat, sondern viel mehr mit den vielen alten Verletzungen und es auch den Kindern besser tun würde, wenn ihr erst mal einen Gang runter schaltet. Und er wäre dann auch sicherer vor Deinem Ex. Ich bin mir sicher, dass er es verstehen wird. Er ist ja auch kein 20jähriger grüner Junge mehr, sondern ein erwachsener Mann, der merkt, dass Du noch nicht bereit bist und die Kinder vielleicht auch erst mal was anderes zu verkraften haben.

Sicher wird es noch hart werden mit Deinem Ex, aber die Zeit steht auf Deiner Seite. irgendwann wird es ihm einfach zu zeitraubend, drei mal am Tag anzurufen und alles, und es läuft dann langsam aber sicher auf einen Alltag hinaus, der weniger Kräftezehrend ist.

Bevor Du Dich in eine neue Beziehung begibst, räum erst mal Dein altes Leben auf, dann geht es auch besser.
1. Anwalt nehmen
2. Scheidung einreichen
3.dreimal täglich mit den Kindern sprechen wollen ist Schikane. Sprich mit Deinen Kindern, dass Du ihnen den Vater nicht nehmen willst, aber Abstand brauchst. Sucht zusammen eine Regelung und diese teilt der Anwalt dann Deinem Mann mit.
4. Traumjob annehmen? Dann musst Du auch nicht um Geld betteln.
DANN erst würde ichmir eine neue Beziehung gönnen.
Du kannst keine 5 Baustellen gleichzeitig bedienen. Räum erst auf, auch Deinen Kindern zuliebe. LG Moni

  • Danke Moni!
    Eine Anwältin habe ich. Sie möchte sofort loslegen, aber ich schiebe das nun den 3. Monat. Scheidung einreichen geht ja erst nach dem Trennungsjahr. Mein Mann steht auf dem Standpunkt, dass er wannimmer er will mit den Kindern telefonieren kann. Alles über mein Handy. Wir haben noch keinen Hausanschluss. Ich habe auch bislang unsere Adresse nicht rausgegeben. Zu groß ist meine Angst, dass er trotz der Entfernung ständig da ist. Er hat aufgrund einer beruflichen Freistellung die Zeit dafür. Generell ist Angst ein großes Thema, weil er so unbeherrscht ist, wenn er wütend ist. Und er merkt es nicht, leugnet es, wenn's vorbei ist.

    Ja, besser wäre, wenn das alles geregelt wäre. Daher völlig falsche Reihenfolge....

    • Hör auf zu verschieben und Dich wegzuducken. Wie lange willst Du Dich unterm Tisch verstecken? Ich habe auch eine Scheidung erlebt, mit einem mehr als gewalttätigen Mann, der mir überall auflauerte, ich konnte nicht wegziehen. Irgendwann erfährt Dein Mann sowieso, wo Du bist, und wenn sich ein Kind verplappert. Wieviele Jahre glaubst Du hältst Du das Theater durch? Mach endlich Nägel mit Köpfen und leg die Feigheit ab. Dann erst kannst Du zu leben anfangen, vorher nicht. LG

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