Geheimnis Abtreibung

    • (1) 09.03.17 - 11:53
      30 Jahre

      Hallo,
      Ich habe gestern einen Bericht gesehen, der mich aufgewühlt hat.
      Es ging um drei Generationen von Frauen: Tochter, Mutter und Großmutter, die alle abgetrieben haben ohne je darüber zu sprechen. Durch die ungewollte Schwangerschaft der Tochter kamen sie ins Gespräch undcerzählten ihre Geschichte.

      Besonders berührt hat mich die Geschichte der Mutter : sie war mit dem 2. Kind schwanger und hat ihren Mann darüber nicht informiert, sondern für sich entschieden, dass sie kein 2. Kind möchte und hat abgetrieben.

      Warum sie kein Kind mehr wollte, wurde nicht klar in dem Beitrag. 30 Jahre lebte sie mit ihrem Geheimnis.

      Erst jetzt hat sie es ihrem Exmann erzählt.

      Warum? Er war natürlich traurig, denn er hätte gerne noch mehr Kinder gehabt.
      Nur damit sie ihr Gewissen erleichtern kann?
      Ich überlege ob das Geheimnis ihre Ehe vielleicht zerstört hat.
      Ich habe das Gleiche erlebt.

      Aber das Geheimnis nie Preis gegeben, das hätte ich meinen Mann nicht zumuten wollen.
      Ich habe auch vor mehr als 12 Jahren abgetrieben, weil ich kein 2. Kind wollte, mein Mann aber gerne noch mehr Kinder gehabt hätte. Ich war aber nach meiner Tochter so ernüchternd und frustriert vom Muttersein dass ich auf keinen Fall noch ein Kind wollte. Ich wollte meine Freiheit und Unabhängigkeit schnellstmöglich wieder zurück.

      Ich traute mich nicht das meinem Mann zu sagen, der Kinder so liebte und ich hatte Angst dass er mich verlassen würde wenn er merkt, dass ich als Mutter nicht glücklich bin.
      Ein weiteres Kind hätte mich noch mehr Krafr gekostet, zu verbergen dass mir das Mutter sein nicht liegt, dass ich mich verstellen musste um seinen Absprüchen zu genügen.

      Ich hab auf seinen Wunsch hin nicht verhütet und bin dann schwanger geworden.

      Ich weiß nicht was uch mir dabei gedacht habe .
      Ich hatte gehofft dass ich mich darauf einlassen kann wenn ich erst mal schwanger bin.
      So nach dem Motto, man wächst mit seinen Aufgaben und die Liebe zum Kind kommt dann schon.
      Als ich dann beim Arzt war, er mir sagte, dass ich in der 8.Woche bin und ich den Embryo im Ultraschall sah, wusste ich es war ein Fehler, ich hatte nicht die Kraft für noch ein Kind. Mein einziger Gedanke war: Es muss weg.
      Also ließ ich zwei Wochen später einen Abbruch machen, mein Mann hat es nie erfahren, ich ging morgens offiziell zur Arbeit und kam nachmittags ganz normal nach Hause. Da ich nicht stark blutete, hat er auch nichts bemerkt.

      Das Thema Kinder stand aber noch Jahre danach im Raum.
      Ich hab mir dann wieder die Pille besorgt, sich ohne uhm was zu sagen.
      Er hat zwar ab und zu nachgefragt warum ich nicht schwanger werde, aber er war kein Freund von medizinischen Maßnahmen.

      Er hat zum Glück nie darauf bestanden dass ich zum Arzt gehe und das abklären lasse.
      Irgendwann sagte er dann dass es ja schade sei dass wir nur ein Kind haben aber dass man die Natur halt nicht überlisten könne.

