Erfahrung mit relativ jungen Parkinson-Erkrankten?

    • (1) 15.04.17 - 20:51
      HeuteMalRatlos

      Hallo,

      ich weiß nicht, ob ich hier 100%ig richtig bin, aber da ich mit dem Thema selbst noch nicht ganz im Reinen bin, möchte ich gern in schwarz schreiben.

      Die grobe Frage steht eigentlich schon oben. Wir sind Mitte / Ende 40, haben ein Kind, dass noch kein Jahr ist (ungeplant) und seit wenigen Wochen die Diagnose Parkinson. Leider schon mit solchen Einschränkungen, dass mein Partner z. B. nicht mehr in seinem bisherigen Job arbeiten oder sich eine Stunde allein um unser Kind kümmern kann. Eigentlich ist das Wort "Partner" schon gar nicht mehr richtig, denn er hat mich seit Anfang der Beziehung belogen und in der Schwangerschaft auch betrogen. Die Details dazu würden den Rahmen sprengen und sind auch gar nicht das Thema. Fakt ist, dass er bereits seit ca. 10 Jahren erkrankt ist. In diesem Zusammenhang (Dopaminmangel auf Grund Parkinson) besteht schon seit längerem eine Depression, die er auch mit Gesprächstherapie behandeln ließ - natürlich ohne Erfolg. Ich habe immer versucht, ihn zu unterstützen, da ich selbst Erfahrung mit dem Thema Depression habe.

      Inzwischen bin ich aber durch sein Verhalten in den letzten 1,5 Jahren so tief verletzt, dass meine Gefühle komplett verschwunden sind - auch wenn er möglicherweise gar nicht bewusst etwas dafür konnte, sondern es Ausdruck der Erkrankung war. Leider verdrängt er die Tatsache, dass ich nach dem Fremdgehen unser gemeinsames Leben schon vor der Geburt auf das Elternsein für unsere Tochter beschränkt habe und ich weiß nicht, wie ich die Trennung jetzt gestalten soll. Ich fühle mich nicht mehr moralisch verpflichtet, bei ihm zu bleiben. Ich möchte einen Partner an meiner Seite, der genau das sein kann - und keinen Pflegefall. Ich möchte eine unbeschwerte Kindheit für meine Tochter, aktive Urlaube, einen Papa, der mit ihr rumtollt, mit ihr Ski fahren lernt, auch mal den Hausaufgaben hilft und und und und ...

      Hat Jemand hier Erfahrung, wie so kleine Kinder mit einem Elternteil mit dieser Diagnose aufwachsen? Wo könnte ich mich beraten lassen? Fühle mich gerade etwas hilflos und vollkommen überfordert, zumal ich ohne Vorankündigung seit einigen Wochen durch einen Klinikaufenthalt ihres Vaters mit meiner Tochter allein bin. Leider war die durch ihn zugesicherte Kinderbetreuung auch wieder nur gelogen, weswegen ich meine Tochter zwangsläufig zunächst mit ins Büro nehmen musste (da ich Hauptverdienerin bin, war er in EZ).

      Und bin ich egoistisch, wenn ich meine Zukunftsträume (fröhliche Familie, erfüllte Partnerschaft (auch sexuell), eigenes Zuhause, Selbstständigkeit etc.) nicht begraben möchte, nur weil er unheilbar krank ist?

      Ich hoffe, es ist trotz der Kürze verständlich und bin gespannt auf Antworten. Wer noch Fragen hat - einfach fragen.

      Danke.

      • Ich finde es schwierig da etwas raten zu wollen.

        Gefühle: Liebesgefühle verschwinden ja in jeder Beziehung irgendwann, wenn die anfängliche Projektionsphase abklingt und man "die andere Seite" des Partners kennenlernt, die man bisher ausgeblendet hatte. Das ist also normal. Aber sollte man dann auch die Beziehung in die Tonne werfen, obwohl man sich über das gemeinsame Kind ja doch schon lebenslang an den anderen gebunden hat?

        Unheilbar krank: das sagt die Schulmedizin. Ich würde nicht aufgeben, andere Dinge probieren, alternative Methoden. Es gab viele unheilbar Kranke, die wieder gesund wurden - dafür hat die Schulmedizin dann keine Erklärung.

        Verletzungen: das bedarf einer Klärung. Hier kannst du dir therapeutische Unterstützung holen.

        Zukunftswünsche: wir alles wünschen uns eine heile, unbeschwerte Zukunft mit dem idealen Partner zur Seite. Aber wenn es eben anders ist? Die Dinge sind wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. Der Unterschied ist - was mache ich draus?

        Versetz dich mal umkehrt in die Rolle des "unheilbar Kranken". Hätte es dich getroffen, würdest du es gut finden, wenn dein Partner dich für eine gesunde Frau die ihm eine Perspektive bietet, sitzen läßt. Und für dich bleibt nichts als die Aussicht auf Rollstuhl und Pflegeheim?

        • (3) 15.04.17 - 21:42

          Schön, dass Du Dir die Zeit zum antworten genommen hast. Leider hast Du weder meinen Beitrag richtig gelesen, noch Erfahrung mit Parkinson.

