Scheidung

    • (1) 20.05.17 - 11:24
      Überrumpelt

      Hallo,

      mein Mann und ich führen schon immer eine Fernbeziehung aufgrund unserer Arbeitsstellen und weil es uns einfach nicht gelungen ist, in der jeweils anderen Stadt einen vergleichbaren Job zu finden. Geheiratet haben wir trotzdem, weil es einfach gepasst hat.

      Da wir beide ziemliche Hitzköpfe sind, streiten wir schnell und heftig, aber danach ist es dann auch wieder gut. Am Jahresanfang gab es aber einen Vorfall, der noch nachwirkt. Er hat in einem Anfall von Wut fast unser gesamtes gemeinsames Freundschaftsnetzwerk zerlegt. Ich war nicht bereit, das hinzunehmen, zumal er auch einfach im Unrecht gewesen ist. Ich habe gemacht, getan, geschlichtet - auf allen Seiten. Und so reden auch alle noch miteinander. Der bittere Nachgeschmack ist aber noch spürbar.

      Wir haben für den Sommer eine Urlaubsreise mit anderen Freunden geplant und als das Thema zum ersten Mal angesprochen wurde, hat er mich nebenbei wissen lassen, dass er seinen gesamten Jahresurlaub bereits im Dezember verplant hat - ohne Absprache mit mir. Natürlich hab ich ihm gesagt, dass das für mich so nicht ok ist und ich schließlich auch Absprachen mit meinen Kollegen treffen muss. Das hat er aber abgewiegelt so nach dem Motto "Du hättest ja von dir aus sagen können, wann du gemeinsamen Urlaub möchtest".

      Und gestern dann mitten im Geplauder am Telefon, sagt er mir, er möchte sich scheiden lassen. Einfach so aus heiterem Himmel. Er war sogar schon beim Anwalt für eine Rechtsberatung. Mehr allerdings noch nicht.

      Ich fühle mich gerade irgendwie verarscht und auch angelogen. Mir war bewußt, dass ihm irgendetwas nicht passt. Daher auch der Alleingang mit dem Urlaub. Noch schlimmer ist aber das Gefühl, allein gelassen zu werden. Seit 11 Jahren ist er an meiner Seite und war immer ehrlich zu mir. Er hat sich verändert in der Zeit (psychisch angeschlagen), ich mich aber sicher auch. Das ist ja normal. Dennoch war da von meiner Seite nie das Gefühl, das wir uns auseinander gelebt haben. Ich hab zu ihm gehalten, selbst als er durch die Erkrankung nahezu unerträglich war. Er ist mein Mann. Ich liebe ihn.

      Eigentlich bin ich ein Stehaufmännchen. Aber jetzt mag ich gerade nicht mehr. Ich hab einfach genug #heul

      Überrumpelt

      • "Ich fühle mich gerade irgendwie verarscht und auch angelogen"

        Das ginge mir genauso. Puuuh, das muss man erstmal sacken lassen, besonders wenn man einen Mann auch noch durch eine schwere Krankheit begleitet hat. Ich kann das nachfühlen, weil mein Mann ja auch mehrfach schwer krank war. Hätte er mir danach die Scheidung eröffnet, ich wäre wahrscheinlich zuerst ins Bodenlose gefallen, dann hochgekrabbelt und hätte ihm dann den Hals umgedreht.
        (Bevor gleich jemand lospoltert - NATÜRLICH nur bildlich gesehen #cool)

        "Er hat in einem Anfall von Wut fast unser gesamtes gemeinsames Freundschaftsnetzwerk zerlegt"
        Darf ich fragen, was ich mir darunter vorzustellen habe? Normalerweise haben sich gute Freunde aus Ehezwisten herauszuhalten.....?!?!?

        Lass es erstmal sacken, ich würde auch nicht groß zu diskutieren anfangen - sondern ihn erst in ein paar Tagen fragen, wie er sich das nun alles vorstellt - und was der Scheidungsgrund sein soll.
        LG Moni

        • (3) 20.05.17 - 11:38

          Klar darfst du.

          Es ging dabei um einen Vorfall im Freundeskreis, der mit unserer Beziehung nichts zu tun hatte. Allerdings hätten wir beide keine Freunde mehr, wenn ich nicht geschlichtet hätte. Und er ist der Ansicht, ich hätte ihn unterstützen müssen. Jeder Hinweis darauf, dass er sich total verrannt hat und nicht die anderen, lief ins Leere.

          Ins Bodenlose fallen - da bin ich gerade noch dabei.