      Was nicht sein soll, soll nicht sein.
      Das war mein Glück dass er da nie nachgehakt hat.
      Meine Tochter fragte mich letztens warum sie keine Geschwister hat, da hab ich auch gelogen und gesagt dass es einfach nicht mehr geklappt hat .
      Diese Lügen sind das Schlimme, die Abtreibung bereue ich nicht, ich hätte das Kind nie annehmen können.
      Aber die Lügen die ich schon so lange mit mir rum trage, die sind wie ein Geschwür das sich durch mein Leben frisst.

      Damit muss ich jetzt leben denn das Geheimnis zu lüften würde nur alles kaputt machen und meinen Mann und meine Tochter sehr verletzen.
      Ich frage mich trotzdem, was richtig ist, reden wie die Frau in dem Beitrag oder schweigen?

      • (2) 09.03.17 - 12:00

        es sind vermutlich immer sehr individuelle Gründe, weswegen jemand diese Handlungsschritte unternimmt und darüber spricht - oder eben sich dagegen entscheidet.

        darf ich fragen, warum du mit deinem Mann nicht darüber sprechen konntest/wolltest, dass du gar nicht mehr Kinder haben willst?

        Hier gibt es kein richtig oder falsch, daß muss Jeder Einzelne mit sich und seinem Gewissen ausmachen. Der Eine kann damit leben, der Andere nicht.

        (4) 09.03.17 - 12:06
        Nur meine Meinung

        Ich finde schweigen geht in dem Fall gar nicht.

        Du hast deinen Mann quasi mit einer Lüge an dich gebunden. Du schreibst selbst er wollte noch so gerne Kinder...und du hast praktisch für ihn entschieden. Klar er hätte auch gehen können weil du "nicht schwanger wurdest" aber so einer ist er wohl nicht.

        Eine Beziehung sollte nicht auf so einer Lüge aufgebaut werden...aber gut wenn mit dem Gewissen leben kannst wird es jetzt wohl besser sein zu schweigen.

        • Und was sollte das JETZT, nach 12 Jahren noch bringen?

          Jetzt muß der Mann nicht nur damit klar kommen, dass sie ohne sein Wissen abgetrieben und dann heimlich die Pille genommen hat, sondern auch noch, dass sie ihn 12 Jahre lang angelogen hat.
          Wem soll denn mit dieser blöden Idee geholfen werden?

          • (6) 09.03.17 - 12:22

            Ich habe doch geschrieben das es jetzt wohl besser ist zu schweigen, wenn sie damit leben kann.

            Natürlich wäre jetzt niemanden geholfen, trotzdem ist diese Beziehung in meinen Augen auf einem fauligen Fundament.

        >> Klar er hätte auch gehen können weil du "nicht schwanger wurdest" aber so einer ist er wohl nicht.<<
        scheint einer zu sein, der sich nicht groß artig mit dem Thema Verhütung, Empfängnis und Schwangerschaft etc. beschäftigt. Kommt so egal rüber, wünscht sich noch ein Kind, aber außer zu poppen trägt er nichts zur Sache bei.

        Ist so mein Eindruck

        • (8) 09.03.17 - 12:20

          Ich bin mir immer unsicher ob sich ein Mann unbedingt mit Verhütung, Empfängnis oder so weiter unbedingt auskennen muss bzw sich damit beschäftigen. Er hat ihr halt vertraut das sie die Verhütung lässt und der Rest ist ja Sache der Natur.

          Mein Mann hat damals auch keine Gedanken über meinen Zyklus verloren....klar war wir wollten beide ein Kind aber nur wenn es natürlich klappt. Wenn ich heimlich weiter die Pille, 3-Monats-Spritze oder ähnliches genommen hätte denke ich nicht das er es gemerkt hätte. Wie auch? Ist für mich kein Desinteresse sondern einfach vertrauen.

          • Vertrauen od. Desinteresse, es ist immer schwierig, es genau zu erkennen. Und manch mal nennt man es halt so, wie es einem besser gefällt;-)

            • (10) 09.03.17 - 13:02

              Stimmt man kann es so oder so sehen.