          • Wir hatten einen Parkinson Kranken in der Familie, er ist leider kürzlich verstorben. Er war aber nicht mehr so jung, sondern 70+

            Deinen Beitrag habe ich durchaus richtig gelesen.

            Tut mir leid, wenn es dich nicht angesprochen hat.

            • Die TE erwartet vermutlich antworten wie: "Absolut verständlich, dass du deinen Partner verlassen willst, weil du dir deine Erwartungen von einem schönen Leben nicht von einem Kranken versauen lassen willst."

                • Nein, ich kenne die TE nicht, aber die Fragestellung lässt die Erwartung doch vermuten :

                  >>>Und bin ich egoistisch, wenn ich meine Zukunftsträume (fröhliche Familie, erfüllte Partnerschaft (auch sexuell), eigenes Zuhause, Selbstständigkeit etc.) nicht begraben möchte, nur weil er unheilbar krank ist?<<<

                  • (8) 15.04.17 - 22:25
                    HeuteMalRatlos

                    Schade, dass heute offenbar niemand richtig lesen kann. Ich habe nach Erfahrungen gefragt, besonders wie es für so kleine Kinder ist. Und nach Beratungsstellen. Aber wenn mein Beitrag lediglich mit dem einen Absatz dazu benutzt wird, altbekannte Klischees zu befeuern, dann ist es eben so. Ich bin ehrlich gesagt zu erschöpft, um mich über solche Beiträge zu ärgern. Oder mich weiter zu erklären.

                    • Ich konnte auf die ersten beiden Fragen nicht antworten, weil ich dieses Schicksal nicht habe. Du hattest geschrieben "freue mich auf Antworten". Da hätte ich mehr Offenheit vermutet.

                      Beraten lassen kannst du dich immer bei der Caritas Beratungstelle.

                      Auf die dritte Frage bin ich eingegangen: ist es egoistisch...? Aber nicht mit einer platten ja/nein Antwort, sondern ganz sensibel. Wie würdest du es finden, wenn dir dasselbe als krankem Teil passieren würde?

                      • (10) 15.04.17 - 22:51

                        Gut, dann werde ich ausnahmsweise noch mal auf den letzten Teil antworten, auch wenn es alles zu lesen ist - ich habe die Trennung vor über einem Jahr ausgesprochen, als die Krankheit noch gar kein Thema war (siehe auch meine Antwort weiter unten) - insofern ist Deine Frage irrelevant, wie ich mich fühlen würde, wenn ich als Kranke verlassen würde.

                        • Gut, ich fasse mal zusammen, was an Fixpunkten aus den Texten zu entnehmen war.

                          vor 10 Jahren: Beginn der Erkrankung
                          vor x Jahren: Beginn eurer Beziehung
                          vor ca. 1,5 Jahren: gemeinsames Kind wurde gezeugt, Fremdgehen und Lügen durch Partner
                          -1,5 J …. vor Geburt: Beziehung beendet, Wohngemeinschaft beibehalten
                          vor < 1 Jahr: Tochter wurde geboren
                          vor wenigen Wochen: Diagnose Parkinson, Vater in psychiatrischer Klinik

                          Ich weiß ja nicht wie lange ihr vorher schon zusammen wart, bis ihr das Kind gezeugt habt. Hast du damals nichts von seiner Erkrankung bemerkt die schon vor 10 J begann?

                          Ihr habt die "Beziehung" stufenweise beendet, indem ihr eure Beziehung in Form einer WG weiter geführt habt, mit der Aussicht auf eine Zweckgemeinschaft. Diese Zweckgemeinschaft erfüllt nun ihren Zweck nicht mehr (gemeinsame Kinderbetreuung) und ist damit geplatzt. Dann muss er eben ausziehen.

              Wenn man von einem Partner belogen und betrogen wird dann ist es sicherlich menschlich das man keine Lust hat wegen SO einem sein Leben einzuschränken. Sie liebt ihn nicht mehr, er sie offenbar auch nicht. Aber man kann natürlich auch so tun als hätte man einen Heiligenschein.

      Dann hätte er sie vielleicht nicht nur belügen und betrügen dürfen. Das sie nun keine Lust hat ihr Leben wegen so einem einzuschränken ist sicherlich menschlich.

(14) 15.04.17 - 21:39

Ist zinnamon wieder auferstanden?

(15) 15.04.17 - 21:56

Ich schreib's mal so wie ich es verstanden habe: schon vor der Geburt der Tochter hast du ihn nicht mehr geliebt, weil er dein Vertrauen missbraucht hatte. Du hast trotzdem alles so weiter laufen lassen, weil er 1. als Vater mit der Kleinen toben und Ski fahren sollte und 2. als Kinderbetreuung dir beruflich den Rücken frei halten sollte. Jetzt ist er schwer erkrankt und kann diese Rolle nicht ausfüllen, deshalb willst du ihn verlassen.

Ich finde das klingt hammerhart, bin aber selber krank und da vielleicht befangen. Es gibt keinen Anspruch auf ein leichtes Leben und ein Schicksalsschlag kann jeden treffen.
Auf der anderen Seite: wenn eine Beziehung zu Ende ist ist das so.

Ihr habt (sofern gesetzlich KV-versichert) Anspruch auf eine Dorfhelferin, wenn der kinderversorgende Partner im Krankenhaus ist.

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