          • Das würde ich ihm auch so sagen. Depression ist ohne Zweifel schlimm (habe es im eigenen Freundeskreis über Jahre auch mal miterlebt ) aber wenn ich das richtig interpretiere, hat er im Moment nicht gerade einen Tiefpunkt....und hat somit auch nicht das Recht (wenn er das überhaupt hat) mit Dir so umzugehen. Da ist schnellstens ein persönliches Gespräch nötig, das ist er Dir aber sowas von schuldig. LG

      Ist seine Erkrankung denn erledigt oder austherapiert?
      Wenn jemand psychisch krank ist, verändert er sich eben oft und ich hätte ehrlich gesagt ein Problem damit, plötzlich mit einem ganz anderen Menschen zu tun zu haben. Vorübergehend sicherlich erträglich, aber alles was dauerhaft eine Wesensveränderung nach sich zieht (Drogen, Alkohol, div. Arten von psychischen Erkrankungen), wären für mich nicht mehr lesbar - Liebe hin oder her. Irgendwann muss man vielleicht einfach egoistisch an sich selbst denken.

      Ohne jetzt die Hintergründe zu kennen, hört es sich so an, als wenn er irgendwie die Brücken zu deinem Wohnort abbrechen will. An den gemeinsamen Freunden liegt ihm nichts mehr und er hätte sie einfach aufgegeben und jetzt kommst du hinterher.

      Entweder hat er eine andere Frau in Aussicht und sich an seinem Wohnort neu orientiert oder er hat wirklich eine Macke, die sich so extrem äußert.

      • (7) 20.05.17 - 12:30

        Er sollte eigentlich ambulant therapiert werden, hat aber keinen Therapeuten mit freien Plätzen gefunden und dann einfach nichts mehr unternommen. Davor war er in einer Tagesklinik.

        Diesen Rundumschlag gegen Freunde hat er zu Beginn der Erkrankung auch gemacht. Das habe ich ihm auch gesagt, aber er hat da keine Paralellen gesehen. Unsere Freunde sind weit verteilt und nicht unmittelbar mit meinem Wohnort verbunden.

        Eine andere Frau ist nicht im Spiel. Ich habe gefragt und ich glaube ihm das auch.

        • Tja.... schwierig. Denn offensichtlich könnte er noch krank sein und deshalb merkwürdig reagieren bzw. unangemessen.
          Allerdings arbeitet er ja noch und wenn dort nichts auffällt, dass er sich extrem anders verhält und er seine Arbeit wie vorher auch erledigt, scheint es ja ein Partnerschaftsproblem zu sein.

          Und das würde ich nicht irgendwann zwischen Abendessen und Zubettgehen am Telefon erörtern. Das finde ich schon äußerst platt, so was am Telefon rauszuhauen und dir anschließend eine gute Nacht zu wünschen.

          Außerdem trägt er den Gedanken schon länger mit sich herum und hat bereits Maßnahmen ergriffen. Da wäre ich auch extrem giftig, wenn ich einfach so vor vollendete Tatsachen gestellt würde, ohne vorher mal ein Gespräch dahingehend gehabt zu haben.

          • (9) 20.05.17 - 18:12

            Er sagt, er hat den Termin erst letzte Woche vereinbart und sich auch nur beraten lassen. Scheidung eingereicht hat er noch nicht.

    Puh.. was sagt man dazu?

    Klar, daß du dir da momentan irgendwie verarscht vorkommst.

    Erstens mal, würde ich ihn um ein persönliches Gespräch bitten. Das muss nach so vielen Jahren einfach drin sein. Und da solltest du dir erst mal in Ruhe seine Beweggründe anhören. Vielleicht steckt ja eine andere FRau dahinter.

    Was war das für eine Sache im Freundeskreis. Ist ER da jemanden zu nahe getreten?
    Welche Erkrankung hatte er denn - psychisch oder körperlich? Wobei ja beides zusammenhängen kann!
    LG

    • (11) 20.05.17 - 12:35

      Er hat sich bei einer gemeinsamen Aktion mit den Freunden ungerecht behandelt gefühlt. Das ist auch von allen Seiten genauso unfair empfunden worden und wurde sofort angesprochen zwecks Klärung, aber seine Reaktion (er hat sich einen bestimmten Sündenbock ausgesucht, der nicht mal was dafür konnte) war absolut überzogen und unangemessen.

      Eine andere Frau steckt nicht dahinter. Ich habe ihn gefragt und glaube ihm auch.

      Es handelt sich um eine psychische Erkrankung und nie aufgearbeitete Erlebnisse in der Kindheit, die durch die Trennung der Eltern ausgelöst wurden.

So etwas bespricht man nicht am Telefon.

Fahr hin und rede mit ihm. Alles weitere wird sich dann ergeben....egal ob positiv oder negativ. Das bist Du ihm zwar nicht schuldig, aber Dir selbst schon !

  • (15) 20.05.17 - 12:36

    Das sehe ich genauso. Vor allem lässt man das nicht so nebenbei in eine seichte Plauderei einfliessen. Allerdings finde ich auch, dass er mir ein ordentlichen persönliches Gespräch schuldet.

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