              Hat dein Mann/Freund denn bei der Kinderplanung so richtig aktiv mitgemacht? Ich kenne das nur so dem Forum hier das Temperatur gemessen wird, Sex nach Plan und so weiter..

              Aber kann natürlich auch daran liegen das für uns beide klar war wir wollen Kinder - aber wenn es nicht klappt nehmen wir unser Leben auch ohne an und können es genießen. Dieser übermäßige Kinderwunsch war es also in dem Sinne nicht.

    Hmmm, ziemlich traurig Deine Geschichte, und zwar für alle Beteiligten.
    Das Traurigste finde ich, dass Du eine Beziehung geführt hast, in der anscheinend so wenig gegenseitiges Verständnis füreinander da war, dass man so etwas gravierendes wie die Kinderplanung, Muttersein, Abtreibung etc. nicht offen miteinander besprechen kann.
    Was ist schlimm daran, wenn man in der Mutterrolle nicht aufgeht?
    Was ist schlimm daran, seinem Mann mitzuteilen, dass man nun doch kein 2. Kind mehr möchte? Soetwas muß man doch mit seinem Partner besprechen können!
    Und was ist schlimm daran, seinem Kind zu sagen, dass man eben kein 2. Kind gewollt hat und sich ganz bewußt für ein Einzelkind entschieden hat?
    Ich kann Deine Gedankengänge, kein 2. Kind haben zu wollen, nachvollziehen. Aber ich verstehe Deine Geheimniskrämerei nicht!

    JETZT, zu diesem Zeitpunkt, denke ich allerdings, dass Du mit dieser Lüge weiterhin leben solltest, um Deinen Mann nicht so sehr zu verletzten, wenn er erfährt, dass Du ihn all die Jahre über angelogen hast.

    Hallo

    ich habe drei Kinder und bei keinem habe ich jemals darüber nachgedacht abzutreiben.

    Allerdings würde ich es jetzt tun falls sich ein Unfall ereignen sollte. Bis vor ein paar Jahren hätte ich diese Entscheidung allein für mich gefällt weil mein Mann das nicht mitgetragen hätte und ich hätte niemals darüber gesprochen.

    Mittlerweile hat mein Mann auch seine Einstellungen geändert und ich müsste im Falle eines Falles diese Last nicht allein tragen.

    Das du die Abtreibung verschwiegen hast ist deine Sache. Aber das du nie klar gesagt hast das du keine weiteren Kinder willst ist unfair das bringt dich in meinen Augen in die schwierigere Position. Weil das ist ja die größere Lüge. Da niemand was von der Schwangerschaft wußte tut das außer dir selbst niemand weh die Lügerei schon denn die frisst dich auf. Du kannst nicht zu dir selbst stehen und jetzt nach all den Jahren mit der Wahrheit rausrücken ist schon fast zu hart. Du musst mir dir selber ins Reine kommen damit dich das nicht weiter auffrisst.

    LG
    Corinna

    (14) 09.03.17 - 12:37

    Hallo, ich weiß nicht wie alt deine Tochter ist, aber ich finde es ganz wichtig darüber zu reden....für dich selber, denn du sagst ja, das es dich auffrißt.
    Ich schreibe mal die Geschichte meiner Mutter und wie sher es auch unsere Beziehung betroffen hat. Nach ihrer "Beichte" war alles so klar, auch für mich, erst danach konnten wir Frieden schließen.
    Meine Mutter hat auch abgetrieben, ich war gerade in der Grundschule. Damals ist sie noch nach Holland gefahren, mein Vater wusste Bescheid...auch er hätte sich über ein weiteres Kind gefreut, hat aber akzeptiert, das sie sich kein weiteres zutraut.

    Der Krebs hatte meine Mutter fest im Griff, sie war austherapiert und wartete auf ihren Tod. Wir saßen am Tisch und kamen allgemein auf das Thema Abtreibung. Meine Nichte polterte los, das Abtreibung Mord sei. Ich hielt dagegen. Eine typische Grundsatzdiskussion. Meine Mutter sagte nicht viel. Plötzlich schaute sie meine Nichte an und sagte: "Na, das Essen einer Mörderin schmeckt dir aber ganz gut, oder?" Es kam wie aus dem Nichts und ich brauchte wirklich um zu kapieren was sie da eigentlich sagte. Meine Nichte wurde ganz still. Ich fragte nur "Wann?". Nach ihrer Antwort fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich konnte mich genau an die Zeit erinnern, das meine Mutter weg war und völlig verändert wieder kam. Ab dem Zeitpunkt wurde sie irgendwie gefühlskalt mir gegenüber. Natürlich ahbe ich das als Kind gespürt, nur worum es ging wusste ich nicht. Es hat unsere ganze Beziehung verändert. Meine Mutter dachte immer, sie hätte alles im Griff, ihre Gefühle...niemand merkt etwas. Unser angespanntes Verhältnis schob sie auf die spätere Teeniezeit. Ich lief jahrelang mit dem Gedanken durch die Gegend, das sie mich nicht lieb hat und habe mich natürlich so verhalten. Sie selber hat ihre Veränderung nicht wirklich wahr genommen, nicht wahrhaben wolllen. Ich wusste nur, das sie für ihr Alter (und die Zeit) was Abtreibung generell anging, sehr modern eingestellt war.

    Das sie darüber gesprochen hat, hat unsere Beziehung befreit....gerne hätte ich es 20 Jahre früher gehört, es hätte so viel geändert. Meine Mutter dachte nie, das alles damit zusammenhängt. Erst durch unsere Gespräche darüber wurde es ihr/uns so richtig bewußt.

    Sie kannte schon viele Jahre meine persönliche Einstellung zum Thema, das ich keine Frau dafür verurteilen würde, niemals. Das es garantiert keine einfache Entscheidung ist. Es hat sie anscheinend doch so belastet, das sie kurz vor ihrem Tod noch darüber sprechen musste.

    Keine Abtreibungsgeschichte ist gleich, das weiß ich. Ich bin ganz klar pro Reden, mit wem auch immer. Durch deine Lügen stellst du dich selber an die Wand....dafür gibt es keinen Grund. Bei aller Liebe zu Kindern, ich kann mir nicht vorstellen, das dein Mann nicht verstanden hätte, das du dir kein weiteres Kind zutraust. Ich denke viel mehr, das du nicht reden möchtest, weil in dir drin eine Abtreibung etwas schlechtes ist, etwas das man still und heimlich erledigt. Bitte sprich mit jemandem, es gibt bestimmt Anlaufstellen.

    Deine Geschichte ist komplexer...aber grundsätzlich sollte das Thema Abtreibung endlich etwas sein, worüber Frau offen sprechen kann. Denn es hinterläßt Spuren, so viele unterschiedliche.

    • Wenn ich so darüber nachdenke, dann verstehe ich, warum so viele Frauen nicht darüber sprechen, zumindest nicht im Bekanntenkreis oder in der Öffentlichkeit.
      Leider ernten Frauen die abtreiben wollen oder es getan haben, noch viel zu oft Haß, Unverständnis, Anfeindungen und Unterstellungen.
      Selbst hier, in einem anonymen Forum, wo sich dann mal die eine oder andere traut, schlägt ihr so viel Haß und Beleidigungen entgegen. Selbst in schlimmsten Situationen, wo das ungeborene Kind schwerst behindert wäre oder die Frau selbst schreibt, dass sie mit einem weiteren Kind völlig überfordert wäre, selbst da holen viele noch die Moralkeule raus und dreschen auf die TE ein.
      Ich finde das schlimm, erst Recht, weil wir doch in einem aufgeklärten demokratischen Rechtsstaat leben, wo Abtreibung (egal aus welchen Gründen) legal ist.

      Deine Geschichte hat mich sehr berührt. Schön, dass Du sie hier aufgeschrieben hast!

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